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Das Jubiläum - Ein externer Bericht eines Praktikanten

Gundel in ihrem Büro
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Ferdinand, fast Maria
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Heidi im ersten Büro
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Mein kleines Büro, vorher und nachher
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Ursula in ihrem Revier
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Tom schmeißt jetzt den Warenausgang
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Manfreds "Büro"
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Teemischung - vor der Mischung
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Eine andere Perspektive auf Tom
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Messestand - vorher
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Messestand - nachher
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Ein Erfahrungsbericht mit der Heuschrecke

 

 

Nachdem ich auf den großen Platz auf dem Industriegebiet in Troisdorf-Spich angekommen war, Hausnummer 50a gefunden hatte und die kleine Klingel an der kleinen Tür der großen Halle der Firma gedrückt hatte, öffnete mir ein älterer Mann mit langen, grauen Haaren und einem langen, grauen Bart. Nun, das war keine Überraschung. Mein Onkel HeiDi ist keine Neuheit, weder für mich, noch für die meisten anderen in der Branche.
Nicht nur HeiDis Erscheinung weicht von dem Bild einer Firma ab, das man kriegt, wenn man an die große, graue Fabrikhalle von außen sieht. Betritt man das Gebäude durch die kleine Tür, kommt man in einen kleinen Raum voller Urwald-artigen Pflanzen, mit einem alten Computer, ein paar Regalen, ein paar Druckern und Faxgeräten. Man könnte sich fast zu Hause fühlen.

Ein gedanklicher Rundgang durch die Firma 


Ich wurde durch die nächste Glastür geführt und erstmal herzlichst von zwei sehr freundlichen Frauen begrüßt, Maria und Gundel (Zur Zeit wird Maria zwar von Ferdinand vertreten, aber das ist eine andere Geschichte). Zwar wird mittlerweile häufig nur noch der Vorname verwendet, aber in der Heuschrecke ist es noch eine deutlich persönlichere Atmosphäre, sodass es sich da absolut natürlich anfühlt.
Weiter durch die nächste Tür in Ursula und HeiDis Büro - ein Raum vollgestellt mit Büchern, Computern, Gewürzen, Kartons und Dingen, von denen man als Außenstehender die Bedeutung nicht versteht (wie z.B. schimmelnde Vanille in einer Plastiktüte).


(Anmerk. Heuschrecke: diese Vanille-Schimmel-Studie gibt es immer noch. Die Frage ist, wie weit es wuchert, oder ab wann es sich selbst reguliert oder wieder verschwindet.).

Als nächstes führte mich HeiDi ins Lager. Ich sah einen gelben Gabelstapler zwischen den Regalen rumfahren, überall standen Paletten herum, die Regale waren voll und es roch (und riecht) nach einer wilden Gewürzmischung mit Tee - klingt eigentlich ziemlich lecker. Nach und nach wurden mir die Mitarbeiter vorgestellt: die Gewürzfrauen Brigitte, Brunhilde, Christina, Heidi (ohoh), wie sie im ersten kleinen Raum sitzen und gerade verschiedene Gewürze abfüllen und die Teefrauen Ira und Lydia (keine klare Trennung), wie sie an einer alten Maschine sitzen, die viel Lärm macht und langsam Tee bewegt. Ehrlich gesagt, als ich die Frauentruppe das erste Mal sah, wusste ich nicht so recht was ich sagen oder denken sollte. Wer sie das erste mal kennen lernt, weiß bestimmt was ich meine.

Weiter durch das Lager wurden mit nacheinander Manfred, Sven, Azimi, Robert (Anm.: jetzt Tom, Robert ist in den Osten gezogen zu seiner Lebensgefährtin) und Marcus vorgestellt - die Männer aus dem Lager, zuständig für alles und gleichzeitig verschiedenes. Sven mischt und mahlt Gewürze, Azimi bereitet die Rezepturen vor, d.h. wiegt die Einzelzutaten genau ab, und mischt auch die Teemischungen, Robert packt die Warensendungen und empfängt und Manfred fährt viel Gabelstapler und kümmert sich um alles andere, Marcus macht Wareneingänge und mahlt in der Nachmittagsschicht. Wenn irgendwo Hilfe gebraucht wird, macht das erstmal Marcus und man hilft sich, wo es geht.

Zu guter letzt HeiDi und Ursula. HeiDi, der gefühlte 18-20 Stunden am Tag Zahlen durchrechnet, mit aller Herren Leuten und Ländern telefoniert, plant, nachdenkt, rumläuft, guckt und so ziemlich alles selber macht, was er selber machen kann. Und das ist fast alles, außer Delegieren. Dazu Ursula, die so ziemlich alle anderen Tätigkeiten macht und die die Marketing-Abteilung, Beschwerde-Abteilung, Kunden-Betreuung und noch so einiges anderes in sich vereinigt.

Das erste Event stand aber schon an: Die wöchentliche Montag-Morgen-Besprechung. Alle versammelten sich und Heidi hält eine Ansprache - Probleme, Neuigkeiten, Pläne und Tadelungen. Es wird der Wochenplan dargelegt, was eben ansteht und was schief gelaufen ist. Nur das Lob blieb meistens aus, wobei das Ausbleiben von Tadeln als solches zu verstehen war (worüber sich die Mitarbeiter so manches mal beklagten). Es war durchaus spannend, das ganze zu erleben,

 

obwohl ich keinen Kontext zu dem Meisten hatte. Ich hatte vorher keinerlei Erfahrung mit Lager-, Büro- oder ähnlichen Arbeiten, war ein bisschen überwältigt und gleichzeitig voller Lust und Energie, mein Praktikum zu beginnen.

 


Praktikum bei der Heuschrecke - ein externer Einblick


Mein Praktikum bei der Heuschrecke war ein ziemlich außergewöhnliches, mit unglaublich vielen Möglichkeiten und voller Eindrücke und Erfahrungen. Viel musste ich lernen, noch mehr durfte ich machen.
Angefangen habe ich mit Lagerarbeiten, Pakete packen, Bestellungen verarbeiten, neugepackte Ware ins Lager räumen. Es hat was unglaublich meditatives durch die Regale mit abgepackter Ware zu gehen, die richtigen Gewürze rauszusuchen und in Kartons zu verpacken. Es klingt monoton, ist ein bisschen monoton, aber genau das macht auch manchmal den Reiz aus. Mönche harken stundenlang Kiesel, Heuschrecke-Mitarbeiter verpacken eben Gewürze in Pakete und verschicken sie an die vielen Kunden.


Weiter ging es mit Großware für Weiterverarbeiter. Riesige Säcke voll mit Senfsaaten packen, Wareneingänge mache, was man eben so im Lager macht. Betrachtet man das 40-jährige Jubiläum wundert es einen vielleicht nicht, dass die Heuschrecke zu der Zeit mit einem fast ebenso alten Waren-Wirtschaftssystem gearbeitet hat.  Mich als jungen, auf Technologie und Computer ausgelegten Menschen hat es dennoch gewundert. Doch auch dafür gibt es Antworten. (Anm.: Ja, Ende 2018 soll es dann endlich ein modernes neues Warenwirtschaftsprogramm geben, so der Plan) Wo ich nur Fragen stellte, und ich glaube es waren einige, da erhielt ich Antworten. Manchmal lautet die Antwort bloß: "Frag Heidi", oder "So ist das eben", aber gut. In aller Regel waren die Mitarbeiter mir gegenüber (vermutlich auch weil ich der Neffe der Geschäftsführung war), sehr hilfsbereit.


Nächste Abteilung: Gewürze und Tees bei den Frauen, quasi in der Drachenhöhle. An der alten Teemaschine werden Tees von Hand abgefüllt, mit kleinen Schäufelchen werden die Gewürztüten befüllt. Eine Menge Arbeit, die Frauen arbeiten unglaublich schnell, effektiv und laut. Die Stimmung ist immer toll, es wird kein Blatt vor den Mund genommen und auch viel gemeckert, aber mehr auf wirklich liebevolle Art. Für mich war es wirklich ein Erlebnis, das zu beobachten und zu versuchen, es ihnen gleich zu tun.

Irgendwann wurde ich nachmittags in die Büroarbeit eingeführt. Lernte Bestellungen, die noch viel über Fax, aber auch über Email kamen, per Hand in das System einzugeben, weil "das eben nicht anders geht". Die Büro-Atmosphäre ist sehr entspannt. Es wird viel gearbeitet, aber trotzdem ist es alles sehr herzlich. Nach und nach hab ich dann noch andere Aufgaben gekriegt. Neue Listen anlegen für Lieferantenmuster und diese probieren und eintragen, am Nachhaltigkeitsbericht arbeiten, mich um den neuen Werbeflyer kümmern, was eben so anfiel oder sich über die Jahre angestaut hatte. 


Dazu konnte ich HeiDi und Ursula zu zwei Messen begleiten. Eine kleine in Coesfeld und die große Biofach in Nürnberg. Zwei sehr unterschiedliche Messen, auf den ich viele Urgetümer der Bio-Branche kennen gelernt habe. Es ist ganz erstaunlich. Als Außenstehender dachte ich an etwas Kühle zwischen "Konkurrenten", aber es waren viel mehr alte Freunde, man aß, trank und unterhielt sich sowohl über alte Zeiten, als auch über aktuellen Situationen und Pläne. Dazu kommen viele Kunden, die sich auch schon wie Freunde anfühlen. Es ist viel Wärme in dieser doch recht kleinen Branche. Das ganz unabhängig von der Größe der Messe. Auf der kleinen Messe, war es eben alles ein bisschen kleiner. Weniger Menschen, kleinere Stände. Und auf der großen Messe wirkte alles nach außen etwas professioneller, war es auch ein Stück. Trotzdem wurden mir alte Kunden und diverse Firmenvorstände vorgestellt und es wurde sich freundlichst unterhalten.



Die Familie Heuschrecke, eine gut geölte Maschine 


So wurde ich dann bald eingesetzt, wo ich gebraucht wurde. Konnte alles ein bisschen, nichts so gut wie die Mitarbeiter, aber ich konnte aushelfen, wo es notwendig war. Stau in den Bestellungen, ich war zur Stelle bei der Eingabe und beim Einpacken. Große Warenlieferung, hab ich eben da geholfen. Für mich war das das Beste. Viel Abwechslung macht mir Freude und ich stand in andauerndem Kontakt zu allen Mitarbeitern, die mir über die Zeit immer und immer mehr ans Herz wuchsen. Man erzählte sich Geschichten, macht die Arbeit, beklagte sich manchmal, lachte ein andermal und am nächsten Tag geht es dann wieder weiter.

Das ist für mich, was die Heuschrecke zu so einer einzigartigen Firma macht: Es gibt eine große Menge Persönlichkeit (HeiDi alleine, aber so ziemlich jeder in der Firma hat eine Geschichte zu erzählen), eine ganze Menge Herzlichkeit und es fühlt sich so an, als säßen alle in einem Boot, das man über Wasser halten muss. Das braucht viel Arbeit, aber das schweißt auch dementsprechend zusammen. Und sobald ein Teil wegbricht, funktioniert das ganze System nicht mehr so richtig.

...alte Maschine

Dadurch, dass alles so lange schon funktioniert und dementsprechend beibehalten wird, kamen mir immer mal wieder Fragen und Verbesserungsvorschläge, die ich auch ab und an zu Wort brachte. Das Warenwirtschaftssystem ist ein Beispiel, wo mir nicht klar war, wieso man so viel Mehraufwand betrieb und sich mit den vielen Ecken rumschlug. Auch andere Abläufe oder Ideen waren mir nicht immer einleuchtend, aber vieles wurde mir erklärt. Wer so viel Erfahrung hat, der weiß eben mit viel umzugehen, wo man als junger Neuling aneckt. Trotzdem schlug ich immer wieder Dinge vor, besprach mich mit manchen und ich glaube, dass es auch irgendwo seinen Effekt hatte. So wie vielleicht jetzt, dass das Jubiläum auch auf den social media verkündet wurde. Ob das nun besser ist, das weiß ich nicht. Aber es ist immer gut, über Alternativen zumindest nachzudenken.

Und das obligatorische Resümee


Alles in allem war meine Zeit bei der Heuschrecke sehr lehrreich, ich habe viel (auch menschliches) gelernt, vieles ausprobieren dürfen und einiges beeinflussen dürfen. Trotz des Jubiläums (oder gerade deswegen) wollte ich nicht bloß ein rein lobendes Bild malen, sondern eins, das der Heuschrecke möglichst nahe kommt. Denn eins ist die Firma mit Sicherheit - authentisch. Und dementsprechend sollte auch der Bericht sein.

Es war mir eine große Freude, das Praktikum gemacht zu haben, diesen Bericht schreiben zu dürfen und das Jubiläum mit gestalten und erleben zu können. Ich hoffe, ich konnte die Freude auch auf Euch als Leser übertragen. Ein kleiner Einblick, wie es IN der Heuschrecke abläuft. Denn die Heuschrecke sind nicht bloß HeiDi und Ursula, die der Firma ihr Gesicht geben und mit allem was sie sind in der Firma aufgehen, sondern auch die ganzen anderen Mitarbeiter, die man nicht so häufig zu Gesicht bekommt.

Hoffentlich geht es noch eine gute Weile weiter. So lange, bis Ihr keine Lust mehr habt.

 

Wer's verpasst hat:

Opens external link in new windowJubiläum Teil 1: Text aus der Vergangenheit

Opens external link in new windowJubiläum Teil 2: Wer ist Heuschrecke heute?

 

 

 


 Joshua Stübner

 

Meine Name ist Joshua Stübner. Als Neffe der Heuschrecken-Familie bin ich natürlich ebenfalls ein bisschen gewürz- und geschmacksaffin. Sonst beschäftige ich mich mit Programmieren und Web-Development, aber hier kann ich meine weitere Leidenschaft zum Ausdruck bringen: Wirklich gutes Essen mit wirklich guten Lebensmitteln. Bio gehört für mich dazu. 

Mehr zu dem anderen Opens external link in new windowhier.

 

 

 


Anzahl Aufrufe: 306
  •  
  • 2 Kommentar(e)
  •  
HeiDi und Ursula
04.09.2017
15:38

Jot, Jung

Wolfgang Kurtz
05.09.2017
09:25

Der Praktikant

Joshua rules! Momentan kommt man in den "social networks" nicht am Thema "Heuschrecke" vorbei... :)

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