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Heiliger des Monats März: Oscar Romero

24. März: Oscar Romero

 

Schöne Geschichten für das Unterbewusstsein bzw. die archaische Psyche. Das katholische Christentum und insbesondere der rheinische Katholizismus bietet mit seinen unzähligen Heiligen einen ähnlich guten psychologisch-spirituellen Service wie unser altes Kelten- und Germanentum (zum großen Teil wurden deren (Natur-) Gottheiten dem spröden Monotheismus zunutze gemacht). Dieses Mal wieder eine politische Geschichte.

 

 

Während er die Messe feiert, wird am 24. März 1980 der Erzbischof des kleinen mittelamerikanischen Landes El Salvador direkt vor dem Altar erschossen. Die Mörder sind Soldaten im Auftrag der Regierung.
Der von den USA unterstützte und ausgebildete Militärapparat El Salvadors dient weniger der Verteidigung des Landes gegen äußere Feinde,  sondern eher der Wahrung der Interessen der wenigen reichen Großgrundbesitzer gegen das in Armut versinkende eigene Volk. Massaker, Folter und das gezielte Töten aufrechter Bürger sind Alltag.
Erzbischof Romero, ein getreuer Hirte seiner Schafe, findet deutliche Worte gegen Terror und Unterdrückung, schweigt trotz Drohungen nicht, wird ernstlich gewarnt, bleibt aber auf seinem Posten und trinkt den Kelch eines wahren Nachfolgers Jesu.

Man leitet das Heiligsprechungsverfahren ein, alle Welt rechnet mit einem schnellen Abschluß, aber dem neuen Papst Johannes Paul II paßt dieser Theologe der Befreiung nicht ins vernagelte Weltbild. Er schickt den ebenfalls rechts gewirkten Präfekten der Glaubenskongregation Ratzinger vor, den Prozeß auf Eis zu legen, und dieser tut das gern.
Hunderte Menschen spricht dieser Papst heilig, mehr als jeder Vorgänger, aber diesen einen ganz bewußt nicht. Im Gegenteil, wie zum Hohn ernennt Johannes Paul II Jahre später den Militärbischof El Salvadors zum Nachfolger des brutal hingerichteten Oscar Romero. Die nie bestraften Killer werden sich gefreut haben, kuck mal, die in Rom haben uns lieb.

Wen Johannes Paul II dagegen erst selig- und dann heiligspricht, ist Josemaria Escriva, der Gründer des „Opus Dei“. Das „Opus Dei“ ist eine fromme Seilschaft, stramm auf Gehorsam und Linientreue ausgerichtet, entstanden und gewachsen im konservativen Flügel der unter dem Diktator Franco eh herzlich weit nach rechtsaußen gedrifteten spanischen Kirche. Durchregieren von oben runter, Priesterherrschaft statt Gemeinde, Kungeln mit den Reichen statt Solidarität mit den Armen, kurz ein ewiggestriger, rückwärtsgewandter Laden, in dem Demokratie und Gewerkschaften keinen Platz haben. Diese eher unappetitliche Truppe fördert Johannes Paul II mit aller Kraft, das sind seine Jungs.

Zur Erinnerung: Christentum, war das früher nicht die Religion, in der allein die Liebe, die Zuwendung zueinander, das Öffnen der Herzen zählte ? Hat dieser Christus nicht gesagt: „Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deinen Gedanken und all deiner Kraft. Als zweites kommt hinzu: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Kein anderes Gebot ist größer als diese beiden". Und sein Jünger Paulus: „Wer den andern liebt, hat das Gesetz erfüllt. Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. Also ist die Liebe die Erfüllung des Gesetzes".

Wie um alles in der Welt kann irgendein Mensch der Meinung sein, er tue das Werk Gottes (= opus dei), wenn er nicht voller Liebe ist ? „Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig. Sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand. Die Liebe hört niemals auf.“ - Wie verträgt sich das, was Paulus schreibt und Jesus sagt, mit der kaltherzigen Bunkermentalität weiter Kreise der kirchlichen Hierarchie ? Wie kann man Homosexuelle und Geschiedene als Menschen zweiter Klasse behandeln, Märtyrer der Menschenwürde wie Oscar Romero in ihrem verzweifelten Kampf alleine lassen, und gleichzeitig meinen, Gottes Werk zu tun ?

Fast überflüssig zu erwähnen, daß dieser brave Militärbischof, der frech oder unbedarft genug war, unter dem Applaus der Mörder den Platz Romeros einzunehmen, „Opus Dei“ Mitglied war.

Wenn im April 2014 Johannes Paul II im Schnellverfahren heiliggesprochen wird, während Oscar Romero in der Warteschleife der wahrhaft Sanftmütigen kreist, kann man mit Paulus denken „die Liebe erträgt alles, hält allem Stand“ - oder man läßt sich gleich vom Chef selber trösten, der sagte „die Letzten werden die Ersten sein, und die Ersten die Letzten“.
In diesem Sinn hat Oscar Romero wirklich alle Zeit der Welt.
 

 

 

 

 Herzlichst

 

Peter Kirwel

 





Peter Kirwel, Autor der Heiligen des Monats


Peter Kirwel

macht hauptberuflich den Vertrieb für Topas (Bio-Hersteller veganer Wheaty-Produkte) und hält nebenberuflich die traditionellen katholischen Prozessionsbräuche (die eigentlich die ganz alten Kulte fortführen) in seinem Eifeldorf am Laufen, auch eine Punkzeit soll es gegeben haben.


Peter verweist noch auf auf das Ökumenische Heiligenlexikon, deren Kalenderfunktion er gerne nutzt:  " ... vor allem, da die überkonfessionell und unabhängig sind -  wer sich weiter in die Welt der Heiligen vertiefen möchte, kann das ganz bequem auf der unerschöpflichen Seite www.heiligenlexikon.de tun".


 

 

 

 

 

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