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Schamanisches Märchen: Liebstöckel

Liebstöckel: "Die Echtheit schützt Dich als Strahlenmantel"


Lisa kam aus der Schule nach Hause, schlurfte zu ihrer Mutter in die Küche und fing bitterlich an zu weinen.
"Ich habe beim Schüler-Model-Contest nur C bekommen. Die haben mich einfach ganz mies beurteilt. Ich weiß nicht, was ich falsch gemacht habe. Wo kann ich mich denn jetzt noch blicken lassen? Die gucken doch nur noch auf mich herab."

Die Mutter fragte: "War das wirklich so wichtig? Das ist doch alles mehr Schein als Sein. Nichts Echtes."

Das mochte Lisa jetzt nicht hören, trotzdem verebbte das unglückliche Schluchzen.
"Ach ja, irgendwie ist jetzt auch der blöde Stress weg. Und ein paar Freundinnen von mir fanden das auch immer schon doof, nur noch über Styling und Getue zu reden. Was geht und was gar nicht geht." Sie verschwand ins Bad, um sich das Make Up runterzuwaschen und kam erfrischt in die Küche zurück. "Irgendwie bin ich auch ein bisschen wütend, dass mir die Staffeln soviel Zeit gestohlen haben. Da lasse ich mir lieber von Dir das Kochen beibringen, da habe ich noch was von, wenn ich alt und hässlich bin."

Die Mutter lachte und schob ihr das Bündel Liebstöckel hin. "Da, schneide schon mal, und träum einfach dabei rum, was Du wohl mit Deinen Talenten und Kräften später machen wirst. Erste Lektion: Traumgedanken beim Kochen haben immer etwas Positives, schon weil die Zubereitung von Essen positiv ist."

Lisa nahm das Messer in die Hand und sog gedankenverloren den Duft des Liebstöckels ein, den sie eigentlich immer als zu penetrant empfunden hatte. Jetzt war es anders. Sie meinte, durch den Duft hindurch etwas Neues zu hören oder zu verstehen:


"Ich sage gerade heraus: Du brauchst nicht alles richtig zu machen - aber nicht das Deckmäntelchen des Selbstgerechten benutzen.
Das wäre, als ob Du etwas benutzen würdest, aber nicht SEIN würdest. Du brauchst nur zu sein.
Das Deckmäntelchen ziehe ich weg - Du könntest nackt hervorkommen, die Echtheit schützt Dich aber als Strahlenmantel.
Die Umwelt färbt ab - achte darauf, Dich nicht verfärben zu lassen, auch nicht im ästhetischen oder sogenannten edlen Sinn. Das ist Schein.
Ich ziehe alles weg - und das zeigt Euch ohne Verkleidung: groß, klein, strahlend, jämmerlich.
Besser ist vorzubeugen, ehrlich bleiben, dicht bei der Wahrheit, keine Angst vor Blamage, geradeheraus und selbständig.
Geht und fangt an, die Schleier abzulegen. Wut kommt auf, gibt Kraft. Zusammenbrüche werden aufrichtig sein. Aufrichtigkeit wird stabil machen."



In Gedanken schnitt Lisa noch weitere Zutaten für die Suppe zurecht, und verfolgte nebenbei, wie die Mutter im großen Topf in einer bestimmten Reihenfolge alles zum Kochen brachte. Sie freute sich schon auf das gemütliche Abendessen mit der Familie.







 

Heute mal ein liebliches Gegenwartsmärchen, und passend zu den aktuellen Fernseh-Inhalten.
Liebstöckel, das klassische Küchengewürz mit dem intensiven, zugleich blütenhaft-duftigen und erdig-strengen Aroma (das lange an den Fingern haftet), wird heute als unmodern empfunden. Die jüngeren Generationen mögen ihn eher nicht.
Das auf den Zeitgeist zurückzuführen, der oberflächllicher, schneller, schillernder geworden ist - mehr Schein als Sein?
Eine sahnige Salatsauce mit den ersten, zarten Liebstöckelblättchen kann ein Gedicht sein.


Ursula Stübner


Tags: liebstöckel, bio kräuter, küchengewürz, Blog
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