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Hurra Hrvatska !

Alles Gute zum EU-Beitritt am 1.7.2013

 

 

 

  • Bildbetrachtung: 10 Dinge, die man sieht, und die man nicht sieht.

 

Terra Magnifica baut den neuem Kräutermischer auf.

 

1) Am Freitag vor dem EU-Beitritt erreicht uns "live" obiges Foto. Unser Partner in Kroatien, die Firma Terra Magnifica - biozertifizierte Wildsammlung von Kräutern - bekommt geradezu symbolisch zur Aufnahme in die EU den ersten Groß-Mischer - gebraucht aus Hamburg. Bis dahin wurden die Partien der einzelnen Sammler oder Kleinbauern von Hand zu homogenen Mischungen zusammengestellt. Die Aufstell-Aktion wirkt unbeholfen - der Konstrukteur hatte sich praktische Aufstell-Ösen gespart.

 

Lösungsstrategie: Kräuterhächsler

2) Vor ca. 17 Jahren lernten wir Roman Turk, Maschinenbauingenieur und Gründer von Terra Magnifica kennen. Seitdem haben wir den nötigen Einfallsreichtum der Kroaten in der noch recht behelfsmäßigen Situation nach dem Balkankrieg bewundern gelernt. Geduld, unkonventionelle Eigeninitiative und Humor haben Terra Magnifica zu einem der wichtigsten Bio-Kräuterexporteure Kroatiens wachsen lassen. Roman Turk ist durch das Land gereist, hat die alten Sammlernetze wieder aktiviert, Kleinbauern rekrutiert, und alles biozertifizieren lassen.


3) Das Berufsbild des Kräutersammlers wird auf dem Balkan traditionell von den Alten an die Kinder weitergegeben. Heute sammeln für Terra Magnifica Menschen im Alter bis zu 88 Jahren Gewürz- und Heilpflanzen (in der Regel ein-und-dasselbe), Männer, Frauen, Kriegsveteranen und -traumatisierte. Altes Wissen bekommt die verdiente Wertschätzung, und es ist für sie ein wichtiges Zusatzeinkommen zu den kleinen Renten.
Leider wird der EU-Beitritt die Landflucht nicht entschleunigen können - das Durchschnittsalter wird sich erhöhen und die Sammlerinnen-Quote gegen 95% gehen.


4) Die EU-Regulierungswut tut das Ihre. Seit 1997 gibt es die Novel-Food-Verordnung, ursprünglich geschaffen für genmanipulierte Lebensmittel. Was geschieht heute mit dieser Verordnung? Heimische Pflanzen, traditionell in der Volksheilkunde als Gewürz- und Teepflanze benutzt (früher unterschied man nicht so nach Lebens- und Arzneimittel), werden, da man den VerbraucherInnen den korrekten Umgang damit nicht zutraut, kurzerhand als Novel Food erklärt, und damit verboten. Die Leute von Terra Magnifica studieren schon Gesetzestexte ....  Am Samstag vor dem EU-Beitritt Kroatiens, wo bislang die Lebensmittel noch total gut schmecken, weil natürlich (Thema samenfeste Sorten kontra Hybride, Zytoplasma-manipulierte Sorten etc.), schmecken, durfte der Geschäftsführer von McDonalds in einer großen deutschen Tageszeitung erdreisten, sein Fast Food quasi als gesund zu erklären.

Begehrenswerte Dreschmaschine, aufgegeben in der Wildnis gefunden
5) Was wird aber besser mit der EU? Natürlich der Import in die EU, besonders der Bio-Import. Bis hierhin mußten wir jeweils für ein Jahr eine Importermächtung für Bio-Produkte beim Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) pro Drittland-Lieferant (so nennt man das) beantragen. Das war bei den 240 Sorten Wildkräuter ein ganzes Stück Arbeit. Danach warteten weitere Fallstricke: ein nicht oder falschausgefülltes Feld auf dem Importformular - und schon verlor der verplombte LKW seine Bio-Anerkennung. Man kann dann die Ware nur noch zurückbringen und den Import neu versuchen.


6) Mit dem Ende von Jugolsawien hatte der Jugokoffer seine Berechtigung nicht verloren. Der Jugokoffer ist z.B. eine Plastiktüte von Aldi, und diese Tüten entgingen dem Argwohn der Zollbehörden. Hierdrin gelangten Fachbücher, kleine Geräte und Bio-Saatgut sicher nach Kroatien. Es gab (gibt?) mehr Handelshemmnisse zwischen EU und Rest der Welt, als man sich vorstellen kann (bei Chlorhähnchen etc. wären sie natürlich berechtigt).

Es gab auch noch eine elektrische zusammengebaute Siebanlage

7) Als wir zuletzt 2011 unsere Bauern in Kroatien besuchten, fragten wir, was sie den von der EU-Mitgliedschaft halten. Duka Brajdic, der Minze und Spitzwegerich anbaut, sowie weitere Kräuter sammelt, erzählte, dass seine Familie aus Kärnten stamme und von den Habsburgern nach dem Abzug der Türken hier angesiedelt wurde, um den serbischen Kämpfern Landwirtschaft für die Friedenszeit beizubringen. Er findet es richtig, dass er nun wieder in der EU ist.

 

 

8) Bei unserem letzten Besuch erzählte man uns, dass die Vorbereitungen auf die EU-Regulierungen das Land etwas lähme. Man traue sich nicht mehr, Personal offiziell anzustellen, oder Baugenehmigungen offiziell zu beantragen - nicht mehr bezahlbar oder berechenbar, was passiert.

Selbstgebaute Trocknungsanlage
9) Die EU hat einen Weinsee und will Weinberge stilllegen. In den letzten zwei Jahren vor dem Beitritt war Kroatien damit beschäftigt, seine Weinregionen vorsoglich auszuweiten. Es gibt hervorragende Weine, und auch skurrile, traditionell schwefelfreie Weißweine, die zwar oxidativ, aber sehr sauber und stabil sind, aus autochthonen Sorten, deren Bezeichnungen völlig ohne Vokale auskommen. Das ist aber nur vermeintlich - der kroatische Fachmann sagt: "R ist Vokal - muss reichen!"

 

 

10) Am Freitag wurde noch ein letzte Export als Drittland auf die Reise geschickt, da wir durch den Wechsel in die EU erstmal Unklarheit bei den Bio-Kontrollstellen erwartet haben. Die bisherige Kontrollstelle, Ecocert, zieht sich aus Kroatien zurück, von den anderen internationalen Kontrollstellen will auch niemand in Kroatien zertifizieren. Es gibt 7 einheimische Kontrollstellen, die jetzt noch all das lernen müssen, womit sich die europäischen Kontrollstellen in den letzten 15 Jahren herumgeschlagen haben.
Heute, am 1 Juli, steht der LKW an der österreichischen Grenze mit Drittland-Papieren, und niemand will ihn verzollen ... darf der jetzt einfach durchfahren?



(11) (Korruptionsindex 2013, Schlusslichter der EU: PL = 41, HR = 62, RO = 66, IT = 72, BG = 75, GR = 94)

 

 

Herzlichen Glückwunsch

 

Heinz-Dieter Gasper und Ursula Stübner

 

  •  
  • 1 Kommentar(e)
  •  
roman turk
03.07.2013
19:51

hrvat mrzi vrhnje dok cvrčak cvrči na čvoru crne smrče

Glückliches Ende zu Pkt 10) Nach 6 Tage Reise- und Wartezeit wird der LKW, der nur 2 Ladungen hatte (eine davon für Heuschrecke), morgen endlich abgeladen. Die übliche EU - Verzollungsprozedur für Ware aus Kroatien war im österreichischen Zoll-Computersystem am 01.07 gelöscht und so stand der LKW LOST IN TRANSLATION. Bis wir alle (Heidi inklusive) die Spediteure und Zöllner mitten in EU (also weit von den EU-Grenzen), die sich mit Zollsachen noch auskennen, gefunden haben, hat die LKW-Firma die geplante Rücktransporte absagen müssen. In jedem Fall, schreiben wir die zolltechnische Vorgangsweise jetzt nieder, so dass im Fall dass die Grenze wieder einmal kommen sollte, wir einen Ass in Ärmel haben. Grüsse Roman

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