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Dioxinskandal

Small ist beautiful (*

 

*) Zitat nach E.F. Schuhmacher (1911 - 1977, britischer Ökonom deutscher Herkunft. Außergewöhnlicher Lebenslauf - er entwickelte im letzten Lebensdrittel die "Buddhist Economics". Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Friedrich_Schumacher




Lebensmittel? Turbo-Hybrid-Tiere aus Massenhaltung bekommen nicht-artgerechte Futtermittel, worin (hier: dioxinhaltige) Industrieabfälle entsorgt werden. (Der nächste Skandal wird irgendeine andere widerliche Abfall-Entsorgung sein.)
Dies wird immer erst als Skandal thematisiert, wenn die Gifte die menschliche Nahrung erreicht haben. Die "normalen" Quälereien der Massentierhaltung reichen noch nicht aus, um eine allgemeine Aufruhr zu produzieren, die Quälereien sind in der EU wohl-reguliert.



Zur Lebensmittelsicherheit existieren Behörden, eine Bürokratie und ein Kontrollgerüst. Die Herstellerfirmen haben Auflagen zur Qualitätssicherung inklusive Analytik. Bei grenzüberschreitendem Lebensmittelverkehr potenziert sich der Aufwand. Für Lebensmittel aus kontrolliert biologischem Anbau liegt er um ein Mehrfaches darüber.



In der Regel überschreiten heute die Kosten des bürokratischen Überbaus, zusammen mit Verpackung, Logistik und Profitrate, den Wert des Lebensmittels mehrfach. Wenn wir bedenken, dass es im ursprünglichen Tauschhandel um nackte Ware ging, ist heute der Wert der Ware nur noch eine kleine Größe, aber auch eine flexible Größe: wenn die Kosten des Überbaus zunehmen, wird die Qualität der Ware gesenkt.



Um die Überbau-Kosten von Lebensmittel in Griff zu behalten, wird stark gesichert: geschönt, gestreckt mit unempfindlichem Materialien, und übersterilisert. Das Phänomen der mehrfachen Sterilisierung von Nahrung ist auch bei Bio-Lebensmitteln (bisher eher bei Massenware) zu beobachten. Unsere indischen Lieferanten für Bio-Gewürze beobachten den Trend im Westen genau und fassen sich an den Kopf - sie machen sich Gedanken um unser Immunsystem bei der toten Nahrung.



Man könnte sagen, der Lebensmittelhandel ist inzwischen eher ein Papierhandel und die Lebensmittel eine notwendige Dreingabe.
Papierhandel heißt, alle Lebensmittel-Zertifizierungssysteme, ob ISO, IFS, BRC, EG-BIO, NOP-BIO usw. basieren darauf, sich vom Vorlieferanten bescheinigen zu lassen, dass alles korrekt gelaufen ist. Damit ist versicherungstechnisch, politisch, ökologisch die Verantwortung nach hinten (oder nach vorne?) geschoben, und es muss nur noch das Vorhandensein von Zertifikatdokumenten geprüft werden -.



Kommen dann Machtgefälle, ökonomischer Druck, individuelle Schwäche, Geldgier oder gar kulturelle Unterschiede dazu, kann man sich spielfilmreife Abläufe / Skandale vorstellen.



Da Bio im Gegensatz zum Konventionellen in dieser Hinsicht nur ein paar Papiere mehr sind, keiner Zeit & Geld hat, nach der Sinnigkeit der tatsächlichen Geschichte und den Problemen zu fragen, ist der Bio-Skandal in globalen Zusammenhängen vorprogrammiert: ein Bio-Futtermittelprodukt aus ukrainischem Biogetreide mit chinesischen Nachtkerzensamen an ägyptischem Schwarzkümmeltrester, angereichert mit Ein-Euro-Bio-Brennnessel-Absiebe aus Kroatien nach Überschwemmungskatastrophe, als Pestizidschleuder.



Bio-Kleinbauern aus Übersee klagen, dass die (eurozentrierten) EU-Bio-Verordnungen nicht zu erfüllen seien - zu hoch gestochen für den provisorischen Alltag in einem armen Gebiet. Es gibt keine Lösungen für Grauzonen und Zwischenbereiche - z.B. wenn die Kamille-Ernte (wie jetzt geschehen) in die Nähe des Orientierungswertes für Bio-Produkte pestizidbelastet ist, weil ein Unwetter Boden von den umliegenden Feldern auf das Bio-Feld geflutet hat. Es war eigentlich nicht die Absicht, Bio-Bauern zu ruinieren - aber es ist so - nicht nur die Abdrift von Gentechnik ruiniert Bauern. Aktuell ist es Biphenyl - einerseits Spritzmittel, andererseits entsteht es bei vielen Vorgängen: im Rauch (Kleinbauern-Trocknung mit Holzfeuer (noch ohne Solartrockner) von Produkten), undichte Traktoren, Verwendung von recycelter Folie und Verpackungen - und ist am Schluss in den Chilischoten.



Der jetzige Dioxin-Futtermittelskandal ist nur einer von vielen - erstaunlich, wie wenig sich nach solch einem Skandal ändert. Die Kontrollsysteme werden noch größer angelegt, und die Firmen werden größer und verschachtelter, dazwischen kann man keine Schadensverursacher mehr feststellen. Die aktuellen Forderungen nach durchgängiger Kontrolle und Pflichtanalysen für alle sind nur ab einer bestimmten Betriebsgröße zu finanzieren. Kleinbetriebe schmeißen das Handtuch.



Jetzt ist der dioxinfixierte 14-Punkte-Plan für Futtermittel gebärt worden - lauter Selbstverständlichkeiten, wo unsereins dachte, das passiert schon längst. Beim nächsten Skandal tauchen die Forderungen leicht modifiziert wieder auf.



Wir alten Bio-Pioniere, schon etwas müde, haben uns in letzter Zeit überlegt, wie die jungen Generationen das Öko-Hippie-Erbe entweder weiterentwickeln, oder noch mal neu anpacken könnten. Was wäre denn jetzt neu zu gestalten? Und was wollen sie?



Ein ganz reizvoller Gedanke ist, das Wort "Vertrauen" in die Wirtschaftsabläufe zu bringen. Transparenz, klare Vernetzung von Globalität und Regionalität, Lust auf den einzelnen Menschen als Gestalter und Verantwortlichen. In Zukunft werden wir entspannt Convenience-Lebensmitteln mit nicht wesentlich mehr als 6 Zutaten einkaufen, die wir gut aussprechen können und die weder aus der Bau-, noch aus der Chemieindustrie stammen. Wir werden den Bauern vertrauen, weil es ihnen nicht mehr egal ist, was aufs Feld kommt und was ihre Tiere fressen. Wahrscheinlich werden diese guten Lebensmittel auch nicht teurer, da der Überbau abgebaut wird.



Aber vielleicht geht es ja noch eine Zeitlang gut. Mit der alten Papier-Landwirtschaft.





Heinz-Dieter Gasper, Ursula Stübner

Wir freuen uns auf Ihre Meinung - Kommentare 1
Tags: dioxin, lebensmittel, analytik, bürokratie, überbaukosten, warenwert, skandal, small is beautiful
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Bürokratie - eine sekundäre Erbsünde ...

... und die Schlacht der kleinen Leute

Aus unserem Jahresrückblick 2009:
(...) Was zugenommen hat, ist die Arbeit, konkret: die Daten-, Formular- und Informationsflut, die Schlacht mit Bürokratie und Verwaltungsanforderungen, wo wir als Kleinbetrieb am Rande dessen sind, was leistbar ist (und wir uns eigentlich lieber um unsere Ware und Produktion kümmern).
2009 machte sich die neue Verpackungsnovelle, die neue REACh (Chemikalien)-Verordnung, die neue Aromaverordnung mit ihren Active Principles, und die Nanotechnologie bemerkbar, davor war es die Verlagerung von Zollarbeiten in die Betriebe - alles, wofür man eigentlich eine Spezialausbildung braucht, sowohl die Betriebe als auch die Kunden, und was deshalb vor allem Verunsicherung mit sich bringt. Auch die Biokontrolle ist formalaufwändiger geworden. Dieses Jahr waren drei Prüfer einen ganzen Tag bei uns beschäftigt, dazu aufwändige Vor- und Nacharbeiten bezüglich Formalitäten (bis vorletztes Jahr war es nur ein Prüfer).
Übrigens (falls sich jetzt jemand wundert), die Chemikalien-Verordnung betrifft uns als Naturkosthersteller insofern, dass wir nun Bescheinigungen ausstellen müssen, dass unsere Verpackung nicht nur lebensmittelzugelassen ist, sondern auch zusätzlich versichern, dass die gefährlichen Chemikalien der REACh-Liste (die sowieso nicht lebensmittelzugelassen sind) abwesend sind (hier beginnt es, absurd zu werden) (...).

Dies hatten wir gerade geschrieben, als uns folgende Email unseres kroatischen Lieblingslieferanten Terra Magnifica erreichte:

 

Brot, Spiele und ............


Oktopus (der Krake), der unsere Welt in eiserner Umarmung hält, bedient sich mit wesentlich mehr Betäubungsmitteln als den allgemein bekannten Brot und Spiele.

In letzten 20 Jahren reden kroatische Politiker über EG-Beitritt. Ein französischer Insider schrieb, dass der gemeinsame Eintritt der ex-Jugo Staaten in EG in 2014 stattfinden wird, weil eben bekannt ist, dass der Oktopus ein passionierter Nummerologe ist und damit wird es 100 Jahre nach der Franz-Josef Assassination (der Anarcho "Princip" erschoss den österreichischen Thronfolger, was zum Anlass für den völkischen Krieg genommen wurde, später WW1 genannt) in Sarajevo zu großen Wiedervereinigung kommen. Das ist also ein Viertel des Jahrhunderts der "warm-kalt" Rede, die die Leute konfus macht und das Blindglauben ins Überleben nur mit Hilfe von Außen produziert.


Dazu kamen die wegen dem Krieg und Ende der Sozialismus interessante Themen wie Religion, Kroate-Serbe, Rot-Schwarz und alle andere Dualitäten, die genügend in Unterbewusstsein verwurzelt waren.


Plus, man konnte nach vielen Jahren die Konsumgüter frei und in der Nähe (nicht also in Triest oder Graz) kaufen und hatte dafür auch das Plastikgeld und großen Minus bekommen.


Natürlich auch die Explosion und ständiger Wechsel der Elektronik und das Infotainment (wie von Hesse im "Spiel der glaesernen Perlen" (das Glasperlenspiel) bereits vor 50 Jahren beschrieben wurde) lenken die Leute vom Sehen ständig ab. Das ist aber nicht nur für die junge Staaten wie Kroatien spezifisch.


Dann hatten wir unlängst die Presidentenwahl. Wieder eine Lüge, die Leute haben einen KEINEN gewählt (unter 50% der Wähler ging auf die Wahl) und nicht den XY. Demokratie ist wieder eine Beruhigungstablette aus der braven entwickelten Welt.
Bei Terra Magnifica, Kroatien: oben rechts: Gründer Roman Turk. Unten links: Heinz Gasper, Heuschrecke-Gründer


Am Ende das was mich schlussendlich zum Schreiben gebracht hat - wieder neue Naturschutzgesetzte aus der EG abgeschrieben und natürlich, dienen sie nicht zur Naturschutz, sondern sind für Beschäftigung neuer Birokratiekräfte gedacht, plus bringen sie viel unnötige Arbeit den betroffenen Unternehmen und bringen diese noch näher der Grenze, für irgendwelche Blödsinn bestraft werden zu können. (...)

Grüsse
Roman   




Roman Turk, Gründer von Terra Magnifica (Freund und Lieblingslieferant von Heuschrecke), ein biozertifiziertes Anbau- und Wildsammlungsprojekt für Kräuter, mittlerweile eines der größeren Kräuterexport-Unternehmen in Kroatien. Nach dem Krieg wurden die alten Sammlerstrukturen von Roman Turk wieder aufgebaut - dies die soziale Komponente: Terra Magnifica ist eine wichtige Verdienstmöglichkeit in der Nachkriegszeit für die verschiedensten Gruppen von Bauern, Flüchtlingen bis zu Kriegsversehrten, für junge und ganz alte Menschen. Zertifizierte Wildsammlung ist Landschaftspflege und dient dem Umweltschutz.

Siehe auch unser Lieferantenportrait Öffnet internen Link im aktuellen FensterTerra Magnifica 



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