Blog-Text-Suche

Meist gelesene Posts

Trocknungsverfahren für Kräuter und Gewürze
95975 mal gesehen   21.03.2014
Heiliger des Monats März: Oscar Romero
94568 mal gesehen   24.03.2014
Verschwörungstheorien
75337 mal gesehen   19.05.2010
Blogst Du hier!
75190 mal gesehen   21.10.2009

Archiv

Abonnieren für RSS-Reader

RSS 0.91Nachrichten
RSS 2.0Nachrichten

Vergessene Produkte

Aus dem Frühling meines Lebens...

Es gibt ja immer mehr junge Menschen, die sich gar nicht vorstellen können, dass es mal kein Internet gab.
Die ganz ungläubig fragen: "...und wie konnte man dann seine Mails abrufen?".

Bei vielen Dingen, mit denen wir aufgewachsen sind, schütteln unsere Kinder den Kopf: Wer kennt heute noch den Begriff „C90“?
Audio-Cassetten, Compact-Cassetten, FerroChrom und Chromdioxyd – ausgestorbene Begriffe der Tonaufzeichnung.

Da diese Technik für mich einmal sehr wichtig war, hier der würdigende Blog-Beitrag.

Compact-Cassetten dienten der Tonaufzeichnung und Wiedergabe.
Musik gab es im Radio oder auf Schallplatten. Und wer günstig kopieren wollte, konnte dies nur mit Tonbändern oder Tonband-Cassetten, quasi dem Urahn von MP3 und Cloud-Music.

Compact-Cassetten wurden von der holländischen Firma Philips 1963 zum Standard gemacht.
Vorher gab es schon verschiedene Vorläufer wie Tonbandspulen und in USA das 8-Track-Band, die uns aber hier nicht interessieren müssen.
Cassetten gab es in verschiedenen Längen. Bei der C60 passte auf jede Bandseite 30 Minuten Audio-Information - einmal umdrehen und man hörte 60 Minuten insgesamt.
C60, got it? Bei der C90 passten 2 x 45 Minuten drauf, was schon ziemlich gut für die Aufnahme beider Seiten einer LP (Langspielplatte) reichte. C120 boten noch mehr Spieldauer - aber das Bandmaterial war dünner, damit es in die genormte Größe der Cassette passte und dadurch riss das Band leichter oder es kam zu "Bandsalat".
Dann konnte man als erfahrener Bastler das hauchdünne dunkelbraune Material entwirren, mit etwas "Uhu" kleben und mit einem Bleistift das Band wieder aufwickeln. Das konnte so lange dauern wie die lange Version von "Innagaddadavida" mit Schlagzeugsolo...

Manchmal passte das letzte Stück der Schallplatte nicht mehr ganz auf die Cassetten-Seite.
Dann brach die Musik ab. Und man gewöhnte sich an das abrupte Ende.
Es soll Menschen gegeben haben, die Jahre später völlig erstaunt zum ersten Mal dieses Stück komplett mit Ende von CD gehört haben. Aber das ist eine andere Geschichte.

Anfangs waren die meisten Cassetten leicht gelblich, fast elfenbein-farben und kamen von den Firmen AGFA oder BASF.
Vom Sonntags-Taschengeld konnte ich mir alle 2 Wochen 1 Cassette kaufen.
Später wurden die Cassetten dann in "poppigen" Farben hergestellt. Gelb, orange, lila wie Prilblumen. Und einige Jahre später waren sie dann wieder schwarz mit Metalleffekten und kamen von exotischen Herstellern wie "TDK" oder "Maxell".
Auch in der Qualität tat sich was. Im Bandmaterial war weniger Eisen (rötlich-braun) und immer mehr Chrom (dunkelbraun bis schwarz).
Das sollte einen besseren Sound bringen. Dafür wurde dann die Musik schlechter.

Waren die Abspielgeräte anfangs tragbare, mit Batterien bestückte Mono-Geräte mit wenig Funktionen, so wurden mit den Jahren daraus gestylte "Tapedecks" mit VU-Metern, Acryl-Schiebereglern, Stereo, DNS und DNL und Dolby.


Und Anfang der 1980er wurden sie dann wieder ganz klein, als Sony den "Walkman" erfand und man die Musik mit Kopfhörer überall hören konnte.
Ich war so begeistert von der Idee dieser kleinen mobilen Geräte, dass ich meine viele Kilo schwere "Komponenten-Anlage" und die tollen "Pearl"-Boxen verkaufte und vom Erlös einen gebrauchten VW und den ersten Sony Walkman kaufte.
Ich hatte viel Spaß in meiner Jugend.
Mein Ohrenarzt meint, die Hörschäden im Mittelton-Bereich kämen wohl aus dieser Zeit.



Wolfgang KurtzWolfgang Kurtz

ist
Mit-Inhaber der Kölner Internet-Agentur Öffnet externen Link in neuem FensterKpunkt.

Er war brotloser Künstler, glücklicher Bioladner und "regionaler Ansprechpartner des Bundesverbandes Naturkost" bevor er 1992 seine Werbeagentur gründete.

Heute gestaltet er Internetauftritte für viele Naturkost-Firmen und hat mit seinem Team auch die technischen Voraussetzungen für den Heuschrecke-Blog geschaffen.


Sein Faible für Computer und technisches "Spielzeug" und seinen unerschütterlichen Glauben an positive Utopien bringt er in diesen Blog ein.




Tags: cassette, kassette, compact-cassette, c60, c90, c120, sony, philips, walkman
Anzahl Aufrufe: 6986
  •  
  • 3 Kommentar(e)
  •  
Ursula Stübner
20.03.2013
12:31

... und John Peel

Lieber Wolfgang, danke für diese Würdigung. Bei uns im Haushalt gibt es noch ein funktionierendes Abspielgerät (Tape Deck ist leider gerade kaputtgegange), das auch noch genutzt wird - z.B. für den Inhalt der Apfelsinenkiste (Möbelstück aus dem ersten eigenen Haushalt) mit der Sammlung Neuer Deutscher Welle aus den 80ern. Und weitere Kisten mit den aufgezeichneten Sendungen (ganze Jahrgänge) des legendären BFBS-Musikredakteurs John Peel (Kultfigur der 70er /80er / 90er Jahre - zunächst auf einem Piratensender, später BBC, von Salman Rushdie in einem seiner Werke eingearbeitet, für die SPEX jahrelang Disk-Jockey Nr. 1)

Peter Kirwel
29.03.2013
19:10

Herr

Lieber Wolfgang, mein erster (auch gebraucht gekaufter) Walkman war mir eine Offenbarung, ein überwältigendes Erlebnis. Im Sommer nachts auf einem Berg bei Trier in der Wiese liegen, in den kreischorangenen Vollmond schauen, die Satelliten und Eulen schwirren vorbei, den Kopf voll von Nina Hagens "Nun Sex Monk Rock", "absolute concentration, transzendente meditation" - Technik kann so schön sein, der Futurismo lebt !!!

JonTom
20.07.2014
21:11

Nicht vollstaendiger Beitrag!

Lieber Subu, danke für die Würdigung. Aber außer Ferro & CrO² II, gab es noch die besseren MetalIV Casetten, die eine perfekte Aussteuerung zuließen. Dann noch die TDK-MA-XG Casetten die aus Aluminium & Plexiglas gefertigt waren, und den stolzen Preis von 22,90 DM hatten!(pro Stück-C90). Die BASF Metal IV C120 waren auch reißfest! Ohne Casetten, hätten wir nie Ghetto-Blaster gehabt, und ohne diese gäbe es keinen Hip Hop & Rapper wie Grandmaster Flash...usw. keine Break Dance Szene und natürlich auch keine daraus resultierenden Bands & Battles... Fanta 4 hätten sich nie gefunden...und meine Ohren hätten vom ewigen GhettoblasteraufdemArmtragen keinen Schaden erhalten... Bis zur Adolfstraße bin ich früher ja immer mit meinem (MARKENZEICHEN) auf dem Arm zu euch marschiert, zum Ärger der Anwohner mit überlauter neuer Musik aus den Charts...die ich dir in Casettenform (AKUT-MIX), dann auch mitgebracht hatte! John Peel Sessions habe ich hier auch noch, stehen neben denen von Mel Sondock von WDR2 (Mittwochs) Danke für die Erinnerung an diese Erinnerung!!! mfG (mal frech Grinzzzzzzzzt) JT

Mein Kommentar

Bitte obigen Code eintragen

Benachrichtige mich, wenn jemand einen Kommentar zu dieser Nachricht schreibt.



Ihr Kommentar wird in der Regel am nächsten Arbeitstag freigeschaltet.

Spams, Links, rechtswidrige und anonyme Kommentare können nicht berücksichtigt werden.


Zurück