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Kostbarer Boden

Bildbetrachtung: Kostbarer Boden

 

 

 

  • 10 Dinge, die man sieht und die man nicht sieht

 

Bio-Kamillefeld in Kroatien im Klimawandel

 

 

Terra Magnifica in Kroatien, Bio-Kamille, wie sie sein soll1) Auf dem Bild: ein Bio-Kamillefeld in Kroatien. Man sieht ein typisches Klimawandel-Phänomen: plötzliche, heftige Wetterphänomene - hier ein Hagelschauer mit Überflutung. Die komplette Kamille-Ernte war für dieses Jahr zerstört. In Europa sind diese Überflutungsphänomene häufig geworden. Oft wechseln sie mit Dürrephasen - in China z.B. gab es voriges Jahr ein Teestrauch-Sterben.

 

 

2) Pestizidtransfer: Durch die Überflutungen läuft die Pestizidbrühe aus 1-2 km entfernten, konventionellen Mais- und Tabakfeldern in die Bio-Felder. Wenn nach dem Starkregen noch etwas zu ernten ist, wäre das verseucht. 
Vor kurzem wurde festgestellt, dass der feine Sprühnebel bei der Pestizidaufbringung teilweise mehr als die bisher angenommenen 2 km weit fliegt. Pestizide bestehen aus unterschiedlich schweren und leichten Teilen, die über etliche Kilometer hinweg noch meßbar sind - Entfernungen, wo kein Verursacher mehr für die Abdrift feststellbar ist. Bio-Bauern bleiben meist auf diesem Risiko sitzen.

 

 

3) Gestern gab die EFSA, unsere europäische Behörde, die uns vor Giftstoffen schützt, die Empfehlung heraus, das Pestizid Glyphosat (ein Breitbandpestizid zur Unkrautvernichtung aus dem Hause Monsanto) nach dem Auslaufen der Erstgenehmigung für weitere 10 Jahre zuzulassen.
Die WHO, die Weltbehörde, die für unsere Gesundheit zuständig ist, wollte Glyphosat stoppen. Sie hatte Glyphosat zuvor als "Wahrscheinlich krebserregend" eingstuft, eine sehr starke Warnung. Glyphosat wurde in Deutschland weit verbreitet im Grundwasser gemessen, sowie im menschlichen Urin und im Blut.
BfR (Bundesinstitut für Risikoforschung in Deutschland) und EFSA werfen der WHO fehlende Relevanz der ausgewählten Studien vor. Umgekehrt wird den Behörden von NGOs und Umweltverbänden Beeinflussung durch Lobbyismus vorgeworfen, relevante Studien seien nicht berücksichtigt worden. (Hintergrundinformationen vom Pestizid-Aktions-Netzwerk e.V.: http://www.pan-germany.org/download/presse/PAN_PI_Glyphosat_151112_F.pdf ).

 

 

4) Glyphosat wird vor allem bei gentechnisch veränderten Pflanzen eingesetzt, da diese unempfindlich gegenüber diesem Pflanzengift sind. In Deutschland ist der Gen-Anbau im Moment nicht präsent, dafür aber um so mehr der Anbau für Bio-Sprit. Da diese Ernten nicht der Nahrung dienen, können Pestizide in viel höheren Mengen eingesetzt werden.

 

 

5) Boden ist das Kostbarste, was wir haben. Er ist nicht vermehrbar, eher im Gegenteil - vor kurzem gingen die Berechnungen durch die Presse, wieviel Land in den nächsten Jahrzehnten durch den Klimawandel verloren gehen wird. Durch das anhaltende Bevölkerungswachstum wird außerdem mehr Boden versiegelt, und es hat bereits einen Run auf verwertbares Ackerland eingesetzt. Der Weltagrarbericht warnt indirekt, dass durch Wasserknappheit, Auslaugung durch Agro-Industrie und Umweltverschmutzungen weiteres Land unbrauchbar für die Lebensmittelerzeugung wird.

 

 

6) Landgrabbing: Regierungen (z.B. China in afrikanischen Ländern) oder globale Konzerne (wie Nestle in Mittelamerika für Kakaoplantagen) kaufen Ackerland auf anderen Kontinenten, um ihre eigene Nahrungsmittelproduktion zu sichern. Meistens werden (Klein-)Bauern gezwungen, ihr Land aufzugeben, gegen wenig Geld, und verlieren zwangsläufig ihre Existenz. Aus Tansania hatte uns Kille Enna berichtet, die für die dänische Action Aid-Kampagne "STOP FOOD FUEL" unterwegs war:  http://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2013/04/15/kille-enna-bio-sprit-oder.htm

 

 

7) In Deutschland wird 6,3% der landwirtschaftlichen Fläche kontrolliert biologisch bewirtschaftet (2014). Seit 2010 gibt es kaum noch Zuwachs bei Bio-Bauern: nur um 0,4% ist die Biofläche in quasi 5 Jahren gewachsen. Ein Grund: extrem hohe Pachtpreise für Ackerland in Deutschland: Hochschulabsolventen von nachhaltigen (Agrar-)Studiengängen mit dem Wunsch, einen eigenen Bio-Hof aufzubauen, finden kaum Land. Hier läuft bereits eine Konkurrenz zwischen Groß-Tiermästern, die Land für ihre Gülle-Entsorgung nachweisen müssen, und Anbauern für Bio-Sprit, die die Preise so in die Höhe getrieben hat, dass mittelständische (Bio-)Bauernhöfe für Lebensmittel nicht mehr wirtschaftlich sind. Die bisherigen Bundeszuschüsse für Bio-Anbau wurde aufgeteilt auf mehrere Ressorts - für Bio-Betriebe sind sie gesunken. Die Verteilung der EU-Agrarsubventionen bevorzugt trotz interessanter Anläufe (EU-Kommissar Ciolos/ Bulgarien hatte was versucht Richtung Nachhaltigkeit, ist aber an der Lobby gescheitert) immer noch (Agrar-)Konzerne.

 

 

8) In Europa sind mehrere Initiativen entstanden, um freiwerdendes Ackerland genossenschaftlich zu kaufen, und so für die biologische Landwirtschaft zu "retten". Ein Beispiel ist die von der GLS-Bank initiierte Genossenschaft BioBoden ( Opens external link in new windowhttps://bioboden.de/startseite/ ). Wir sind Mitglied (jeder kann Mitglied werden ...). So werden auch Nachfolger vermittelt, wenn - wie jetzt die erste Generation - Biobauern in Rente geht. Eigentlich wäre das aber eine staatliche Aufgabe...

 

 

9) Pestizidverseuchung - es geht auch anders: 2010/ 2011 gab es in Brasilien den Endosulfan-Skandal im Sojaanbau. Bio-Bauern des Dorfes Capanema wehrten sich, nachdem ihre Ernten durch den großflächigen Pestizideinsatz nicht mehr vermerktbar waren (und natürlich die Gesundheit bedroht war). Mit einer Petition und großem öffentlichen Druck wurde erreicht, dass die Bauern entschädigt wurden, und das Nervengift Endosulfan seit 2014 komplett in Brasilien verboten ist (mehr Info: http://www.gebana.com/de/news/2014/05/27/chega-4-jahre-nach-dem-endosulfan-skandal/ ).



10) Augen auf - eine Bitte an die LeserInnen: in nächster Zeit wird es sicher noch Kampagnen gegen die Glyphosat-Weiterzulassung in Europa geben. Vielleicht eine Möglichkeit, noch etwas aufzuhalten.

 

 

Ursula Stübner, Heinz-Dieter Gasper

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