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Bio-Rohstoffe - verschiedene Entwicklungen betreffen auch die Bio-Branche

Gegen Dumping auf den Bio-Rohstoffmärkten, und für eine gesunde Zukunft des Bio-Anbaus und Handels

english version

 
Liebe LeserInnen
 
Es war nicht unsere Absicht, 2x hintereinander in unserem Blog so ernst zu sein, aber das Thema Bio-Rohstoffe, überhaupt Lebensmittelrohstoffe, braucht eine kritische Begleitung auch durch die KonsumentInnen. Im nächsten Beitrag werden wir wieder über etwas sehr Positives berichten, den Demeter-Anbau in Übersee-Ländern.
 
Die Bio-Rohstoffsituation ist bereits jetzt geprägt durch Ernteverluste, Preisdumping, Deklassifizierungen wegen Grenzwertüberschreitungen, Qualitäts- und Landverlusten, sowie Konkurrenz mit der konventionellen Lebensmittelwirtschaft, die ihr Profil mit Bio-Rohstoffen aufhübschen will.

Zunehmend wird Bio-Landwirtschaft für die Bio-Anbauer riskant, der Lebensunterhalt wird immer schwieriger unter o.g. Faktoren.

Wir haben hier alle Punkte zusammengetragen, die uns als traditionelle Bio-Importeure im Moment hoch besorgen und sogar vermuten lassen, dass es das Bio, wofür wir angetreten sind, nicht mehr lange geben wird. Vorab ging dieser Text an altgediente Bio-Importeure und -Hersteller, sowie Bio-Kontrolleure und Verbände. Deren Feed back bestätigt uns in jeder Hinsicht; auch dahingehend, mit einer größeren Bio-Öffentlichkeit unsere Besorgnis zu teilen.
Kollegen, die nicht selbst importieren, mögen den beschriebenen Schwierigkeiten noch nicht so stark begegnen. Aber auch Bio-KonsumentInnen sollten darauf vorbereitet sein, dass Bio etwas anderes ist als bestmögliche Schadstofffreiheit zum billigsten Preis.

 

Die Fotos zeigen Anbau, Ernte und Verarbeitung unserer Bio-Vanille von Kleinbauern im Madagaskar.

 

 

 

1. Die Rohstoff-Situation in der Biobranche

 

1.1.Mengen

Tendenz: sehr viele Lebensmittel aus Drittländern werden knapp - die Einheimischen leisten sich öfter die guten Qualitäten, die früher in den reichen Westen exportiert wurden. In einer Reihe von Ländern gibt es Mindestqualitätsstandards, ab denen erst exportiert werden darf (z.B. Spice Board of India).

1.2. Preise 

Der Druck durch die Einstellung der großen Lebensmittelketten, jede Preiserhöhung aus dem Ursprung zu ignorieren, greift schon länger auch auf die Bio-Lebensmittelindustrie / -Filialisten über. 
In der Folge werden, falls diese Rohstoffpreissteigerungen nicht durch innerbetriebliche Rationalisierungsmaßnahmen (z.B. Personal durch Maschinen ersetzen) neutralisiert werden können, sich die Qualitäten in verschiedener Hinsicht schleichend verschlechtern, da der Preisdruck auf die vorgelagerten Hersteller und Produzenten abgewälzt werden muss.

1.2.1. Preisdruck auf die Bioproduzenten 

Auch dort werden Ausweichreaktionen die Folge sein und sind es schon. Bio ist mit Mehrarbeit verbunden - wird die nicht honoriert, passiert Folgendes:

1.2.2. Herbizide statt Hackarbeit
Glyphosateinsatz ist wesentlich billiger und effektiver als Bodenbearbeitung. Nur wenn man den Bioanbauern eine 'Prämie' (bzw. korrekte Entlohnung) zusagt, kann er auf illegale Maßnahme verzichten (ehrliches persönliches Bio-Engagement natürlich vorausgesetzt).

1.2.3. Landflucht
(Klein-) Bäuerliche Bio-Landwirtschaft ist laut Weltagrarbericht die einzige Chance, genügend Nahrungsmittel auf kontinuierlich bewirtschafteter Agrarfläche zu erzeugen. Dazu braucht sie generationen-übergreifende Kontinuität. Wenn es sich nicht mehr lohnt für den potentiellen Jungbauern/bäuerin, wird der Betrieb aufgegeben - auch mangels Wertschätzung der Bodenständigkeit.

2. Produktqualität, Wertigkeit

 

2.1. Wertschätzung ist qualitätserhaltend

Fenchel ist nicht gleich Fenchel, wie Tafelwein nicht gleich Grand Cru - Hochgewächs ist. Bekommen die Betroffenen in der Biokette nicht den Auftrag oder die Chance über eine entsprechende Wertschätzung und Bezahlung, dann verschwinden die guten Bioqualitäten und die engagierten Qualitäts-Biobauern.

2.2. Bio-Ware versickert im konventionellen Markt

Zögern die Biobeteiligten in der Wertschöpfungskette ein deutliches Signal zu geben, auf jeden Fall bei Engpässen (sei es wetterbedingt, oder durch politische Unruhen usw.), mit fast jedem verlangten Preis mitgehen zu wollen, wird die Ware blitzschnell von cleveren konventionellen Aufkäufern (auch spekulativ...) vor Ort per lachendem Bargeld abgegrast. Der Biomarkt guckt in die Röhre. Dazu ein Zitat aus der Ernteprognose 2017 für Bio-Vanille:

"Viel Bio Vanille wird den Bauern aufgrund der starken Nachfrage von neuen Händlern als konventionell abgekauft. Bei den hohen Preisen ist es für die Bauern oft zweitrangig, ob sie als konventionell oder Bio verkaufen. Entscheidenden sind andere Faktoren wie der finanzielle Bedarf etc.
Mit den weiter steigenden Preisen werden sich die Exportmengen noch weiter verringern. Gleichzeitig hat sich die Nachfrage nach Bio Vanille nur geringfügig reduziert trotz der hohen Preise. Im Biobereich können aufgrund geringer Alternativen nicht im selben Umfang Rezepturen angepasst werden wie im konventionellen Bereichen.
Die großen konventionellen Exporteure kaufen sehr offensiv grüne Vanille ein. Im letzten Jahr sind diese zu spät in den grünen Vanilleeinkauf gestartet und konnten deshalb ihren Bedarf nicht decken. Deswegen sind ihre Lagerhäuser leer. Wir vermuten, dass diese noch Verpflichtungen aus dem Vorjahr zu erfüllen haben und wegen Ihrer geringen Lagerbestände nun offensiv einkaufen müssen.
Der Einkauf der präparierten Vanille hat im Hauptanbaugebiet begonnen und ein Preisrückgang ist nicht zu erkennen.
Kunden bezahlen bereits für konventionelle Verarbeitungsvanille >400 EUR/kg. Bio Vanille ist derzeit nicht verfügbar.
Seit Beginn der Ernte am 10.07.2016 haben die Einkaufspreise bereits wieder um 60% zugenommen. Um die Vanille vor Dieben zu schützen oder aus finanziellen Nöten wurde die grüne Vanille oft zu früh geerntet, was bei der Verarbeitung zu deutlich höheren Gewichtsverlusten führt sowie zu Qualitätseinbussen. Es wird deshalb von deutlich schlechteren Vanillingehalten gesprochen."



2.3.. Bio für kurzfristigen Ertrag

Wird nicht systematisch der Boden über Kompost für den Substanz- und Nährstoffverlust durch Anbau, Bearbeitung und Ernten regeneriert, entstehen massive Schäden, und in der Folge Ertragseinbußen durch Krankheiten und Ernterückgänge.
Kompost macht viel Arbeit, diese muss langfristig als bezahlbar vereinbart werden.

2.4. Schulung, Kontrolle

Die Strukturen, von denen wir seit 40 Biojahren profitieren, die von hiesigen Verbänden wie Demeter, Bioland, Naturland usw. mit aufgebaut wurden, existieren im Rest der Welt nicht naturgegeben.
Der Prozess, dieses Wissen dorthin zu transferieren, wo es fehlt, kostet genauso hohe Preiszuschläge wie eine Vorort-Biokontrolle, die ihrem Namen gerecht wird.
Das Downgrading von Kontrollaufwand, hervorgerufen durch einen Preiskampf der Inspektoren vor Ort, verlagert die Bio-Kontrolle in unsere Labore, die dann ggfs. feststellen: eine effektive Bio-Kontrolle hat anscheinend nicht stattgefunden. Die preiswerte Kontrolle wird dann ziemlich preistreibend, wenn die Ware anschließend deklassifiziert werden muss.

2.5. Neokoloniale Attitüden

So, wie wir die Welt außerhalb dieser bizarren, nordeuropäischen Bio-Lebensmittel-Kontrollmanie kennen gelernt haben, benehmen wir Biogutmensch-Importeure uns teilweise nicht viel anders als die Kolonialmächte in den letzten 500 Jahren. Wir stülpen eine EU-basierte Bio-Verordnung über Landschaften/ Kulturen mit anderen Bedingungen und Bedürfnissen. Das System beruht auf Überwachung, nicht Beratung oder Reparatur.
Wir werden in eine ethisch problematische Rolle als Vertreter einer Biolebensmittel-Wegwerf-Deklassifizierungs-Offensive hineindriften, wenn unsere Branche nicht reichliche Investitionen mit den Bio-(Klein-)bauern dieser Bioentwicklungsländer vereinbart, damit wir wirklich gesicherte Qualitäten bekommen. IFS-Papiere abheften fördert da nichts. (IFS = International Food Standard, der Kontrolltrend der Lebensmittelindustrie und auch der Mini-Biohersteller, der begrenzt sinnvoll wertvolle Ressourcen bindet.).

2.6. Verschwendung von IFS-, Qualitätssicherungs-, Nachhaltigkeits- und Sozialstandard Etats
In Nordeuropa verschlingt sich durch die papiertigernden Food-, Nachhaltigkeits- und Sozial-Standardisierungen viel Geld einfach selbst. Um Qualität nachhaltig und gerecht zu sichern, müsste aber dieses Geld, und noch ein mehrfaches davon, in die Ursprungsländer unserer Bio-Rohstoffe transferiert werden, um dort Probleme zu lösen.
Stattdessen delegieren wir das Risiko immer weiter zurück - bis auf die Bauern - , indem wir uns untereinander schönschreibend immer aufwändigere Rohstoff-Ablassbriefe um die Ohren hauen...
... und die uns politisch und kulturell fremden, aber eigenständigen Gesellschaften, die erstmal von uns allein gelassen da stehen - überwacht, aber nicht partnerschaftlich beraten - werden wohl auf die Dauer bockig.
In einer sich abzeichnenden Lebensmittelunterversorgung (auch in Bio!) sichern wir uns keine Lieferanten für die Lebensmittelzukunft, wenn wir nicht mehr Emphase für diese uns fremden Gesellschaften in jeder Form mitbringen.

3. Kontaminanten, Herbizide und andere Schadstoffe, und ihre Grenzwerte

 

3.1. Umweltverschmutzung


3.1.1. Plastik
Plastiktütenschnipsel überall in Wasser und Boden, und wahrscheinlich im Biolachs, Meersalz, und was noch ubiquitär über Nahrungsmittelketten überall enthalten ist: Wann kommt der Grenzwert, wie viele Mikroplastikteilchen in Biolebensmittel (bzw. überhaupt in Lebensmittel) zulässig sind? Es gibt noch keine bezahlbaren Standard-Analyseverfahren für Nanoplastik. Man traut sich noch nicht heran, weil dies Lebensmittel unbezahlbar macht. (Oder man stellt gleich Lebensmittel aus recyceltem PET her?). Kommentar eines renommierten Umweltlabors: Wir werden Plastik in der Nahrung tolerieren müssen.

3.1.2. PAK (polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe) und Anthrachinon
Das sind Stoffe wie Naphtalin, Röststoffe (z.B. beim Grillen), usw..
Luftumwälzung bei Warmlufttrocknung hat zur Folge, dass z.B. Kräuter und Gewürze die allgemein vorhandene Umweltbelastung aus der Luft filtern und im Produkt anreichern.
Viel, wenn nicht fast alles an diesen Deklassifizierungs-Grenzwerten und damit Biolebensmittelverschwendung verdanken wir der industriellen Revolution, ihren politischen und sonstigen Folgen wie die des deregulierten Neokapitalismus, dem Neoliberalismus der G20 Staaten usw..
Wir messen mit empfindlichsten Methoden wie sehr dieser Planet schon versaut ist.
Die Chancen für saubere Biolebensmittel werden von Jahr zu Jahr geringer, selbst wenn wir versuchen, die Bioverarbeitung in der Hinsicht schadstofffreier zu gestalten.

3.1.3.    Mineralölderivate - MOSH (POSH) und MOAH
Nicht ganz überraschend findet man ubiqitär diese Rückstände in konventionellen und Bio-Lebensmittel: Über leckende landwirtschaftliche Maschinen, Umweltverbrechen, ungeregelte Abgasreinigungen, Druckfarben, Feinstaub usw. können relevante Einträge gemessen werden.
Unmittelbarer Kontakt mit Biolebensmitteln kann über Recycling-Karton- und Papierverpackung, Plastikverpackungen, mineralölhaltige Inkjet- und Druckfarben erfolgen. In unserer Branche ist der Umstieg auf "Frischholzkarton" (aus gefällten Bäumen, aber nachhaltiger Landwirtschaft ...) und auf mineralölfreie Druckfarben seit einigen Jahren erfolgt.
Ein Teil der Vorschläge in Richtung Verpackungsbarrieren (Alu-bedampfte Folien...), widersprechen allerdings genauso dem Ökogedanken wie der Umstieg auf Frischholzkartons.

3.2.    PA und TA Unkrautmanagement

Pyrrolizidine und Tropinalkaloide, z.B. Jakobskreuzkraut und Stechapfel
'Gift'pflanzen unter Lebensmittel muss in kleinbäuerlicher Landwirtschaft kein Problem sein, solange sachkundige Bauern unterwegs sind. Tiere weichen ihnen aus, das Ziel der Pflanzen - Schutz gegen Frassfeinde aller Art - wird erreicht.
Unkundiger, großflächiger Anbau ist für Biolebensmittel recht gefährlich. Es müssen ausreichend geschulte Arbeitskräfte in den Felder unterwegs sein, und die Mehrkosten getragen werden. Übrigens: Jakobskreuzkraut-Saatgut wurde von der hiesigen Autobahnverwaltung gerne als Randbegrünung ausgebracht, deshalb ist es unnatürlich stark verbreitet.

3.3. Herbizide: Glyphosat und andere

Selbst wenn sich die EU-Kommission irgendwann gegen die weitere Zulassung entscheidet, wird die Konzentration in Umwelt, unserem Urin und auf den Bio-Landwirtschaftsflächen steigen. 
In den Nicht-EU-Ländern der Welt wird sich nichts bessern. In einigen Weltgegenden müssen sich der Bio-Landwirt und seine Käufer bereits mit Kontaminationswerten jenseits von 0,1 mg/kg auseinandersetzen. Die selbst auferlegte Vereinbarung der Biobranche im Branchenverband BNN ist 0,01mg/kg als Orientierungswert (darüber muss recherchiert werden, ob es Biobetrug oder unfreiwillige Kontamination ist, und die Kontrollstellen und Behörden werden eingeschaltet).
Bei anderen Herbiziden ist die Situation etwas weniger recherchiert. Ein Glyphosat-Zulassungswiderruf wird diesen den 'Marktzugang' enorm erleichtern und das Problem verlagern.

3.4.    DDT, DEET, Permethrin

Die Analytik fördert sie wieder zu Tage:
Die vermeintliche Ächtung von DDT durch UN-Organisationen wird in diversen Länder ignoriert. Behördliche und NGO-Aktivitäten in Malaria-Gebieten, die Bevölkerung, Dörfer und z.T. ganze Landstriche prophylaktisch mit DDT (preiswert!) zu besprühen, sowie DEET (Autan) Repellents und Permethrin (Kontaktgift gegen Moskitos) getränkte Netze zu verteilen, sind verständlich (lebensrettend).
Der Kampf gegen die Zikamücke wird ähnlich vonstatten gehen - Biolebensmittel bleiben da auf der Strecke und werden deklassifiziert.

4. Knappheiten, Allokation: Standorte, Sorten, Klimawandel

 

4.1. Knappes Land

Die Bodenpreise für landwirtschaftlich nutzbare Flächen sind dem allgemeinen Wettbewerb ausgesetzt, wie die Mietpreise ...
Rechtzeitige Sicherung geeigneter Anbauflächen ist ein weltweiter Wettlauf. Da kann die Bio-Landwirtschaft nur mithalten, wenn der Biobauer auf seinen Flächen ausreichend finanzielle Erträge erzielen kann.
Er muss auch signalisieren können, dass Bio-Landwirtschaft so lukrativ ist, dass Landpreise, Landbesitz, Pachten oder Besitzverhältnisse kein Hinderungsgrund sein müssen, weiter Bioanbau zu machen.

4.2. Saatgut

In der Boomphase des Biobereichs hielten zugunsten sicherer Erträge und besser aussehender Pflanzen (Schrumpelgemüse wollten auch die Bio-Kunden nicht) damals moderne CMS-Hybride auch im Bio-Landbau Einzug. Nun beginnt ein kostspieliges Umdenken. Durch die gleichzeitige Monopolisierung und Patentierung seitens konventioneller Saatgut-Konzerne wird jetzt wieder verstärkte Bio-Saatgutentwicklung vorangetrieben, um die eigenen Alleinstellungsmerkmale zu erhalten. Neues Saatgut ist aber auch dringend notwendig wegen der spürbaren Auswirkungen des Klimawandels.

5. Wertevernichtung

 

5.1. Die Magie des Preiseinstiegs

Die Aldisierung der Biolebensmittel wird sich nicht vermeiden lassen, solange die (Bio-) KonsumentInnen auf Preisvorteil getrimmt sind und von den großen Biofilialisten, Drogerieketten und ihre Biozulieferer etc. darin bestärkt werden.
Das wäre kein Dilemma bzw. würde sich selbst regulieren, wenn diese individuellen Preiskriege nicht über die Hersteller bis auf die Rohstoffebene vertikal weitergereicht würden, sondern horizontal ausgetragen würden.

5.2. Fortschritte in der Analytik

Getrieben von der Illusion, es gäbe in dieser Welt noch irgendetwas wie Schadstofffreiheit, werden ständig neue problematische Inhaltstoffe kritisch quantifiziert, analysiert und auch Bioprodukte durch die Test-Presse an den Pranger gestellt.
In gewissem Umfang sind Verbesserungen in Anbau, Trocknung und Verarbeitung möglich. Auf jeden Fall haben sich die Analytikkosten für ein Lot Ware von um die 300 Euro auf ca. 800 Euro und mehr erhöht.
Für Containerladungen ist das nicht erheblich, aber Kleinbauern-, Wildsammlungsmengen und regionaler 2-3 Hektaranbau werden weiter an Marktfähigkeit verlieren, weil sich der Mehrwert dieser Produkte nicht durchgängig realisieren lässt - bzw. wird riskanter werden, weil mit kompletten Bio-Erntehausfällen wegen Grenzwertüberschreitung gerechnet werden muss.

5.3. Deklassifizierung von Bioprodukten

Diverse Entwicklungen, die zu Deklassifizierungen führen, sind in den vorigen Punkten bereits aufgezählt.

6. Neue EU-Bio-Verordnung

Seit ca. 3 Jahren schwebt die "Drohung" einer neuen EU-Bioverordnung über Bio-Bauern, Verarbeitern und Händlern. Egal wie das nur von teilweiser Sachkenntnis gelenkte Geschacher in Brüssel ausgeht - alle Prognosen vermuten eher eine Verschlechterung der Situation für Bio-Produzenten, und dass es unsere Bio-Zukunft eher behindern wird, indem viele den Zugang zu dem System verlieren.

7.  Mangelnde Bio-Rohstoffe

Zusammengefasst: Bio-Rohstoffe werden relativ immer weniger zur Verfügung stehen. Preissteigerungen werden notwendig sein, um die Rohstoffe zu sichern.
Wir hören von Bio-Bauern, die unter den (oben beschriebenen) schwieriger werdenden Umständen wieder zum konventionellen Anbau zurückkehren, und dass Bauern, die gerne Bio-Anbau machen möchten, kein Land finden.
Auch wenn Bio sich immer weiter von der Schadstofffreiheit entfernt, ist es das Beste, was wir für unseren Planeten tun können. Dazu brauchen wir ein neues Bio-Szenario, das sich auch einer neuen Worst-Case Bio-Verordnung stellen kann, also Biolebensmittel herstellen und verkaufen, ohne dass "Bio" draufsteht -


Spich, Okt. 2016     Heinz-Dieter Gasper, Ursula Stübner





Tags: bio-rohstoffe
Anzahl Aufrufe: 1935
  •  
  • 1 Kommentar(e)
  •  
David
16.12.2016
16:03
Lob

Ein sehr schöner Artikel. Ich spreche dafür ein großes Lob aus. Über einen Gegenbesuch freuen wir uns sehr!

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