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Zimbabwe: KAITE ORGANIC AFRICA

Bio-Kleinbauernprojekt KAITE / ORGANIC AFRICA - Lieferantenportrait

Vorbemerkung

Wir lernten Dominikus Collenberg 2008 auf der BioFach Messe in Nürnberg kennen. Dominik ist Agraringenieur und Demeterbauer, arbeitete viele Jahre für die GTZ, als Berater u.a. in verschiedenen Ländern Asiens, Lateinamerikas und Afrikas (u.A. Zimbabwe), sowie China, wo er beim Aufbau der organischen Zertifizierung beteiligt war.
In Zimbabwe begründete er 2007 schließlich die umfassende Initiative KAITE mit folgender Struktur:


KAITE Organic Africa - Struktur

* Bio-Kleinbauernprojekt in Kooperation mit 2 Trainingscentern, die durch NGOs finanziert werden: ein Center ist das Trainigscenter der Jesuiten, das u.A. durch Miserior, aber auch die EU und andere potente Geber finanziert wird, dann Kufunda, ein kleines Center, dass  für KAITE ideal gelegen und von sehr engagierten Menschen geführt und implementiert wird.
* KAITE hat ein Unternehmen in Zimbabwe, das zur Erreichung der ökonomischen Ziele notwendig ist, sowie eine Stiftung in Zimbabwe und einen Verein in Deutschland, die zur Erreichung der gemeinnützigen Ziele wichtig ist:
* - KAITE Stiftung - Vertreter der örtlichen Prominenz, denen die Entwicklung des Landes am Herzen liegt, sind im Stiftungsrat vertreten
* - in Deutschland ein gemeinnütziger Verein KAITE Trust ( jetzt ORGANIC AFRICA Trust) u.A. für AIDS-Waisen)
* 2014 wird der ökonomische Teil von KAITE umbenannt in " ORGANIC AFRICA". ORGANIC AFRICA arbeitet zusammen mit BIZ (Bio Innovation Zimbabwe), eine Organisation, die sich um "underutilized plants", also um bessere Nutzung der heimischen, "unternutzten" indigenen Pflanzen kümmert, wie auch Baobab, Makoni- und Resurrection Tee.


ORGANIC AFRICA verhält sich unpolitisch und verzichtet auf eigenen Landbesitz. ORGANIC AFRICA arbeitet mit gegenwärtig ca. 3500 Kleinbauern (70% Bäuerinnen und 30% Bauern) zusammen. Diese bauen Kräuter, Gewürze und Ätherische Ölpflanzen an. Die Produkte werden alle bei den Bäuerinnen und Bauern auf den Gehöften weiterverarbeitet und veredelt. Damit entsteht der Mehrwert vor Ort und die Menschen finden Beschäftigung. Das Engagement von ORGANIC AFRICA kann schon in dem ersten Jahr zu einer Verdoppelung des Einkommens führen. Das Einkommen wird meist für die Schulausbildung der Kinder und die medizinische Versorgung, aber auch den Zukauf von Nahrungsmitteln und Hygieneartikeln genutzt.






Auf der BioFach 2008 ging es darum, im Voraus potentielle Abnehmer auf dem Naturkostmarkt für Bio-Gewürze und -Kräuter zu finden, die nun verstärkt angebaut werden sollten. Bis dahin flossen ORGANIC AFRICA-Produkte in die Kosmetikherstellung.
Die Aufgabe für unsere Firma Heuschrecke bis zu den geplanten ersten Ernten bestand darin, ein Netz von Interessenten zu gewinnen, und auch, mitzudenken, welche Gewürze und Kräuter für den deutschen Markt Erfolg versprechend sind, sodass es dann genügend Abnehmer für einen Container geben würde. Klimatisch ist Zimbabwe ideal für Kräuter, Blüten, und auch z.B. Chili (klein, sehr scharf, Bird-eye-Qualität).


Doch die Wirklichkeit ist anders als der Plan, und dieses Beispiel zeigt, welch langer Atem für ein Projekt benötigt wird.


Es folgte 2008 die Hungersnot und dann die Cholera-Epidemie in Zimbabwe. Die galoppierende Inflation und die einseitige Subventionspolitik Mugabes für Mais verzögerten den Anbau in größerem Umfang und Export von Bio-Kräutern erstmal.
2009 stieß ORGANIC AFRICA zu unserer Kommunikations- und Netzwerk-Initiative "Trust organic small farmers". 2010 gewinnt die ORGANIC AFRICA Initiative den renommierten SEED AWARD der Vereinten Nationen, und der erste große Container mit einigen Tonnen Chilischoten und verschiedenen Kräutern erreichte uns genau an Karneval 2011.

Dominik Collenberg, Gründer von Kaite Organic Africa, und Heinz-Dieter Gasper, Heuschrecke
Dominik Collenberg, Gründer von Kaite Organic Africa, und Heinz-Dieter Gasper, Heuschrecke
Vor dem Büro in Harare
Vor dem Büro in Harare
Tariro, die rechte Hand
Tariro, die rechte Hand
Morgenrunde der Mitarbeiter. Alle, auch wir, stellen sich vor und beschreiben ihre Tätigkeiten.
Morgenrunde der Mitarbeiter. Alle, auch wir, stellen sich vor und beschreiben ihre Tätigkeiten.
Kaite hat dieses Trocknungsgestell entworfen, als einfachen Bausatz für die Bauern, sicher gegen Ungeziefer, kleine Tiere, und Federvieh.
Kaite hat dieses Trocknungsgestell entworfen, als einfachen Bausatz für die Bauern, sicher gegen Ungeziefer, kleine Tiere, und Federvieh.
Gotu Kola im winterlichen Versuchsgarten
Gotu Kola im winterlichen Versuchsgarten
Der Fuhrpark
Der Fuhrpark
Fahrbare Destille. Ätherische Öle sind ein wichtiges Standbein, z.B. Tagetesöl.
Fahrbare Destille. Ätherische Öle sind ein wichtiges Standbein, z.B. Tagetesöl.
Die alte Destille
Die alte Destille
Weitere Schätze aus dem Firmenfuhrpark
Weitere Schätze aus dem Firmenfuhrpark
Baobab-Setzlinge werden an die Bauern verteilt
Baobab-Setzlinge werden an die Bauern verteilt
Baobab-Frucht und Souvenir
Baobab-Frucht und Souvenir
Gerade fand die Neu-Organisation der Kleinbauern statt, die nach Fairtrade-Regeln ein freier Partner der Firma Kaite Organic Africa sein sollen (keine Ausbeutung oder Knebelverträge).
Gerade fand die Neu-Organisation der Kleinbauern statt, die nach Fairtrade-Regeln ein freier Partner der Firma Kaite Organic Africa sein sollen (keine Ausbeutung oder Knebelverträge).

Unsere Reise

Im Sommer 2014 (ein Jahr nach den friedlich verlaufenen Wahlen mit absehbarem Ergebnis) besuchten wir dann Kleinbauerngruppen von ORGANIC AFRICA in verschiedenen Regionen. In Simbabwe war es natürlich Winter, trocken und sonnig, und abends rechts kalt.


Wir waren gut eine Woche unterwegs, begleitet von Benedikt Kaukler (Firma Topqualitea) und natürlich Dominik Collenberg, dem ORGANIC AFRICA-Gründer und Chef.


Unsere Reise startete in Harare, der Hauptstadt und Firmensitz von ORGANIC AFRICA.
Hier vor Ort arbeiten 7 Angestellte in den Bereichen: EDV, Zertifizierungen (Bio + Fairtrade), Lagerhaltung, Finanzen, Administration. Hinter dem Bürogebäude liegt ein Garten mit kleinen Versuchsfeldern für Gotu Kola (im Südosten des Landes wächst es wild in ‚Teppichen' wie Bärlauch bei uns), Chili, Zitronengras, Tagetes (eines der großen Produkte von ORGANIC AFRICA für ätherisches Öl - auch die mobile Destille steht hier), Jasminblüten, Hibiskus, u.a..


Die Hauptprodukte von ORGANIC AFRICA sind Tagetes-Öl (für die Kosmetik-Industrie), Baobab-Fruchtpulver (2014 ist ORGANIC AFRICA der größte Baobab-Produzent weltweit), Strophantus (hier war ORGANIC AFRICA bisher auch weltgrößter Produzent), Chili, Hibiskus, Teufelskralle, Gotu Kola, Papaya Blatt (ein Boom in Österreich) ...
Daneben werden viele verschiedene Küchenkräuter und Blüten angebaut.
Relativ neu hinzu kommt Moringa - z.Zt. ein Boom in Deutschland. Moringa (Moringa oleifera) ist in Sambia heimisch, und in den letzten Jahren wurden viele Bäume in Simbabwe angepflanzt zur eigenen Gemüseversorgung.


Ebenfalls zu sehen ist der von ORGANIC AFRICA entwickelte hygienische Solartrockner - ohne Strom, reine Sonnentrocknung. Die Ware liegt auf einem Drahtnetz und ist durch ein Schrägdach geschützt (hühnersicher - Federvieh rutscht sofort ab auf der Schräge). Das Ganze auf 4 Beinen stehend zum Schutz vor Erdverschmutzungen, Insekten und Nagern. Die Kleinbauern erhalten diese Trockner als Bausatz und setzen sie selbst zusammen - eine geniale und preiswerte Lösung.


In der nördlich von Harare gelegenen Region Domboshawa besuchen wir einige Farmer. Domboshawa liegt im Mashonaland (von den Shona bewohnt) und ist geprägt durch eine bizarre Granitlandschaft - die jetzt im Winter wie eine gebirgige Mondlandschaft aussieht.

Begleitet werden wir vom Berater in der Region‚ Extension Executive Pedzisai Nemadziba. Sein letzter großer Einsatz bevor er nach Australien und in die Niederlande für sein Masterstudium ‚Biolandbau' geht.
ORGANIC AFRICA hat 5 solcher Berater fest angestellt: studierte, sehr versierte einheimische Agrarfachleute. Jeder betreut eine Region mit 500 - 1000 Bauern. Jeder Bauer wird zumindest einmal besucht, aber intensiv arbeiten die Berater mit 70 Kontaktbauern, die 2x/Monat besucht werden. Die Kontaktfarmer besuchen ihrerseits 2x im Monat alle anderen Bauern - ihre Partner -, schulen und beraten.
Pedzisai trainiert auch zu speziellen Themen wie Ernte, Hygiene, Lagerung, Handling.

Typische Dokumentation für die Bio- und Fairtrade-Zertifizierung von Kleinbauern: Vertrag
Typische Dokumentation für die Bio- und Fairtrade-Zertifizierung von Kleinbauern: Vertrag
Kontrolldokument
Kontrolldokument
Betriebsbeschreibungen
Betriebsbeschreibungen


Dossier für Farmer
Dossier für Farmer
Unsere Reisestationen: Domboshava nördlich von Harare
Unsere Reisestationen: Domboshava nördlich von Harare
Region der Victoria-Fälle im Westen
Region der Victoria-Fälle im Westen
Region Hwange
Region Hwange
Region Binga und Kariba-Stausee
Region Binga und Kariba-Stausee
Winterliche Landschaft mit ...
Winterliche Landschaft mit ...
... Granitbergen
... Granitbergen

Unterwegs
Unterwegs
Pedzisai, der regionale Berater
Pedzisai, der regionale Berater

Domboshawa

Domboshawa: Familie Chigon'a bewirtschaftet 3 ha. Die Hauptprodukte sind Chili, Orangen, Saflor- und Calendulablüten, daneben Erd- und Bambaranüsse, sowie verschiedene Gemüse für den Eigenbedarf.

 




Domboshawa, Guhwa: Dominik erzählt, dass hier seine beste Bauerngruppe sei. Wir besuchen Godfrey Guhwa, der sich für die winterliche Dürrezeiten selbst einen stattlichen Wassertank konstruiert hat. Seine Felder sehen dementsprechend schön grün aus. Auf 2 ha baut er Chili, Saflor, Calendula, Kornblume, Papaya und Gemüse an, hält außerdem 2 Schweine und Hühner.
Die Gruppe um Guhwa tauscht sich gut aus. Wir besichtigen anschließend die Kompostherstellung von Bauer Fortune Muzariri.


Auf dem Weg zur Kleinbauernfamilie Chigon'a
Auf dem Weg zur Kleinbauernfamilie Chigon'a
Chilifeld ...
Chilifeld ...
... mit Bäuerin. Eine tolle Gelegenheit, unseren KundInnen zu zeigen, wo unser Cayennepfeffer herstammt.
... mit Bäuerin. Eine tolle Gelegenheit, unseren KundInnen zu zeigen, wo unser Cayennepfeffer herstammt.
Mutter und Tochter am Solartrockner. Es gefiel ihnen, ihr Produkt im Heuschrecke Streudöschen zu sehen.
Mutter und Tochter am Solartrockner. Es gefiel ihnen, ihr Produkt im Heuschrecke Streudöschen zu sehen.
Saflorblüten
Saflorblüten

Frau Chigon'a mit uns Reisenden
Frau Chigon'a mit uns Reisenden
Bauerngruppe Guhwa in Domboshawa
Bauerngruppe Guhwa in Domboshawa
Wir werden erwartet
Wir werden erwartet
Ungewöhnliches Grün im trockenen Winter ,,,
Ungewöhnliches Grün im trockenen Winter ,,,
... dank der selbstgebauten Zisterne
... dank der selbstgebauten Zisterne
Heinz-Dieter Gasper diskutiert mit dem ...
Heinz-Dieter Gasper diskutiert mit dem ...
... Wiedererfinder über das uralte Prinzip.
... Wiedererfinder über das uralte Prinzip.
Ringelblumenblüten auf der Trocknung
Ringelblumenblüten auf der Trocknung
Sonnenblumenblüten
Sonnenblumenblüten
Viehhaltung im kleinen Maße
Viehhaltung im kleinen Maße
Papayabaum
Papayabaum
Nicht nur die Früchte sind gesund, sondern auch das Blatt begehrt für naturmedizinale Kräutertees
Nicht nur die Früchte sind gesund, sondern auch das Blatt begehrt für naturmedizinale Kräutertees
Papayabaum mit Bauer ...
Papayabaum mit Bauer ...
und Bäuerin ...
und Bäuerin ...
und solo
und solo

Diese Kleinbauerngruppe stellt selber Kompost her. Auf dem Weg dorthin.
Diese Kleinbauerngruppe stellt selber Kompost her. Auf dem Weg dorthin.
Kompost im Entstehen
Kompost im Entstehen
Kompost.
Kompost.
Im Dorf
Im Dorf
Mittags um 1: Schule aus
Mittags um 1: Schule aus
Auf dem Weg zurück nach Harare haben wir die winterliche Granitlandschaft bewundert ...
Auf dem Weg zurück nach Harare haben wir die winterliche Granitlandschaft bewundert ...
... eigenartig wie Mondlandschaft
... eigenartig wie Mondlandschaft



Baobab, Affenbrotbaum


Baobab (Adansonia digitata) ist kein Baum, sondern eine Sukkulente, gehört also zur Kakteenfamilie. Wenn man genau hinsieht, bemerkt man die graue glatte Haut, und kann sich vorstellen, dass im Inneren Unmengen von Wasser gespeichert sind. Auf unserer Reise begegneten wir einem 1000jährigen Baobab (ein Naturdenkmal) - ein Ungetüm mit der Würde eines alten Elefanten.
In der Regenzeit entwickelt der Riese etwas zaghaftes Grün, und schließlich die Früchte in ihrer harten Schale. Zur Reife zieht der Baum sämtliches Wasser aus der Frucht, sodass beim Öffnen praktisch schon das fertige Fruchtpulver zu sehen ist, im Zwischenraum der vielen Kerne, zusammengehalten von braunen Fasern.

Die Bäume sind im heißeren Süden von Simbabwe heimisch. Für ORGANIC AFRICA knacken die Bauern vor Ort die Früchte von Hand und liefern nur noch das komplette Fruchtfleisch mit Fasern und Kernen (Ugugu) zur deren Fabrik in die Nähe von Harare. Hier wird weiterverarbeitet: erst wird das Fruchtfleisch von Fasern und Samenkernen getrennt.
Aus den Samen wird Öl für Kosmetik gepresst. Aus dem Pressrückstand kann eine Art Presskuchen zum Knabbern hergestellt werden, der sogar schmeckt und noch wertvolle Inhaltsstoffe hat ...
Das Fruchtpulver wird dann durch sehr feine Siebe abgesiebt. Fertig.

Baobab-Fruchtpulver erlebt gerade in Deutschland einen Boom als Superfood (kleine Produkte mit konzentrierten Wirkstoffen). Das sehr saure, erfrischende Pulver kann in Smoothies, Mixgetränke, in Desserts, beim Backen oder in Marmeladen verwendet werden.

Nationaldenkmal: wahrscheinlich 1000jähriger Baobabbaum
Nationaldenkmal: wahrscheinlich 1000jähriger Baobabbaum
Die Früchte sind schon geerntet
Die Früchte sind schon geerntet
Die Früchte sind hart und werden richtig geknackt.
Die Früchte sind hart und werden richtig geknackt.
Das Innere ist bereits trocken - der Baum zieht in der Trockenzeit das Wasser aus den Früchten heraus.
Das Innere ist bereits trocken - der Baum zieht in der Trockenzeit das Wasser aus den Früchten heraus.
Aus den Kernen wird Öl gepresst. Aus dem Pressgut kann eine Knabberei hergestellt werden.
Aus den Kernen wird Öl gepresst. Aus dem Pressgut kann eine Knabberei hergestellt werden.
Das Saure Pulver wird z.B. in Smoothies, Desserts, Marmeladen verwandt.
Das Saure Pulver wird z.B. in Smoothies, Desserts, Marmeladen verwandt.
Korrekte Deklaration der Säcke
Korrekte Deklaration der Säcke

Nord-West-Simbabwe

Unsere Reise geht weiter in den Westen des Landes - zunächst machen wir den Victoria Falls unsere obligatorische Aufwartung, anschließend besuchen wir eine Farmer-Gruppe in Binga im Hwange Distrikt.

Auf dem Weg übernachteten wir am Kariba - Stausee. In Erinnerung bleibt uns der imposante Sternenhimmel, die glitzernden Augen der Krokodile im Dunkeln, und die Grusel-Geschichten der Einheimischen, was einem passiert, sobald man nachts vor die Tür geht.

 

 

Die Victoria Wasserfälle, kurz Vic Falls, gehören zu den größten der Welt.
Die Victoria Wasserfälle, kurz Vic Falls, gehören zu den größten der Welt.
Der interessantere Teil liegt in Zimbabwe (sagen die Zimbabwer)
Der interessantere Teil liegt in Zimbabwe (sagen die Zimbabwer)
und ein Teil liegt in Sambia
und ein Teil liegt in Sambia
Auch der Karibe-Stausee hat gigantische Ausmaße - und Krokodile
Auch der Karibe-Stausee hat gigantische Ausmaße - und Krokodile

Binga


Binga: In Hwange District im Westen Simbabwes arbeiten ca. 400 Kleinbauern und ca. 150 Wildsammler mit ORGANIC AFRICA zusammen.
Hauptprodukte hier sind u.a. Hibiskus (Rosella), Strophantus und Teufelskralle. Die Menschen hier sind Tonga - dieser Stamm wird in der Literatur als matrilinear, lebhaft und redefreudig beschrieben - tatsächlich werden wir in dieser Region stets von der kompletten Dorfgemeinschaft, und teilweise auch mit Gesang begrüßt (Dominik behauptet, dass er immer mitsingt).

Unterwegs treffen wir Daniel Munanaieri, den Berater für diese Region, und besuchen mit ihm die Farmergruppe "Sikalenge": 63 Mitglieder - 10 Männer, 53 Frauen.
Diese Gruppe hat 2010 mit dem Bio-Anbau begonnen und ist seit 2013 auch Fairtrade-zertifiziert. Erstes Produkt von Sikalenge ist Rosella (Hibiskus), dann Hirse, Sorgum, Mais, neu: Moringa und Saflor (Färberdistel).
In der Verwaltung der Bauerngruppen sind die Frauen präsent: Jenet ist Field-Inspector, und Annah Vizepräsidentin.


 


Die Funktion solcher Lieferanten-Reisen ist nicht nur, dass wir etwas über unsere Produkte lernen, sondern auch umgekehrt den Bauern und Bäuerinnen zu zeigen, dass ihre Erzeugnisse gebraucht und wertgeschätzt werden. Dazu gehören auch Besuche bei "officials", den lokalen Verwaltungen oder NGOs, die mit ORGANIC AFRICA zusammenarbeiten.


Anschließend besuchen wir zusammen mit Daniel die Manjolo Toseke Group. Diese Bauerngruppe ist neben Rosella (Hibiskus) auf Strophantus spezialisiert.
41 Familien bewirtschaften je ca. 3 ha mit Rosella, Strophantus, Sorgum, Hirse, Mais, Bohnen, Baobab, Kaffee, Gemüse, Tomaten, Zuckerrohr und verschiedene einheimische Beeren.
Beim Empfang durch die Dorfgemeinschaft finden verschiedene Dinge statt: Die Bauern und Bäuerinnen präsentieren ihre Arbeit, wir stellen uns vor und erzählen, was mit ihren Produkten in Deutschland geschieht, und nebenbei finden kleine Schulungen statt, z.B. zur Hygiene beim Schneiden und Trocknen. Evtl. werden weitere Projekte angedacht, neue Ideen, was noch vermarktet werden könnte, oder Dinge, die geändert und verbessert werden sollten. Alle tragen sich in eine Anwesenheitsliste ein. Wir sprechen englisch, Daniel übersetzt von Englisch auf Shona, und ein weiterer Übersetzer von Shona auf Tonga.

Die sehr giftige Pflanze Strophantus wird zur Herstellung von pflanzlichen Herzmedikamenten benötigt, und letztes Jahr war ORGANIC AFRICA der weltgrößte Lieferant dafür. Im Busch werden die bumerangähnlichen Früchte des wildwachsenden Strauchs geerntet. Sie müssen dann sehr vorsichtig weiterverarbeitet werden: sie werden im Dorf vor Ort geschält, dann wird das faserige Fruchtinnere aufgeschlitzt um an die Kerne zu kommen. Nur diese werden gebraucht. Dann erst wird an der Sonne getrocknet.
ORGANIC AFRICA hat diese arbeitsaufwendige Methode implantiert, um Aflatoxinbildung zu vermeiden (die große Gefahr, wenn Pflanzenteile nicht richtig trocknen können).


Kleinbauerngruppe von Sikalenge
Kleinbauerngruppe von Sikalenge
Ein Hauptprodukt ist Rosella, Hibiscus
Ein Hauptprodukt ist Rosella, Hibiscus
Getrocknete Moringablätter
Getrocknete Moringablätter
Rosella
Rosella
Jenet ist die Feld-Inspektorin der Gruppe
Jenet ist die Feld-Inspektorin der Gruppe
Rosella im Winter
Rosella im Winter

Auf dem Weg ins Dorf
Auf dem Weg ins Dorf
Moringabaum
Moringabaum
Baobab
Baobab
Lagerhäuser sind immer auf Stelzen
Lagerhäuser sind immer auf Stelzen
Wohnhaus
Wohnhaus
Hausbau
Hausbau
Berühmte Tonga-Pfeife. Nur bei den Tonga ist das Hasch-Rauchen legal bzw. Gewohnheitsrecht.
Berühmte Tonga-Pfeife. Nur bei den Tonga ist das Hasch-Rauchen legal bzw. Gewohnheitsrecht.
Behördenbesuche: Distriktadministrator
Behördenbesuche: Distriktadministrator
Distrikt-Präsident
Distrikt-Präsident
Die Vorsitzende Rosemary der NGO Zubo Trust.
Die Vorsitzende Rosemary der NGO Zubo Trust.
Der Trust fördert dörfliche, kleinbäuerliche Strukturen und Frauen
Der Trust fördert dörfliche, kleinbäuerliche Strukturen und Frauen
Die Kleinbauerngruppe Toseke ist spezialisiert auf Strophantus
Die Kleinbauerngruppe Toseke ist spezialisiert auf Strophantus
Bumerangähnliche Strophantus-Frucht
Bumerangähnliche Strophantus-Frucht
Empfang im Dorf der Toseke-Gruppe.
Empfang im Dorf der Toseke-Gruppe.
Immer mit Dokumentation, Anwesenheitslisten.
Immer mit Dokumentation, Anwesenheitslisten.
Chairwoman der Gruppe. Sie erzählt uns über ihre Produkte.
Chairwoman der Gruppe. Sie erzählt uns über ihre Produkte.
Aus den giftigen Strophantus-Früchten werden nur die Kerne herausgelöst und dann getrocknet.
Aus den giftigen Strophantus-Früchten werden nur die Kerne herausgelöst und dann getrocknet.


Im Dorf
Im Dorf


Speicherhaus
Speicherhaus
Typischer Getreidespeicher aus Ton
Typischer Getreidespeicher aus Ton
Speicherhaus
Speicherhaus

Abschiedsfoto
Abschiedsfoto

Bewässerungsprojekt


Ausflug zu einem neuen Bewässerungsprojekt.
Am Fuße eines Gebirges tief im Busch entsteht gerade ein EU-gefördertes Bewässerungsprojekt. Es ist bestechend simpel konstruiert: aus einem Stausee in den Bergen wird Wasser heruntergeleitet und fließt in mehrere offenen Kanäle. Rechts und links liegen Felder, Regierungsland. Bauern können jeweils 2-ha-Felder pachten, und bewässern sie selbst mithilfe eines Gummischlauchs.

Dominik würde für ORGANIC AFRICA gerne mit Bauern auf 2-3 Felder zusammenarbeiten, direkt am Anfang der Felderreihe - so gäbe es keine Gefahr von Pestizideinträgen. Das würde erlauben, mehr der gefragten Pflanzen Kamille, Saflor, Melisse und Minze anzubauen. Auf dem guten Boden und in diesem Klima wären 2 - 3 Ernten/Jahr möglich.

Fahrt nach Hwange
Fahrt nach Hwange
Neues, EU-gefördertes Bewässerungsprojekt
Neues, EU-gefördertes Bewässerungsprojekt
Es ist grün ...
Es ist grün ...
Mehrere solcher Kanäle trennen die Feldreihen
Mehrere solcher Kanäle trennen die Feldreihen
Einfaches Prinzip - aber wir konnten das nicht so lässig handhaben wie diese Bäuerin
Einfaches Prinzip - aber wir konnten das nicht so lässig handhaben wie diese Bäuerin
Das Wasser wird aus dem Kanal angesogen und fließt durch den einfachen Gummischlauch ins Feld
Das Wasser wird aus dem Kanal angesogen und fließt durch den einfachen Gummischlauch ins Feld


Reifenpanne auf der Dirtroad
Reifenpanne auf der Dirtroad

Teufelskralle

In der Region Ndlovu, etwa 100km von den Victoria Falls entfernt, werden die Wurzel der Teufelskralle (devils claw) geerntet. Wir besuchen dort einige Dörfer, die Namen tragen wie BH9 (Brunnen 9, 32 Familien) oder BH8/7 (Brunnen 8-7, 15 Familien). In der Gesamtregion werden 8 - 10 Tonnen der Wurzeln gewonnen, die in Europa zu pflanzliche Arthose-Mittel verarbeitet werden.

In BH9 wurden wir mit einem "Arbeiterlied" empfangen, in etwa: "bleib nicht faul im Bett liegen, sondern steh auf und arbeite ..." (Dominik hat diesmal nicht mitgesungen).

In der Begrüßungsrunde werden nach der Vorstellung unserer Firma und der Präsentation der Dorfgemeinschaft auch über Qualität gesprochen.
Die wichtigen Regeln sind:
1) nichts auf dem Boden trocken (Sand, Kabel, Hühnermist)
2) Keine Kontamination mit den Hütten - diese werden im November zur Regenzeit von der Regierung mit DDT ausgesprüht.
3) Immer Hände waschen
Im November stoppen dann auch die Ernten wegen Lagerproblemen.

Bei unserem Besuch ist die Teufelskrallenernte in vollem Gange, und wir dürfen in den Busch mitgehen. Im Winter stehen natürlich keine Pflanzen mehr, deshalb wird zunächst anhand der Spuren, vertrocknetem Gestrüpp und den Teufelskrallenfrüchten, das Zentrum einer Pflanze ausgemacht.
Die Hauptwurzel darf nicht verletzt werden, deshalb wird ein Radius um die vermutete Pflanze gezogen und nur dort in die Tiefe gegraben. Männer und Frauen schippen bis zu einem Meter tief den Sand hinaus und sammeln dabei Wurzel-Ableger. Eine Gruppe Frauen feuert die Grabenden durch Gesang an.
Ein Teufelskrallenbusch kann nur alle 3 Jahre beerntet werden - solange braucht die Wurzel, um neue Ableger zu bilden.

Anschließend werden die geernteten Wurzelstücke gewaschen, geschält, in Scheiben geschnitten und auf einem Gestell getrocknet.

Wir wurden auch gefragt, wofür die Teufelskrallenwurzeln eigentlich gebraucht werden - unsere demonstrierten Erklärungen (Humpeln, Rücken halten) konnten sie gut nachvollziehen und werden die Wurzeln ab nun auch selber benutzen.

Besuch bei der Kleinbauerngruppe von Ndlovu. Die Dörfer heißen Borhole (Brunnen) 8 oder BH9
Eine fröhliche Gruppe - Empfang mit Tanz ...
... und Gesang.

Empfang in der Kleinbauerngruppe

Heinz-Dieter Gasper beschreibt, was unsere Firma macht


Ein Hauptprodukt dieser Gruppe ist Teufelskrallenwurzel. Trocknung ...
... der geschnittenen Wurzel
Die "Frucht" der Teufelskralle
Die Bauern und Bäuerinnen demonstrieren uns, wie die Ernte vonstatten geht. Eingrenzen der vermuteten Fundstelle.
Es wird vorsichtig im Kreis um die vermutete Hauptpflanze gegraben. Die Frauen singen dabei.
Bis zu 1m tief wird gegraben






Demonstration für uns: die Wurzeln werden gewaschen ...
... und in Scheiben geschnitten



Der Stolz der Frauen - die neueingerichtete Gemeinschaftsküche.


Anmerkung von Dominik: Die Bäuerinnen und Bauern haben sich sehr gefreut, dass wir Heuschrecke-Cayennepfeffer in der roten Streudose mitbrachten. Sie haben so die Chance gehabt, einmal ein Produkt zu sehen, das sie selbst hergestellt haben und dann in Deutschland für die deutschen VerbraucherInnen verpackt wurde. Das hat die Bäuerinnen und Bauern sehr motiviert.



Ursula Stübner, Heinz-Dieter Gasper

  •  
  • 3 Kommentar(e)
  •  
Dominik
29.01.2015
14:32

Super Heuschrecke

So eine tolle Überraschung! Der Blog wird den Bäuerinnen und Bauern gezeigt - die hatten sich schon so sehr über den Besuch von Kunden gefreut. Es ist hervorragend diese Enge zwischen Produzenten und Kunden in den Alltag zu bringen. Kleinbauern sind anonyme Lieferenten, das zu verändern verändert deren Leben! Dominik

Klaus Pilgram
29.01.2015
15:27

Informationen zu KAITE Trust (in ZIM) und KAITE-ZIM e.V. (in D)

Liebe "Heuschrecke", pardon, lieber Heinz-Dieter Gasper, so eine perfekte, klare, blitzsaubere Darstellung der Fa. Organic Africa, veranschaulicht mit den ganzen tollen Fotos, gab's noch nie - vielen Dank dafür, das ist wirklich großartig gelungen!! Wie kann dieser Blog einer größeren Öffentlichkeit nahe gebracht werden?? Wir vom KAITE ZIM-Verein in D werden natürlich unseren Verteilerkreis informieren. Und sind außerdem gerade dabei, eine eigene homepage einzurichten - erhalten wir die Genehmigung, auf Ihren Blog zu verlinken? (Anm. Heuschrecke: natürlich) Vielen Dank! Was bei Ihrer Darstellung nur erwähnt wird, ist, dass die Arbeit von Organic Africa maßgeblich begleitet wird durch den gemeinnützigen KAITE Trust (früher hieß OA ja auch KAITE company), ebenfalls eine Gründung von D. Collenberg (vgl. www.kaite.biz). Beide Institutionen wollen sich gegenseitig ergänzen und eine nachhaltige ländliche Entwicklung in ZIM auf den Weg bringen; und da auf dem Lande in ZIM fast ausschließlich arme Menschen leben, deren Grundversorgung nicht das ganze Jahr über gesichert ist, stellt ländliche Entwicklung, echte Hilfe zur Selbsthilfe, einen lebenswichtigen Beitrag für eine große Zahl armer Menschen dar. Der KAITE-ZIM e.V. wurde 2007 in D zur Unterstützung des KAITE Trusts gegründet; er sammelt Spenden, mobilisiert Fördergelder und bietet technische Beratung im Bereich LE bzw. Organisationsentwicklung an. (homepage im Aufbau - weiteres Material erhältlich beim Vorstand: klaus.pilgram@gmail.com) Aber abschließend nochmals Dank und Anerkennung für die wirklich beindruckend gute Darstellung von Organic Africa - danke!!!

Daniela Haarhaus
14.12.2015
16:36

Würdigung der Leistung

Jeder Mensch braucht Anerkennung! Und Sie würdigen die Arbeit der Kleinbäuerinnen und Kleinbauern auf eine tolle Art und Weise. Sie stellen Agrarproduzenten vor, die sehr stolz auf ihre Produkte sind. Auch ich war schon vor Ort und kann nur bestätigen, was Sie berichten. Es ist eine Freude, bei diesem nachhaltigen Projekt zu helfen und zu sehen, wie es wächst und gedeiht. Die Freude über Besucher ist groß, man wird warmherzig empfangen, bei einem Rundgang über alles aufgeklärt und entlassen mit den Worten, man möge wiederkommen, da der Besuch sie so motiviert habe. Wenn ich dann noch das Engagement des gemeinnützigen KAITE Trusts für 30 Aids Waisenkinder betrachte, dann weiß ich genau, warum ich mich für Organic Africa und den KAITE Trust engagiere!

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