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BioFach 2013 Nachlese

Unsere globale Bio-Familie trifft sich

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Wir bedanken uns zunächst sehr herzlich bei allen Kunden-, Lieferanten- und InteressentInnen für ihren Besuch an unserem Messestand auf der BIOFACH 2013.



Die BioFach ist die Weltleit-Fachmesse für Bio-Produkte und findet jedes Jahr im Februar in Nürnberg statt. Einen solch intensiven Einblick in die Globalität bis zum Ursprung der Ware und in die Dimension der Branche gibt es nur hier. Unsere Produzenten reisen z.T. fast 10.000 km an - deshalb ist für uns die Anwesenheit auf der BioFach unverzichtbar - und deshalb hat die Messe für uns auch immer eine festliche Seite - unsere globale Bio-Familie (viele Kleinbauern) trifft sich.
Auf der BioFach kommt man einmal total aus seinem Alltagstrott heraus und blickt aus einer animierten Position auf seine eigene Firma und sein eigenes Tun. Diese Auszeit, wenn auch anstrengend, trägt dazu bei, neue Ideen zu schöpfen und sich selbst zu relativieren.



An unserem Stand hatten wir wie immer unser komplettes Sortiment an Gewürzen, Salzen, Kräutern und Tees ausgebreitet - bei uns ja fast wie ein Wiki-Nachschlagewerk. An Neuprodukten gab es dieses Jahr: Duftcurry, Keltisches Suppengewürz und Matcha Tee als preiswertere 2.Pflückung. Letzterer, der bekannte japanische Pulvertee der Teezeremonie, erlebt z.Zt. einen richtigen Hype, für Gesundheitsbewusste und (!) für Speedy-Partykids. Uns freut es, dass Japan Tee nach dem für die Bauern schwierigen Einbruch durch das Fukushima-Unglück wieder einen deutlichen Aufschwung erlebt.



Wir haben die diesjährige BioFach als offen und lebendig erlebt. Aus unserer Sicht waren die Besucherzahlen wieder besser als letztes Jahr. Nachdem der Sonntag als Messetag weggefallen war, sind viele der Naturkostfachhändler erst mal vergrault worden - nun waren es etwas mehr, und auffällig viele Urgesteine der Bioszene sind vorbeigekommen.
Auch das Gastland Rumänien verstärkte den Eindruck "back to the roots" mit vielen Kleinst-Ausstellern und einfachen Bauern für Milchprodukte, Früchte Honig und Blütenpollen. Hier konnte, wer sich die Muße nahm, einmal die Unterschiede der Blütenpollen aus den einzelnen Jahreszeiten kosten, die in den verschiedensten leuchtenden Farbtönen von Gelb über dunkles Purpur bis strahlend-Grün wie kleine Edelsteine aussahen. Ein hier nur als gelb-orange Einheitspollen bekanntes Produkt in seiner ursprünglichen Vielfältigkeit entdecken ...



Die Biofach ist seit einigen Jahren gleichermaßen für die Einkaufs- und Verkaufsseite wichtig. Jedes Jahr sticht auf irgendeine Weise ein Thema/Land hervor - dieses Jahr war es Portugal: eine wirklich große Anzahl junger portugiesischer Bauern und Bäuerinnen, die nach der Landflucht der Eltern in die Stadt wieder auf das Land der Großväter zurückkehren, besuchte uns (und die Kollegen) im Laufe der Messetage am Stand. Eine aktuelle Stadtflucht-Bewegung in der Eurokrise? Bio-Kräuteranbau scheint für sie sehr attraktiv. Ein Teil unserer Arbeit am Messestand ist auch immer Beratung - was könnte angebaut werden, was würde auf dem Bio-Markt noch fehlen, wovon gibt es immer zuwenig etc. ...



Auch auf der BioFach sichtbar und spürbar: bei vielen Agrar-Produkten, auch Kräutern und Gewürzen, gibt es das Phänomen ‚Go East'. Nach der Ost-Erweiterung der EU stiegen dort natürlich, wie gewollt, die Löhne, die Qualitätssicherung wurde besser gemäß den hohen EU-Standards, Kosten und Preise nähern sich dem Westen.
Die Naturkostbranche reagiert dann leider manchmal (öfter?) nicht anders als die konventionelle Lebensmittelindustrie: wer früher in Polen gekauft hat, geht jetzt in die Ukraine, und wer in Kroatien gekauft hat (EU-Anwärter, ab Sommer 2013 EU-Land), kauft jetzt in Bosnien, Albanien etc. für die Hälfte ein. Das bekommen wir konkret als Partner und deutscher Importeur des Wildsammlungsprojekts Terra Magnifica in Kroatien zu spüren.
Derselbe gnadenlose Preisdruck (wo wir uns fragen müssen, wie real der eigentlich ist?), der auch zu unseren typischen, schneller getackteten Lebensmittelskandalen führt.



Grundgedanken der EU, Zitat EU:

"So steht die EU für humanistische Werte und ein Gesellschaftsmodell, das von der großen Mehrheit der Bürger unterstützt wird. Die Europäer wollen die ihnen überlieferten Werte erhalten, zu denen der Glaube an die Menschenrechte, gesellschaftliche Solidarität, freies Unternehmertum und eine gerechte Verteilung der Früchte des Wirtschaftswachstums, das Recht auf eine geschützte Umwelt, die Achtung der kulturellen, sprachlichen und religiösen Vielfalt und ein harmonischer Ausgleich zwischen Tradition und Fortschritt gehören"

(http://europa.eu, Europa in 12 Lektionen). Schön, nicht? (Wie ist das gerade mit Ungarn - exkommunizieren?)



Am Vorabend der BioFach findet traditionell unsere "Trust Organic Small Farmers" Konferenz statt. Diese Netzwerk- und Selbsthilfe-Initiative von Bio-Kleinbauernprojekten und gleichgesinnten Importeuren und Händlern von 4 Kontinenten haben wir 2007 mitgegründet (siehe auch: www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2013/02/21/trust-organic-small-farmers.htm). Der offene Austausch ist in der Globalwirtschaft wahrscheinlich einmalig: in einem Sharing berichtet jedes der Projekte und jede der Firmen, wie es ihm im letzten Jahr ergangen ist, Erfolge wie Schwierigkeiten, und gemeinsam auf der Suche nach z.T. unkonventionellen Lösungsstrategien. Dieses Jahr kristallisierten sich zwei Themen heraus:

1) Der eigentlich wichtigste Bereich, in dem Kleinbauernprojekte sofortige Unterstützung benötigen, wäre "lokalen Forschung". Das ist im "unfriendly" Vormarsch der Patent-Saatgut- und Gentechnik-Multis und der Agro-Industrie offensichtlich. Die kleinbäuerliche Landwirtschaft braucht fast kostenlose lokale Strategien für vermehrungsfähiges Saatgut, selbst herstellbare, lokal abgestimmte und für den Öko-Landbau taugliche Schädlingsbekämpfungsmittel, sowie im Klimawandel resistente Pflanzenvarietäten. Zwei Beispiele aus unserer Gruppe:
Die Wupperthal Original Rooibos Cooperative hat eine 70jährige Wissenschaftlerin kennengelernt, die nun ehrenamtlich lokale Mittel gegen den größten Rooibusch-Schädling, einem Wurm, der die Wurzel zerstört, erforscht. Erste Ergebnisse zeigen, dass aus einem lokalen Wasser ein bestimmter Pilz isoliert werden kann, der die Wurzeln schützen würde.
Die professionelle NGO PDS in Kerala hat ein eigenes Schulungs- und Forschungscenter gegründet. Hier war es ebenfalls ein Erfolg, einen Pilz zu züchten zum Schutz der Cardamom-Wurzeln vor einem Wurmschädling, der von den Bauern selbst kostenfrei auf Kaffeesatz vermehrt werden kann.

2) Was kann eine relativ kleine, nur lose organisierte Initiative mit wenig Finanz- und Zeit-Ressourcen an Öffentlichkeitsarbeit stemmen?
Die Aufforderung der Projekte an alle der Gruppe: "Visit each other", und erzählt darüber. Sehr schön! Machen wir - auf nach Zimbabwe!






Dieses Jahr wurde unsere Initiative von IFOAM eingeladen, sich auf dem BioFach-Kongress in der Session "Social Justice and Organic Agriculture - Do We Care?" zu präsentieren.
Diese IFOAM-Veranstaltung war hochspannend. In 5 Beiträgen, darunter von Sunil Joseph Muricken für Trust Organic Small Farmers, ging es letztlich um Grenzen und unbeabsichtigte Folgen des institutionalisierten Fairen Handels unter dem Wachstumsdekret.
Es gibt mittlerweile fast eine Handvoll Fair-Trade-Zertifizierungen (im Down-Grade-Wettbewerb), zusätzlich zu den unterschiedlichen Bio-Zertifizierungen für EU, USA, Japan, Schweiz und Norwegen. Jeder Abnehmer hat seine Anforderungen, und die Produzenten geben zigtausend EUR allein für Zertifizierungen aus. Zertifizierungen bedeuten Monitoring, Datenerhebung und Kontrolle auf hohem westlichen Standard (für Kleinbauern viel Realitätsfernes), und beinhalten keinerlei Beratung.

Das Denken wurde bei folgenden Berichten auf den Kopf gestellt:

In einem kürzlich erstellten Hungerbericht heißt es, dass unter 20% der Hungernden aus Stadtgebieten / Slums stammen, aber über 50% der Hungernden Kleinbauern sind.

In Peru gab es ein Quinoa-Projekt zur Förderung der ärmsten Kleinbauern. Ein Diagramm zeigte eine steigende Umsatzkurve. Dahinter verbargen sich folgende (wahrscheinlich typische, dass müsste in größerem Rahmen erforscht werden) Entwicklungen: der Export steigt, der Anbau wurde von Medium Scale Farmers, also mittelgroßen Bauern übernommen, die Kleinbauern fielen aus den Produktionsprozessen bei steigender Nachfrage raus, die Preise im Inland stiegen für das wichtige Nahrungsmittel Quinoa stark an, und damit auch der Hunger.

 




Im einem anderen Vortrag des BioFach Kongresses ging es um das EU-übergreifende Projekt GeoFairTrade - den Bauern bis aufs Feld schauen, ebenfalls reine Indikatorenentwicklung und Datenerhebung für westliche Konsumenten, aber ohne praktische Beratungsunterstützung vor Ort. Das kam nicht gut an bei einigen unserer Projektpartnern - sie erinnert dieses westlich gedachte Tool fast an Überwachung, eine Maßnahme auf Facebook-Niveau. Zitat Kleinbauern: "Wir müssten sagen, baut Eure Lebensmittel doch selber an."



Eine Klage von Kleinbauernprojekte, die wir auf der BioFach gehört hatten, ging um die geplante scharfe EU-Regulierung von Mineralölrückständen in Lebensmitteln über Verpackungsmaterial (Recycling-Papiersäcke). Eine solche Regulierung würde schlagartig alle Kleinbauern vom Markt ausschließen, die nicht die Marktmacht haben, an einwandfreie Papier-Säcke zu kommen. Hier wurde nicht nur Regulierung, sondern auch Unterstützung durch die EU gefordert. Regulierung folgt der Jahrhunderte gängigen Praxis, das schwächste Glied in der Lebensmittelkette für Schadstoffe verantwortlich zu machen - den Bauern statt der Kunststoff-, Papier-, Verpackungs-, Farb- und Druck- oder chemischen Industrie.



Sprunghafte Entwicklungen entstehen nach zufälligen oder seltsamen Zusammentreffen von Menschen mit unterschiedlichsten Fachkenntnissen. Folgende ungesteuerte Ereignisse an unserem Stand könnten die Keimzelle für wunderbares Neues werden ...

... Wolfgang Wilhelm, Pionier für Biotee (ihm verdanken wir, dass es in Deutschland ein ziemlich komplettes Teesortiment bis in die höchsten Qualitäten in Bio gibt) trifft erstmalig zusammen mit Heribert Schramm (er gründete einen professionellen Obst- und Gemüseimport für die deutsche Bioladenszene) und Helmut Gote (Kölner Gastrokritiker, Autor von Rundfunk- und Fernsehsendungen, sowie Büchern im Foodbereich, und bio-affin, sofern es bessere Qualität hat).

... Jochen Schritt, Gründer eines alteingesessenen Naturkost-Fachgroßhandels trifft Sunil Muricken vom Kleinbauernprojekt PDS aus Indien/Kerala, der noch ganz in Rage wegen GeoFairTrade war (s.o.).

... unser Lieferant Roman Turk, Gründer des Wildsammlungsprojekts Terra Magnifica in Kroatien trifft zum ersten Mal seinen Kollegen aus dem Nachbarland Ungarn, Guszti Dorotovic, der (u.a. für uns) die Bio-Paprika-Kleinbauern koordiniert. Beide haben gemeinsam, dass sie wirklich Alles durch die Umstände bedingt (nach dem Balkankrieg bzw. nach Ende des Realsozialismus) höchst kreativ auf teilweise unkonventionellen Wegen selber erfinden mussten.




Wir halten Sie auf dem Laufenden, wenn da was Neues erfunden wird ...




Heinz-Dieter Gasper und Ursula Stübner


Tags: biofach messe 2013
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