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José Ruiz Rosas: großer peruanischer Lyriker

José Ruiz Rosas bekommt Auszeichnung "Personalidad meritoria de la cultura"

 

Die peruanische Schriftstellerin Teresa Ruiz Rosas stellt in unserem Literaturkreis regelmäßig ihre neuen Romane und Kurzgeschichten vor. Sie lebt wie wir in Köln-Mülheim. Bald werden wir sie mit ihrem interessanten Lebenslauf einmal extra vorstellen - hier soll nochmal ihr Vater zu Wort kommen, den wir in der Kölner Buchhandlung Bittner kennengelernt hatten:
Der peruanische Lyriker José Ruiz Rosas bei der Ehrung 2013. rechts seine Frau, links die peruanische Erziehungsministerin

Ihr Vater José Ruiz Rosas ist in Peru ein bekannter und geehrter Lyriker.

Geboren 1928 in Lima, ließ er sich in der südperuanischen Stadt Arequipa nieder (dort stammt auch Mario Vargas Llosa her), hat die renommierte Buchhandlung Trilce geführt, später die Zweigstelle des nationalen Kulturinstituts und die Stadtbiobliothek. Das war der Umkreis, wo (auch in den dunklen Zeiten Perus) ein wichtiger Teil des kulturell-intellektuellen Lebens Perus stattfand.

Bisher gibt es wenig deutsche Übersetzungen der Gedichte von José Ruiz Rosas. Ein Übersetzercolloquium um Teresa Ruiz Rosas hat deshalb eine zweisprachige Anthologie veröffentlicht. Teresa erzählte uns sehr anschaulich von der intensiven und berührenden Arbeit des Ringens um die Sprache. Das Ergebnis hat etwas Perfektes, als wäre die Poesie eine Blüte im vollsten Moment der Entfaltung - wer Sprache liebt, kann es hier zweisprachig nachempfinden ...


Im Frühjahr diesen Jahres wurde José Ruiz Rosas im hohen Alter mit dem "Reconocimiento: personalidad meritoria de la cultura" ausgezeichnet - in Peru eine hohe Ehrung als Persönlichkeit, die mit ihrem ganzen Lebenswerk zur kulturellen Entwicklung des Landes beigetragen hat.

 





BRIEF AN DIE PASSANTEN V


Hier meine Nachkommenschaft
zurzeit erkältet;
hier meine Glühbirnen,
meine Bücher;
hier mein Trinkwasser,
meine Freunde,
mein in Zahlen erzähltes Leben, geschützt
vor Gefahren;
hier mein Gesang, freudig oder traurig
auf seinen Wegen wandernd
hier wie ein gleitender Schatten,
was ich lebe;
seine Anmut übersteigernd
das ganz Kleine;
hier mit Auguren zwischen Opfer
und Mörder;
hier, nun endlich, mit meinen Dingen
so ruhig
und dort: wie viel pochendes Unglück,
Völkermord,
wie viel grausamer Schmerz für widerstehende
Menschen,
wie viel Schande auf der Welt von Ewigkeit
zu Ewigkeit.



Epístola a los transeúntes V

Aquí mi descendencia
con resfríos;
aquí mi luz eléctrica,
mis libros;
aquí mi agua potable,
mis amigos,
mi vida numerada y preservada
de peligros;
aquí mi canto, alegre o triste, andando
sus caminos;
aquí como una sombra deslizándose
lo que vivo;
en hipérbole haciendo sus donaires
lo más mínimo;
aquí con sus augures entre víctima
y asesino;
aquí, al fin y al cabo, con mis cosas
tan tranquilo
y allá cuánta desgracia palpitando,
genocidio,
cuánto dolor atroz para los hombres
aguerridos,
cuánata vergüenza al mundo por los siglos
de los siglos.

 






DEM TOD SO NAH I


Der Glaube, er ist fort. Nur der Zweifel bleibt.
Da ist keine Überzeugung. Wahrheit ist Mysterium.
Jeder Führer, der lügt, gibt vor, aufrichtig zu sein
und hinter halber Wahrheit verschanzt sich jeder Redner.

Ich irre durch Nebel, von Morgenröte entblößt,
dem täglichen Streben preisgeben, verlorenes Faultier,
das gleich einem kranken Strahl
die Zeit allmählich verbraucht, jedes Mal, wenn es umzieht.

Jedes Ding, das ich betrachte, trägt in sich
die warme Hoffnung, eins mit mir zu sein;
die Dinge, verborgen hinter dem Wort.

Vielleicht wendet sich alles zum Guten,
häuft sich auf zu meinen Habseligkeiten
und ich treffe mich wieder am Boden des Abgrunds, den ich erwartete.




Vecino de la muerte I

O dark dark dark
They all go into the dark
T. S. Elliot
The Four Quartets
"East Coker" III Z1

La fe, la fe se ha ido. Sólo queda la duda.
La convicción no existe. La verdad es misterio.
Cada líder que miente pretende que habla en serio
y en su verdad a medias cada orador se escuda.

Corro pro entre nieblas que el alba ya desnuda
al afán cotidiano, perdido megaterio
que como un rayo enfermo desde su abstracto amperio
va consumiendo el tiempo cada vez que se muda.

Ya en la substancia tiene cada cosa que observo
qué cálida esperanza de ser uno conmigo;
las cosas, estas graves posturas tras el verbo.

Quizá todo se vuelque a mi lado de amigo,
se me acumule todo como un total acervo
y me reencuentre al fondo del abismo que digo.






AGENDA I


Es gibt unendlich viele Dinge,
die Ampeln, die Pilze,
die Hälfte, die Aquarien,
Tiefe der bescheidenen Herzen,
das Glied einer Kette, den Horizont, die Risse
und all jenes
störrisch für immer an seinem Platz.

Ich wiederhole, es gibt
unendlich viele Dinge, die langsam in uns eindringen.


Agenda I

Hay un montón de cosas,
los semáforos, los hongos,
la mitad, los acuarios,
el adentro de los humildes corazones,
el eslabón, el horizonte, las grietas
y todo aquello
heroicamente ubicado para siempre.

Repito, hay
Un montón de cosas que se nos clavan lentamente.

 



 





Aus: José Ruiz Rosas: El viento donde tus ques exclamas / Der Wind, der dein Staunen trägt. Gedichte, 1950 - 2009, eine Anthologie. Öffnet externen Link in neuem FensterVerlag Ralf Liebe, Weilerswist 2009
Die Gedichte finden Sie auf den Seiten: S.58/59, S.60/61, S.78/79
Übersetzercolloquium: Ines Hagemeyer, Teresa Ruiz Rosas, Rainer Maria Gassen, Monika Driller, Monika Winterson
Wir danken für die freundliche Genehmigung von Teresa Ruiz Rosas und dem Verlag Ralf Liebe.




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