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Heilige des Monats September: Oranna

15. September: Oranna

 

Schöne Geschichten für das Unterbewusstsein bzw. die archaische Psyche. Das katholische Christentum und insbesondere der rheinische Katholizismus bietet mit seinen unzähligen Heiligen einen ähnlich guten psychologisch-spirituellen Service wie unser altes Kelten- und Germanentum (zum großen Teil wurden deren (Natur-) Gottheiten dem spröden Monotheismus zunutze gemacht). Heute einfach mal eine Ode an die Orts-Götter, nein, -Heiligen.



 

  • Patronin Lothringens und des Saarlands, gegen Ohrenleiden



Es ist doch herrlich, wenn man in dieser globalisierten Welt, in der wir alle immer flexibler, mobiler und  stromlinienförmiger werden sollen, jemanden trifft der Regino heißt und man weiß sofort: der Kerl ist aus Prüm ! Cordulas und Ursulas stammen gern aus Kölle (bei einer Plektrud weiß man sogar, aus welchem "Veedel"), Corbinians entspringen Bayerns Fluren, nur Augsburgerinnen heißen seit alters her Afra, das Münsterland bringt Ludger hervor, die Wiege einer Oranna steht ohne Zweifel an der Saar.


"Oranna", was für ein abgefahrener Name für eine kerndeutsche Heilige.  Irgendwann in frühfränkischen Tagen lebt und wirkt sie mit einer Freundin namens Cyrilla als gottentflammte Zweisiedlerin und beredte Vermittlerin des neuen Liebesglaubens im waldigen saarländisch-lothringischen Grenzgebiet. Beider Heimat ist Irland, der heilige Wendelin vielleicht Orannas Bruder. Die Iren haben zwar erst nach der "Römerzeit" zum Christentum gefunden, dafür dann aber mit Karacho - und diese frischerleuchteten Inselkelten haben sich mit den ebenfalls im Keltischen wurzelnden Töchtern und Söhnen der Saar offensichtlich prachtvoll verstanden. In und um den Ort Berus vergißt man Oranna und ihre bewußtseinserweiternde Glaubensfreude nicht, der Sarkophag mit den Überresten der beiden gemeinsam bestatteten Mädels wird immer treulich bewahrt, steht nach Irrungen und Wirrungen heute wieder in der Kirche der Heiligen in der grünen Natur nahe Berus.


Kaum erinnert man sich mancher Sandkastenfreunde, nur mit Mühe der Reihe der Bundespräsidenten, geschweige denn der Könige und Herrscherinnen vergangener Zeiten, alles Schall und Rauch. Oranna aber wird seit anderthalb Jahrtausenden gedacht, Mädchen werden auf ihren Namen getauft. Atemberaubend, wie solche lokalen Heiligen das Gedächtnis ihrer Landschaft bündeln und lebendig erhalten: es gibt einen Brunnen mit heilendem Wasser in Berus und eine eiserne Krone, die läßt man sich aufsetzen, und die in der Kindheit taub gewesene Oranna nimmt sich Deines Ohrenleidens an. - Das ist keine künstliche TV-Folklore, das ist echt, das ist Wirklichkeit, die spirituelle Tradition eines konkreten Ortes, konkreter Menschen und deren Vorfahren bis zurück in die Antike.


Hoch sollen sie leben, die Ortsheiligen, die Hüter des geistigen Schatzes ihrer Wirkungsplätze ! Wohnt ihr in der Umgebung, dann besucht ihre Feste, nennt eure Kinder nach ihnen - und in drei Txxxxxx Namen, feiert die  Namenstage !!!  Dieses dusselige Geburtstagsfeiern, Runzelzählen mit "ehemals Gleichaltrigen", fette Schnittchen essen, wer unter Gottes blauem Himmel braucht denn das !?! 
Am Namenstag in einer Kirche des Namenspatrons hochgestimmt diesem nahen Freund aus anderen Welten gedenken und mit unmeßbarem Rückenwind aus dem Alltagstrott  heraussegeln, unsichtbar getragen - das gibt Schmackes, und zu Recht und sehr katholisch singen die Iren von Celtic Glasgow "You´ll never walk alone !" - was für ein geiles Gefühl, kein Gold der Erde wiegt das auf.





 

 

Freundlichst

Peter Kirwel






Peter Kirwel, Autor der Heiligen des Monats


Peter Kirwel

macht hauptberuflich den Vertrieb für Topas (Bio-Hersteller veganer Wheaty-Produkte) und hält nebenberuflich die traditionellen katholischen Prozessionsbräuche (die eigentlich die ganz alten Kulte fortführen) in seinem Eifeldorf am Laufen, auch eine Punkzeit soll es gegeben haben.



 

 

 




 


Tags: ortsheilige, oranna, saarland, lothringen
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