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Test: Grüntee - Schadstoff-Test

Bio im grünen Bereich. Stiftung Warentest vom 24.9.2015: Grüntee

Teelandschaft. Fairbiotea-Teegarten Qingshan


Im Test von Stiftung Warentest waren 25 Grüntees, darunter 9 Bioprodukte.


Getestet wurde auf folgende Schadstoffe: Pyrrolizidinalkaloide (i.f. Pyrrolizidine), Anthrachinon, PAK, Mineralölbestandteile (MOSH, MOAH), Nikotin und Pestizide. Nur ein konventioneller Tee überschritt die Grenzwerte (Pestizide), alle anderen Tees lagen unterhalb der Grenzwerte. Zu Pyrrolizidinen gibt es noch keine Grenzwerte, sondern nur eine Tageszufuhr-Empfehlung, die nicht überschritten werden sollte.


Neben den Pestiziden lag der Fokus auf Umweltbelastungen (Anthrachinon und PAK aus Verbrennungsprozessen / Trocknung, und Mineralölbestandteile aus Recycling-Anteilen (Druckfarben von Zeitungen!) in Verpackung) und den natürlichen Pflanzengiften (Nikotin, Pyrrolizidine aus Beikräutern). Nikotin scheint - wie auch Warentest sagt - aus den Pflanzen selbst zu stammen - wissenschaftliche Untersuchungen, wie dies zu bewerten sei, dauern noch an (evtl. fraßgiftige Pflanzen als Erfolge der Evolution).

 

 

Teepflückerin auf der Bio-Farm Qingshan in China

Ergebnisse: Stiftung Warentest hat die Risiken korrekt eingeordnet - bis auf den einen nicht verkehrsfähigen konventionellen Tee nichts kurzfristig Gesundheitsgefährdendes - dies ist auf die Pyrrolizidine gemünzt, die im Test bei einigen konventionellen Tees höhere Werte aufzeigten, und nicht in großen Mengen über längere Zeit getrunken werden sollten.
Bei allen anderen Stoffen wurden keine Höchstwerte überschritten - also grünes Licht für Grüntees, vor allem für Bio.
Pyrrolizidine treten nicht bei sauber geernteten Tees auf, Bio-Tees schneiden besser ab als konventionelle Tees, eine ubiquitäre Belastung ist in unserer Welt sowohl für konventionelle als auch für Bio-Anbauer nicht mehr zu vermeiden - dafür haben viele Generationen seit der Industrialisierung (auch des Landbaus) gesorgt - siehe die aktuelle Glyphosat-Diskussion. (Das Bundesinstitut für Risikobewertung BfR, das für alle erwähnten Kontaminanten Risiken aufzeigt, eiert bei dem "Topseller" Glyphosat entlarvend rum.)
So sieht es bei allen unseren Lebensmitteln aus, der Tee fällt da nicht aus dem Rahmen.


Leider wird dieser Warentest mit einer eher komplexen Hintergrundproblematik von den Medien vereinfachend tendenziös fehlinterpretiert: "Besonders gefährliche Grüntees", "Giftiger Tee", "Verheerende Ergebnisse" etc. was die Tests nicht hergeben, aber nun zu besorgten Kundenreaktionen führt.


Unsere Bio-GrünteesBio-Teegarten Singell, Darjeeling: Teepflückerinnen auf dem Heimweg



Wie sieht es nun bei unseren Bio-Tees aus - werden wir gefragt, da kein Tee von uns im Test dabei war.
Wir handeln ausschließlich mit losen Bio-Tees und beziehen unseren Tee seit ca. 35 Jahren bei ein und demselben Teemakler, einem engagierten Bio-Importeur, der auch das ökosoziale Qualitätsmanagementsystem "Fairbiotea" ins Leben gerufen hat.
Alle Tees werden vom Importeur lückenlos analysiert. Bei Grenzwertüberschreitungen bzw. Überschreitungen der BNN-Orientierungswerte für Bio-Produkte (unser Branchenverband Bundesverband Naturkost Naturwaren hat damit die Grenzen und Rückverfolgung von Pestizidrückständen bei Bio geregelt) gelangen die Tees nicht in den hiesigen Öko-Handel.


Pestizideinsatz ist im Bio-Anbau verboten und wird sanktioniert. Die anderen Stoffe, die durch Umweltkontaminationen in die Produkte gelangen, können nur durch u.U. längerwierige Prozesse reduziert werden. Teilweise ist hier auch eher die Agrar- und Umweltpolitik als der einzelne Bauer gefragt.

Bio-Teegarten in Kagoshima, Erntemaschine
Pyrrolizidine: unser Teemakler berichtet, dass in hunderten Analysen keine relevanten Werte in ihren/unseren Bio-Tees gefunden wurden. Die Handpflückung ist das eine Qualitätskriterium, das andere ist ein gutes Unkrautmanagement. Hier informiert unser Teemakler jedesmal die zuständige Ökokontrollstelle, wenn Pyrrolizidine in Spuren gefunden werden, und schafft im eigenen Fairbiotea-Qualitätsmanagement Anreize, dass Unkraut aus den Teefeldern rechtzeitig gejätet und kompostiert wird. Da das Handarbeit ist, wirken sich die zusätzlichen Löhne auf den Teepreis aus. 

 


Anthrachinon: dieser Stoff kommt einmal aus der Umweltbelastung / Feinstaub (Industrie, Autoverkehr, Haushaltsheizungen) auf die Teefelder, zum anderen durch die hauptsächlich übliche Holzkohletrocknung (als Pestizid ist er schon länger verboten und unüblich). Labore sind erst seit ca. 3 Jahren überhaupt in der Lage, Anthrachinon zu messen - erst seitdem wird über die Ursprünge geforscht, und werden sukzessive bauliche Verbesserungen in den Teefabriken in Angriff genommen. Typischer Geldmangel in den Drittländern verzögert diesen Prozess natürlich.
Nach Rückmeldung unserer indischen Partner spielt Anthrachinon aus Zelluloseherstellung (aus Papiersäcken/ Verpackung) keine große Rolle mehr bei der Anthrachinon-Belastung. Seitdem die Menschheit das Feuer erfunden hat, werden wir mit einem Quantum Anthrachinon leben müssen - mehr Sorgen müssen sich die Grillfreunde, und nicht die Teefreunde, machen.


Matcha / Japan Tees: Im Test wird darauf hingewiesen, dass im Gegensatz zu Aufguss-Tees hier das Teeblatt ja quasi verzehrt wird - und damit auch evtl. Schadstoffe, die beim Aufguss nicht mitaufgelöst würden.
Anthrachinon, PAK, MOSH und MOAH gehen laut Test nur teilweise, bzw. gar nicht in den Tee-Aufguss über!

Japan ist ein technisch hochentwickeltes Land und auch die Teefabriken verfügen über modernere Anlagen und strengere HACCP-Systeme als etwa andere Teeländer.
Im Gegensatz zu unseren Partner-Teegärten in Indien, Nepal, Sri Lanka und China wird bei unseren japanischen Lieferanten aber nicht von Hand geerntet, sondern mit leichten Erntemaschinen, die jeweils die obersten 4-5cm abschneiden. Die Teefelder sind wie in einer Parklandschaft extrem gut gepflegt.

Wir führen ausschließlich Bio-Matcha-Tee aus Japan, aus der Präfektur Kagoshima auf der Insel Kyushu.Bio-Matcha Premium (Tencha) aus Kagoshima
Unsere Japan-Tees werden im Screening regelmäßig auf Pestizide incl. Anthrachinon analysiert, jeweils ohne Befund. Auch Pyrrolizidine sind getestet worden und waren unter der Nachweisgrenze.
Unsere japanischen Partner arbeiten mit Gastrocknung, und verpacken die Ware von Anfang an in alubedampfte (Barriere!) PE-Foliensäcke bzw. -beutel, sodass Anthrachinon- und Mineralöleinträge praktisch nicht zu erwarten sind. Barriere (meist noch unter Schutzgas/ Stickstoff eingeschweißt) bedeutet hier, dass die hochwertigen Japantees nicht oxidieren und keine Fremdgerüche annehmen, sodass ihre Spitzenqualität lange erhalten bleibt.


Alle Etiketten und Produktverpackungen der Marke Heuschrecke werden mit migrationsarmen Farben und aus mineralölfreien Verpackungsmaterialien hergestellt.


Wir haben in unseren Blog-Artikeln schon öfter auf den Konflikt zwischen Preisdumping und Qualität hingewiesen. Bei Tee wird viel von der Qualität per Handarbeit generiert, angefangen im Teegarten mit dem Jäten. Die Tendenz ist leider, dass von den westlichen Ländern immer noch zu niedrige Preise für guten Tee gezahlt werden, mit der Folge, dass ausgebildete und erfahrene Bauern lieber in die Städte in die Industrie gehen, und beim Tee fehlen.
Auch Darjeeling ist finanziell ausgezehrt - es fehlt im weltbesten Teeanbaugebiet an Geld für bauliche, aber auch soziale Verbesserungen. Es wird vermutet, dass die politische Situation in der Gegend in Kürze wieder explodiert.


Fairtrade-Zertifizierungen sind nicht in jedem Fall die Lösung, da es hier eher um einfache Standardtees zu günstigen Preisen geht (Rosinenpicken), und auch die Prämien nicht hoch ausfallen - die Zertifizierungen müssen jedoch von den Teegärten finanziert werden. Jede Teefarm hat aber einen relevanten Anteil an hochpreisigen Frühjahrspflückungen, die die ganzjährigen Kosten decken müssen - die aber oft nur noch unter Preis konventionell vermarktet werden können. Die späten Pflückungen sind eher nicht kostendeckend abzusetzen.
Bio-Vanille-Grüntee mit echter Madagaskar-Vanille


Das beste Einkaufsverhalten für Importeure, Teehändler- und TeetrinkerInnen wäre, den Fokus auf gute Produktqualität zu legen, dies führt zu höheren Einkünften für die Teefarmen, und auch die Schadstoffsituation verbessert sich.
Wir empfehlen natürlich, immer Bio-Tee zu kaufen. Selbst wenn damit keine Schadstofffreiheit von ubiquitären Belastungen einhergehen kann, ist es wie ein Versprechen an die Zukunft, dass die Menschheit den Planeten besser pflegen wird.

 



Ursula Stübner, Heinz-Dieter Gasper





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