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Gastbeitrag
24.07.2013
10:02

Mikrokosmos: Gold im Buchenwald

Jetzt ist Täublingszeit!

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201307_russula_aurea07_zellen_stielfleisch400x.tif
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Wer zur Zeit auf alkalischen, gut mit Basen versorgten, aber dennoch nährstoffarmen Böden nach Pilzen im Buchenwald sucht und etwas Glück hat, wie wir, der kann den zwar verbreiteten, aber eigentlich doch ziemlich seltenen Gold-Täubling finden.


Von anderen Lamellenpilzen unterscheiden sich die häufig farbenfrohen Täublinge (Gattung Russula) wie auch die zur gleichen Ordnung der Sprödblättler gehörenden Milchlinge (Gattung Lactarius) am deutlichsten durch ihr brüchiges Fleisch und die spröden Lamellen: zerbricht man den Stiel eines Täublings, dann knackt es wie beim Abbrechen eines Stücks von einem geschälten Apfelschnitz und an der Bruchstelle fasert, wie bei diesem, nichts auf.
Das liegt daran, dass sich in allen Teilen eines Täublingsfruchtkörpers, im Stiel, im Fleisch in den Lamellen, auch rundliche Zellen, sogenannte Sphaerozysten (siehe Mikrofoto Nr.7) befinden, während bei anderen Lamellenpilzen längsgestreckte Hyphenzellen vorherrschen, die sich einfach nicht glatt abbrechen lassen.


Hat man einen Lamellenpilz als Täubling erkannt, muss man ihn eigentlich nicht mehr genau bestimmen, um entscheiden zu können, ob er essbar ist oder nicht: ein kleines Stückchen vom Hut samt Lamellen an Fundort und –stelle roh zerkaut, macht umgehend klar, ob er mild oder bitter schmeckt: alle milden Täublinge sind essbar! Da aber Pilze bis auf ganz wenige Ausnahmen (z.B. Zuchtchampignons und Steinpilze) nicht roh gegessen werden sollen, wird auch die milde Geschmacksprobe der Natur vor Ort zurückgegeben, also ausgespuckt. Wirklich giftige Täublinge gibt es nicht, aber eine Mahlzeit bitterer Täublinge kann erhebliche Magen-Darmprobleme verursachen.
Unsere Gold-Täublinge sind mild und schön fest sind sie auch, und ihre goldgelb-zinnoberrote Hutfarbe lässt einem das Wasser im Munde zusammenlaufen.


Hat man wirklich den Ehrgeiz, einem Täubling einen konkreten Namen zu geben, hat man’s  meist nicht leicht. Auf arttypische Hutfarben ist bei ihnen kaum Verlass und überhaupt sehen sie mit ihren farbenfrohen Hüten und meist weißen Stielen anscheinend alle gleich aus. Beim etwas älteren Gold-Täubling hat man immerhin zusätzlich zur Hutfarbe, noch goldgelbliche Lamellen und auch gelbweisslich überhauchte Stiele, die ihn, wenn auch  noch der Standort stimmt, ganz gut erkennen lassen.


Bei Unsicherheiten ist es aber unerlässlich, zunächst die Sporenpulverfarbe zu bestimmen, die bei Täublingen zwischen reinweiß und tiefocker liegen kann. In der Beurteilung der Farbe des Sporenpulverabwurfs unserer Gold-Täublinge (Foto Nr.3) folgen wir der Farbtafel nach der EURO-Skala für Druckereinen, wie es Kränzlin in Pilze der Schweiz Band 6, Russulaceae, S.15 tut und stellen fest, dass er sich aus 50 Anteilen yellow (y) für gelb und 20 Anteilen magenta (m) für rot von insgesamt 100 Teilen und damit auf ein schwach rötliches, mittelstarkes Ocker hinausläuft. Möglich sind auch die diverse chemische Reaktionen mit Guajak oder Eisensulfat, die Verfärbungen des Fruchtkörperfleisches hervorrufen, aber die sind meist nicht artypisch und machen den Goldtäubling von den meisten anderen Täublingen nicht unterscheidungsfähiger.
 


Dann geht’s mikroskopisch weiter.
Täublinge haben wunderschöne, stärkehaltige Sporenornamente, die sich mit einem jodhaltigen Reagenz (Melzer’s Reagenz) blauschwarz anfärben lassen. Unser Gold-Täubling bildet rundliche Sporen mit langen, breiten Rippen und vereinzelten Warzen, die bis zu 1,5 Mikrometer hoch hervorstehen. (Fotos Nr.4+5). Eine Analyse der Huthaut oder die Form der sterilen Zellen an der Lamellenschneide (Cheilozystiden) (Foto Nr.6) oder den Lamellenseiten (Pleurozystiden) bringt auch einzeln für sich betrachtet keine eindeutige Identifizierung, denn bei vielen Täublingen liegen ähnliche Verhältnisse vor.


Aber zur Feststellung des Genusswertes ist der ganze Aufwand ja auch gar nicht nötig, wie wir oben festgestellt haben. Es muss nicht mal der Gold-Täubling sein, der in der Pfanne landet, denn jetzt ist Täublingszeit! Guten Appetit!




Eva Wandelt und Lothar Claußnitzer
 




Bilder mit Klickvergrößerung

 


Die Pilzsachverständigen bei der Arbeit ...
Genug für heute von den Hobbymykologen und Pilzsachverständigen (DGfM) Eva Wandelt (Biologin) und Lothar Claussnitzer (Streuobst-Landwirt).

In loser Folge werden wir auf dieser Seite Schönes, Kurioses, Interessantes, Essbares, Würziges anhand von einfachen Digi-Mikrofotos aus dem wilden Pilz-und Pflanzenreich vorstellen und erläutern.


Fotos © Evi Wandelt, Lothar Claußnitzer



 

 

  •  
  • 1 Kommentar(e)
  •  
Wolfgang Kurtz
26.07.2013
10:35

Vielen Dank!

...für den informativen Artikel und die interessanten Fotos in sehr starker Vergrößerung. Man merkt das Fachwissen und die Begeisterung für diese sehr spezielle Welt im Verborgenen...

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