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BSCI und die Risiko-Länder-Liste

Alles kontrollieren – geht das?

Risk countries & Small Farmers: Ägypten ...
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Burkina Faso
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China
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Indien
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Madagaskar
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Nepal
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Sri Lanka
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Südafrika
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Zimbabwe
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Ein großer Teil unserer Lebensmittel besteht längst aus Papier. Kunden kaufen z.B. 3kg Vanillepulver und verlangen dafür folgende Zertifikate und Dokumente: Sicherheitsdatenblatt,  Analysenzertifikat,  Spezifikation,  Details der exakten Zusammensetzung, Vegan-Zertifikat, Tierversuchsfrei-Zertifikat,  Bio-Zertifikat,  Ecocert-Zertifikat,  Frei-von-Zertifikate (GMO, Pestizide, Radioaktivität, Konservierungsmittel, Aromastoffen, synthetische Farbstoffe, Gelatine, Gluten, Hefe, Milch),  Allergendeklaration, Statement zur Umweltfreundlichkeit,  Potentiell allergene Duftstoffe,  RSPO (falls Palmöl als Zutat),  Flow Chart Herstellungsprozess. Wohlgemerkt - es handelt sich um pflanzliche Lebensmittel aus nachweislich kontrolliert biologischem Anbau, und die angeforderten weiteren Zertifizierungen sollen sich selbstverständlich nicht im Preis bemerkbar machen. (Es wirkt wie Satire, ist aber keine.)

 


Heute: Die BSCI-Risiko-Länderliste und nachweislich eingehaltenen Sozialstandards durch Audits und Zertifikate.

 


Die Business Social Compliance Initiative (BSCI) ist eine gemeinnützige Unternehmensvereinigung ( Brüssel, gegründet 2003). Sie soll auf Unternehmerseite eine gemeinsame Plattform für die unterschiedlichen europäischen Verhaltenskodizes und Überwachungssysteme sowie die Grundlage für ein gemeinsames Überprüfungssystem für Sozialstandards schaffen. Kern der BSCI ist die Einhaltung der ILO Kernarbeitsnormen. (aus dem Kodex der BSCI. ILO = International Labour Organization).
Mitglieder sind Konzerne und LEH-Ketten vorwiegend aus dem konventionellen Bereich. Auslöser der Gründung war die zunehmende Kritik von Verbraucher-Organisationen an internationalen und  westlichen Unternehmen, wenn deren Konsumgüter unter bewusster Ausnutzung der schlechten sozialpolitischen und Umweltbedingungen in Entwicklungs- und Schwellenländern hergestellt werden, weil die Produktionskosten dort am niedrigsten sind.

 

 

Die Naturkostbranche hat sich bereits in der Gründungszeit vor über 40 Jahren aufgemacht, ein anderes, umwelt- und sozialverträgliches Wirtschaften zu etablieren. Auch heute, wo Bio bereits relevante Nischen besetzt, sind die Verhältnisse selbst in der gescholtenen (da in der EG-Bio-VO noch nicht ausreichend geregelten) Bio-Tier-Massenproduktion besser als im konventionellen Bereich. Der Qualitätsabstand bezüglich Umwelt- und Sozialverträglichkeit ist erst recht größer zwischen pflanzlicher Bio-Produktion und konventionell-agroindustriellen Produktionen.

 


Die BSCI Risiko-Länder-Liste (http://www.bsci-intl.org/resources/rules-functioning) ist wichtig für problematische Massenprodukte wie Palmöl, Baumwolle, Zucker oder Stein, oder für die Bekleidungsindustrie. Auf die in typisch kleinteiliger Landwirtschaft hergestellten Bio-Gewürze und -Kräuter wirken BSCI-Kriterien absurd.

 


Von der Risiko-Länder-Liste beziehen wir, z.T. bewusst, um Prozesse voranzubringen, aus mindestens 15 Ländern von Ägypten bis Zimbabwe Bio-Ware.
Die Einkaufsstrategie der Heuschrecke mit diesen schlecht beleumundeten Ländern ist der Versuch, entwicklungs- und biopolitisch in einem postkolonialen Export-Importsystem (Terms of Trade), für Tee, Kräutern und Gewürzen Signale für einen gerechteren Umgang mit Kleinbauern und deren Exportfirmen zu setzen. (Bei den bäuerlichen Familien gehen wir schon davon aus, dass auch die Kinder neben den Schulzeiten mitarbeiten – es hat jedoch nichts mit Arbeit in Steinbrüchen oder Baumwollspinnereien zu tun.)
Das gelingt nicht bei allen 500 Produkten, aber bei vielen wichtigen doch – wenn wir nicht selbst vor Ort eingreifen können, versuchen wir, von hier aus gute Qualität zu fairen Preisen zu beschaffen.

 

 

Im Bio-Bereich, besonders bei Gewürzen und Kräutern, gibt es tendenziell zuwenig Rohstoffe in der von uns gewünschten Qualität. Die Risikoländer hierbei zu meiden, kann nicht unser Ziel sein (in anders gearteten Geschäftsfeldern mag das anders zu bewerten sein). Die Unterstützung der einheimischen Kleinbauern-Landwirtschaft – am besten bio - ist immer elementar, egal wo. Gerade in Krisenländern ist dies etwas ganz Grundsätzliches.
Bei unseren Monoprodukten deklarieren wir immer das Ursprungsland, sowohl auf der 10g-Tüte als auch auf dem 25kg-Sack. Bei Mischungen mit bis zu 20 Zutaten ist das wegen des hohen Arbeitsaufwandes und der Rohstoffknappheiten / ständige Suche nach Ersatzware leider nicht möglich.

 


Zertifikate über die Einhaltung der Sozialstandards existieren hier wie in Entwicklungsländern erst ab gewissen Betriebsgrößen. Nicht untypisch im Machtgefälle ist dennoch, mit Produzenten erst Preise zu verhandeln, und dann noch Sozialstandards nachzufordern. Wenn die Zertifizierungen dann nicht in den Preis eingerechnet werden können, muss irgendwo mit Betrug gerechnet werden.
Alle Fairtrade-Zertifizierungen bringen zum Teil so erhebliche Kosten mit sich, dass sie typischerweise Kleinbetriebe oder Einzelbauern kaum stemmen können. Auch unsere Firma ist wegen der Vielfalt und Kleinteiligkeit als kleinerer mittelständischer Betrieb nicht Fairtrade-zertifiziert (siehe unsere Initiative Trust Organic Small Farmers).

 


Fazit: wir als Bio-Hersteller sehen unsere Arbeit als Prozess – bei jeder Gelegenheit die kleinbäuerliche Bio-Landwirtschaft zu fördern, und dabei hochwertige Qualität zu sichern. Wir bieten unseren Kunden neben der Biozertifizierung soviel Transparenz wie möglich, aber haben nicht den Anspruch, auf BSCI-Zertifizierungsebene mitzuhalten. Der Verwaltungsaufwand und die Kosten wären ruinös.

 

 

Respekt: unsere Bauernpartner aus  den BSCI-Ländern beginnen sich gegen den zunehmenden Anspruchs- und Überwachungswahn der westlichen Welt zu wehren. Sie fordern aktive Trainings und Consultings anstelle reiner Kontrollinstrumente bis zum Geocontrolling. Sie sind der Auffassung, dass die westliche Welt viele der Probleme geschaffen haben, die sie lösen sollen. Der Ärger ist abzusehen.

 


Heinz-Dieter Gasper, Ursula Stübner

 

P.S. Unsere Opens internal link in current windowLieferantenportraits untermauern natürlich unsere obigen Statements.

 

P.P.S. Unser Gewürzlieferant Biofoods, Dr. Sarath Ranaweera aus dem Risiko Land Sri Lanka ist "first world fairest fair trader awarded by FLO international".

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  • 2 Kommentar(e)
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Michael Hinterauer
15.11.2014
10:06

Mut zur Lücke oder Wachstum ?

In Betrieben (z.B. Verarbeiter) die stark wachsen oder gewachsen sind herrscht ein teils anonymer Informationsfluss über Papier, der Eine weiß gar nicht mehr genau was der Andere alles macht. Über Papier wird eine Qualität "sichergestellt", letztlich bis hin zu diversen Angaben und Siegeln auf den Produkten, da diese in Geschäften landen in denen 40.000 Artikel und mehr angeboten werden und so den End-Kunden überzeugen sollen. Wer dies unterstützen kann, wird liefern dürfen, wer nicht, der nicht. Gleichzeitig ist die Klein-Wiederverkäufer-Struktur nicht absehbar, wächst sie oder schrumpft sie - der Tante-Emma-Laden nach heutigem Verständnis. Aussagen glauben zu schenken ohne "Papier & Siegel" heißt Vertrauen zu haben. Tja. Da unsere Medien auf Negativ-Meldungen ausgerichtet sind, wird Vertrauen kaum gefördert und wenn dann eben über Bezahlung = Werbung. Und wenn Werbung wiederum das Vertrauen verliert, dann - siehe Anfang dieses Absatzes.

Nicole
02.04.2015
01:08

Wenn das Produkt mehr hält, als es verspricht....

Gerade heute Abend, als ich wieder neue von Euren wunderbaren Waren bekommen habe, haben wir darüber gesprochen, dass, wenn man ein Heuschrecke-Produkt kauft, man so viel mehr bekommt, als man vermutet, bis man sich einmal damit auseinandersetzt. Als ich das erste Mal Ihren Katalog in der Hand hatte, konnte ich es nicht fassen, dass so wenige Menschen so viel stemmen können an Engagement, weltweit und mit so viel Liebe zum Detail...so etwas kann man nicht in Zertifikate fassen, und so etwas lebt davon, dass es weitererzählt wird. Wir geben uns jedenfalls alle Mühe, dies zu tun. Danke für die Dinge, die man gerne verkauft!

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