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Gastbeitrag
30.04.2014
15:54

Mikrokosmos: Sumpfhaubenpilze

Eines Aprils im Torfmoos

Sumphaubenpilz Mitrula paludosa


Zu unserer Aprilexkursion 2014 wurden wir ungewöhnlich warm trocken erwischt.

 

 

Was tun?

 

 

Da konnte nur ein ganzjährig feuchtes Gebiet in Frage kommen, um überhaupt frisch gewachsene Pilze finden zu können – und siehe da:
mitten im Torfmoos flammten uns aus tiefstem Grün die leuchtend gelben Häubchen des Sumpfhaubenpilzes (Mitrula paludosa) entgegen.

 
Sumphaubenpilz Mitrula paludosa, Schlauchspitzen 100x vergrößert

 

Die deutlich vom Köpfchen abgesetzten weißlichen, ca. 3mm dicken Stielchen waren fast ganz im Sphagnum verborgen.
Das war unser Hit des Tages und viel mehr gab’s auch nicht.

 


Essbar sind diese leuchtenden Schönheiten selbstverständlich nicht, die Fruchtkörper sind ohnehin nur 20-50mm hoch, die Haube höchstens 1cm breit.

 

 



Mikroskopisch untersucht wurde die Fruchtschicht dieses zur Familie der Erdzungen gehörenden Schlauchpilzes in Jod-haltigem Lugol: deutlich ist zu erkennen, dass die 8 Sporen enthaltenden Schläuche an der Spitze durch Jod blau gefärbt werden (zur Bestimmung vieler Schlauchpilze ein wichtiges Merkmal). Die Sporen sind zylindrisch-zigarrenförmig, das heißt, sie sind viel länger als breit (bei 10-15 Mikrometern Länge, nur 2,5-3 Mikrometer breit) und manchmal septiert.

 Sumphaubenpilz Mitrula paludosa, Paraphyse 50x vergrößertSumphaubenpilz Mitrula paludosa, Schlauch, 50x vergrößert

 

Man muss sich die Schläuche in der Fruchtschicht wie dicht an dicht aufgestellte Bohnenstangen vorstellen, aus deren Spitzen die reifen Sporen entlassen werden. Damit die Schlauchzellen stabil stehen, schieben sich dünne, sterile Hyphenenden dazwischen, sogenannte Paraphysen. Die sind bei Mitrula paludosa oft vielfach septiert und manchmal sogar gegabelt, wie auf Bild 3 zu erkennen ist.

 

 

Mit diesem versteckten Fund ist uns also doch noch ein guter Auftakt in das Pilzjahr 2014 gelungen.
 

 

 

 

 


Eva Wandelt und Lothar Claußnitzer
 




Bilder mit Klickvergrößerung

 


Die Pilzsachverständigen bei der Arbeit ...
Genug für heute von den Hobbymykologen und Pilzsachverständigen (DGfM) Eva Wandelt (Biologin) und Lothar Claussnitzer (Streuobst-Landwirt und Wiesenmeister).

In loser Folge werden wir auf dieser Seite Schönes, Kurioses, Interessantes, Essbares, Würziges anhand von einfachen Digi-Mikrofotos aus dem wilden Pilz-und Pflanzenreich vorstellen und erläutern.


Fotos © Evi Wandelt, Lothar Claußnitzer

 

 

 

 

 

 

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