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Globaler Zertifizierungsmarathon: Greenwashing und Downgrading?

Erklärung Sozialstandards: unsere firmeneigene Politik hinsichtlich der Sozialstandards unserer Vorlieferanten


Bio-Pfeffer, Kleinbäuerin in Kerala, IndienDie Naturkostfirmen-Gründungen der 70er und 80er Jahre haben sich als Teil einer Erneuerungsbewegung verstanden, die ein anderes, umwelt- und sozialverträgliches Wirtschaften zu etablieren versuchten. Heuschrecke gehört zu diesen Pionieren.

Auch heute, wo Bio bereits relevante Märkte besetzt, fast zwanghaft nachhaltig zu sein versucht, v.a. dann wenn es meilenweit davon entfernt ist, sind die Verhältnisse selbst in der gescholtenen (da in der EG-Bio-VO noch nicht ausreichend geregelten - kompromissbedingt) Bio-Tier-Massenproduktion immer noch akzeptabler als in konventionellen Mega-Fleisch-Kasernen. Der Qualitätsabstand bezüglich Umwelt- und Sozialverträglichkeit ist erst recht größer zwischen pflanzlicher Bio-Produktion und konventionell-agroindustriellen Produktionen.

Wenn wir dennoch vermehrt wegen der IFS-Zertifizierungen unserer Kunden, die sich für Privatlabel-Auftragsproduktion entschieden haben, gefragt werden, hat das einen feinen cynischen Aspekt. Das berechtigte Misstrauen der konventionellen Lebensmittelkonzerne gegen die jahrelang praktizierten miserablen Zustände erwischt nun uns Ökos, die genau angetreten waren, das zu ändern. Jetzt helfen ‚wir' beim ‚greenwashing' und vergrößern den Bioanteil auf zuletzt kolportierte sieben Milliarden Euro. Diese Zertifizierungen beinhalten meist Einhaltung von Sozialstandards aller Art, auch gerne Fairtrade- & BSCI Standards.


Sozialstandard - Zertifikate


Wir selber sind weder IFS-,  Fairtrade- noch BSCI o.ä. zertifiziert, aber natürlich EG-Bio-zertifiziert.
Zertifikate über die Einhaltung der Sozialstandards sind hier wie in Entwicklungsländern erst ab gewissen Betriebsgrößen und Mengenvolumen der Produkte sinnvoll und bezahlbar.
Alle Sozial- oder Fairtrade-Zertifizierungen sorgen für so erheblichen Aufwand und Kosten, dass sie typischerweise von Kleinbetrieben oder Einzelbauern kaum zu stemmen sind.
Auch unsere Firma ist wegen unserer Vielfalt und Kleinteiligkeit als kleinerer mittelständischer Betrieb nicht Fairtrade-o.ä.-zertifiziert - in diesem Kontext sind wir bewusst Gründungsmitglied einer Art Gegeninitiave: unserer freien  "Trust Organic Small Farmers" Gruppe.
Nicht untypisch im Machtgefälle Nord-Süd: erst mit Produzenten Preise zu verhandeln, und dann noch Sozialstandards nachzufordern. Wenn die Zertifizierungen dann nicht in den Preis mehr eingerechnet werden können, muss der Exporteur sich wieder fatalerweise etwas einfallen lassen, diesem Druck zu entgehen.

Wir als Bio-Hersteller sehen unsere Arbeit als Prozess - bei jeder Gelegenheit die kleinbäuerliche Bio-Landwirtschaft zu fördern, und dabei hochwertige Qualität zu sichern. Wir bieten unseren Kunden neben der Biozertifizierung soviel Transparenz wie möglich, aber haben nicht den Anspruch, auf BSCI-Zertifizierungsebene mitzuhalten. Der Verwaltungsaufwand und die Kosten wären ruinös.
Wir haben es mit mindestens 40.000 Bauern (durch die Kleinbauernprojekte) zu tun. Unsere Bauernpartner aus den "Dritt"-Ländern beginnen sich gegen den zunehmenden Anspruchs- und Überwachungswahn der westlichen Welt zu wehren. Sie fordern aktive Trainings und Consultings anstelle reiner Kontrollinstrumente bis zum Geocontrolling. Sie sind der Auffassung, dass die westliche Welt erst viele der Probleme geschaffen haben, die die Bauern lösen sollen.
Der Zwang zu den genannten Zertifizierung hätte die Folge, alle Strukturen, die wir gemeinsam mit Produzenten und Kollegen vertrauensvoll aufgebaut haben, aufgeben zu müssen, und nur noch mit großen Einheiten wie Farmen zusammen zu arbeiten.


Zur BSCI - Riskoländerliste

Fair-Initiatove Fairbiotea: Teepflückerin in China, Qingshan Farm
Die BSCI Risiko-Länder-Liste (http://www.bsci-intl.org/resources/rules-functioning) ist durchaus wichtig für problematische Massenprodukte wie Palmöl, Baumwolle, Zucker oder Stein, oder für die Bekleidungsindustrie. Auf die in typisch kleinteiliger Landwirtschaft erzeugten Bio-Gewürze und -Kräuter wirken BSCI-Kriterien absurd.

Von der Risiko-Länder-Liste beziehen wir, z.T. bewusst, um Prozesse voranzubringen, aus mindestens 15 Ländern von Ägypten bis Zimbabwe Bio-Ware.
Die Einkaufsstrategie der Heuschrecke mit diesen schlecht beleumundeten Ländern ist der Versuch, entwicklungs- und biopolitisch in einem postkolonialen Export-Importsystem (Terms of Trade), für Tee, Kräutern und Gewürzen Signale für einen gerechteren Umgang mit Kleinbauern und deren Exportfirmen zu setzen. (Bei den bäuerlichen Familien gehen wir realistisch davon aus, dass auch die Kinder neben den Schulzeiten mitarbeiten - es hat jedoch nichts mit Arbeit in Steinbrüchen oder Baumwollspinnereien zu tun.)

Diesen Anspruch können wir nicht bei allen ca. 800 Produkten erfüllen, aber bei vielen wichtigen doch.
Wenn wir nicht selbst vor Ort eingreifen können, versuchen wir, von hier aus gute Qualität zu fairen Preisen zu beschaffen indem wir auch die geschmacklich besseren, teureren Qualitäten von Gewürzen, Kräuter und Tee ins Sortiment aufnehmen.
Im Bio-Bereich, besonders bei Gewürzen und Kräutern, gibt es immer wieder zuwenig Rohstoffe in der von uns gewünschten höheren Qualität. Die Risikoländer zusätzlich zu meiden, kann nicht unser Ziel sein (in anders gearteten Geschäftsfeldern (Klamotten...) mag das anders zu bewerten sein). Die Unterstützung der einheimischen Kleinbauern-Landwirtschaft - am besten bio - ist immer elementar, egal wo. Gerade in Krisenländern ist dies etwas ganz Grundsätzliches, Innovatives, gegen den Strich der meist durch und durch korrupten Diktaturen u.a.

Bei unseren Monoprodukten deklarieren wir immer das Ursprungsland, sowohl auf der kleinen 10g-Tüte als auch auf dem 25kg-Gebinde. Bei Mischungen mit oft 20 Zutaten ist das wegen des hohen Arbeitsaufwandes und der wechselnden Rohstoffknappheiten / Suche nach Ersatzware leider nicht möglich.


Weltwirtschaft und ethisches Handeln

Simbabwe: Meeting mit den Sammlerinnen von Sikalenge
Brennend aktuelle Themen in der Wirtschaft sind ethisches und faires Handeln, globale Gerechtigkeit, Umwelt- und Klimaschutz. In der momentanen Finanz- und Wirtschaftskrise wird wie in einem Röntgenbild offensichtlich, dass Armut, Verelendung, Hunger, Umwelt- und Klimaschäden mit dem (vorübergehenden?) Reichtum in unseren Breiten einhergehen.
Wie bekommt man nachhaltig und auf gerechte Weise die Menschheit satt? Die einen Wissenschaftler meinen, durch Agroindustrie und Gentechnik - die anderen sehen die Zukunft nur nachhaltig durch kleinteilige Strukturen gesichert: Schutz der traditionellen Landwirtschaft, sprich Förderung von Kleinbauernprojekten auf der ganzen Welt, biologischer Landbau, Schutz der traditionellen sozialen Gesellschaften.


Was bringt der faire Handel


Zunächst: der "Faire Handel" ist ein westliches Konstrukt. Denn warum sollte ein Bauer erst billig verkaufen, dann jährlich eine Gebühr bezahlen für die Fair-Zertifizierung, und dann auf einen gerade kostendeckenden Preis eine "Spende" bekommen wollen?

Die Profilierung mit Fair-Handels-Strategien dient mehr und mehr dem Marketing, seitdem es die ehrenamtliche Dritte-Welt-Initiativen verlassen hat: zur Zeit werden, neben den vorhandenen eingeführten Fair-Siegelsystemen, recht schnell neue Siegel aller Art aus dem Boden gestampft, um den Umwelt- und Ethikaspekt als ‚greenwashing' ins Blickfeld zu bringen.
Natürlich die Tendenz zum ‚downgrading'; die Konkurrenz der FT Systeme wird in Kürze zur Meldung führen:
Die gesamte Kakaobohnen-Produktion ist jetzt fair: die wenigen übriggebliebenen Player haben es irgendwie gedeichselt!

Alle Siegelsysteme bringen in mehr als einem Nebeneffekt hohe Verwaltungs- und Zertifizierungskosten mit sich. Das ist für Großunternehmen effektiv, und eben auch für den LEH (Beispiel Lidl/Transfair) leichter zu stemmen, und nur noch Zehntelcent Beträge sind der Unterschied beim Endprodukt. Für kleine, spezialisierte Unternehmen und Anbauer, die typischerweise mit kleinen Chargen arbeiten, ein ziemlicher Unsinn.

Auf Anbauer-Seite sind Großprojekte mit großen Chargen-Einheiten wegen der Kosten wie immer eindeutig im Vorteil. Für Groß-Kooperativen und Plantagen mit wenigen Produkten im überschaubaren Markt (Bananen, Kaffee) funktionieren die jetzigen Fair-Handels-Strategien effizient.
Kleinbauern-Projekte, die um die 2000 Familien mit je 1ha Land betreuen, wie unsere Lieferanten PDS in Indien, KAITE in Simbabwe und SOFA/Biofoods in Sri Lanka, sind zwar Fairtrade-zertifiziert, haben jedoch wegen der aufwendigen Organisation und hohen Zertifizierungskosten geringere Absatzchancen als Transfair-gesiegelte Großfarmen.

Hier liegt in jedem neuen Zertifizierungssystem, das auf den Weg gebracht wird, (wie auch die Klimaneutralitäts-Siegel) eine Gefahr für die typisch kleineren Produzenten und Händler der Branche: dass es aufgrund der finanziellen Ressourcen und Marktmacht von konventionellen Großunternehmen schnell übernommen und sogar (bei geringeren Kosten) besser gemacht wird. Denselben Mechanismus erwarten wir auch bei der bevorstehenden Revision der EU-Bio-Verordnung, wo ein EU-Bürokratie-dominiertes Konstrukt neben den Schwachstellen auch sinnvolle, gewachsene Strukturen verdrängen.


Unsere "Heuschrecke" - Strategien beim Einkauf

Kroatien, biozertifizierte Wildsammlung: Die Sammlerinnen von Bitelic
Als kleine, spezialisierte Bio-Firma für Kräuter, Gewürze und Tee suchen wir andere Wege, um die Qualitäten unserer Produkte besser zu kommunizieren.

Wir haben einige Prioritäten beim Einkauf:

Wir streben langfristige Lieferantenverbindungen an, und lehnen es ab, auf der Suche nach Schnäppchen hin und her zu hüpfen nach angeblicher "Heuschrecken Art".
Langfristige Beziehungen bringen Vertrauen und Zuverlässigkeit mit. Es entstehen persönliche Verbindungen, man schützt sich gegenseitig, fordert und fördert zugleich. Es findet gegenseitige Beratung statt: über Qualität der Ware, Marktlage, Vermarktungsmöglichkeiten und -strategien. Wir akzeptieren die Preise der Lieferanten, die das Fortbestehen des Projekts sichern. Abseits von einem Konkurrenzdenken entstehen Vernetzungen mit weiteren Absatzmöglichkeiten für unsere Produzenten.

  • Regionale Verbandsware:

Wo es möglich uns sinnvoll ist, kaufen wir regional ein: bei deutschen Bioland-Kräuterhöfen und einem niederländischen Demeter - Kräuterbetrieb.

  • Zertifizierte Wildsammlung und Kleinbauernprojekte:

Wir unterstützen das Wildsammlungsprojekt Terra Magnifica in Kroatien - zertifizierte Wildsammlung ist aktive Landschaftspflege und Umweltschutz. Der traditionelle Beruf des Kräutersammlers wird erhalten, Know How tradiert. Das Projekt hat dazu beigetragen, nach dem Krieg die traditionellen Sozialstrukturen auf dem Land wieder zu festigen.

Exotische Gewürze und einige Tees kaufen wir, wo möglich, bei biozertifizierten Kleinbauernprojekten ein, z.B. in Indien beim Sayhadri Spice Farmers Consortium / Peermade Development Society, Kerala, und in Sri Lanka bei SOFA / BIO FOODS, Kandy.
In Südafrika arbeiten wir mit der Wupperthal Rooibos Coop zusammen, und mit der Kleinbauerninitiative KAITE in Zimbabwe für Bio-Chili und diverse Kräuter.

Bei diesen Projekten wird durch die kleineren Strukturen und Feldeinheiten das traditionelle soziale Gefüge erhalten, und aktiv Landschaftsschutz betrieben. Durch eigene Forschungen und Schulungen der Kleinbauern wird diese ursprüngliche Art der Agrarwirtschaft zukunftsfähig gemacht und sichert den Familien den Lebensunterhalt. Dem typischen Phänomen Landflucht wird so vorgebeugt. Der Erhalt der ursprünglichen Landschaften und die schonende, nachhaltige Bewirtschaftung schützen auch bei uns das Klima. Gerade Kleinbauernprojekte pflegen eine reiche Biodiversität.


Beispiel Kannampady, Tribal-Gewürz-Projekt

Kerala, Indien, Adivasi-Reservat Kannampady - Bio-Urwaldpfeffer von Heuschrecke
Die Industrialisierung hat überall in der Welt immer eher negative Auswirkungen für die indigenen Bevölkerungen (Adivasi) und ihre Kultur gehabt als Vorteile (Segen) gebracht. Die Ureinwohner sind ihrer traditionellen Lebensbedingungen, die sie seit Jahrhunderten gepflegt haben, beraubt worden, und gezwungen worden, die Forderungen der Regierungen zu akzeptieren, sich niederzulassen und sich dem sogenannten modernen Leben anzupassen.

Kannampady ist eine Adivasi-Niederlassung / Reservat, inmitten des Urwalds gelegen. Die Hauptgruppen der dort lebenden Gemeinschaft in der Siedlung bilden Urali - und Ulladan Stämme. Eine größere Anzahl dieser Kleinbauern-familien produziert auf durchschnittlich 1 ha biozertifizierter Fläche diverse Gewürze als Cash Crop und Früchte zur Selbstversorgung. Eine Vielfalt an Sorten auf einem Flecken, der für unsereins nur undurchdringlich grün aussieht, wie Dschungel. Sie gehören zum Kleinbauern Consortium Sahyadri-Spice-Farmers, das von der NGO Peermade Development Society gegründet wurde. Die PDS trat mit dem Wunsch an uns heran, die Gewürze des Kannampady-Projekts getrennt mit genauer Herkunftsbezeichnung unter dem Aspekt des Tribal-Projekts zu vermarkten, um mehr Aufmerksamkeit für die Situation der Adivasi zu erreichen.


Trust Organic Small Farmers


Wir sind Gründungsmitglied der Kommunikations- und Netzwerk-Initiative "Trust Organic small Farmers". Es ist hauptsächlich eine Plattform des Austauschs, Beratung und Vernetzung zwischen Bio-Kleinbauernprojekten (z.Zt. aus Südafrika, Indien, Sri Lanka und Zimbabwe), sowie Bio-Importeuren und -Händlern aus Europa, USA und Kanada. In dieser offenen, vertrauten und lösungsorientierten Form ist diese Vernetzung einzigartig.
Die Früchte unserer Zusammenarbeit sollen neben Verbesserungen für die Projekte (wie unsere Kannampady-Aktion, die wir hier ausgeheckt haben) ebenfalls eine anschauliche und transparente Kommunikation zu EndverbraucherInnen sein.


Individualisierte Herkünfte bei Heuschrecke

Sri Lanka, Bio-Kleinbauernprojekt SOFA: Uva-Tee- und Gewürzfarmer
Da, wo es möglich ist, stellen wir den EndkundInnen unsere Lieferanten persönlich vor. Dann schreiben wir den konkreten Anbauer, bzw. das Projekt auf die Rücketiketten der Endverbraucher-Ware (teilweise mit QR-Code) und stellen dazu ein Portrait der Bauern oder Kleinbauernprojekte auf unsere Website. Unter: www.heuschrecke.com/lieferantenportraits.htm  finden Sie Betriebsbeschreibungen und Reiseberichte zu wichtigen Lieferanten.


... und Bio-Weltmarkt


Einen großen Teil unserer Produkte können wir auf diese Weise einkaufen, bei anderen Produkten müssen wir uns auf dem allgemeinen Bio-Weltmarkt nach Verfügbarkeit bedienen. Über die fast 40 Jahre haben wir uns ein Netz zuverlässiger Importeursfirmen aufgebaut. Hier wissen wir allerdings dann selten selber etwas über die konkrete Situation im Ursprung.
Fazit: Mit etwas Sorge betrachten wir, wie die überbordenden Zertifizierungsanforderungen der Lebensmittelindustrie in der Naturkostbranche ankommen.

Ein großer Teil unserer Lebensmittel besteht längst aus Dokumenten. Kunden kaufen z.B. 3kg eines Gewürz und verlangen neben dem obligatorischen Bio-Zertifikat dafür folgende weitere Zertifikate und Dokumente: Sicherheitsdatenblatt, Analysenzertifikat, Spezifikation, Details der exakten Zusammensetzung, Vegan-Zertifikat, Tierversuchsfrei-Zertifikat, Frei-von-Zertifikate (GMO, Pestizide, Radioaktivität, Konservierungsmittel, Aromastoffen, synthetische Farbstoffe, Gelatine, Gluten, Hefe, Milch), Allergendeklaration, Statement zur Umweltfreundlichkeit, zu Food Defense, Potentiell allergene Duftstoffe, RSPO (falls Palmöl als Zutat), Flow Chart Herstellungsprozess und Ernteprotokoll, und Zertifikate des Verpackungsmaterials, und eben Sozialstandard-Zertifikate. Wohlgemerkt - es handelt sich um pflanzliche Lebensmittel aus nachweislich kontrolliert biologischem Anbau, und die angeforderten weiteren Zertifizierungen sollen sich selbstverständlich nicht im Preis bemerkbar machen.

Dadurch, dass sich nun auch kleinere Lebensmittelhersteller durch Kundendruck (LEH) IFS-zertifizieren lassen, wird dieser Druck an die Vorlieferanten bis zu den Bauern weitergegeben. Der sicherste Bio-Einkauf stammt  jetzt schon aus Plantagen-Landwirtschaft, da hier besser standardisiert werden kann, und genug homogene Masse da ist. Bio-Kleinbauern retten zwar laut Weltagrarbericht 1 und 2, sowie dem neuen Welthungerbericht die Zukunft, drohen aber aus dem europäischen System als Lieferant herauszufallen.



Heinz Gasper (GF), Ursula Stübner (GL)




Tags: sozialstandards, eg-bio-verordnung, bsci, fairtrade
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