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Heilige des Monats Juli: Anna

26. Juli: Heilige Anna

 

Schöne Geschichten für das Unterbewusstsein bzw. die archaische Psyche. Das katholische Christentum und insbesondere der rheinische Katholizismus bietet mit seinen unzähligen Heiligen einen ähnlich guten psychologisch-spirituellen Service wie unser altes Kelten- und Germanentum (zum großen Teil wurden deren (Natur-) Gottheiten dem spröden Monotheismus zunutze gemacht).



  • Schutzpatronin der Frauen, der Mütter, der Eheleute, der Familien

 

Die Oma vom lieben Gott, wow. Davon steht kein Wort in der Bibel, aber eine sehr früh einsetzende Tradition, fast noch zur Zeit der Augenzeugen, mag irgendeinen historischen Kern enthalten. In den ersten Jahrhunderten spielen diese Überlieferungen keine Rolle, alle Debatten konzentrieren sich auf die Lehre und Christus selbst, seinen Status in der Heilsgeschichte. Als 451 das große Konzil von Chalkedon endlich einen Schlußstrich zieht und definiert, daß Jesus wahrer Mensch und wahrer Gott zugleich ist, wird seine bürgerliche Biographie interessanter.

Wenn Jesus nämlich einerseits wirklich wahrer Mensch ist, dann ist Maria andererseits tatsächlich „Mutter Gottes“: und mit dieser ungeheuerlichen Aufwertung Mariens steigt auch die Konjunktur für weitere Verwandtschaft. Die bestehenden Legenden treiben neue wilde Blüten, zu Annas Mann Joachim treten der im Witwenstand geehelichte Zweitmann Cleophas und nach dessen Verbleichen als Dritter im Bunde Salomas: alle Ehen mit Töchten namens Maria gesegnet, mit Kindern und Kindeskindern,  darunter der Chef höchstpersönlich sowie die Apostel Jakob der Ältere und Jakob der Jüngere, Johannes Evangelist etc.pp., eine unüberschaubare Schar. Ganz ekstatische Skribenten wollen schließlich gar von Jesu Urgroßeltern Stollanus und Emerentiana wissen, auf Gemälden der „Heiligen Sippe“ tobt eine komplette Kita durch den Saal.

 

Die Kirche im Osten bekennt sich früh zum bunten Trubel, während die nüchternen Theologen des Westens sich zieren. Es dauert hier volle 1000 Jahre, bis der zähe Druck der Massen die Dämme der Doktoren bricht und 1481 die Aufnahme Annas in den römischen Festkalender erzwingt.

 

Die Volksfrömmigkeit liebt das Begreifbare, das Anschauliche, mißtraut zutiefst der Spekulation. Jesus eingebunden in eine rundum weiblich dominierte Familie mit Großmutter Mutter Tanten, wo weder die Männer der Anna noch der brave Joseph irgendeine Rolle spielen, wo Jesus von der Wiege bis zur Bahre Sohn einer allgegenwärtigen Mutter bleibt – und nur sie steht unterm Kreuz, zusammen mit den Tanten, Johannes muß parieren, wird der Mutter zugeschlagen - das gefällt den Frauen Europas, und die tragen schließlich die Religion, wer bringt der nächsten Generation das Beten bei, etwa die Männer ? Um 1500 ist Anna der Superstar unter den Heiligen, an jeder Ecke werden ihr Kirchen und Kapellen geweiht, alles schwelgt im Familienrausch, Blut ist dicker als Wasser.

 

Die Reformation bringt dann einen Knick. Luther, ursprünglich selber ein heißer Ahnen-Verehrer, läutet die „Vermännlichung“ des Christentums ein. Nicht mehr sinnliche Volksfrömmigkeit soll das Bild der Kirche prägen, sondern ausschließlich von Männern dargebotene trockene Schrift-Exegese, eingebettet in stundenlange Predigten, wo Männer ex cathedra Moral predigen dürfen bis zur Erschöpfung aller Beteiligten, und Amen. Das reiche Ordensleben der Frauen mit ihren ganz eigenen Wegen mystischer Gotteserfahrung wird zu Gunsten der Gönner Luthers, der adligen Herren, die alles beschlagnahmen und verjubeln versaufen, ersatzlos zerschlagen. Er selbst heiratet eine Nonne und schickt sie an den Kochtopf, hält großzügig Hof im geklauten Kloster.

 

Und heute ? Die Protestanten haben gelernt, Frauen sind dort in Amt und Würden, prägen die Kirche zum Wohle aller. „Gott schuf den Menschen als sein Ebenbild; nach Gottes Bild erschuf er ihn; als Mann und Frau schuf er sie.“

Und die Katholiken ? Den Jesus haben sie aufgemotzt, der darf jetzt fresh sein, überall Jugendgottesdienste für die Handvoll gläubiger Teenager – aber Gottvater, an dem wird nicht gekratzt, der kommt irgendwie immer noch rüber wie Osama bin Laden, keine Spur davon, daß nicht nur Adam sein Ebenbild ist, sondern auch die kurvenreiche Eva, dat lecker Mädche.  An der Basis rumort es derweil gewaltig. Landauf landab halten Frauen Sonntag für Sonntag Wortgottesdienste, stehen Verheiratete beiderlei Geschlechts am Ambo und machen einen guten Job.

 

Stoßgebet: Heilige Mutter Anna, Du hattest Deine Männer und den ganzen Clan doch fest im Griff: kannst Du Deinen Lieblingsenkel nicht dazu bringen, die schlamperte römische Junggesellenwirtschaft aufzumischen ? - Ich gelobe feierlich: nach meiner ersten Messe mit einer waschechten katholischen Priesterin am Altar gehe ich zu Fuß von der Eifel runter nach Düren und bete bei Deinem Haupt einen Rosenkranz ! 

 

Da fließt noch viel Wasser den Rhein runter, klar - aber ich lebe gesund und bin viel an der frischen Luft – wenn der Chef das vorher nicht hinkriegt und ich über 100 werden sollte, bevor sich was tut, dann komme ich eben im Auto und schiebe ersatzweise den Rollator dreimal um die Kirche.

 

 

Freundlichst

Peter Kirwel






Peter Kirwel, Autor der Heiligen des Monats


Peter Kirwel

macht hauptberuflich den Vertrieb für Topas (Bio-Hersteller veganer Wheaty-Produkte) und hält nebenberuflich die traditionellen katholischen Prozessionsbräuche (die eigentlich die ganz alten Kulte fortführen) in seinem Eifeldorf am Laufen, auch eine Punkzeit soll es gegeben haben.



 

 

 

 

 

 

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