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Heiliger des Monats Dezember: Stephanus

26. Dezember: Stephanus


Schöne Geschichten für das Unterbewusstsein bzw. die archaische Psyche. Das katholische Christentum und insbesondere der rheinische Katholizismus bietet mit seinen unzähligen Heiligen einen ähnlich guten psychologisch-spirituellen Service wie unser altes Kelten- und Germanentum (zum großen Teil wurden deren (Natur-) Gottheiten dem spröden Monotheismus zunutze gemacht). Diese Geschichte ist auch wie die von Saulus/Paulus (siehe http://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2010/01/22/heiliger-strohsack-geschichten-vom-heiligen-des-monats-januar.htm plus die beiden nachfolgenden Beiträge zu Paulus) hoch politisch und erschreckend aktuell. Mit Anklängen an sozialpolitische Gruppen wie ATTAC, das Weltsozialforum und viele mehr.

 

 

 

  • Patron der Steinbrecher, der Maurer, für einen guten Tod


Stephanus, der erste Jünger Jesu, der diesem in den Tod nachfolgt. Im Plan der Autoritäten setzt der Mord am Zimmermannssohn aus Nazareth den Schlußpunkt. Diese Galiläer sind aber komplett von der Rolle, außer Rand und Band, diskutieren an jeder Straßenecke, organisieren sich.
Unaufhaltsam wächst und gedeiht die basis-kommunistische Sandalentruppe, wählt sich Funktionäre. Die meisten Stimmen erhält Stephanus, er organisiert die Armenhilfe, ein mächtiges und volkstümliches Instrument der Propaganda, das ist der Griff nach der Macht.

Der Gegenschlag erfolgt schnell und effektiv. Stephanus wird gekidnappt und vor ein Gericht gestellt. Das Gericht ist durch und durch Partei, alle Zeugen gekauft, ein abgekartetes, böses Spiel.

Was ist das mit diesem Jesus ? wollen die genervten, nervösen Richter wissen. Das Volk wird unruhig, bereitet sich hier ein Aufstand vor ? Dieser Wirrkopf ist doch mausetot, alle haben ihn gesehen, wie er im Frühjahr neben der Straße am Balken hing. Die Vorstellung ist aus, und keiner geht nach Hause.

Mit Stephanus haben sie den richtigen erwischt, er nimmt kein Blatt vor den Mund. Deppen seien sie alle miteinander, blind und blöd hätten sie den Messias umgebracht, ihren eigenen König, das verheißene Heil Israels.

Der Saal kocht, manchem ist das ein Stich ins Herz, die meisten knirschen mit den Zähnen, die Stimmung ist aufgepeitscht. Unwahrscheinlich, daß Stephanus diesen Schauprozeß mit heiler Haut verlassen wird.
Und ? Was tut dieser junge Mann, macht er in De-Eskalation, rettet er sich in   Kirchentagsgeschwafel ? - Einen Teufel tut er, Stephanos Protomartyros, Erz-Blutzeuge, Politkommissar Gottes: seine Arme breitet er aus, seine Augen reißt er auf, legt seinen Kopf in den Nacken und ruft laut und klar ins plötzliche verblüffte Schweigen: „Ich sehe den Himmel offen, die Herrlichkeit Gottes, und mein Freund Jesus steht zur Rechten des Herrn.“

Hundert Schreie wie einer antworten, sie treten und prügeln ihn durch die Stadt zum Tor hinaus, bewerfen ihn mit Steinen, bis er zermanscht tot liegt.

Ist das Feuer der Christen-Revolte damit ausgetreten, sieben Monate nach der Kreuzigung ? - Das Gegenteil geschieht. Wie zerstäubende Funken verteilen sich die Kader der Bewegung hinein ins Reich und darüber hinaus, ein Flächenbrand. Die  Gemeinde Jesu flieht, aber Ideen nisten im Kopf, und den trägt man mit sich. Saulus, einer der Schlächter des Stephanus, eilt den Entkommenen hinterher, die Lizenz zum Töten hat er vom Hohen Rat.

Nun, es hat nicht funktioniert, es funktioniert nie. Die Gedanken sind wirklich frei, Zensur ist kindisch. So, wie es nach der alten Architektenweisheit „kein dichtes Flachdach gibt“, das Wasser findet seinen Weg, so lassen sich neue Botschaften nicht zurückrufen.

Stephanus ist in der Sekunde dem Tod geweiht, als er sagt, daß er Jesus zur Rechten Gottes sieht. Den Jesus, dem man gut 30 Jahre bei allen menschlichen und allzu menschlichen Verrichtungen zuschauen konnten. Ein Mensch, dessen menschliche Mutter noch lebt.

Das genau ist der Kern der Message selbst, wogegen alles andere zu Killefitz wird: der Unerreichbare, Ungreifbare, Gott selbst, hat sich kleingemacht, ist Mensch geworden mit allen Konsequenzen. Hat uns Menschen damit groß gemacht, sehr groß, mit allen Konsequenzen.
In dieser Gottesnähe gründet die Würde des Menschen, nicht in irgendwelchen abstrakten Menschenrechten. Die Gottesebenbildlichkeit des Menschen duldet auf die Dauer keine Sklaverei, die verträgt sich schlecht mit einem rücksichtslos triebgeleiteten Verhalten wie auf dem Affenfelsen im Kölner Zoo oder am Ballermann, die geht mit Krieg nicht zusammen.

Die Mächtigen unseres Planeten wollen durchregieren, einzelne Menschen wie Jesus oder Stephanus sind denen nur Spielsteine. Guantanamo gehört besten Freunden, und diese Freunde führen mit unserer freundlichen Hilfe einen irre-mörderischen Drohnen-Krieg gegen Frauen und Kinder. In China und Rußland herrscht das Lagersystem wie eh und je, Afrika liegt weithin im Chaos, Südamerika im Würgegriff von Drogenbossen - und genau den Wirtschaftskonzernen, die uns das tägliche Stück Fleisch auf den Tisch zaubern, kaum einer fragt nach, wie.

Das Vermächtnis des ersten Blutzeugen Stephanus ist die Botschaft der hohen Würde des Menschen. Diese Botschaft überall auf der Welt durchzusetzen, wird noch das Blut ungezählter frommer Menschen kosten. Aber auch nur das Blut, mehr können die Mächtigen den Märtyrern nicht nehmen, letztlich siegt die Wahrheit. Immer.

 

 

 





Peter Kirwel, Autor der Heiligen des Monats


Peter Kirwel

macht hauptberuflich den Vertrieb für Topas (Bio-Hersteller veganer Wheaty-Produkte) und hält nebenberuflich die traditionellen katholischen Prozessionsbräuche (die eigentlich die ganz alten Kulte fortführen) in seinem Eifeldorf am Laufen, auch eine Punkzeit soll es gegeben haben.



 

 

 

 

 


Tags: heiliges des monats, stephanus, jesus
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