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Gastbeitrag
09.07.2015
16:49

Mikrokosmos: Boletus petraeus giganteus und Co

Makrokosmische Stein- Pilzzuchtanlagen

Foto 1: Mesa Arch (Island in the Sky), Canyonlands-Overlook
Foto 1: Mesa Arch (Island in the Sky), Canyonlands-Overlook
Foto 2: The Needles District (Overlook)
Foto 2: The Needles District (Overlook)
Foto 3: Echinocereus triglochidiatus (Claret-cup Cactus) Arroyo Salado, Santa Fe (New Mexico, USA) 09.06.2015
Foto 3: Echinocereus triglochidiatus (Claret-cup Cactus) Arroyo Salado, Santa Fe (New Mexico, USA) 09.06.2015
Foto 4: Opuntia polyacantha (Plains Prickly Pear) Island in the Sky, Canyonlands, Moab (Utah, USA) 30.05.2015
Foto 4: Opuntia polyacantha (Plains Prickly Pear) Island in the Sky, Canyonlands, Moab (Utah, USA) 30.05.2015
Foto 5: Elefantenfüße und Apokalytische Reiter
Foto 5: Elefantenfüße und Apokalytische Reiter
Foto 6: Stein-Pilz-Zuchtanlage, Needles District, Canyonlands NP
Foto 6: Stein-Pilz-Zuchtanlage, Needles District, Canyonlands NP
Foto 7: Boletus petraeus-giganteus (Riesen-Steinpilz) I Needles District,Canyonlands NP.
Foto 7: Boletus petraeus-giganteus (Riesen-Steinpilz) I Needles District,Canyonlands NP.
Foto 8 Boletus petraeus-giganteus (Riesen-Steinpilz) II Needles District, Canyonlands NP.JPG
Foto 8 Boletus petraeus-giganteus (Riesen-Steinpilz) II Needles District, Canyonlands NP.JPG
Foto 8: Boletus petraeus-giganteus (Riesen-Steinpilz) II Needles District, Canyonlands NP
Foto 9 Amanita petraea-gigantea (Riesen-Stein-Wulstling)
Foto 10: Gambelia wislizenii (Long-nosed Leopard Lizard) (Canyonlands NP)
Foto 10: Gambelia wislizenii (Long-nosed Leopard Lizard) (Canyonlands NP)
Foto 11: 2.v.links, Macrolepiota petraea-gigantea (Riesen-Steinschirmpilz) alias Balanced Rock , Arches NP
Foto 11: 2.v.links, Macrolepiota petraea-gigantea (Riesen-Steinschirmpilz) alias Balanced Rock , Arches NP
Foto 12 Geastrum minimum (Zwerg-Erdstern) Santa Fe, Arroyo Salado b.Ponderosa Pine 06.06.2015
Foto 12 Geastrum minimum (Zwerg-Erdstern) Santa Fe, Arroyo Salado b.Ponderosa Pine 06.06.2015

Langgestreckte Tafelberge, tiefe Schluchten, Sandsteinskulpturen aller Art -, wir befinden uns im Nationalpark Canyonlands (Utah, USA), einem kleinen Teil des Coloradoplateaus, das sich über 110.000 km² zwischen den Rocky Mountains im Norden und den wüstenartigen Ebenen im Südwesten der USA erstreckt.

Erst seit den letzten 20-30 Millionen Jahren im späten Tertiär, als mit der Auffaltung der Rocky Mountains auch das im erdaltzeitlichen Oberkarbon  vor über 290 Millionen Jahren ein Binnenmeer bildende Plateau angehoben wurde (der NP Canyonlands liegt heute auf einer Höhe von durchschnittlich 5000 Feet (ca.  1500 m)) gaben die von da an besonders unerbittlich wirkenden  Erosionskräfte, -  fließendes und tropfendes Wasser, Wind, springende Hitze und Kälte, sowie die absprengenden Kräfte von Eis und Pflanzenwurzeln - , dem Plateau seine gerade herrschende Gestalt.

Die jüngsten Schichten der geologischen Schichttorte sind im Canyonland NP heute bereits gänzlich abgetragen, Reste dieser jüngsten Ablagerungen sind im nur wenige Meilen nördlich von Canyonlands NP gelegenen Arches NP als kolossale Steinbögen, Riesenkugeln, gigantischen Burgmauern... zu bewundern.

Der Canyonlands NP ist besonders durch zwei verschiedene Erosionslandschaften gekennzeichnet:

Durch Canyons, die von Green River und Colorado River (nebst Zuflüssen) in Jahrmillionen ständig vertieft  und verbreitert wurden, wie sie im nördlichen Teil des Nationalparks, Island oft the Sky   eingesehen werden können  (siehe Foto 1),

- oder durch Wettererosion vertikal auseinandergesprengte, einstmals mächtige zusammenhängende Gesteinsschilde der Plateaus und Ebenen, wie sie im südlichen Teil des NP, im sogenannten Needles District dominieren (siehe Foto 2).

Bis auf die grünen Flussoasen an z.B. Colorado- und Green River fehlt es an Wasser im Land: mit nur ca. 10 Inches (ca.254 mm)  jährlichem Niederschlag befinden wir uns in einer baumarmen Halbwüste; entsprechend häufig wachsen Sukkulenten wie Yuccas, Opuntien oder andere Kakteen (siehe Fotos 3+4).


Da fragt man sich: Wo soll es hier Pilze geben?


Wir fanden die Pilzzuchtanlagen tief drin im Needles District. Seit Jahrmillionen wird hier nach diesem Schema gearbeitet:

Im Canyonlands-NP bestehen die Erdschichten aus grob 12 Gesteinsformationen, deren Alter vom bereits erwähnten Oberkarbon bis in die Oberkreidezeit (vor ca. 69 Millionen Jahren)  reicht.

Die älteste Schicht entstand durch Verdunstung eines riesigen Meeres und hinterließ Anhydrid und Gips, später Steinsalz und Sylvin. Diese sogenannte Paradox-Formation  ist nur teilweise an den tief eingeschnittenen Flussbetten sichtbar.  Über die Erdzeitalter entstanden darauf immer wieder warme Flachmeere und hinterließen fossilreiche Kalke, Sandsteine, Schiefer, die manchmal in Zwischenerosionszeiten wieder völlig abgetragen wurden.

Im Perm (vor 285-230 Millionen Jahren) kamen rote Sedimente aus den nord-östlich gelegenen Bergen (Uncomprahage Mountains) der Grand Junction Area, im Wechsel mit weißen Flugdünen dazu und wurden zum rot-weiß geschichteten Cedar Mesa Sandstone komprimiert.

Hunderte Meter aufliegender Schichten aus jüngerer Zeit wurden seit der Hebung der Rocky Mountains (vor ca. 30-20 Millionen Jahren )abgetragen, um den Cedar Mesa Sandstone  freizulegen. Diese Schicht wurde zur eigentlichen Stein- Pilzbrutstätte – aber wie?

  • Drei geologische Phänomene ermöglichten die Entstehung von wirklichen Stein-Pilzen:


1.       Eine lokale Hebung, der Monument Uplift, ließ den Cedar Mesa Sandstone bei der Aufwölbung krachen, es entstand eine Serie von Spalten, die von Ost nach West verliefen.

2.       Eine dicke Schicht Salz aus der unterliegenden ältesten Paradox Formation fließt unaufhaltsam in Richtung Colorado River und nimmt die aufliegenden Schichten mit, und zwar genau gegen den Monument Uplift in Nord-Süd-Richtung. Es kracht wiederum um 90° versetzt und die beiden gegenläufigen Spaltenserien formen quadratische Blöcke.

3.       Nun konnten die Giacometti-haften  Elemente ihr Erosionswerkzeug auspacken und skulpturierten unaufhaltsam den Cedar Mesa Sandstone Schicht um Schicht und rundherum von Blöcken zu Apokalytischen Reitern,  Elefantenfüßen oder eben zu diversen Stein-Pilz-Arten:

(siehe:

  • Fotos 5 und 6: Die Zuchtwerkstatt,
  • Fotos 7 und 8: Riesen-Steinpilze (Boletus petraeus-giganteus),
  • Foto 9: Riesen-Steinwulstling  (Jugendstadium) (Amanita petraea-gigantea))


Leoparden-Lizards  Foto 10  fühlen sich auf und unter diesen Stein-Pilzen  besonders wohl.

Einen Stein-Pilz ganz anderer Herkunft zeigt  Foto 11: Der Riesen-Stein-Schirmpilz im Paukenschlägel-Stadium (Macrolepiota petraea-gigantea), alias Balanced Rock, entstammt nicht der Needles-District-Pilzzucht,  sondern ist ein Relikt der Oberflächenerosion der obersten jüngsten Sand- und Kalksteinschichten des Arches-Nationalpark. Er dürfte vom baldigen Aussterben bedroht sein: der Entrada Sandstone des Schlägelkopfes steht auf einem sehr erosionsanfälligem, kalksteinhaltigem  Ring der sogenannten Carmel-Formation.

 Aber vergänglich sind sie letztlich alle, nur langsamer als Echte Pilze, von denen wir im Canyonlands Nationalpark gar keine zu Gesicht bekamen, obwohl  davon auszugehen ist, dass zuzeiten auch hier Geastrum minimum  (Foto 12) oder Tulostoma brumale unter ähnlichen Bedingungen wachsen, wie wir sie 300 Meilen östlich auf der Mesa von Santa Fe, Arroyo Salado (New Mexico,USA)  unter krüppeligen Ponderosa-Kiefern massenhaft vom Vorjahr stehen geblieben, antrafen.

 

 

 

Eva Wandelt und Lothar Claußnitzer
 




Bilder mit Klickvergrößerung

 


Evi und Lothar Claußnitzer-Wandelt, Pilzsachverständige
Genug für heute von den Hobbymykologen und Pilzsachverständigen (DGfM) Eva Wandelt (Biologin) und Lothar Claussnitzer (Streuobst-Landwirt und Wiesenmeister).

In loser Folge werden wir auf dieser Seite Schönes, Kurioses, Interessantes, Essbares, Würziges anhand von einfachen Digi-Mikrofotos aus dem wilden Pilz-und Pflanzenreich vorstellen und erläutern.


Fotos © Evi Wandelt, Lothar Claußnitzer

 

 

 

 

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