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Eine bessere (Audio) Welt

Neil Youngs neues Musik-Format "Pono"

Der Musiker und Alt-Hippie Neil Young ("Heart of Gold", "Old Man", "Hey Hey My My"), Mitglied der Bands "Crosby, Stills, Nash & Young" und "Crazy Horse", schimpft schon seit Jahren lauthals über den Niedergang des Hörgenusses durch das digitale Musik-Format "MP3" und kündigt ein selbst entwickeltes, neues Musik-Format und dadurch eine dramatische Verbesserung der Audio-Qualität an.
 
Neil Young arbeitet mit seinen 67 Jahre immer noch hyperaktiv an verschiedenen Projekten und hat 2012 auf Anraten seines Arztes mit Alkohol und Marihuana aufgehört. Seine soeben erschienene Autobiografie führt er darauf zurück, dass er ohne Drogen keine Musik komponieren konnte - und die Zeit zum Schreiben nutzte.
Laut Young geht durch die Bearbeitung und Kompression beim MP3-Verfahren "die Seele der Musik verloren".

Das ab 1982 am Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen (IIS) in Erlangen entwickelte Verfahren, das 1995 als ".mp3" auf den Markt und ins damals entstehende Internet kam, "bedient sich dabei der Psychoakustik mit dem Ziel, nur für den Menschen bewusst hörbare Audiosignale zu speichern. Dadurch wird eine starke Reduktion der Datenmenge möglich, die jedoch die wahrgenommene Audioqualität nicht oder nur kaum verringert". (Quelle: Wikipedia)  

Für Neil Young und viele andere Musikliebhaber wird wohl doch zu viel weggeschnitten und zu stark komprimiert um möglichst kleine und damit transportable Dateien zu erhalten. Vielen Menschen wäre es auch hier wichtiger, zehntausende von minderwertigen Songs immer mit sich tragen zu können, als weniger Musik dafür in exzellenter Qualität zu haben.  

Schon bei der Einführung der CD hatte ich in heftigen Streitgesprächen mit meinem audiophilen Freund Frank vertreten, dass selbst das Knistern einer analogen Schallplatte wärmer wäre als der kühle, ja "sterile" Sound einer CD.
Seine Eltern hatten ihm von einer USA-Reise einen CD-Player mitgebracht, den er von 110 Volt auf 220 Volt umrüstete und damit den ersten CD-Hörtest in meinem Bekanntenkreis ermöglichte. Das hörte sich kälter, "cleaner" an ohne dumpfes Rumpeln und ohne Kratzer und Abnutzungen der Platte. Ich fand's zu technisch.
Und 1 Jahr später hatte ich dann auch einen dieser Wahnsinns-CD-Player, die Musik ach so unverfälscht und "pur" wiedergaben.

Als dann Mitte der 90er Jahre Musik im MP3-Format kam, war der große Vorteil die geringe Größe, die das verschicken, downloaden und transportieren auf mobilen Geräten erlaubte. Apple entwickelte den iPod (mit "Click-Wheel") und es war toll, seine komplette Musiksammlung auf  einer mobilen Festplatte dabei zu haben. Überall-Musik.

Und der Tod des echten Musikgenusses - so Neil Young, als populärster Vertreter der MP3-Kritiker.
Noch in 2013 soll der PONO auf den Markt kommen: ein mobiler Player für Pono-Musik-Dateien, unter 200g schwer, knallgelb und dreieckig geformt wie eine Toblerone-Schokolade.
"PONO" ist ein Wort aus der hawaiianischen Sprache, das "gerecht und gut" bedeutet.
Die Geräte werden nicht nur Audiodateien mit der derzeit üblichen Studioauflösung von 24bit/192 kHz abspielen können, sondern zukünftig sogar eine Auflösung von 384 kHz umsetzen könnten, quasi ein "Hi-Res-Audio".

Damit sollen wir, die Hörer, die Musik wieder so hören, wie sie im Studio oder in den Konzertsälen aufgenommen wurde.
In bestmöglicher Qualität.

Hier ein Video von Neil Young mit einem Prototypen des Pono-Players 2012 in der "David Letterman Show"



Für mich stellt sich dann demnächst die Frage: stelle ich noch einmal meine Musik-Sammlung um, nachdem ich Zappa und Genesis schon auf Schallplatte, Audio-Cassette, CD und MP3 hatte? Ich bin gespannt und warte auf die Möglichkeit eines Hör-Tests...

Hier die offizielle Seite: Opens external link in new windowhttp://www.mypono.com/

Hier weitere Informationen und interessante Fragen (in Englisch)
Opens external link in new windowhttp://www.tapeop.com/blog/2013/04/09/analog-investment-age-pono/

 



Wolfgang KurtzWolfgang Kurtz

ist
Mit-Inhaber der Kölner Internet-Agentur Öffnet externen Link in neuem FensterKpunkt.

Er war brotloser Künstler, glücklicher Bioladner und "regionaler Ansprechpartner des Bundesverbandes Naturkost" bevor er 1992 seine Werbeagentur gründete.

Heute gestaltet er Internetauftritte für viele Naturkost-Firmen und hat mit seinem Team auch die technischen Voraussetzungen für den Heuschrecke-Blog geschaffen.


Sein Faible für Computer und technisches "Spielzeug" und seinen unerschütterlichen Glauben an positive Utopien bringt er in diesen Blog ein.


Tags: pono, mp3, neil young, crazy horse, musik, format, player
Anzahl Aufrufe: 5976
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  • 3 Kommentar(e)
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C. Madlener
17.04.2013
11:05

Die Crux der Musikproduktion

Interessanterweise gibt es in der aktuellen Augabe der "KEYS" einen kleinen Bericht, der die Perversität der Beziehung zwischen der Bemühung ein technisch und klanglich ausgereiftes und so perfekt wie möglich gestaltetes Produkt mit unglaublich vielen Überlegungen und klanglichen Strategien zu fertigen, und auf der Gegenseite das Wissen, daß vermutlich inzwischen über 60% der Umsätze über komprimierte Verfahren wie mp3 gemacht werden - selbst Klangperfektionisten wie Alan Parsons oder Stephen Wilson müssen sich diesem Widerspruch stellen. Heute werden in Studios Bandmaschinensimulationen benutzt, um den Klang "anzufetten", ihn wärmer zu machen - ebenfalls ein Erbe der Digitalisierung, nur hier eben in den Studios. Wieviel davon am Ende aber dann noch im mp3-Player hängenbleibt - naja.

Wolfgang Kurtz
17.04.2013
20:03

Chapeau!

Hallo Christian, Du bist ja richtig "drin" in der Musiker-Szene... wusste ich gar nicht :-) Für mich als "nur" Musik-Liebhaber (=amateur) geht es ausschließlich und sehr egoistisch um meinen Musik-Genuß. Bin vor kurzem von MP3 auf FLAC (free lossless audio converter) umgestiegen und damit trotz benötigter 64 GB Micro SD-Karte im Player sehr zufrieden. Das ist klanglich schon deutlich transparenter und dynamischer. Ich kann mir keinen schlechten Sound mehr leisten, da altersbedingt mein Gehör eh nachlässt ... Wie schrieb ein Tim Macklin auf den Pono-Facebook-Seiten: "Ok Pono... What gives? We're not getting any younger, and neither are our ears." :-)

C. Madlener
19.04.2013
11:15

Audioformate

Ich gestehe - ich nutze auch mp3, allein schon aus Faulheit (es läuft halt auf jedem Klo). Aber ich merke auch, daß die Kompressionsraten im Zuge des immer günstigeren Speicherplatzes auch immer höher werden, und aktuell bin ich bei 320kBit CBR angelangt - und trotzdem höre ich die Kompression gelegentlich immer noch. Das Problem ist dabei der Prozess der Diskretisierung: durch die Digitalisierung eines Analogen Signales müsste man eine unendliche Genauigkeit zur Verfügung haben - und das ist nuneinmal nicht machbar, mit keinem Format. Also hat man stets nur eine "Annäherung" und somit einen Qualitätsverlust - das ist unausweichlich. Inzwischen gibt es ja aber eine ordentliche Auswahl an unterschiedlichsten Kompressionsverfahren, da natürlich viele Anbieter dem Fraunhofer-Institut ein wenig die Butter vom Brot nehmen wollen, aber so manche sind davon auch längst wieder (musik)Geschichte. Nennenswert bleiben da natürlich unterm Strich FLAC, und auch OGG-Vorbis, welches von Hause aus immer schon eine bessere Qualität und Kompression als MP3 hatte (obendrein ist es auch noch lizenzfrei), man aber schnell Kampagnen dagegen schoß, in dem es durch komplexere Berechnungen "zuviel Rechenpower" benötigte und damit die Akkus wesentlich weniger Laufleistung hätten. Aber mal im ernst: was nutzt das ganze Wissen um Kompressionsverfahren, Bitraten und Psychoakkustik, wenn meine seine 720kBit-mp3-Datei am Ende einem Medion-DA-Wandler ausliefert…? Ich fänd es ja cool, wenn man Schallplatten endlich mal hosentaschengerecht falten könnte. ;-)

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