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Gastbeitrag
12.04.2016
20:10

Ohrenkuss: Anfang der Welt

Urknall war vorher

 

 
Ohrenkuss ...da rein, da raus - das Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom, unter der Leitung von Herausgeberin Dr. Katja de Bragança. Ein einzigartiges und vielfach prämiertes Projekt der downtown - Werkstatt für Kultur und Wissenschaft gGmbH. Die Ohrenkuss-AutorInnen bloggen in Abständen bei uns zu aktuellen Themen.
 
 
 
Ohrenkuss hat sich im letzten halben Jahr mit der Entstehung der Erde beschäftigt - nun ist das neue Magazin "Anfang der Welt" erschienen: "Die Welt ist rund. Um die Erde schaut: die Erde unten, Erde oben, Erde Seite, rechts und links. Dieses Land ist schön. Aber dieses Land ist arm. Vielen Leute gehen Europa hin, in den Wohnung hin, richtig warm. Es ist so kalt draußen. Viele Menschen macht nichts zu tun. Viele Menschen helfen. Und die Politik sagt: Komm mal rumgeflogen. Mach keine Sorgen. Es ist gut." (Dorothee Reumann, diktiert) Wir stellen die Welt-Ausgabe hier vor.
 

Und noch eine Save-the-date-Ankündigung: das neues Projekt  TOUCHDOWN 21, initiiert von der Wissenschaftlerin und Ohrenkuss-Gründerin Dr. Katja de Bragança, das wir letztes Mal hier vorstellten, zeigt eine Ausstellung.
 
Ort: Bundeskunsthalle Bonn.
 
Eröffnung: Freitag, 28.10.2016
 
Dauer der Ausstellung:  29. Oktober 2016 bis  12. Februar 2017. Hier der Flyer zur Ausstellung: http://www.touchdown21.info/de/news/48-der-flyer-zur-touchdown-ausstellung-ist-da.html
 
Über die Ausstellung: Die Ausstellung mit und über Menschen mit Down-Syndrom begibt sich – als erste ihrer Art – auf eine kulturhistorische und experimentelle Spurensuche in unsere Vergangenheit und Gegenwart. Sie erzählt eine komplexe Beziehungsgeschichte. Sie beschreibt, wie Menschen lebten, leben und leben möchten – Menschen mit und ohne Down-Syndrom.
 
Aktiv von Menschen mit Down-Syndrom mit erarbeitet, umfasst die Ausstellung wissenschaftliche und künstlerische Exponate aus Archäologie, Zeitgeschichte, Genetik, Medizin, Soziologie, Literatur, Film, Theater und bildender Kunst. In ihrer inhaltlichen Tiefe und lebendigen Vielstimmigkeit will die Ausstellung – statt fertiger Antworten – vor allem einen Beitrag anbieten zu einer nachhaltig klügeren Debatte um gesellschaftliche Vielfalt. Einer Debatte um Teilhabe einerseits und den Umgang mit neuen medizinischen Möglichkeiten andererseits.
 
 

 


 

 

Anfang der Welt


"Die Welt zu halten ist schwer, mit meinen beiden Händen halte ich eine Welt. Wenn ich die Welt aufhebe, muss ich aufpassen, dass die Welt nicht den Boden berührt, nicht runterfällt. Die Welt ist schwer. Die Welt sieht für mich einfach wie eine Kugel aus, genauso wie die Farben von allen Inseln, die darauf sind: Asien, Afrika, Polen, Schweden, Fuerteventura, Deutschland, Europa und mehr. Die Weltkugel fühlt sich rund an. Riechen kann ich gar nichts, die Welt kann man nicht riechen. Nur der Müll stinkt wie die stinkenden Socken meiner Familie.
Die Welt kommt wie ein neugeborenes Baby auf die Welt, wie ich früher in dem Bauch von meiner Mutter war. Und die Welt kommt aus dem Bauch der Mutterwelt.
Die ganze Familie trennt den Müll, und meine Mutter trennt die Wäsche, und ich rede von der Rettung der Welt." (Nora Fiedler, diktiert)

 

 

Ohrenkuss: Ansgar Peters in einer Zelle mit Chromosomen

 

Das Kunstwerk im weißen Zelt ist von Ernesto Neto. Ich sitze in einem Kunstwerk – eine Säule. Die Säule ist schön beleuchtet. Und ich sehe ein rotes Licht scheinen – rot wie die Liebe. Ich finde die Säule sehr gigantisch. Es leuchtet in der Nacht wunderschön. Das Kunstwerk ist ziemlich breit – wie ein Baum. Es ist weiß, überall weiß - und da rot. Der Fußboden ist richtig schön weich und sanft. Ich liebe es gerne.

 

 

"Mein Körper aus Zellen.
In den Zellen sind Chromosomen. 47 Chromosomen.
Ich bin in Düsseldorf geboren.
Als wir mit dem Auto gefahren sind. Meine Familie.
Ich bin froh, wenn ich dabei bin.
Die Welt, die macht mich froh.
Ich bin mit mir zufrieden.
Ich bin zufrieden, dass sich gute Laune habe.
Ich bin glücklich." (Daniel Rauers, diktiert)

 

 

Ohrenkuss: Anna-Lisa Plettenberg in der Ausstellung Outer Space

 

Anna-Lisa Plettenberg, diktiert
Der Alex Karim, der ist ein Professor über diesen Urknall. Der ist in der Ohrenkuss-Redaktion gekommen. Dass (wir) darüber reden, über die Urknall.
Dieser Urknall ist ein englischer Wort: „Big Bang“.
Dass die Sterne zusammen waren, wenn die aufgepustet hat, dann ist wieder weiter geworden. Das habe ich noch im Kopf gehabt. Dass die Zeit länger, weitergeht.
(Alexander Karim hat mit einem Ballon den Urknall erklärt. Vor dem Aufpusten wurden Sterne auf den Ballon gezeichnet. Die Sterne wurden größer, als der Ballon aufgepustet wurde)

Daniel Rauers, diktiert
Ich kann nicht genau erklären, was der Urknall bedeutet.
Ich verstehe die Frage, aber ich kann es nicht genau erklären.
Ich bin auch mal geboren.
Das mit dem Urknall, das kann ich mir überhaupt nicht vorstellen. Das ist so kompliziert, das kann ich nicht erklären.
Der Urknall im Weltraum ist vor Ewigkeiten. Darum geht es.

 

"Das ist die Entstehung der Erde. In Millionen von Jahren, könnte auch Milliarden sein, das weiß keiner so genau, hat sich das entwickelt, nach und nach, da gab es keine Tiere, keine Menschen, kein gar nichts. Da gab es auch noch Ur-Saurier. Das wurde immer größer und größer, das ist ein Planet. Dass die Sonne größer wurde. Und viele sind von den Urmenschen… aus der damaligen Sicht. Aber das kann immer noch passieren. Kann, aber muss nicht sein.
Ich war damals nicht dabei gewesen.
Das kann man schlecht bezeichnen, auch in Worte zu fassen.
Farben? Das kann man nicht ausdenken.
Wann? Das weiß keiner. Auch nicht die Naturforscher.
Die Erde ist ja wie eine Kugel.
Da muss sie sich ja von Millionen Jahren angesammelt haben, dass es sich später zum Urknall entwickelt hat.
Die Erde ist ja genauso rund.
Da gab es keine Tiere, kein menschliches Wesen." (Achim Priester, diktiert)

 

 

Ohrenkuss: Verena Günnel in der Ausstellung Outer Space

 

Für mich viel zu viele Sterne da waren. Da waren richtig viele. Ich kann nicht so viele zählen auf einen Schlag. Wie weit ist diese Weltraumphantasie? Es gibt Sterne, Namen genannt worden. Nicht alle, nur manchmal. Das kann man nicht richtig beschreiben, wie Weltraumverstand ist. (Verena Günnel, diktiert)

 

 

Ohrenkuss: Paul Spitzeck in der Ausstellung Outer Space

 

Leben im All?

 
 
 
 
 
 
"Schön wär’s. Es gibt im Weltall, aber im Fernsehen, nicht in echt. Der Weltall ist sehr groß und sehr breit und nicht zu klein, aber es muss auch stimmen. Wenn ich sehen würde in der Ecke, dann würde ich sagen: Gibt es wirklich Alien." (Angela Fritzen, diktiert)
 
 
 

"Mein Vater war Professor für Astronomie. Er meinte, dass das alles Quatsch ist. Er hat nichts von Außerirdischen gehalten. Und ich bin seiner Meinung." (Achim Priester, diktiert)
 
 
 
 
"Ja, aber schwierig, weil oben ist andere schwerelos als die Erde. Im All muss man ein Anzug trage, weil wenn man so in All fliege, stirbt man. Die Alien kann oben spazieren gehen und brauch kein Anzug, weil die Alien lebt in die All. Es gibt kleine Alien, große Alien, aus Gold, aus Silber. Manche sind nett, manche ist nicht nett. Manche beißen auch. In den All ist dunkel. Da gibt es kein Licht. Nur winzige Sterne. Die Raumschiffe leuchten in die dunkle All. Es gibt Kontakt im All mit die Menschen in die Erde. Mit Walkie-Talkie. Wenn ein Raumschiff kaputt ist, kann man anrufe und Raumschifftaxi kommt und wird die Menschen im All Hilfe zu hole." (Paul Spitzeck, diktiert)

 

 
"Ich glaube, dass im All überhaupt nicht Leben ist. Da gibt’s nur Aliens und E.T.
Wenn ich ein Alien bin, dann bin ich E.T.
Weil ich nach Hause möchte." (Anna-Lisa Plettenberg, diktiert)
 
 
 
 
"DAS DOWN-SYNDROM IST EIN ALIEN." (Angela Fritzen, handgeschrieben)
 
 
 
 
"Aliens beißen nicht. Ich bin mutig." (Marley Thelen, diktiert)
 
 
 
 
"Also ich bin noch nie die Alien begegnet bin, weil ich bin anders bin. Der wohnt in Weltraum, ich nicht, ich wohne in Bonn. Für mich ist der viel zu groß und ich bin zu klein.
Ich war noch nie begegnet, weil ich treffe ganz selten einen Alien. Ich möchte gerne einen Alien treffen, brauche Uhrzeit, wenn ich Zeit habe, dann kann ich ihn treffen. Dann kann ich ihn einladen, wenn ich Lust hab." (Verena Günnel, diktiert)
 
 
 

 

Ohrenkuss: Daniel Rauers in der Weltraum-Ausstellung

 

 

"Ich treffe irgendein Alien. Die versteht mich. Ich rede mit ihm. Deutsche Sprache. Zeichensprache. Mittelgroß: 1 Meter lang. Ich treffe ihn bei dem Ufo auf der Erde. Wir machen was: Sachen. Coole Sachen. Freundschaft. Zusammen anrufen. Zeichensprache. Skype. 10 Stunden. Wir sind gut. Wir sind besser. Wir haben perfekte Zeichensprache gemacht. Wir haben den Raumschiff angeguckt. Und wir haben Ufos gesehen. Freundschaft. Wir haben gechillt. Wir haben Zeit gechillt. Wir haben Scherze gemacht. Faxen. Wir sind in die Dusche. Wir haben kalt geduscht, wir sind in der Badehose. Wir haben in die Uhrzeit gechillt, fünf Tage gechillt. Um halb elf haben wir geskypt. Ich bin auf der Erde. Alien auf dem Mond, ich hab mit dem Mond geredet." (Daniel Rauers, diktiert)

 

Texte und Fotos: © Ohrenkuss

Fotos: Hanna Witte, Köln www.hanna-witte.de

 

 

 

 

 


Einige Ohrenkuss-AutorInnen in einem Kölner Hinterhof. Marc Lohmann (mit Mütze), Karoline Spielberg (vorne), Susanne Kümpel (hinten mit weißer Jacke), Angela Fritzen (auf dem Zaun), Antonio Nodal (vorne), Svenja Giesler (mit der roten Jacke) und ein Gast aus Berlin.


... mongolisch ist mongolisch und klingt wie mongolisch ...

Ohrenkuss ...da rein, da raus, das Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom gibt es seit mehr als zehn Jahren.
Das Projekt ist einmalig auf der ganzen Welt und mehrfach preisgekrönt.
Es erscheint zweimal jährlich - mit jeweils einem Thema, Texten der bis zu 50 AutorInnen mit Down-Syndrom und professionellen Fotos, und man kann es abonnieren: Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.ohrenkuss.de

Im August 2010 wurde das Bundesverdienstkreuz dafür an Gründerin Katja de Bragança verliehen - der Bericht ist hier: Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2010/08/24/ohrenkuss-verdienstkreuz-am-bande.htm

Newsletter:  Wer regelmäßig über Ohrenkuss informiert werden möchte, kann hier den Ohrenkuss-Ipeschl abonnieren: Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.ohrenkuss-ipeschl.de.

Fotos und Texte © Ohrenkuss
Gestaltung der gedruckten Ausgabe: Maya Hässig

 
 

 

 

 

 

 

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