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Trust Organic Small Farmers (8)

Die 8. Trust Organic Small Farmers - Konferenz

Die achte Trust Organic Small Farmers Konferenz 2014
4 Kontinente
Kleinbauernprojekte, Importeure, Händler
25 Jahre Jubiläum in Sri Lanka und in Frankreich
Barend von der Orginal Rooibos Wupperthal Cooperative
Dominik, Gründer von KAITE, Zimbabwe
Helianti, Gründerin von JAVARA, Indonesien
Just us! Kanada
Sarath, Biofoods in Sri Lanka, dahinter Sunil, PDS in Indien
Stephane, Frankreich



Am Vorabend der BioFach findet traditionell unsere "Trust Organic Small Farmers" Konferenz statt, am 11.2.2014 war es zum achten Mal.
Diese Netzwerk-Initiative von Bio-Kleinbauernprojekten, Importeuren und Händlern von 4 Kontinenten haben wir 2007 mitgegründet (siehe auch: Opens external link in new windowwww.heuschrecke.com/blog/blog-post/2013/02/21/trust-organic-small-farmers.htm).

Der Austausch ist in seiner Offenheit auch für die Bio-Branche recht ungewöhnlich: in einem Sharing berichtet jedes der Projekte und jede der Firmen, wie es ihnen im letzten Jahr ergangen ist. Erfolge wie Schwierigkeiten werden in der Runde besprochen, gemeinsam auf der Suche nach z.T. unkonventionellen Lösungsstrategien und gegenseitiger Hilfe.

 


Die teilnehmenden Vertreter der Kleinbauernprojekte sind PDS / Indien (Gewürze), TPI / Indien (Tee), BioFoods/SOFA / Sri Lanka (feiert dieses Jahr 25-Jähriges, Gewürze und Tee), die Original Wupperthal Rooibos-Cooperative / Südafrika und KAITE / Zimbabwe. Erstmalig zu Gast auf unserem Treffen war Helianti Hilman, Gründerin der Kleinbauerninitiative JAVARA auf Java/Indonesien. Zu JAVARA, das seit 5 Jahren existiert, gehören ca. 50.000 Kleinbauernfamilien, die Gewürze, Tee, Reis und Kokosnüsse anbauen. Zusammen repräsentiert unsere 8. Konferenz von "Trust Organic Small Farmers" ca. 60.000 Kleinbauernfamilien plus weitere 30.000 Familien in Kunsthandwerks- und Dienstleistungsprojekten wie Wäschereien und Tourismus.

 


Es ist immer schön zu hören, wenn globale Institutionen zu ähnlichen Ansichten gelangen wie unsere kleine Trust Organic Small Farmers-Gruppe: nach dem Weltagrarbericht 2009 stellt auch die unctad-Trade and Environment Review 2013 fest, dass die kleinbäuerliche Bio-Landwirtschaft gegenüber der Agrarindustrie die zukunftsträchtigeren Strategien bietet in Bezug auf Klimawandel, Umweltschutz / Biodiversität, Armutsbekämpfung und Gerechtigkeit. Der Claim der UN ist für das Jahr 2014 folgerichtig "Family Farming", was die anwesenden Projekte besonders freut. Anmerkung: Der Claim ist eigentlich genauso aktuell in Europa und Deutschland, wo Klein- und Mediumbauern durch die Bodenspekulationen und den Anbau für Biogasanlagen verdrängt werden.

 


Viele Beteiligte berichten vom spürbaren Klimawandel, wobei die extremen Wetterphänomene mit Trockenheit und Nässe zunehmen. Wie schon letztes Jahr dargestellt, ist deshalb die Anpassung von Pflanzen und Saatgutforschung ein drängendes Problem, dessen Lösung leider durch Saatgut-Patente und Konzentration der Anbieter konterkariert wird


Die Preise für Gewürze steigen zwar, aber die geernteten Mengen sinken durch Ausfälle, sodass die Einkommen der Bauern leider nicht verbessert werden. PDS setzt zur Mehrwert-Generierung verstärkt auf Demeter-Anbau, was von den Bauernfamilien gut angenommen wird. Es werden außerdem Kurse in kunsthandwerklichen Techniken für Frauen angeboten, und Vermarktungswege für diese Produkte geschaffen. Der Landflucht ein adäquates Einkommen entgegenzusetzen ist das Ziel.


Bei TPI (Tee von Kleinbauern) tritt nun die dritte Generation in die Geschäftsleitung ein. Gautam Mohan hat ein Agrarwirtschaftsstudium absolviert und kurz bei der UN in New York gearbeitet, bevor er jetzt in die Heimat zurückkehrt.
Vielleicht ist das der neuer Trend - bestens ausgebildete, politisch bewusste Menschen kehren in die Heimat zurück und arbeiten für die eigenen Projekte. Bei TPI sind Kleinbauernprojekte noch ein kleiner, aber wachsender Bereich.


Da in Sri Lanka die Mengen der Kleinbauern-Assoziation SOFA nicht mehr den Bedarf decken, kommen in der neuen Gruppierung MOPA - ebenfalls von BioFoods initiiert - auch Medium Scale Farmers (mittelgroße Bauern) als Lieferanten dazu. Diese Entwicklung muss insofern kritisch betrachtet werden, weil dadurch die Kleinbauern abgehängt werden könnten, wie z.B. in einem IFOAM-Vortrag für Mittelamerika (Quinoa-Projekt) beschrieben wurde. Allerdings ist SOFA sehr gut organisiert und präsent.


Für die Original Wupperthal Rooibos Cooperative lief das vergangene Jahr sehr gut, mit vor allem deutlichen Umsatzzuwächsen im Inland. Die Mitgliedsfamilien sind im Moment mit allen möglichen organisatorischen und technischen Verbesserungen beschäftigt, und werden durch einen externen Vermarktungs-Berater unterstützt. Witzig und lecker ist die neue Idee, aus Rooibusch-Feinschnitt ein Espresso herzustellen. Ein etwas merkwürdiger Umstand bedroht jedoch die Sicherheit der Cooperative: das Land und einige Gebäude gehören - durch die Anfänge als Missionsstation - der Herrnhuter Brüdergemeine bzw. der Moravian Church. Die Kirchenvertretung vor Ort strebt neuerdings die Vertreibung der angestammten Familien an, um selbst aus dem Rooibusch-Geschäft ein straff organisiertes Business zu machen. Bisher - wie in vielen anderen Weltländern - ist Kirchenland immer sicheres Land für die Bauern, geschützt vor gierigen, globalen Zugriffen. Wir hoffen, dass sich der Konflikt im Sinne der Cooperative lösen lässt.


Die Kleinbauerninitiative KAITE in Zimbabwe ist auf 3500 Familien angewachsen, und hat zur Zeit Erfolg mit Baobab-, Gotu Kola-  und Papaya-Produkten, die gerade im Wellness-Food- und Kosmetik-Bereich angesagt sind. Wegen des Wachstums hat sich nun der produktive Teil des Gesamtprojekts KAITE, das ja außerdem soziale Maßnahmen fördert, umbenannt in "Organic Afrika" -  auch, weil übernationale Projekte geplant sind.


Thema Bauern und Identität: die Projekte setzen momentan viel Energie darein, das Selbstbewusstsein und die soziale Achtung der Kleinbauern zu stärken, um diesen Beruf als attraktiv für die nachfolgenden Generationen zu erhalten. So bezeichnet JAVARA bewusst seine Kleinbauern als ‚Unternehmer', was eine höhere Wertschätzung zur Folge hat als ‚Farmer'. PDS bildet im eigenen Forschungscenter seine MitgliederInnen weiter, und die Bauern wirken an neuen Entwicklungen und Erfindungen mit.


(Bio-) Kleinbauernprojekte haben im Westen noch keine Lobby. Die Aussagen der beiden Weltagrar- bzw. Umweltstudien sind kaum Thema in relevanten Medien gewesen. In "Vernunftdiskussionen" denken viele automatisch: "es geht nur mit Agrarindustrie" bei dem Gedanken, bald über 9 Mrd. Menschen ernähren zu müssen - gefördert durch Lobbyisten der Chemie- und Saatgut-Multis. Im Fairen Handel haben es Kleinbauernprojekte schwer, da sie im Wettbewerb mit größeren Fairtrade-Playern wegen komplizierter (Kosten-) Strukturen nicht mithalten können.
Über die Themen Umweltschutz und Biodiversität erschließt sich den KonsumentInnen am ehesten noch die Bedeutung von kleinbäuerlicher Landwirtschaft - und es gibt natürlich sehr schöne "sozialromantische" Bilder und Portraits aus den traditionellen Kulturen.
Als neues Stichwort haben wir "Spitzenwerte" ausgemacht: sehr oft haben Produkte aus kleinbäuerlicher Bio-Landwirtschaft nämlich die höheren Wirkstoffgehalte - also eine handfeste wissenschaftliche Größe.


Die Netzwerk-Initiative "Trust Organic Small Farmers" - ohne Verwaltungsaufwand, ohne Etat, ohne Labeling, ohne Fundraisung, zusammengehalten durch die Idee - wird auch die 9. Konferenz zur BioFach 2015 stemmen.

 


Ursula Stübner, Heinz-Dieter Gasper

 

 

 

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