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Konferenz Trust Organic Small Farmers

Jubiläum der Netzwerk-Initiative TOSF mit unseren Bio-Kleinbauernpartnern

Unsere Runde war diesmal etwas kleiner, da Dominik von KAITE / Zimbabwe und Barend von der Wupperthal-Cooperative / Südafrika fehlten.
Unsere Runde war diesmal etwas kleiner, da Dominik von KAITE / Zimbabwe und Barend von der Wupperthal-Cooperative / Südafrika fehlten.
Sarath Ranaweera von BioFoods, Sri Lanka
Sarath Ranaweera von BioFoods, Sri Lanka
Am Kopf des Tisches Father Jilsen und Sunil Joseph von PDS, Indien
Am Kopf des Tisches Father Jilsen und Sunil Joseph von PDS, Indien
Sich gegenüber sitzend rechts: Karin Wegner und Kirsten Arp vom BNN
Sich gegenüber sitzend rechts: Karin Wegner und Kirsten Arp vom BNN

Chairperson: Ursula Stübner und Heinz Gasper von Heuschrecke
Chairperson: Ursula Stübner und Heinz Gasper von Heuschrecke
Saraths Familie
Saraths Familie
Unsere Kollegen aus Berlin,
Neben PDS unsere Kollegen aus Berlin,
... aus Kanada und Frankreich
... aus Frankreich und Kanada
Ben Kaukler, Mit-Initiator von Trust Organic Small Farmers
Ben Kaukler, Mit-Initiator von Trust Organic Small Farmers
Karin Wegner über den aktuellen Stand der MOSH/MOAH - Diskussion, ein schwieriges Thema für die Projekte und Händler
Karin Wegner über den aktuellen Stand der MOSH/MOAH - Diskussion, ein schwieriges Thema für die Projekte und Händler


  • Protokoll der 10. Konferenz der Kommunikations - und Netzwerk - Initiative "Trust Organic Small Farmers" am 9.2.2016

Trust Organic Small Farmers (TOSF) is mainly a platform for organic small scale producers ( eg from South Africa, Zimbabwe, India and Sri Lanka) and organic importers and traders from Europe, US and Canada (Heuschrecke is founding member). The network has developed a unique form for transparent and open communication, solution focused approaches to problems and trust as a source to overcome problems...   here the english version.




Trust Organic Small Farmers (TOSF) ist hauptsächlich eine Plattform des Austauschs, der Beratung und Vernetzung zwischen Bio-Kleinbauernprojekten (z.Zt. aus Südafrika, Indien, Sri Lanka und Zimbabwe), und Bio-Importeuren / -Händlern aus Europa, USA und Kanada (Gründung 2007, Heuschrecke ist Gründungsmitglied). In ihrer offenen, vertrauten und lösungsorientierten Form ist diese Vernetzung einzigartig. Die Früchte dieser Zusammenarbeit sollen neben Verbesserungen für die einzelnen Projekte ebenfalls eine anschauliche und transparente Kommunikation zu EndverbraucherInnen sein. So haben wir von allen TOSF-Kleinbauernprojekten ausführliche Reiseberichte auf unserer Website. Auf den entsprechenden Produkten im Bioladen führt ein QR-Code zu diesen Lieferantenportraits. Zur Zeit sind es:


 
 
 

Die Konferenz



Traditionell treffen wir uns (es kommen immer um die 20 Personen zusammen) am Vorabend der BioFach-Messe in Nürnberg - ein bisschen wie eine globale Familie mit viel Freude über das Wiedersehen.
Wir sind wahrscheinlich eine der wenigen (oder die einzige) Fairtrade-Initiativen ohne Büroadresse, ohne Mitgliedsbeiträge, ohne Werbebudget, ohne Organisationsapparat und Personal (aber immerhin Chairwoman / Protokollantin), immer noch eine lebendige Gruppe durch die Geschäfts- und genauso freundschaftlichen Beziehungen - weil so viele gemeinsame Interessen vorhanden sind.
Über das Jahr gibt es Email-Kontakte, unregelmäßig gibt es Reisen und Besuche, aber einmal im Jahr sehen wir uns auf jeden Fall in Nürnberg.


Kernstück unserer  Konferenzen ist immer das ‚Sharing'. Jedes Projekt und jeder Betrieb bekommt Zeit, Veränderungen, Entwicklungen, Neuerungen, Erfolge und auch Probleme und Krisen darzustellen. Viele Schwierigkeiten, mit denen Projekte und Importeure wirklich zu kämpfen haben, sind global und strukturbedingt: nur 2 Stichworte - Klimawandel und Umweltgifte.

 


Dieses Mal ging es einmal nicht so sehr um Pestizide (obwohl immer noch großes Thema durch die Agrochemie), sondern um die sogenannten "natürlichen" Umweltgifte, d.h. Stoffe, die entweder durch Prozesse wie Trocknung / Verbrennung entstehen, wie Anthrachinon (was früher auch als Pestizid eingesetzt wurde, und es aber noch nicht klar ist, ob es auch eine natürliche Entstehung in Boden/Pflanze gibt), oder die über andere Kontaminationen wie durch Verpackungsmaterial usw. (MOSH/MOAH, Erdölverbindungen) in die Ware übergehen. Zu dieser Gruppe muss man noch sagen, dass sie noch garnicht solange analysiert werden kann, und dass der ubiquitäre Belastungsgrad noch nicht bekannt ist (Feinstaub, Belastung des Erdbodens).
Eine weitere Gruppe sind natürliche Fraßgifte der Pflanzen selbst wie die Pyrrolizidin-Alkaloide oder Nikotin. Letzteres ist noch nicht so stark der öffentlichen Diskussion.
Leider gibt es schnell angstmachende Medienhypes, sodass gerade deutsche VerbraucherInnen gerne Nulltoleranz fordern, obwohl - wie gesagt - Eintrags- und Entstehungswege, sowie das Gefährdungspotential wissenschaftlich noch nicht ausreichend erforscht sind. Durch die Panik gerät leider auch der Aspekt aus dem Blickfeld, ob wir Menschen zumindest diese natürlichen Pflanzenstoffe nicht als Reiz oder Information in minimaler Dosis brauchen, um eigene Widerstandskräfte zu entwickeln (es gibt eine Untersuchung, die darauf hindeutet, dass Insekten von den Pflanzen in der Hinsicht lernen).
Für einen Austausch zu diesen Themen hatten wir dieses Mal als "Special Guests" Kirsten Arp und Karin Wegner vom Bundesverband Naturkost Naturwaren eingeladen. Die beiden sind in der QS des Verbands tätig und sehr versiert, was politisch (neue EU-Bio-Verordnung) und wissenschaftlich gerade diskutiert wird.

 

Sharing

 

KAITE: Dominik Collenberg (li) mit Chilibäuerin Frau Chigon'a uns uns Reisenden

Kaite - Organic Africa, Zimbabwe


In Zimbabwe war gerade der Notstand ausgerufen worden wegen extremer Dürre und drohender Hungersnot. Dominik Collenberg, Gründer des Kleinbauernprojekts KAITE / Organic Africa, konnte leider nicht kommen. Er berichtete per Email: "Ja, die EU hat Zimbabwe bekniet, den Notstand auszurufen, so dass Hilfe organisiert werden kann. Der Regen fehlt an einigen Stellen deutlich und ja, wir sind alle betroffen."
Unsere Hauptprodukte aus Zimbabwe sind Bird Eyes-Chilli und Baobab.

 

 

 

 

 

 

Unser Besuch bei den Wupperthalern: Diskussion zwischen Sarath Ranaweera (Biofoods) und Barend Salomo (re) über den Einsatz klassischer Teemaschinen für Rooibusch

Wupperthal Original Rooibos Cooperative, Südafrika


Barend Salomo vom Vorstand der Wupperthal Original Rooibos Cooperative in Südafrika kam leider nicht rechtzeitig nach Deutschland, da sein Visum verspätet eintraf. Wir trafen ihn erst später auf der BioFach Messe. Die Wupperthaler Cooperative hatte an einigen Standorten begonnen, nach Demeter-Richtlinien anzubauen und die Pflanzen mit den selbst dynamisierten Präparaten zu behandeln. Die Erfahrungen für Rooibusch waren so gut, besonders angesichts der Klimawandel-Folgen, dass die Demeter-Methode nun breiter angewandt wird. Wir hoffen natürlich, dass dann mittelfristig eine Demeter-Zertifizierung möglich sein wird.

Die andere gute Nachricht aus Wupperthal betrifft Pyrrolizidin-Alkaloide. Unser deutsches Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) meinte, Rooibusch Tee sollte lieber auch mal auf Pyrrizidinalkaloide durch Beikräuter getestet werden.
Die Wupperthaler Bauern und Bäuerinnen ernten per Hand mit Sensen, weshalb die Gefahr gering ist für unerwünschte Bei-Ernten. Dennoch hatten wir in unserer Analyse minimale Werte im untersten Bereich gefunden. Die Cooperative bekam dann eine Auswertung der einheimischen, oft autochthonen Pflanzen durch ein Forschungsinstitut zur Verfügung gestellt, und konnten eine PA-haltige Pflanze bestimmen, die jetzt systematisch aus den Rooibusch-Feldern entfernt wird.

Von den Wupperthalern stammt unser guter Rooibusch-Tee.

 

 

 

Unser Besuch bei PDS: Sunil (li) und wir besuchen den Sahyadri-Kleinbauern Augusthy Vattothu, der auch Gummibäume beerntet

PDS, Kerala/ Indien, Sahyadri Spice Farmers Association


Sunil Joseph berichtet für die NGO Peermade Development Society (PDS) mit den angeschlossenen Sahyadri Spice Farmers. Begleitet wurde er von Father Jilsen, dem Nachfolger von Father Jose Cherian, der nun in die USA geht, um dort eine indische Gemeinde zu leiten. Gegründet wurde die christlich-kirchliche PDS von Bischof Arackal. Geschäftsführer der Organisation ist immer ein Father, der neben der Leitung z.B. der Gewürzfabrik ebenso zuständig ist für alle Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen, Seelsorge, sowie Dozentenstellen an Universitäten innehat. Ein riesiges Pensum.

Im letzten Jahr hat die PDS das Warenlager vergrößert, sodass mehr Ware eingelagert und gleichmäßiger aus dem Lager heraus verkauft werden kann.

Das eigene Labor wurde vergrößert um ein Soil Testing Laboratory. Hier wird z.B. über Mikrobiologie geforscht und natürliche Pflanzenschutzmittel entwickelt. Die große Herausforderung unter dem Klimawandel sind verstärkte Probleme mit Schädlingsbefall und Pflanzenkrankheiten. Im PDS-Trainingscenter gibt es neue Programme für die Bauern zur Unterstützung. Aufgrund der veränderten Wetterbedingungen und der veränderten Schwankungszeiten der Tagestemperaturen ist es ein nun Problem, Produkte anzubauen, die man früher problemlos anbauen konnte.

Vor kurzem wurde das PDS-eigene Museum über die lokale Historie von Gewürze und Tee der Region Peermade eröffnet.

Heuschrecke bezieht von PDS z.B. verschiedene Pfeffersorten, Curcuma, Ingwer, Nelke und Zitwer

 

 

 

 



Unser Besuch bei BioFoods, Spice-Factory Matale, Trocknung Muskatnüsse. Im Bild: Sarath Ranaweera

Biofoods, Sri Lanka / Small Organic Farmers Association


Eine schöne Neuigkeit kommt vom Gründer und Vorsitzenden der Verarbeitungs- und Exportfirma BioFoods Dr. Sarath Ranaweera - er hat vor kurzem den ersten Demeter-Verband Sri Lankas mit-initiiert: Biodynamic Association of Sri Lanka.
BioFoods verarbeitet und vermarktet die Small-Farmers-Produkte von SOFA und MOPA. Von ihnen beziehen wir z.B. Muskatnuss, Macis, Pfeffer, Nelke und Curryblatt.
Als Pionier-Persönlichkeit beschäftigte ihn schon länger eine der Schlüsselforderungen der Weltagrarberichte: Kleinbauern- und Bioprodukte im Inland besser verfügbar zu machen. So gab es auch hier einiges Neues zu berichten.


Die Small Organic Farmers Association (SOFA) hat nach dem offiziellen Bürgerkriegsende und den aktuellen Befriedungsbemühungen der Regierung gezielt ehemalige Rebellen als Kleinbauern rekrutiert.
Mehr unterschiedliche und auch frische, sowie TK- Bio-Lebensmittel werden für den inländischen Markt produziert. Ein Fokus sind dabei auch glutenfreie Produkte.

Bioprodukte haben es jedoch auf Grund ihrer hohen Preise extrem schwer auf dem Inlandsmarkt. Um dem zu begegnen hat Sarath Ranaweera einen neuen inländischen Bio-Standard mit Zertifikat entwickelt, der speziell auf die einheimischen Verhältnisse zugeschnitten ist: weniger bürokratisch, einfacher umzusetzen und deshalb viel kostengünstiger als die internationalen Standards. Sarath bezeichnet diesen Standard als bio-ähnlichen Standard, die Produkte seien aber nicht explizit als "bio" gelabeled wie z.B. in der EU. Der neue Standard steht kurz vor Absegnung durch die Regierung.

Vor kurzem entstand nach dem langen Stillstand aufgrund des 30jährigen Bürgerkriegs die moderne Arbeitnehmer-Organisation SLEPA, die den Arbeitnehmerschutz, aber die Entwicklung des Landes, vor allem die Infrastruktur vorantreiben will. In einer Beziehung ist das moderne Sri Lanka der EU einen Schritt voraus: die Einfuhr des umstrittenen Pestizids Glyphosat wurde komplett verboten, was in Kürze auch das Aus in der Anwendung bedeuten sollte.

International stecken Kleinbauernverbände immer noch in einer härteren Wettbewerbssituation als z.B. Plantagen, die aufgrund größerer und einheitlicherer Strukturen immer günstiger produzieren können. So hat die Fairtrade -Zertifizierungsorganisation FLO gerade die Standards für "Small Farmers" so verändert, dass sie jetzt auch von Plantagen in Anspruch genommen werden können, wenn nur ein Teil Kleinbauern dabei sind. Die Profilierung für "echte" Kleinbauernprojekte, bzw. deren Marktchancen verringert sich durch die ungünstigere Kostensituation.

Auch Probleme und Kosten durch die Umweltgifte der Agroindustrie (Kontaminierungen, Unfälle) stellen für Kleinbauernprojekte  eine höhere Belastung dar, da Flächen und Ware viel vielfältiger und damit inhomogener sind. So hat auch BioFoods in der Qualitätssicherung noch mal aufgerüstet:
    - bessere, genauere Tests auf Rückstände,
    - jeder noch so kleine Fund wird gemeldet (auch cross-contamination). Kontaminierungen sind generell schwierig zu kontrollieren bei 500-1000 Bauern (Wind, Wasser, generell viel mehr Faktoren als bei zusammenhängender Plantagenwirtschaft).

Dazu sind die Eintragsquellen für Stoffe, die einmal als Pestizid benutzt werden können, aber auch natürlich oder umweltbedingt in der Umgebung vorkommen, wissenschaftlich noch nicht zufriedenstellend erforscht - es gelten im EU-Bio-Standard trotzdem die Grenzwerte für Pestizide, was etliche Bio-Chargen vom Markt kickt, obwohl die Bauern keine Pestizide eingesetzt haben.
Laut Sarath Ranaweera können diese Probleme nur mithilfe einer größeren, stärkeren Bio-Lobby gelöst werden. Europäische Labore würden nicht zwischen künstlichen und natürlichen Einträgen unterscheiden.


Tea Promoters India (TPI)

Unser Besuch bei TPI, Teefarm Putharjhora: Gautam Mohan in der Teeverkostung


Gautam Mohan, Agraringenieur und Enkel des Gründers Brij Mohan von TPI berichtet für die Firma, die nun 8 Bio-Teeplantagen verwaltet. Dazu werden Tees von 4 Teebauern-Kooperativen verarbeitet und vermarktet.
Insgesamt war 2015 ein gutes Jahr mit gutem Wetter. Doch in Assam brachte der Monsun viel Zerstörung und es gab einen tragischen Todesfall einer Teebäuerin.


In Assam hat TPI den Teegarten Chardwar (Vier Himmelstüren) übernehmen können. Die Plantage mit 300 Teebauern-Familien war stark vernachlässigt und ist sehr arm, aber einen Teil der Basisarbeiten hat TPI bereits geschafft: alle Häuser haben nun eine Toilette. Die Renovierung der Häuser läuft gerade mit Regierungsunterstützung. Eine eigene Teefabrik ist im Bau. TPI ist dabei, die dort übliche Kinderarbeit abzuschaffen.
 
In Darjeeling steckt TPI Energie in den Aufbau des Öko-Tourismus. Ziel ist die Erschaffung lokaler und individueller Tourismusprojekte, die sich selbst unterhalten und die Bildung in der Region unterstützen können, sodass die Gemeinschaften unabhängiger von den Fairtrade - Prämien für Produkte werden.

Auch Gautam moniert die immer neuen Rückstandsproblematiken, die jedes Jahr von der EU etwas hilflos (aufgrund unzureichender wissenschaftlicher Datenlage) vorangetrieben werden und die Projekte in den Drittländern in Kosten stürzen. TPI hat nun eine Darjeeling-Gemeinschaft mitgegründet für eine Studie " PAK und Anthrachinon" zu künstlichen und natürlichen Eintragsquellen und deren Reduktion. Die Studiengemeinschaft arbeitet mit dem Indian Tea Board, dem deutschen Teeverband und der EU zusammen.
Das kommende "Umweltgift des Jahres", so mutmaßt er, wird Nikotin sein, das auch von den Pflanzen selbst gebildet werden kann.



MOSH / MOAH und andere Rückstände


Aus der Reihe der Projektpartner in Übersee kam der Wunsch, über die Rückstandspolitik der EU-Bio-Verordnung und der deutschen Behörden zu sprechen. Für die Diskussion hatten wir Kirsten Arp und Karin Wegner von der QS des Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) gebeten, an der Konferenz teilzunehmen, was sie sehr gerne taten. Sie konnten durch ihre Vernetzung mit Bundes- und EU-Behörden, sowie der Arbeit des wissenschaftlichen BNN-Beirats gute Hintergrundinformationen geben. Gleichzeitig nahmen sie aus der lebhaften Diskussion die Positionen der Projektpartner mit.


Typischerweise werden neue Analysemethoden in Europa entwickelt und neue Problemstoffe gefunden, die vorher nicht gemessen werden konnten. Oft sind es Stoffe, mit denen wir seit langem leben. Jüngste Beispiele: Pyrrolizidinalkaloide und Nikotin (die auch natürliche Umweltstoffe sind), Anthrachinon aus anthropogenen Trocknungs-/Verbrennungsprozessen, und MOSH/MOAH, Mineralölderivate aus allen möglichen Erdölverbindungen, die krebsverdächtig sind. Letztere stehen im Moment im stärksten im Fokus der EU und Deutschlands. Eine der deutschen Test-Zeitungen hatte sie in einem Pfeffer nachgewiesen. Natürlich ist die Aufregung bei den pfefferproduzierenden Kleinbauernprojekten groß.

Auch typisch: es fehlen wissenschaftliche Grundlagen über die genauen Entstehungswege, und zur Beurteilung der Giftigkeit beim Menschen:
- Woher kommt es? (nur teilweise bekannt, z.B. auch Schmieröle in Ernte- und Verarbeitungsmaschinen, Luft/Feinstaub, Boden)
- Testmethoden? Große Varianz zwischen Laboren und Proben, sogar innerhalb einer Probe.
- Werden Inhaltstoffe der Produkte missinterpretiert? Gefahr bei Gewürze und Kräutern mit hohem ätherischen Öl-Anteil.
- Keine Höchstmengenerordnung vorhanden.
- Für Kräuter und Gewürze ist der Konsum in der Regel zu gering, um die erlaubte Menge zu erreichen.

Beispiel Mineralölderivate MOSH/MOAH. Sie können seit ca. 5 Jahren gemessen werden. Da Erdöl überall in vielen Zusammenhängen verwendet wird (nicht nur in Druckfarben/ Recyclingpapier), und es zusätzlich evtl. natürliche bzw. Umwelt-Eintragswege gibt (Luft, Boden), ist MOSH/MOAH wahrscheinlich auch ubiquitär und kommt in den Lebensmitteln wieder zum Menschen zurück. Wir haben zum Beispiel MOSH/MOAH aus allen unserer Verpackungen ausgeschlossen, aber alleine in der Rohware auch alteingesessener deutscher Biobetriebe sind schon kleine Mengen messbar.
Der sehr streng gehaltene Höchstmengenentwurf, der noch nicht veröffentlicht ist, lässt wahrscheinlich momentan zu viele Lebensmittel herausfallen. Es ist ein Vorstoß aus Deutschland, also nationales Gesetz. Der Entwurf legt Migrationsgrenzwerte aus Altpapier-Verpackungen fest, also keine Höchstgehalte im Lebensmittel. Ob sie dennoch von Unternehmen/NGOs/Medien ... als Grenzwert im Lebensmittel herangezogen werden, kann Kirsten nicht ausschließen und sich schon vorstellen.

Die Krux bei all diesen Stoffen ist, dass das von Behörden und Verbrauchern bevorzugte System - lückenlose Analyse aller in Frage kommender Stoffe, und dem Vernichten kontaminierter Chargen - nicht finanzierbar und ethisch nicht zu vertreten ist. Die Bauern und Mittelstand sind hier nicht die richtige Adresse - die Lösung kann nur politisch sein (Umweltschutzgesetzgebung für Industrie, Verkehr, Luft, Wasser etc.).

Gerade in Deutschland entsteht durch den Umgang der Medien und Verbraucherschutzorganisationen mit solchen Befunden schnell Verunsicherung bei den VerbraucherInnen.  

Wir bekamen außerdem einen Einblick in den Stand der neuen EU-Bio-Verordnung (Revision): ein Streitpunkt ist eine Höchstmengenverordnung für biozertifizierte Produkte. Etliche EU-Länder fordern eine Nullgrenze, also Null-Toleranz - für Importeure und Bio-Industrie die bequemere Variante, ein Ja/Nein-Spiel ohne Risiko für sie selbst, und verlockend einfacher Schutz vor Biobetrug.
Andere EU-Länder, und auch die deutsche Biobranche, die der BNN vertritt, sagen generell, dass in einer Welt mit Chemie- und Agroindustrie im heutigen Ausmaße keine Rückstandsfreiheit mehr möglich ist. Schließlich setzen die Biobauern selbst keine Pestizide ein, tragen also aktiv zum Umweltschutz bei - deshalb darf man ihnen nicht das Risiko für Kontaminationen aufladen - was Kleinbauern auch sofort ruinieren würde.
Kirsten erklärte, wie vertrackt die Situation ist, wie aus vielen Lobby-Forderungen eine vermeintlich bessere Lösung gestrickt wird, wo schließlich jede einzelne Handels- und Verarbeitungsstufe bis hin zum Bauern bei jedem Schritt "Best Practise" nachweisen soll, falls es zu einer Rückstandsmessung kommt. Ein Dokumentierungswahnsinn droht, für den Bauern und Kleinbetrieben die Kapazitäten fehlen.
Es kann sein, dass die kommende EU-Revision das Bio, wie wir es jetzt kennen, nur noch kompatibel für Industrie und Plantagen macht. Dann muss das alte, soziale "Bio" wieder neu erfunden werden.

Weltagrarbericht 1 und 2, sowie der Welthungerbericht haben analysiert, dass die nachhaltige und langfristige Ernährung der Weltbevölkerung nur durch kleinbäuerliche Bio-Landwirtschaft gesichert werden kann. Dieses Protokoll schließt deshalb mit dem Leitspruch des Gründers der PDS, Bischof Arackal: "... that they may have life and have it abundantly"  (Joh. 10.10)



Ursula Stübner, Heinz Gasper, Ben Kaukler (Übersetzung)

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