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Gastbeitrag
08.12.2015
19:21

Ohrenkuss: damals, heute, morgen

... damals, heute, morgen: Portraits von Ohrenkuss-AutorInnen

Ohrenkuss-Magazin Okt.2015: damals heute morgen
 


Ohrenkuss ...da rein, da raus - das Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom, unter der Leitung von Herausgeberin Dr. Katja de Bragança. Ein einzigartiges und vielfach prämiertes Projekt der downtown - Werkstatt für Kultur und Wissenschaft gGmbH. Die Ohrenkuss-AutorInnen bloggen in Abständen bei uns zu aktuellen Themen.

 

Nach der letzten, künstlerischen Ohrenkuss-Ausgabe, die schon selbst ein Kunstwerk war, folgt nun ein schlichteres, aber sehr inhalts-dichtes Magazin in der Tradition der ORAL HISTORY: die Ohrenkuss AutorInnen erzählen uns ihre Lebensgeschichten und -philosophien.

Hier im Heuschrecke-Blog folgen nun, mit der freundlichen Genehmigung der AutorInnen, aus der neuen Ausgabe die Portraits von Julia Bertmann, Angela Fritzen, Julian Göpel,Verena Günnel und Paul Spitzeck.


Außerdem es gibt ein neues Projekt vorzustellen: TOUCHDOWN 21, initiiert von der Wissenschaftlerin und Ohrenkuss-Gründerin Dr. Katja de Bragança - wir finden, eine großartige und logische Fortführung aus der bald 20jährigen Erfahrung des Ohrenkuss-Teams.

Aus der Selbstdarstellung:
 
TOUCHDOWN 21 ist ein Forschungs-Projekt.
Ein Forschungs-Projekt mit und über Menschen mit Down-Syndrom.
Wir sammeln Informationen.
Wir wollen das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten.
Und wir wollen Menschen zusammenführen, die dieses Thema beschäftigt.
 
Anm.: Das ist durchaus global gemeint, denn Ohrenkuss hat bereits GastautorInnen aus den USA, Australien und weiteren Ländern. Zitat von Julia Bertman, Fachfrau mit down-Syndrom, im Beirat von Touchdown 21: "TOUCHDOWN 21 blickt auf die Welt der Menschen mit Down-Syndrom. Ich mache mit, weil ich mein Anders-Sein erforschen will."
 
Weitere Informationen unter Opens external link in new window touchdown21.info. Und: "Es wird eine TOUCHDOWN-Ausstellung geben.In der Bundeskunsthalle in Bonn. Vom 29. Oktober 2016 bis zum 12. Februar 2017. Danach wandert die Ausstellung weiter. Wohin? Das wissen wir noch nicht."
 
Auf jeden Fall sind wir, die Heuschrecken, ganz begeistert und wünschen dem neuen Projekt viel Glück und Erfolg.

 

 

 

... damals, heute, morgen: Portraits

 




Julia Bertmann, Autorin bei OhrenkussJULIA BERTMANN


diktiert und handgeschrieben


"Damals als eine Mutter mit mir schwanger war, wusste sie nicht, dass ich das Down Syndrom habe. Meine Mutter wollte mich auf jeden Fall behalten. Als ich auf die Welt kam, freuten sich alle, dass ich da war. Ich war anders als die nichtbehinderten Menschen. Ich denke anders. Ich war in einem normalen Kindergarten und in einer normalen Grundschule. Bis zur 2. Klasse war ich da. Aber dann sind wir nach Mülheim an der Ruhr umgezogen. Da musste ich auf eine Sonderschule. Das fiel mir schwer. Mit nichtbehinderten Menschen komme ich gut klar. Mit Menschen mit Behinderung ist es ein bisschen schwierig. Ich habe keine Freunde sondern Bekannte. Ich will gerne Freunde haben. Mit denen ich was unternehmen kann.


In der Sonderschule sollte ich Schuhe binden üben. Das brauchte ich nicht. Ich hatte immer Schuhe mit Klettverschluss. Lesen, Schreiben, Rechnen gab es auf dieser Schule nicht. Die Lehrer meinten, Menschen mit Behinderungen können das Ganze nicht lernen. Aber heute kann ich lesen, schreiben, rechnen. Dank meiner Mutter mache ich zu Hause Schularbeiten. Ich bin schon viele Jahre beim Ohrenkuss. Bei meiner Arbeit, ich arbeite außerhalb der Werkstatt. In der Firma habe ich Arbeitskollegen, die mich unterschätzen. Ich kann mehr als schreddern, aber das wissen manche nicht, dass ich sehr gut am Computer umgehen kann. 


Ich fühle mich nicht alt. Man sieht es mir auch nicht an, dass ich 34 Jahre alt bin. Man sagt zu mir: das sieht man nicht. Ein Beispiel: Ich gehe zu Edeka und kaufe ein. Zuerst gehe ich an die Wurst Theke und hole Wurstaufschnitt. Die Verkäuferin sagt: möchtest Du eine Scheibe Wurst? Ich sage dann nein danke Sie können mich siezen. Sie ist dann perplex und sagt dann Entschuldigung. Dann kaufe ich Brot. Die Brotverkäuferin sagt welches Brot möchtest Du denn? Ich verdrehe mir die Augen und sage den Satz noch einmal: Sie können mich ruhig sießen. Die Brotverkäuferin sagt Entschuldigung. Das wusste ich nicht.


Ich würde eines Tages von zu Hause ausziehen. Ich kann aber nicht alleine wohnen. Ich bin Zuckerkrank und brauche Unterstützung bei meiner Zuckerkrankheit. Ich muss da leben wo man mich unterstützt. Ich würde gerne mit meinen Mandalas arbeiten und da mit Geld verdienen. Das ist meine Zukunft."






Die Ohrenkuss-Autorin Angela FritzenANGELA FRITZEN


diktiert und handgeschrieben



"Mit 40 Jahren bin ich sehr erwachsen. Für mich bedeutet Erwachensein, ich fahre mit öffentlichen Verkehrsmitteln mit Bus, Bahn, Straßenbahn und Zug alleine. Ich kann alles alleine machen. Ich spiele Saxophon seit 23 Jahren. Ich spiele auch gerne Blockflöte. Ich möchte irgendwann mal umziehen nach Essen zu meinem Freund. Mein Freund wohnt in Essen. Der ist fünf Jahre älter als ich.


Spachen zu lernen
und Leben wir uns
im Leben spielen
zu erleben möchten




Ich möchte gerne als Krankenschwester wie mein Schwester.
Arzthelferin zu werden.
Es gibt nur Praktikantin.
Ich möchte der Arzt sein: Dr. Angela Fritzen."



 

 

 

Julian Göpel, Ohrenkuss AutorJULIAN GÖPEL


handgeschrieben und diktiert

"Meine Selbestimung ist meine Meinung.
Respekt nehmen an anderen Leute 47/46 Chrosomen.

Ich bin 31. Das ist noch jung. Bis ich alt bin, da habe ich noch Luft.

Ich kann alleine alles frei machen und wieder arbeiten.
Ich kann alleine wohne und Haushalt machen kann.
Bald kann ich wieder viele Dinge machen in meiner Freizeit.
Ich kann auch koche und änhliches.

Laufen. Helfen. Fertig.
Was ich will:
Ich war noch nie auf’m Karnevalswagen drauf.
Ich war noch niemals im Feuerwehrwagen drin. Im Krankenwagen auch nicht. Im Polizeiwagen auch nicht.
Ich möchte vierzig werden.

Ich möchte einfach in Leichlingen bleiben (wenn ich alt bin) und nicht in eine andere Großstadt gehen. Ich bleibe in derselben Wohnung wohnen. Das nennt man Selbstbestimmung. Ich muss keine Treppen steigen und es gibt einen Fahrstuhl. Weil es ja viel schneller geht mit dem Aufzug.

Ich mache (wenn ich alt bin) dann nix mehr. Dann bleibe ich im Bett: Füße hoch – Glotze an!

Ich hatte Chance in meinem Beruf, dass ich auf meinen Arbeitsplatz arbeiten kann. Das kann mann auch mit meinem Betreuer reden. Chance ist, was in meinem Haushalt zu tun. Es kann man Wünsche ausuchen und die bringen auch gute Chance.
Chance heißt auch gut dass wir zusammen arbeiten können. Bei uns im Team.
Chance ist, das bringt Glück.
Chance ist, dass man mit den Leuten Glück macht.

Ich erkläre das mal: Ich bin ja Hausmeister-Assistent in der Firma. Da mache ich auch Papier-Kram. Und ich arbeite draußen. Ich bin für alles zuständlich. Zum Beispiel Traktor fahren. Gepäck hochbringen. Getränke hochfahren. Möbel hochfahren. Ich bin auch Handwerker und Maler. Handwerker muss man mit Holzarbeiten starten. Ich darf alleine Holz spalten. Und einer muss immer dabei sein. Als Maler muss man Tapetenwechsel machen. Und neue Sachen malen und neue Plakate aufhängen. Und neue Büroräume einrichten.
Manche Leute muss ich rausschmeißen bei der Arbeit. Wenn die alkoholisiert sind.
Ich darf auch alleine bei der Arbeit Wäsche hoch- und runterbringen: Wäsche falten mache ich auch gerne.
Man sollte bei der Arbeit nicht gemobbt werden.
Ich arbeite mit Kollegen zusammen – und Kolleginnen.
Ich arbeite mit Schweiß und muss Geld verdienen.
Das ist meine Arbeit.

Als ich geboren bin, erst mal im Krankenhaus in Solingen OhIigs.
Später war ich in der Badewanne mit meinen Schwestern zusammen. Ich hab zwei. Ich bin der Älteste. Für meine Schwestern war ich immer der Älteste. Ich war der große Bruder – stimmt.
In der Schule war ich nicht der Ober-Freak. Aber später, als ich groß bin, war ich in der zehnte Klasse und habe meinen Abschluss gehabt.  Da hatte ich Mofa-Führerschein geschafft.
Ich trage eine Brille. Wir alle tragen Brillen.
Ab Winter bin ich immer Schlitten gefahren. Mit meinem Vater zusammen. Als ich klein war, haben wir viele Ausflüge gemacht. Städte-Touren.
Als Kind konnte ich noch nicht lesen und schreiben. Das habe ich erst in der Schulzeit gemacht.
Als ich 18 war, hatte ich so viele Gäste gehabt auf meiner Feier. Da hatte ich erst mal bei meinen Eltern gelebt.
Ich hatte mal Flöten-Unterricht gehabt, als ich Kind war.



Ich bin 31. Ich habe eine eigene Wohnung. Da darf ich bestimmen, was ich will oder nicht. Da hatte ich ganz viel Unterstützung von meiner Familie.
Später kommen dazu meine Arbeitskollegen in meiner Firma Hackhauser Hof. Die haben mich eingeführt in meine Praktikumsstellen.
Flöte spielen mache ich immer noch gerne als erwachsener Mensch.
Wenn ich erwachsen bin, habe ich ganz viel mit Ohrenkuss erlebt. Mit viel Ausflügen. Ich war am Anfang an dabei. Seit 2003. Und bin 13 Jahre dabei. Oder auch noch viel länger. 

Als erwachsener Mensch hab ich mit Ohrenkuss viele Interviews und Ausstellungen gemacht. Fast ganz Deutschland. Das finde ich echt gut. Ich bin immer beim Ausflügen dabei gewesen. Ich hab viele kennengelernt. Saulange Zeit mit Ohrenkuss. Ich hatte auch Schreibassistenten gehabt. Das ist einmal die Kim Beard. Sara Czinczoll. Paul Roberts und Maria de Bragança Roberts. Ich kann mich erinnern, wir waren mal in Wuppertal gewesen. In Frechen in der Kirche, Arp-Museum Rolandseck, Weimar. Da hatte ich mal einen Bogen gehabt zum Schießen. Ich war viele Ausstellungsprojekten mitgemacht, mit Projektleitung und -leiterinnen. 

Ich war früher in der Konfirmation gewesen, da war ich noch sehr jung. Da waren viele Erwachsene ohne Behinderung dabei und mit Behinderung. Ich bin der einzige, der das Down-Syndrom hat, 47 Chromosomen. Aus deiner Konfirmation da hatte ich viele Freunde gefunden und ich bin noch in der Kirche drin in Leichlingen. Heute hab ich mich verändert, ich wohne nicht bei den Eltern, ich hab eine eigenen Wohnung, ich habe Betreuung, der hat auch eine Behinderung. Er betreut mich, wenn ich Hilfe brauche. Meine Eltern sind für immer für mich auch dabei gewesen und heute nicht mehr. Früher hatte ich mal Playmobil gespielt, das tu ich noch heute immer noch. Ich habe eine eigenen Wohnung, da baue ich bald eine Spielwiese an und ein eigenes Zelt zum Schlafen."






Verena Günnel, Ohrenkuss-AutorinVERENA GÜNNEL


diktiert

Zu einem Foto: Verena lächelt, mit rosa-weißem T-Shirt, mit 6 Jahren

 

"Es war einmal ein kleine Mädchen. Mein Name ist Verena. Ich war schon 6 Jahre. Also klein. Danach, später, war ich groß. Aber jetzt bin ich schon 28 Jahre geworden. Und jetzt bin ich erwachsen aus."



Zum Foto „Verena mit Lätzchen“, Dezember 1990

 

"Da war ich fast vier Jahre gewesen. Das war lange Zeit, als ich klein war! Und viel mein Leben erlebt hab, als ich noch klein war. Das war ein lange, lange Zeit gewesen von mir. Ich war so süß wie früher, als ich klein war. Aber ich kann mich nur ganz selten erinnern, wie ich klein war. Habe ich viel was gelernt davon, von meiner Familie beigebracht. Also sehr viele Dinge. Also früher als ich klein war, habe ich auf dem Arm gelegen. Sie haben mein Arm gekrabbelt. Das mag ich! Heute, wo ich erwachsen bin, mag ich das nicht mehr. Nur wenn ich klein bin."



"So alt bin ich ja noch nicht geworden. Manchmal jünger, manchmal älter. Das sind unterschiedlich - Alter. 
Meine Mutter ist schon 59 schon. Und die wird schon 60. Das ist alt.
2048 werde ich 60 Jahre alt. Das ist nicht mehr lange.

Ich bin jung. Anderen Menschen sind älter geworden, viel älter. Die sieht ganz anders aus. Andere Menschen, die sind älter sind.
Ich habe dunkelbraune Haare. Alte Menschen haben weiße, kurze Haare. Die sind unterschiedliche Haare.
Ich habe keine Falten. Meine Haut sieht ganz glatt aus. Und die Alten, die hat ja Falten.

Ich arbeite im Altenheim Evangelische Frauenhilfe in Mehlem.
Mir macht mir sehr Spaß zu arbeiten, wie Menschen betreuen kann. Das macht mir Spaß, da zu arbeiten. Für mich fühle ich sehr wohl und glücklich mein Leben. "






Ohrenkuss-Autor Paul SpitzeckPAUL SPITZECK


diktiert

"Ich hab keine Brille damals.
Und so klein war ich damals.
Damals war ich jünger als jetzt.
Ich war vier Jahre alt auf dem Foto.
Jetzt 21.
Damals war ich dünner. Damals bin ich bei meine Eltern gewohnt. Jetzt wohn ich alleine.
Damals geht das nicht, weil jetzt 21 bin.
Damals war mein Haare blonder als jetzt.

Heute bin ich erwachsen und selbstständig bin ich jetzt. Viele Dinge kann ich selber regeln.
Nämlich: Eigene Schlüssel habe von ihre Wohnung, und häufig hat man auch eine Schlüssel von die Elterhaus. Mein Stammort ist in Köln, meine Nebenwohnen ist in Stankt Augustin – Menden.
Ich bin anders als andere Menschen, weil andere Menschen hat nur 46 Chomosome. Ich bin ein besondere Mensch, ich habe drei Mal 21 Chromosomen. Andere Menschen, der 46 Chromosomen hat, muss nicht uns auslache. Wenn euch uns auslache, dann Spieß rumdrehen – sie 47, dann lache wir auch aus. Und das möchte ihr nicht, darum lasse wir auch in Friede und ihr uns.

Damals habe ich die Katzen gestreichelt.
Damals hatte ich eine andere Stimme als heute, weil ich hatte Stimmbruch. Ich habe früher mal wie ein Mädchen gesprochen und auch gesungen. Ich kann mich nicht mehr erinnern, wenn ich Musik von damals höre. Bin ich das oder meine Schwester? Ich habe erwachsene Stimme. Weil das so ist: Damals eine feine Stimme, heute ein Männerstimme.

Früher mal habe ich nicht gekocht, aber jetzt kann ich kochen.
Früher mal hat meine Mutter mich gefüttert, als ich ein Baby gewesen war. Meine Mutter hat Babybrei warm gemacht. Heute kann ich mit Messer und Gabel essen.

Ich glaube, jeder hat eine Chance. Mit 46 oder mit 47 Chromosomen hat man eine Chance.
Nur 47 Chromosomen die ganze Welt ist auch langweilig. Ein Teil 47, ein Teil 46 Chromosomen hat.
Ich kenn keinen, der immer Chancen hat.
Ich meine, dass jeder hat Chance, aber wenn vorbei ist, dann ist Schluss damit.
Aber ich glaube, die Chance kommt immer wieder.



Ich lebe jetzt in Köln, alleine, in einem Appartement. Weil ich arbeite in Köln und will nicht mehr pendeln.
BeWo heißt: Betreutes Wohnen. Da kommt einer und macht was mit mir. Wie einkaufen, kochen und was unternehmen. Ich schlafe alleine, aber es macht einer immer Nachtwache, denn es ist ein Wohnhaus, in dem viele Leute Hilfe brauchen.
Putzen mache ich, wenn ich frei habe. Und ich koche jeden Tag, immer Warmes.

Ich finde das gut, dass ich in Köln alleine wohne. Aber wenn es Feiertage ist, fahre ich nach meine Eltern. Oder wenn ich mit meinen Eltern in Urlaub fahre, muss ich Urlaub beantragen.
Ich habe gelernt zu Hause Selbstständigkeit. Ich finde mich schon erwachsen.
Ich vermisse meine große Schwester. Wenn ich skype, dann mehrmals mit meiner Schwester.
Ich mag das, wenn ich bei meine Eltern, weil die gibt mir viel Hoffnung und sie denken mit mir und fühlen mit mir, ich in Köln wohne.

Ich vermisse meine Familie.
Das geht so schnell, ich wollte nie erwachsen sein.
Ich finde mich stolz, dass ich alles selber bestimmen kann. Ich bin stolz auf mich, weil ich habe vieles, was meine Eltern nicht gelernt haben.

Wenn ich 75 Jahre alt bin, mache ich mich wieder jung. Viel Sport mache und gut esse.
Ich gehe im Jahr 2059 in Rente. Dann bin ich schon längst verheiratet.
Ich stelle mich nicht alt vor. Ewig jung sein.

Aber alt ist auch gut. Weil dann kann man sich verwöhne lassen: Das Essen am Bett. Und tolle Massage kriegt man. Und wenn man anklingelt, dann kommt jemand und hilft, dass die in Badezimmer. Und manche Leute sind so alt, kann nicht schlafen lege. Dann muss man sage: Geh jetzt bitte schlafe. Meine alte Erinnerunge.

Ich habe ein Praktikum in Altersheim gemacht. War eine schöne Zeit da. Ich habe gedacht: Ich möchte mal Altenpfleger machen.
Die haben nur wenig gegessen, die alten Menschen. Dann wurde das Essen wieder abgedeckt und in den Müll geschmissen. Das macht mich traurig. Aber so ist das Leben. Wenn wir über Leben reden: Es war auch traurig. Weil bei mir sind zwei Menschen verstorben. Das finde ich traurig. Das hat mir in mein Herz so gedrückt. Da habe ich ein bisschen geheult.

Stell Dir vor: Du wirst morgen früh wach und bist plötzlich alt. Wie verbringst Du den Tag?
Ich bleibe im Bett liegen und lasse mich verwöhnen. Dann muss viele Stars vor meinem Bett auftrete und macht Musik. Und ich kriege tolles Essen. Aber: Wenn ich alt bin, möchte ich gerne noch Zähne haben."




 


Einige Ohrenkuss-AutorInnen in einem Kölner Hinterhof. Marc Lohmann (mit Mütze), Karoline Spielberg (vorne), Susanne Kümpel (hinten mit weißer Jacke), Angela Fritzen (auf dem Zaun), Antonio Nodal (vorne), Svenja Giesler (mit der roten Jacke) und ein Gast aus Berlin.


... mongolisch ist mongolisch und klingt wie mongolisch ...

Ohrenkuss ...da rein, da raus, das Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom gibt es seit mehr als zehn Jahren.
Das Projekt ist einmalig auf der ganzen Welt und mehrfach preisgekrönt.
Es erscheint zweimal jährlich - mit jeweils einem Thema, Texten der bis zu 50 AutorInnen mit Down-Syndrom und professionellen Fotos, und man kann es abonnieren: Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.ohrenkuss.de

Im August 2010 wurde das Bundesverdienstkreuz dafür an Gründerin Katja de Bragança verliehen - der Bericht ist hier: Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2010/08/24/ohrenkuss-verdienstkreuz-am-bande.htm

Newsletter:  Wer regelmäßig über Ohrenkuss informiert werden möchte, kann hier den Ohrenkuss-Ipeschl abonnieren: Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.ohrenkuss-ipeschl.de.

Fotos und Texte © Ohrenkuss
Fotos: Opens external link in new windowBritt Schilling, Freiburg
Gestaltung der gedruckten Ausgabe: Maya Hässig

 
 




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