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Fairbiotea: Neues vom Qingshan Teegarten

Newsletter 10/2015, Bericht aus den Fairbiotea-Projekten: Qingshan-Farm

 

Fairbiotea

Das Fairbiotea-Logo ist auch auf unseren Fairbiotea-Tees zu sehenWegen der besonderen politischen und sozialen Lage in China ist die Beschaffung von zuverlässiger, fairer Bio-Ware erschwert. Obwohl die Chinesen die Regeln ihrer harmonischen und ganzheitlichen Feng-Shui-Lehre auch auf die Landwirtschaft anwenden, passt das Einhalten unserer rigiden EU-Bio-Gesetzgebung nicht ins Weltbild. Mehr oder weniger häufig sind China-Bioprodukte aus den unterschiedlichsten Gründen pestizidbelastet, was für europäische Bio-Importeure ein aufwändiges Analysesystem unbedingt erforderlich macht. Der parallel wachsende Kapitalismus hat eine gigantische Landfluchtbewegung ausgelöst, mit negativen Folgen für die Landwirtschaft.

Unser Tee-Importeur, mit dem wir seit über 35 Jahren zusammenarbeiten, tüftelte deshalb seit 2008 an einer Lösung, die im Jahr 2010 unter dem Logo "Fairbiotea" spruchreif wurde: ein über den EU-Bio-Standard hinausgehendes Qualitäts-Management-System für ökosoziale Gerechtigkeit, das die Verordnung, besonders für den Teebereich, ergänzt und sicherer und transparenter für alle Seiten macht. Ein Versuch, eine vertrauensvolle, verläßliche Situation für Bauern und Handelspartner bis zu den KonsumentInnen zu schaffen.
Das System ist auf ein praktisches Qualitätsmanagement ausgerichtet, und bietet kostenlose, qualifizierte Schulung und analytische Beratung für Bio-Teebauern und -Farmen. Neben zusätzlichen Sicherheitsstandards hat das System eine ökosoziale Entwicklung zum Ziel: Entwicklung von Nährstoffkreisläufen, Bonussysteme zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen und Motivation der Bauern, Abnahmegarantien, faire Preise u.v.m.. Die Fairbiotea-Standards werden jährlich extern von CERES geprüft. Zur Zeit machen 2 Teegärten bei Fairbiotea mit: Qingshan und Donghzai.
Wir listen aus jeder Ernte soviele Fairbiotea-Tees wie möglich. Die Teegärten sind auf dem Rücketikett angegeben - Fairbiotea-Tees tragen das Siegel. Wir zahlen einen höheren Preis für die Tees, sowie eine jährliche Gebühr.

Am Ende dieses Newsletters geht der Fairbiotea-Gründer ebenfalls auf die Sozialstandard-Zertifizierungen ein, und belegt damit nochmal unsere Ausführungen aus unserem vorherigen Blogbeitrag. Nun folgt der Fairbiotea-Newsletter 10/2015:

 

Entwicklung


In unserem Newsletter 1/2014 und 7/2014 haben wir über eine positive ökologische Entwicklung in der Qingshan-Farm berichtet. Diese Entwicklung hat sich bei der jüngsten Fairbiotea-Inspektion im Mai 2015 bestätigt. Da wir außerdem keinerlei Probleme mit Rückständen von Pflanzenschutzmitteln in Tees aus diesem Teegarten haben, können wir davon ausgehen, dass der vorgeschriebene ökologische Prozess nach EU-Verordnung umgesetzt wird.




Die im Sommer 2013 durch extreme Trockenheit zerstörten Teebüsche wurden im Frühling 2014 neugepflanzt. Es wird nun ca. 7-10 Jahre dauern, bis die neuen Teebüsche wieder den vollen Mengenertrag bringen. Im Rahmen des Fairbiotea Bonussystems wurden ca. 100 Schattenbäume gepflanzt, die zukünftige Zerstörungen durch Dürre verhindern sollen. In den nächsten Jahren sollen, je nach Verfügbarkeit von Geldmitteln, weitere Schattenbäume gepflanzt werden.


Das laufende Kompostforschungsprojekt, das Fairbiotea in der Qingshan Farm seit Jahren durchführt, wird ebenfalls einen Beitrag für den Schutz der Teepflanzen und der Böden gegen Wetterextreme leisten. Bis dahin werden die Erträge auch in den nächsten Jahren, wegen der Trockenheit in 2013, niedriger ausfallen und die Teequalität wird ebenfalls beeinflusst werden.


Nachdem die Kontrollstelle IMO im Januar 2014 Ihre Kontrolltätigkeit in China aufgegeben hat, wurde diese Tätigkeit durch die deutsche Kontrollstelle Ceres übernommen, die schon länger, auch in China akkreditiert ist. Die Zusammenarbeit zwischen Fairbiotea und Ceres hat sich inzwischen sehr positiv entwickelt.




Kompostforschungsprojekt


 

Auch im Jahr 2014 hat Fairbiotea die Fortführung des Kompostforschungsprojektes finanziert und auch in 2014 wurde technisches Equipment für die Kompostforschung und die Kompostgroßproduktion angeschafft. Finanziert wurde das überwiegend von Fairbiotea.

Mehr über die Kompostforschung lesen Sie bitte unter: http://www.fairbiotea.de/assets/files/Newsletter_DEU_07_2014.pdf


Fairbiotea hofft, dass in den Jahren 2015 und 2016, die noch fehlenden Maschinen und Geräte angeschafft werden können, die für die Kompostgroßproduktion noch nötig sind. Derzeit wird mit den Qingshan Bauern über die Verpachtung eines passenden Geländes für die Kompostgroßproduktion verhandelt.

 

 

 

Bonussystem

 


Mit dem Strategiewechsel Bonuszahlungen nur noch für Materialien, Maschinen, Werkzeuge oder andere sichtbare Projekte auszuzahlen, hat Fairbiotea die Kontrolle über den Verbleib der Gelder wieder zurückgewonnen. Leider mussten wir in den vergangenen Jahren wiederholt feststellen, dass finanzielle Bonuszuwendungen nicht bei den Bauern ankamen oder die Höhe der Zuwendungen, die die Bauern erhielten, nicht mit den geplanten Zahlungen übereinstimmten. Eine Überprüfung der Auszahlungen war so praktisch unmöglich geworden. Leider müssen wir in China grundsätzlich davon ausgehen, dass in allen Bereichen der chinesischen Gesellschaft Korruption stattfindet.



Im Jahr 2014 wurden durch das Fairbiotea Bonussystem folgende Entwicklungsmaßnahmen finanziert:


  • Traktor als Antrieb für verschiedene Geräte, die in der Kompostproduktion benötigt werden und als Zugmaschine für einen Anhänger

  • Frontlader

  • Mähgeräte für Großflächen

  • Schredder

  • Kompostabdeckung 5 Meter x 50 Meter

  • Messgeräte für Sauerstoffgehalt und Feuchtigkeitsgehalt im Kompost

  • Die Jahresgehälter für zwei Kompostmanager

  • Honorar des Fairbiotea Beraters und Projektleiters des Kompostforschungsprojektes

  • 100 Schattenbäume

  • Demeter Training für Manager

  • Für die Xiaojiaqiao Schule, diese besuchen auch die Kinder der Qingshan Farm, wurde die komplette Ausstattung eines neuen Multimediaraums finanziert


 

Bevor mit der Kompostgroßproduktion begonnen werden kann, müssen über das Jahr 2014 hinaus weitere Geräte und Maßnahmen finanziert werden.

 

Leider treten auch immer wieder Probleme auf, die wir in dem hochentwickelten Europa kaum kennen. So stellen wir fest, dass manche Geräte, die von Fairbiotea finanziert wurden, von den Bauern nicht benutzt werden, obwohl diese Geräte ihre Arbeit erleichtern, weil sie einfach nicht gewohnt sind damit umzugehen.


Die jeweiligen Werkzeuge, die an den Traktor angebaut werden sollten, passen nicht und müssen vom Hersteller nachgearbeitet werden. Ein Anhänger, der für den Traktor angeschafft wurde, ist nicht so ausgelegt, dass er in den engen Kurven und auf den schmalen Straßen benutzt werden kann.


Leider dauert es immer sehr lange, bevor Anschaffungen auch einsatzfähig sind. Entwicklungsarbeit bedeutet Geduldsarbeit und ist immer wieder von Rückschlägen begleitet.


Im Wesentlichen konzentriert sich Fairbiotea darauf, die Bonus-Prämien in die nachhaltige Entwicklung der Farm zu investieren und nach Möglichkeit, sichtbare und kontrollierbar soziale Projekte zu unterstützen.


 

 

 

Teequalität und Export


Leider hat die Qualität bei einigen Teesorten etwas nachgelassen. Die Exportpreise sind teilweise sehr stark gestiegen. Dies ist dadurch begründet, dass die chinesische Regierung die Mindestlöhne für Saison- und Wanderarbeiter in den letzten Jahren um durchschnittlich ca. 13% pro Jahr erhöht hat, deshalb steigen auch die Produktionskosten permanent. Die anhaltende Schwäche des Euros hat Tee für Europa ebenfalls erheblich verteuert. Das nachhaltige Fairbiotea Projekt gibt es auch nicht umsonst.


Diese Preissteigerung zusammengenommen machen es nun Fairbiotea Produkten in Europa schwer, ausreichend Absatzmärkte zu finden und entsprechende Mengen Tee zu vermarkten, die einen Fortbestand von Fairbiotea sichern können. Leider müssen wir feststellen, dass Fairbiotea derzeit in Europa mit den Qingshan Tees keine Gewinne mehr erwirtschaften kann, weil die Teesorten wegen der Kosten, die Fairbiotea verursacht, für Europa zu teuer geworden sind und die Unterstützung für Fairbiotea aus dem Markt zu gering ist. Die Qingshan Farm kann auch nicht genug Gewinn erwirtschaften, um den dort lebenden Teebauern bessere Lebensbedingungen zu finanzieren.


Die permanent schlechten Lebensbedingungen in Teefarmen sind weltweit verantwortlich für die Flucht junger Menschen aus den Farmen in die großen Städte, auf der Suche nach besserer Arbeit, besserer Bezahlung und einem besseren Leben. Selbst Saison- und Wanderarbeiter haben ein besseres Einkommen als die Bauern in den Teefarmen. Deshalb gibt es kaum noch junge Bauern in den Teefarmen. Mit überwiegend nur alten Bauern, lässt sich aber nicht die traditionelle Qualität und Arbeitsleistung aufrechterhalten. Deshalb werden immer mehr Saison- und Wanderarbeiter in den Farmen benötigt und es fehlen immer mehr ausgebildete Fachkräfte. Das hat zur Folge, dass die Qualitätsanforderungen aus Europa ohne zusätzliche Mittel und Kräfte in Zukunft immer weniger erfüllt werden können.


Für Fairbiotea ist es frustrierend in Europa immer mehr über Nachhaltigkeit, soziale Verantwortung, fairer Handel, Gemeinwohlökonomie usw. zu lesen und zu hören, aber gleichzeitig festzustellen, dass das Interesse des Marktes und der Verbraucher daran nur dann vorhanden ist, wenn der Tee besonders billig ist. Fair gehandelte, nachhaltige Produkte, die mit sozialer Verantwortung, umweltbewusst und gesundheitsbewusst hergestellt wurden, können nicht billig sein. Im Gegenteil, solche Produkte müssen teuer sein. Das ist nicht mit wenigen Cents herzustellen. Da in Europa kaum jemand bereit ist, mehr als Almosen für solche Leistungen zu bezahlen, wird es solche Leistungen auf Dauer auch nur sehr bedingt geben können oder diese Leistungen werden herbei fantasiert durch Marketing. Marketing ist in diesem Fall mehr Schein als Sein.


Seit Jahren nutzen mehr und mehr Markenhersteller die einfachen Lösungen, wenn es um das nachhaltige Image und die soziale Verantwortung im Marketing geht. Sie kaufen für wenig Geld Sozialzertifizierungen für Nachhaltigkeit und soziale Entwicklung oder Zertifikate für Fair Trade. Europäische Politiker und Medien werben für diese Sozialzertifizierungen, deren Label man mehr und mehr auf Produktpackungen von Markenherstellern finden kann. Offensichtlich gibt es da ein kollektives Unwissen über die Inhalte und Resultate solcher Zertifizierungen. Denn für Teeproduzenten und Teebauern haben solche Zertifizierungssysteme noch niemals positive Veränderungen herbeiführen können und man kann bezweifeln, ob das überhaupt gewollt ist, wenn sich nach 30 Jahren weltweiter Zertifizierungen nichts für Produzenten und Teebauern geändert hat.


Warum handeln wir als Gesellschaft so? Warum benutzen wir solche Marketinglügen? Warum betrügen wir uns gegenseitig? Warum wollen wir so wenig über die Folgen unseres Handelns und Konsumverhaltens wissen? Warum können wir uns nicht entsprechend unserer Einsicht ändern?

Ich fürchte die Antwort lautet, dass alle längst wissen, dass sich in einem globalen Wirtschaftssystem, in dem Unternehmen ausschließlich den niedrigsten Preisen und den höchsten Gewinnen folgen müssen, um konkurrenzfähig zu bleiben, Nachhaltigkeit, soziale Verantwortung und Fairness kaum eine Rolle spielen können. Deshalb können nachhaltig und sozial verantwortliche Unternehmen und Menschen in unserer Gesellschaft, nur auf die internationale Politik hoffen, die weltweit Arbeits- und Sozialgesetze sowie Mindestlöhne gesetzlich festlegen muss, die auch Bauern und Arbeitern überall in der Welt einen angemessenen Lebensstandard sichern können und die gleichzeitig Wettbewerbsgleichheit unter den Bedingungen nachhaltiger und sozialer Verantwortung herstellen. Das würde den Begriff fairer Handel oder soziale Marktwirtschaft rechtfertigen. Bis dahin bitten wir von Fairbiotea, um Unterstützung durch den Kauf der Fairbiotea Tees, die überwiegend in Naturkostläden, aber auch in guten Teefachgeschäften zu finden sind.


Fairbiotea 2015/10



Tags: china, bio-tee-qingshan-teegarten, fairbiotea
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