BLOG | Neueste Nachrichten

Joshuas Gewürzreise: Safran
10.12.2017 10:41
Buchrezension: Achim Priester -...
03.12.2017 09:32
Vanille - Der Star der Desserts
19.11.2017 13:13
Ohrenkuss: Mütter
09.11.2017 18:00
Ajowan - Gar nicht so entfernter...
05.11.2017 12:38
heupd-Reportage: Bio-Anbau in der...
25.10.2017 13:31

Blog-Text-Suche

Meist gelesene Posts

Trocknungsverfahren für Kräuter und Gewürze
96257 mal gesehen   21.03.2014
Heiliger des Monats März: Oscar Romero
94664 mal gesehen   24.03.2014
Blogst Du hier!
77527 mal gesehen   21.10.2009
Verschwörungstheorien
75593 mal gesehen   19.05.2010

Archiv

Abonnieren für RSS-Reader

RSS 0.91Nachrichten
RSS 2.0Nachrichten

Darjeeling streikt für Autonomie

Notwendiger Wandel für Darjeelings Teegärten - Kleinbauernkooperativen entstehen

Eine magische Brücke führt in die Region Mineral Spring in den Bergen Darjeelings
Eine magische Brücke führt in die Region Mineral Spring in den Bergen Darjeelings

Die Teeregion Mineral Spring - Sitz der Dorfkooperative Sanjukta Vikas. Wir vermarkten ihren Tee in unserem Darjeeling Springtime!
Die Teeregion Mineral Spring - Sitz der Dorfkooperative Sanjukta Vikas. Wir vermarkten ihren Tee in unserem Darjeeling Springtime!


Präsident der Kooperative Puram Tamang und seine Frau
Präsident der Kooperative Puram Tamang und seine Frau
Viele junge Teebauern dabei -
Viele junge Teebauern dabei -
Konferenz der Kooperativen-Mitglieder bei unserem Besuch
Konferenz der Kooperativen-Mitglieder bei unserem Besuch
Im Hintergrund Dokumentenverwaltung für die Bio-Zertifizierung
Im Hintergrund Dokumentenverwaltung für die Bio-Zertifizierung
Lageplan
Lageplan
Gruppenbild ...
Gruppenbild ...
... und Nachwuchs
... und Nachwuchs
Typische Wohnhäuser in den Bergen
Typische Wohnhäuser in den Bergen
Schmackhafte indisch-nepalische Küche
Schmackhafte indisch-nepalische Küche
Kein Ufo, sondern Bittercurd-Gemüse (Kürbisart)
Kein Ufo, sondern Bittercurd-Gemüse (Kürbisart)

Junge Teepflanzen
Junge Teepflanzen
Ingwer - Anbau, damit es weitere Standbeine außer Tee gibt
Ingwer - Anbau, damit es weitere Standbeine außer Tee gibt
Der Selimbong - Teegarten, bio.
Der Selimbong - Teegarten, bio.
Hier wird der frisch geerntete Mineral-Spring Darjeeling
Hier wird der frisch geerntete Mineral-Spring Darjeeling weiterverarbeitet

weiterverarbeitet, ...
... separat als Kleinbauerntee.
... separat als Kleinbauerntee.
Der Roller ist ein Herzstück in der Teefabrik.
Der Roller ist ein Herzstück in der Teefabrik.
Hier steckt viel Know How drin - wielange, mit welchem Druck und Temperatur die fermentierenden Teeblätter gerollt werden.
Hier steckt viel Know How drin - wielange, mit welchem Druck und Temperatur die fermentierenden Teeblätter gerollt werden.
Teeverkostung
Teeverkostung
Teepflückerinnen ...
Teepflückerinnen ...
auf dem Weg zur Teefabrik, um die gepflückten Two leafs and a bud abzuliefern. Sie werden gewogen und ihnen in ihrem Büchlein gutgeschrieben.
auf dem Weg zur Teefabrik, um die gepflückten Two leafs and a bud abzuliefern. Sie werden gewogen und ihnen in ihrem Büchlein gutgeschrieben.
Die TeemitarbeiterInnen der Fabrik.
Die TeemitarbeiterInnen der Fabrik.
Selimbong ist Demeter-zertifiziert und stellt seine Präparate selbst her - doch das wird nochmal eine eigene Geschichte ...



Juni 2017: Die Autonomie-Bewegung der Nepali-stämmigen Bevölkerung (Gorkha Movement) hat in Darjeeling zum Generalstreik aufgerufen. Auch die Teefabriken stehen schon seit Wochen still, second Flush bleibt auf den Feldern, sowie auch die darauf folgenden Ernten. Keine Exporte gehen mehr raus aus Darjeeling in 2017.


Kurz zur Geschichte: Als die Briten Mitte des 19. Jahrhunderts den Teeanbau in Darjeeling begannen, warben sie in diesem sehr dünn besiedelten Teil Indiens ArbeiterInnen aus Nepal an. Darjeeling ist deshalb tatsächlich heute überwiegend in Sprache und Kultur nepalisch geprägt. Und wehrt sich gegen eine zu starke Assimilierung in den Bundesstaat West-Bengal. Es brodelte schon lange unter der jungen Gorkha-"Kriegern" mit ihrer stolzen Tradition, die im Vielvölkerstaat West-Bengal (noch von den Briten konzipiert) die Verlierer sind.


Ein klassischer Darjeeling-Teegarten ernährt bis zu 8000 Personen in den umliegenden Dörfern, und die Beziehung zwischen den TeearbeiterInnen und den damals britisch geführten Teefarmen war fürsorglich-eng angelegt. Nach Abzug der Briten und Übernahme durch indische Leitungen funktionierten die Mechanismen nicht mehr, die Teegärten verarmten, und damit auch die umliegende Bevölkerung. Dringende Modernisierungsmaßnahmen, sei es in den Fabriken oder in den Häusern der DorfbewohnerInnen, blieben aus. Erschwerend ist, dass auf dem Weltmarkt für die edlen Darjeelingtees schon seit vielen Jahren nicht die Preise erzielt werden können, die benötigt werden. Zur Verdeutlichung: Auf den steilen Berglagen werden nur ca. 750kg Tee/ha erzeugt, im flachen Assam dagegen ca. 3000kg/ha - ein Verhältnis wie zwischen Bourgogne-Crus und Languedoc-Landwein - auch von der Qualität her. Anders als dort gelingt es bei Darjeelingtee nicht, entsprechende Preise durchzusetzen.


Als Außenstehender wünscht man sich einerseits, dass die schöne britische Teegarten-Kultur erhalten bleibt, sieht jedoch auch die dringende Notwendigkeit, den kolonialen Charakter in gerechtere Wirtschaftsformen überzuführen.


Die Frage ist, ob die fortschreitende Konzentration der Darjeelingfarmen in den Händen weniger, außerhalb Darjeelings lebender und nicht unbedingt nachhaltig wirtschaftender Besitzer die Teeregion weiter ruiniert: ausbleibende Reformen für die aktuell noch im Patronatsverhältnis lebenden ArbeiterInnen, z.B. Lösungen für zeitgemäße Sozial- und Rentenleistungen. Sowie Bildung. Eine aufmüpfige junge Generation stellt ihre Forderungen und scheint bereit, einiges abzufackeln: Ist die Zentralverwaltung in Delhi gewillt, wenigstens Darjeeling als Unions-Territorium anzuerkennen, wenn schon nicht der Status eines Bundeslandes erreicht werden kann? Der Traum Darjeelings ist, ein Bundestaat innerhalb der indischen Union zu werden wie das nördlich gelegene Sikkim, das auch nicht größer ist als Darjeeling ( Sikkim ist übrigens 100% Bio. Es gibt dort keine konventionelle Landwirtschaft mehr!). Stattdessen versucht West Bengal provokativ, Nepali als Schulsprache zu verbieten laut Medien ...


Aber auch die fehlende Werterzielung bzw. fehlender Konsens über kostendeckende Preise, die Instandhaltung und innovative Investitionen berücksichtigen, gehört zu den Konfliktursachen. Nur wenn der hochwertigste Tee Indiens seinen Preis erzielt, wird es die Teeregion Darjeeling auch noch in 10 Jahren geben.


Ein schöner Erfolg ist, dass nach den großen Unglücken der 90er durch Bodenerosion nach der langen Monokultur (ganze Hänge rutschten über Nacht ab), nun der größere Teil der Teegärten biologisch bewirtschaftet wird. Eine andere zukunftsweisende Entwicklung ist, dass sich selbstständige Dorfkooperativen gründen, aufgegebene Teepflanzungen wiederbewirtschaften, evtl. zusammen mit einem sanften Tourismuskonzept. Diese Dorfkooperativen arbeiten partnerschaftlich mit bekannten Bio-Teegärten zusammen, die den Kleinbauerntee separat verarbeiten und vermarkten - eine win-win-Situation.

 

Beispiel: Mineral Spring ...  (siehe Fotos)

Diese Dorf-Kooperative bewirtschaftet in unzugänglichen Gebieten alte, aufgegebene Teepflanzen:
Die Kleinbauern der Dörfer Harsing, Dabaipani und Yankhoo östlich der Stadt Darjeeling hatten begonnen, nach Abzug der Briten in den 50iger Jahren die aufgegebenen Teefelder wieder zu bearbeiten. Zuerst illegal, um den sehr kargen Lebensunterhalt mit etwas Tee-Ernte und Holzrodung aufzubessern.


In den 80igern wurde die Landnutzung mithilfe einer NGO legalisiert. Ende der 90iger erfolgte die Gründung der Kooperative Sanjukta Vikas mit 264 Familien in Mineral Spring. Mit dem Kontakt zu TPI (Tea-Promoters India, einem wichtigen Partner von uns für Bio-Tee) wurde der Teeanbau professionell, mit sehr guten Qualitäten, die schon prämiert wurden. TPI garantiert eine feste Abnahme der nun bio-zertifizierten Teeblätter und verarbeitet sie im Bio-Darjeeling-Teegarten Selimbong, getrennt als Mineral Spring Darjeeling.

 

Heute sind 11 Dörfer mit ca. 465 Familien beteiligt. Im Jahr 2014 haben wir die Kooperative in der magisch anmutenden Landschaft besucht.


Unser Darjeeling Springtime beinhaltet seit Ende 2016 eine schöne 1.Flush-Qualität von Mineral Spring. Im politisch fragilen Darjeeling mit vielen verschleppten postkolonialen Problemen ist die Zusammenarbeit von selbständigen Kleinbauerngruppen und Bio-Teeplantagen, wie es TPI unterstützt, eine echte Win-Win-Situation. Wir wünschen uns natürlich, dass unsere Kleinbauerntees guten Anklang finden (wie auch die Nepal-Tees, oder unsere Aroma-Schwarztees mit dem Basistee von den Sahyadri Farmers in Kerala).

 




Der Streik kann - bis die Teeproduktion wieder anrollt, die Felder erst mal von den sprießenden Beikräutern gereinigt worden sind (die Natur ruht nicht während des Streiks) - dazu genutzt werden, Kooperativentee von Mineral Spring, oder den Darjeeling-ähnlichen Tee von der nepalischen Genossenschaft Kanchanjangha Tea Estate kennenzulernen.

Darjeelingtee-Engpässe wird es aber erst ab September 2018 geben; dann auch unvermeidliche größere Preiserhöhungen. Bis dahin haben wir Kontrakte über Tee, der schon in Bremen liegt.

 

 

Ursula Stübner, Heinz-Dieter Gasper

  •  
  • 0 Kommentar(e)
  •  

Mein Kommentar

Bitte obigen Code eintragen

Benachrichtige mich, wenn jemand einen Kommentar zu dieser Nachricht schreibt.



Ihr Kommentar wird in der Regel am nächsten Arbeitstag freigeschaltet.

Spams, Links, rechtswidrige und anonyme Kommentare können nicht berücksichtigt werden.


Zurück