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Heiliger des Monats November: Josaphat

27. November: Josaphat


Schöne Geschichten für das Unterbewusstsein bzw. die archaische Psyche. Das katholische Christentum und insbesondere der rheinische Katholizismus bietet mit seinen unzähligen Heiligen einen ähnlich guten psychologisch-spirituellen Service wie unser altes Kelten- und Germanentum (zum großen Teil wurden deren (Natur-) Gottheiten dem spröden Monotheismus zunutze gemacht). Wie in der Chemieindustrie sind die großen Religionen vordergründig Konkurrenten - aber hinter den Kulissen wird durchaus zusammengearbeitet ...

 

Wenn in einer dieser zynischen TV-Rate-Shows, wo Krümel an die Armen verteilt werden, damit diese nicht auf die Idee kommen, sich den ganzen Kuchen zu nehmen, die Millionen-Euro-Frage lautete: ist Buddha ein katholischer Heiliger ?, würden das selbst viele Theologen verneinen.

Ein junger Mann aus adliger Familie schwelgt Tag und Nacht in Luxus und Überfluß, seine bildschöne Frau liebt ihn, beide haben einen Sohn. Der Senior, in dessen Palast die kleine Familie in paradiesischer Sorglosigkeit  lebt, herrscht über ein wohlhabendes Ländchen. Jeden Anblick von Elend, Armut und Vergänglichkeit hält der Herr Papa bewußt von seinem auserwählten Nachfolger fern.
Um so schockierter ist dieser dann, als ihn ein unbewachter Ausflug mit der Realität konfrontiert. Ein Greis ohne Haare und Zähne, ein Fieberkranker, ein verwesender Leichnam, ein Mönch in bewußter Armut – diese Eindrücke zerbrechen seine rosa Brille. Sofort läßt er alle und alles hinter sich, materieller Wohlstand erscheint ihm nun als  täuschende Fassadenmalerei, als schaler Ersatz tieferer innerer Erfahrungen. Mehrere Jahre durchwandert er die Ferne, hört viele Philosophen und Gottesgelehrte, probiert sich in ihren Anweisungen. Nachdenkend geschieht ihm die endgültige Erleuchtung: daß jedes individuelle Begehren ganz sinnlos, ein Trugspiel ist, daß der Weg zum Heil über die Lösung von Leidenschaften führt.
Bis zu seinem Tod predigt er dies ungezählten Menschen, sammelt Schüler um sich, die ihm folgen in Wort und Tat.

Das ist die Geschichte des heiligen Josaphat, und zugleich ist sie es nicht. Denn, christlich gedeutet wird Josaphats Lebenserzählung und Lehre erst im kulturellen Einflußbereich Konstantinopels. Den Arabern ist er vorher (und noch gar nicht christlich) als „Budhasaf“ bekannt, die Tradition kam über den Iran zu ihnen, wo er „Bodisav“ heißt. Den Persern wiederum berichteten ursprünglich die benachbarten Inder vom „Bodhisattva“, „dem Erleuchteten“.
Der indische Königssohn Siddhartha Gautama Bodhisattva, den  jedermann „Buddha“ nennt, ist des Josaphat Kern.

„Lost in translation“, so kann man auch heiliggesprochen werden. Die Kirche jedenfalls übernimmt  auf diese Weise im 8. Jahrhundert wesentliche Lehren des Buddhismus in ihren überquellenden Legendenschatz und befeuert den Eifer ihrer Gläubigen mit der Weisheit des fernen Ostens.
Der Asket und Mönch und spätere gerechte Herrscher im Reich seines Vaters namens Josaphat wird populär im Abendland, man übersetzt seine Gleichnisse und Geschichten in alle Sprachen. Mitten in der schönsten Ritterzeit sitzen die tapferen Recken auf der Gozzoburg in Krems an der Donau, deren Bankettsaal teils bis heute mit der Geschichte des heiligen Josaphat ausgemalt ist, und lassen sich vom Minnesänger zum gepflegten Bierchen auf Mittelhochdeutsch was von Buddha vorsingen: ein Bild für die Götter, wie die Haudraufs in Blechhosen da an ihrem Kharma arbeiten !

Dabei ist das buddhistische Gedankengut leicht zu christianisieren. Schon Jesu „Vorläufer“ Johannes der Täufer, von dem Jesus selber sagt „unter allen Menschen hat es keinen größeren gegeben“, lehrt die Abwendung von den Leidenschaften, die radikale Umkehr, die Ausrichtung des ganzen Lebens hin auf den Geist, die Liebe, Gott – und materielle Werte sind ihm, dem „Rufer in der Wüste“, so unwichtig, ja störend, wie seinem Kollegen vom fernen Ganges. „Übertünchte Gräber !“ schimpft Johannes die Kinder der Welt, und Buddha hätte seine Freude daran gehabt: Kumpel in Kutten, vier Fäuste für ein Halleluja.

Als heiliger Josaphat  re-inkarniert paßt Buddha prima aufs Wolkenbänkchen, neben all die anderen Prophetinnen und Propheten. Oder hat der Herr in Orange seinen Lotosblütenthron mitgebracht ?
„Katholisch“ heißt „umfassend“, und so gehört Großzügigkeit und frohes Integrieren zum Innersten der Message.

Es ist daher recht possierlich anzuschaun, wenn Zeitgenossen das Kreuz von der Wand und vom Hals nehmen, statt dessen einen im Tchibo-Shop gekauften Buddha neben die Gartenzwerge setzen und dann meinen, sie hätten sich mit ihrer Wohlfühl-Esoterik wunders wie rabiat von der Kirche abgesetzt.
Weit gefehlt, ihr Kinder Gottes, breit lacht die bunte Heiligenschar aller Völker und Nationen, weit gefehlt.




 

Freundlichst

Peter Kirwel






Peter Kirwel, Autor der Heiligen des Monats


Peter Kirwel

macht hauptberuflich den Vertrieb für Topas (Bio-Hersteller veganer Wheaty-Produkte) und hält nebenberuflich die traditionellen katholischen Prozessionsbräuche (die eigentlich die ganz alten Kulte fortführen) in seinem Eifeldorf am Laufen, auch eine Punkzeit soll es gegeben haben.



 

 

 

 

 

 




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