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15.05.2013
14:00

Ohrenkuss besucht die ZEIT

Redaktionsaustausch: Ohrenkuss besucht die ZEIT in Hamburg

Daniel Rauers, Johanna von Schönfeld und Verena Günnel vertraten das Redaktionsteam von Ohrenkuss...
Daniel Rauers, Johanna von Schönfeld und Verena Günnel vertraten das Redaktionsteam von Ohrenkuss...
... und besuchten die Redaktion der ZEIT in Hamburg.
... und besuchten die Redaktion der ZEIT in Hamburg.
Andreas Sentker, Urs Willmann, Harro Albrecht, Inge Kutter, Anja Nieuwenhuizenund Christoph Drösser aus dem Ressort Wissen standen Rede und Antwort -
Andreas Sentker, Urs Willmann, Harro Albrecht, Inge Kutter, Anja Nieuwenhuizenund Christoph Drösser aus dem Ressort Wissen standen Rede und Antwort -

- und hatten selbst jede Menge Gegenfragen.
- und hatten selbst jede Menge Gegenfragen.
Alleinsstellungsmerkmale, Historie, Arbeitsweisen ... wurden verglichen....
Alleinsstellungsmerkmale, Historie und Arbeitsweisen wurden verglichen....
Das Ohrenkuss-Team hatte sich vorbereitet und Fragen gesammelt.
Das Ohrenkuss-Team hatte sich vorbereitet und Fragen gesammelt.
Format und der vielfältige Inhalt der ZEIT beeindruckte die OhrenkussautorInnen ...
Format und der vielfältige Inhalt der ZEIT beeindruckte die OhrenkussautorInnen ...
... und bekamen von den ZEIT-Redakteuren das Kompliment:  "Eure Texte sind manchmal anspruchsvoller als unsere. Weil ihr euch Gedanken traut, die wir uns nicht trauen."
... und bekamen von den ZEIT-Redakteuren das Kompliment: "Eure Texte sind manchmal anspruchsvoller als unsere. Weil ihr euch Gedanken traut, die wir uns nicht trauen."

 

Ohrenkuss ...da rein, da raus - das Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom, unter der Leitung von Herausgeberin Dr. Katja de Bragança. Ein einzigartiges und vielfach prämiertes Projekt der downtown - Werkstatt für Kultur und Wissenschaft. Die Ohrenkuss-AutorInnen bloggen regelmäßig bei uns zu aktuellen Themen.
Kürzlich fuhr das Ohrenkuss-Redaktionsteam nach Hamburg und besuchte die Kollegen der ZEIT. Hier nun der Bericht über einen, für beide Seiten, interessanten Austausch:

 

 

Das Ohrenkuss-Heft Nummer 29 hatte das Thema ZEIT. Autor Paul Spitzeck machte kurz nach Erscheinen der Ausgabe an einem Kiosk eine Entdeckung: Es gibt eine wöchentlich erscheinende Zeitung mit demselben Titel. Nachdem er sie erstanden und gelesen hatte entschied er: Die Macher der ZEIT sollten unbedingt auch den Ohrenkuss zum Thema kennenlernen. Also hat er einen Brief dazu formuliert und wir haben unser Heft auf den Postweg von Bonn nach Hamburg geschickt. Die Antwort der Hamburger Kollegen kam prompt: Wir wurden eingeladen zu einem Redaktionsbesuch.

 


Den haben wir jetzt angetreten. Daniel Rauers, Johanna von Schönfeld und Verena Günnel vertraten das Redaktionsteam, in Begleitung von Chefredakteurin Katja de Bragança, dem Fotografen Martin Langhost und Assistenz Anne Leichtfuß. Wir möchten lernen, wie eine andere Zeitung gemacht wird: Was ist anders? Und was ist genauso?

 


Ein großer Unterschied: Die ZEIT erscheint einmal pro Woche. Der Ohrenkuss zweimal im Jahr. Trotzdem gibt es bei beiden Zeitungen Themen, die mehr Zeit brauchen und welche, über die schnell und knapp berichtet werden muss.
Ohrenküsse haben immer ein einziges Thema, Mode, Sport, Zeit oder Wunder. In der Zeit gibt es in jeder Ausgabe viele verschiedene Themen, die von elf unterschiedlichen Ressorts bearbeitet werden - von Fachleuten. Aber auch hier gibt es immer ein Schwerpunkt-Thema. In der aktuellen Ausgabe ist es Schule.

 


Ohrenkuss hat sich auf den Besuch bestens vorbereitet, zu Hause in Bonn und in einem netten Hamburger Café. Wir haben viel herausgefunden - und sind über viele Fragen gestolpert, die wir vor Ort klären wollten. Andreas Sentker, Urs Willmann, Harro Albrecht, Inge Kutter, Anja Nieuwenhuizenund Christoph Drösser aus dem Ressort Wissen standen uns Rede und Antwort - und hatten selbst jede Menge Gegenfragen.

 


Ohrenkuss gibt es seit 15 Jahren. Seitdem sind 30 Hefte erschienen. Die ZEIT gibt es seit 1946. Wie viele Ausgaben es seitdem gab, hat Christoph Drösser auf Nachfrage ausgerechnet. Es sind mehr als 3.500 Ausgaben.

 


Ein Punkt, der beide Redaktionen sehr freut ist dieser: Trotz der schwierigen Situation vieler Zeitungen und Magazine in Deutschland haben sowohl die ZEIT als auch der Ohrenkuss steigende Abonnentenzahlen.

 


Trotz steigender Temdenz: Ein deutlicher Unterschied zwischen Ohrenkuss und der ZEIT ist die Zahl der Abos. Den Ohrenkuss haben etwa 3.000 Menschen abonniert. Jede Menge, wie wir finden. Bei der ZEIT sind es 300.000 Leserinnen und Leser. Zusammen mit den Heften, die an Kiosken, in Supermärkten oder auf der Straße verkauft werden, sind das eine halbe Millionen verkaufte Hefte jede Woche. Und jede Zeitung wird im Durchschnitt von mehr als vier Personen gelesen. Wie viele Personen das bei einem Ohrenkuss-Heft sind, wissen wir nicht. Wir schätzen aber: vier sind es bestimmt.

 


Ein weiterer deutlich sichtbarer Unterschied ist das Format. Das der Zeit ist sehr groß. Man nennt es nordisches Format, und nur etwa ein Dutzend aller Zeitungen in Deutschland ist so groß. Ohrenkuss ist deutlich kleiner, aber ebenfalls speziell: das schicke Querformat, ein Einfall von Grafikerin Maya Hässig, gibt es seit der ersten Ausgabe.

 

Beide Zeitungen haben ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal. Außer der ZEIT gibt es in Deutschland keine andere Zeitung in diesem Format und Umfang, die zu aktuellen Themen berichtet, aber nur einmal pro Woche erscheint. Die Redakteurinnen und Redakteure haben so die Chance, alle Themen sehr genau und mit viel Leidenschaft zu recherchieren und an ihren Texten zu feilen. Ohrenkuss findet: Das merkt man.


Die Besonderheit des Ohrenkuss ist die Redaktion selbst. Auf der ganzen Welt gibt es kein zweites Magazin, in dem ausschließlich Texte von Menschen mit Down Syndrom erscheinen - ohne Korrektur oder Zensur. Auch die Bilder von Menschen mit Down Syndrom, die in jeder Ausgabe von wechselnden Profi-Fotografen gemacht werden, gibt es in dieser Qualität und Vielzahl in keinem Archiv der Welt.

 


Warum der Ohrenkuss Ohrenkuss heißt, wissen die Fans längst. Wer es nicht weiß, kann es hier nachlesen. Warum die ZEIT ZEIT heißt, hat uns Andreas Sentker erklärt.
Nach dem 2. Weltkrieg war die ZEIT eine der ersten Zeitungen, die in Deutschland gegründet wurden. Vorbild dafür war die London Times - da lag der Name nah.

 

Inzwischen ist die ZEIT eines der bekanntesten Presseorgane in Deutschland und hat zahlreiche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Zur jährlichen Weihnachtsfeier kommen mehr als 400 Personen. Und auf die Liste der Orte, an denen es Büros der ZEIT gibt, ist vor allem Daniel Rauers ein wenig neidisch. Er würde am liebsten von New York aus für den Ohrenkuss berichten. Er gehört zum Bonner Team, genau wie 17 andere Kolleginnen und Kollegen. Außerdem gibt es insgesamt 109 Fernkorrespondentinnen und -korrespondenten an so spannenden Orten wie Frankfurt am Main, Zürich, Hamburg oder Südtirol.

 


Was die Redakteure und Redakteurinnen der ZEIT an ihrer Arbeit am meisten mögen, wollten wir wissen. Spannende Menschen zu treffen und ihnen alle Fragen stellen zu dürfen war eine der Antworten. Oder auch viele Orte auf der Welt kennenzulernen, Gletscher, Berge, Großstädte oder den Urwald. Unterwegs sein und zu interessanten Themen zu recherchieren. Auch das eine Parallele zwischen beiden Redaktionen - während allen Antworten wurde auf der Seite des Ohrenkuss-Teams aufs Heftigste genickt.

 


Aus der Vielzahl der bereits bearbeiteten Themen fällt es in beiden Redaktionen schwer, sich für das bisher spannendste zu entscheiden. Wichtig ist allen anwesenden Autorinnen und Autoren: "Wir lernen immer was dazu." Die Leserinnen und Leser des Ohrenkuss erfahren mehr über Menschen mit Down Syndrom und ihren Blick auf die Welt. Die ZEIT-Leserinnen und Leser können sich an Themen aus unterschiedlichsten Fachgebieten erfreuen: zum Beispiel Politik, Medizin, Archäologie oder Geschichte.

 


Nach dem Erfahrungsaustausch bekam Ohrenkuss noch die Chance, Delia Wilms über die Schulter zu schauen. Sie erstellt, zusammen mit acht bis zehn Kolleginnen und Kollegen, das Layout jeder Ausgabe. Gemeinsam mit den drei Ohrenkuss-Autoren verteilt sie Texte und Bilder der kommenden Ausgabe über mehrere Bildschirme. Zu welchem Thema verraten wir natürlich nicht - Ehrensache.

 


Am Ende des Besuches bekam Ohrenkuss noch ein großes Kompliment von Ressortleiter Andreas Sentker. "Eure Texte sind manchmal anspruchsvoller als unsere. Weil ihr euch Gedanken traut, die wir uns nicht trauen." Ohrenkuss bedankt sich für die Blumen und die Zeit in Hamburg. Wir haben uns sehr wohl gefühlt. Es war, wie Johanna von Schönfeld festgestellt hat "erfahrungsvoll".

 


Zu Hause angekommen haben sich die beiden Autorinnen und ihr männlicher Kollege noch mal hingesetzt und die Reise Revue passieren lassen - exklusiv für die Heuschrecke.

 


Verena Günnel fand die Tage in Hamburg vor allem eins: "sehr aufregend".

Und auch mit Lob für die Kolleginnen und Kollegen von der Zeit wurde nicht gespart: "Der Besuch bei der ZEIT - Redaktion war sehr interessant. Die Zeitung ist fast so schön wie unsere Ohrenkuss-Zeitung." Es wurde viel erklärt und "ich fühlte mich sehr gut dabei."  Gab es denn gar keinen Wermutstropfen? Nur einen  kleinen: ", Nur schade, mein Ipod hat keine Batterie mehr."

 


Daniel Rauers ist die strapaziöse Anreise in Erinnerung geblieben: "Die Zugfahrt war lang und verspätet." Was hat geholfen? "Im Zug ein Brötchen zu kaufen." Mit Assistenz des Fotografen Martin Langhorst.

 

Die Vorbereitung des ZEIT-Interviews fand in angenehmer Atmosphäre statt: "Im Café habe ich was geschrieben, ins Logbuch und auf Karten, Fragen eben."  Und was zu sehen gab es auch noch - guter Laden! Und zwar "schöne Frauensachen."

 


Auch im Hamburger Pressehaus fand es Daniel spitze. Sein Fazit: "Das Thema mit der Zeit hat mir ganz viel Spaß gemacht. Die Zeitung zu lesen, hat mir auch viel Spaß gemacht."

 


Johanna von Schönfeld stimmt mit ein in die Lobeshymnen. Sie hat sie am Computer zusammengestellt. "Die Unterhaltungen An Sich Finde Ich Sehr Unterhaltsam und Nett. Ein Echter Netter Abend. Jetzt Dürfen Sie Es So Vorstellen Wie Ich Sie Im Text Beschrieben Hab, das Wahr Aber Konkreten Kurzfristigen Punkt."

 

Für die Leserinnen und Leser der Heuschrecke möchte sie "mit Dem  Text In Der Heuschrecke Blog Im Internet So Beeindrucken Interessieren." 

Deshalb schreibt sie über den Redaktions-Austausch: "Die Journalisten Fand Ich Nach Meiner Meinung Nach Sehr Faszinierend : Wie Sie Gearbeitet Gejobbt Haben, und  Wie Wir Die Vielseitigen Erfahrungen Gerade Dort Vor Ort  Gesehen Erlernt Haben, und Wie Sie Ihren Arbeitsprozess Projekt Uns Mit Ihren Wörtlichen Begriffen So  Erklärt Befasst Haben." 

Aber auch ihr lebhafter Bericht kann das Geschehene nur notdürftig zusammenfassen, denn "das Muss Man Selbständig Erlebt Haben: Echt Live, Das Pressehaus Verlagsort, Wo Sie Arbeiten Wahr Beeindruckend Für Mich Alls Literatur Redakteurin Von Ohrenkusses Bonn Stellvertretend."

 

Und auch von ihr noch ein Fazit: "Coole Zeit! Ziemlich Coole Aktion!"

 

 

 

 


Einige Ohrenkuss-AutorInnen in einem Kölner Hinterhof. Marc Lohmann (mit Mütze), Karoline Spielberg (vorne), Susanne Kümpel (hinten mit weißer Jacke), Angela Fritzen (auf dem Zaun), Antonio Nodal (vorne), Svenja Giesler (mit der roten Jacke) und ein Gast aus Berlin.


... mongolisch ist mongolisch und klingt wie mongolisch ...

Ohrenkuss ...da rein, da raus, das Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom gibt es seit mehr als zehn Jahren.
Das Projekt ist einmalig auf der ganzen Welt und mehrfach preisgekrönt.
Es erscheint zweimal jährlich - mit jeweils einem Thema, Texten der bis zu 50 AutorInnen mit Down-Syndrom und professionellen Fotos, und man kann es abonnieren: Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.ohrenkuss.de

Im August 2010 wurde das Bundesverdienstkreuz dafür an Gründerin Katja de Bragança verliehen - der Bericht ist hier: Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2010/08/24/ohrenkuss-verdienstkreuz-am-bande.htm

Newsletter:  Wer regelmäßig über Ohrenkuss informiert werden möchte, kann hier den Ohrenkuss-Ipeschl abonnieren: Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.ohrenkuss-ipeschl.de.

Fotos und Texte © Ohrenkuss, Fotograf: Martin Langhorst (http://www.martinlanghorst.de/).
 
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