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Stellungnahme Zimt Madagaskar

In der Weihnachtsbäckerei - Die dunkle Seite unserer Plätzchen



  • ZDFzoom Sendung vom 12.12.2012



Bio-Zimt - hier in Sri Lanka. Rollen der ZimtstangeZDF ZOOM berichtete in seiner politisch korrekt gemachten Sendung vom 12.12.2012 über die "dunkle Seite" der Weihnachtsgewürze, am Beispiel von Haselnüssen aus der Türkei und Zimt aus Madagaskar:

"Aber was ist drin in diesen Gewürzmischungen? Warum sind die einst kostbaren Zutaten zur Massenware geworden? " ZDFzoom" begibt sich auf Spurensuche, die über Madagaskar in die Türkei führt. Auf der Gewürzinsel Madagaskar bietet sich ein erschütterndes Bild tiefer Armut. 13- und 14-jährige Jugendliche arbeiten auf den Gewürzplantagen und in den Fabriken für einen Hungerlohn. Fünf Tage pro Woche schuften sie und verdienen jämmerliche sechs Euro im Monat. " (Anm.: Zitat + Zahl stammen vom ZDF. Unseres Erachtens müßte es sechs EUR pro Woche heißen) (link: Opens external link in new windowhttp://www.zdf.de/ZDFzoom/In-der-Weihnachtsb%C3%A4ckerei-25619520.html).


Hier gehen wir als Gewürzhersteller auf den Zimt ein.


Im Film geht es zentral um die Armutssituation auf Madagaskar: nicht eingehaltene Mindestlöhne, und Kinderarbeit. Bei den Haselnüssen war das große Thema der massive Einsatz von Pestiziden, und Schimmelpilzgifte. Im Grunde ist beides eine Art koloniale Problematik - die neuen Kolonialherren sind die übermächtigen Handelsfirmen, die die Preise diktieren, und die westlichen Verbraucherländer mit fest eingeprägter Billig-Mentalität. Die Bauern am Ende der Kette verdienen nicht mal mehr ihren Lebensunterhalt, geschweige von Investitionen in Bildung. (Positivbeispiel: Kerala in Südindien - hier hatte die kommunistische Regierung - im Wettbewerb mit der Kongresspartei - wichtige Verbesserungen eingeführt, die auch funktioniert haben).


Wie sehr das Niedrigpreis-Bewußtsein in den hiesigen Köpfen verankert ist, zeigte auch die Aussage der Kindergärtnerin, die sich beklagte, dass Selberbacken aus guten (Bio-)Zutaten teurer ist als Einkaufen im Supermarkt.


Auf das Thema, ob Bio auch Fair ist, wollen wir hier kurz eingehen - ausführlicher dargestellt ist es in unserem Info: Opens internal link in current windowwww.heuschrecke.com/info_unsere_lieferanten.htm.
Die alte Bio-Philosophie hatte auch den Anspruch, dass es den Erzeugern besser gehen soll und die Lieferantenbeziehungen sich fairer als in der "normalen Wirtschaft" gestalten. Bio sollte immer Fair sein.
Gleichzeitig entstand die Fairtrade-Bewegung, die aber lange Zeit nicht Bio war ... und heute stammen vielleicht 30% der Fairtrade-Produkte auch aus kontrolliert biologischem Anbau.


In den 2000ern ist Bio im Mainstream angekommen, und für viele konventionelle Firmen steht bei Bio eher die Preisgestaltung im Vordergrund. Die globalen Preisdiktate treffen verstärkt auch den Bio-Handel. Skandale sind abzusehen (siehe Eier / Tierhaltung ...).
Die Betriebe der Naturkostbranche und Mitglieder des Bundesverbands Naturkost Naturwaren steuern bewusst dagegen (siehe Opens external link in new windowwww.bio-kodex.de).


Durch die parallelen Entwicklungsgeschichten der Naturkostbranche und des Fairtrade-Handels, besonders nach der "Lidlisierung" des Fairtrade-Siegel, strebten die alteingesessenen Bio-Markenhersteller nicht mehr unbedingt das Label an. Sie pflegen dann z.B. eigene Projekte, z.T. mit eigenem Siegel, oder beziehen bei bekannten Fairtrade-gesiegelten Projekten, aber lassen die eigene Firma nicht siegeln...
Wir als spezialisierter Kleinbetrieb setzen auf Transparenz und stellen unsere Bauern auf unserer Website vor. Zum großen Teil sind die Kleinbauernprojekte selbst Fair-Trade-zertifiziert, aber wegen der Kosten hierfür auf dem eigentlichen Fair-Markt nicht mehr konkurrenzfähig - also es ist keine Schwarz-Weiß-Situation. Der Stein des Weisen für den gerechten Handel ist noch nicht gefunden.



Heinz-Dieter Gasper, Ursula Stübner







  • Zimt vom Ceylon-Typ bekommen wir von 3 Projekten aus Madagaskar - hier folgen ihre Stellungnahmen.



1) Französische Kollegen importieren für uns Zimt und Zimtstangen aus einem madagassischen Projekt, wo er von den Frauen geerntet und hergestellt wird. Die Kollegen in der Drôme mischen, schneiden und mahlen ihn zu Stückchen (für Tee) und Pulver.


"Ce sont les femmes qui font ce travail - elles ont en général entre 20 et 40 ans - de petites branches de cannelier sont coupées - ensuite l'écorce est retirée avec un couteau et elle est aussi grattée (pour enlever le vert de l'écorce) - ils mesurent la longueur des tuyaux demandés et découpent dans l'écorce -
Ensuite les femmes font un peu sécher l'écorce puis elle la roule sur des sortes de billots en bois - l'écorce est ensuite séchée au soleil sur des séchoir en bois à pieds - puis triée et mise en sac ou en petits fagots - - elles sont ensuite collectées par des collecteurs et stockées, triées à nouveau, vérifiées et mesurées...- puis remise en fagot... suivant les demandes "

 

 

"Dies sind die Frauen, die diese Arbeit tun - sie sind in der Regel zwischen 20 und 40 Jahren - Zimt Zweige werden geschnitten - dann wird die Rinde mit einem Messer entfernt und auch abgekratzt ( um die grüne Rinde zu entfernen ) - sie messen die Rohrlänge, die erforderlich ist, ab und schneiden in die Rinde -
Dann lassen die Frauen die Rinde ein wenig trocknen, die Rinde wird dann auf einer Art Holzscheit gerollt - dann wird die Rinde in der Sonne getrocknet auf Holz-Gestellen - dann sortiert und in Säcke verpackt oder zu kleinen Bündeln gefasst - sie werden dann von den Verteilern zusammengesammelt und eingelagert, und noch mal sortiert, überprüft und gemessen ... - ... und dann neu gebündelt nach Wunsch"










2) Weiterhin beziehen wir Madagaskar-Zimt Typ Ceylon aus  Bio-Kooperativen in Nord-Ost-Madagaskar. Unser Importeur und Projektinitiator gibt hier ausführliche Hintergrundinformationen zu den Produktionsverhältnissen allgemein, und in diesem Bio-Projekt:


Betrifft: Filmbericht ZDF Zoom vom 12.12.2012 - Gewürze aus Madagaskar

Sehr geehrte Damen und Herren,
Zur erwähnten ZDF - Filmreportage möchten wir wie folgt Stellung nehmen:



Situation Kinderarbeit bei unserem Partner in Madagaskar

Im Gegensatz zu der in der ZDF - Filmreportage beschriebenen und in Madagaskar tatsächlich leider üblichen Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen kann unser Partner bestätigen, belegen und dies auch jederzeit überprüfen lassen, dass für unsere Firma folgende Regeln gelten:

* Grundsätzlich keine Beschäftigung von Kindern
* Alle Angestellten erhalten mehr als den gesetzlichen Mindestlohn
* Jeder Angestellte hat einen Arbeitsvertrag
* Für jeden Angestellten werden Sozialabgaben und Versicherungsleistungen entrichtet
* Die überregionale Arbeitsinspektion kontrolliert regelmäßig die Arbeits-bedingungen

Wir müssen klar festhalten, dass diese Arbeitsbedingungen für Madagaskar unüblich und der sozialen Verantwortung unsersm Partners zu verdanken sind. Außerdem stellt unser Partner auch über die von der Fairtrade - Organisation FLO bezüglich Kinderarbeit verankerten Bestimmungen sicher, dass in den mit unserem Partner zusammenarbeitenden Kooperativen Kinder nur im Familienverbund mithelfen dürfen, aber nur außerhalb der regulären Schulzeit. Es wird sonst keine Kinderarbeit toleriert.


Pestizid - Belastungen bei den aus Madagaskar ausschließlich von unserem Partner gelieferten und durch uns vertriebenen Gewürzen

Alle von uns aus Madagaskar verschifften Gewürze, unabhängig ob in Bio oder in konventioneller Qualität, werden entweder noch im Ursprung oder dann bei Ankunft auf die Einhaltung der diesbezüglichen, in der EU und in der Schweiz geltenden Gesetze und Bestimmungen durch anerkannte Lebensmittel - Labore geprüft.



Genereller Kontext Kinderarbeit

* Generell arbeiten Kinder in südlichen Ländern in landwirtschaftlichen Familienbetrieben mit. Das Ausmaß dieser Mitarbeit kann je nach lokalem Brauch sehr unterschiedlich sein.

* Alle Beteiligten in der Produktekette sind dafür verantwortlich, dass dabei die Grundrechte der Kinder für Schulbildung, Freizeit, Gesundheit, etc. genügend berücksichtig werden. Keinesfalls können weder Zwangsarbeit, noch zu harte, zu lange oder zu gering bezahlte Arbeit toleriert werden.

* Die längerfristige Tendenz zu sinkenden Markt- und Abnehmerpreisen bei Gewürzen tragen in Produktionsgebieten vermehrt zu unterbezahlter Arbeit und Einsatz von Kinderarbeit bei.

* Im ländlichen Madagaskar treten die Kinder üblicherweise nach den obligatorischen 6 - 8 Jahren Schulbildung mit bereits 14 Jahren nach und nach ins Erwerbsleben ein. Häufig gründen sie bereits im Alter von 16 Jahren eigene Haushalte, für die sie selbst auch ökonomisch auskommen müssen. Da sie in diesem Lebensalter in der Regel keinen Landbesitz aufweisen können, ist Lohnarbeit häufig ihre einzige Einkommensquelle.



Bemerkungen zum ZDF Beitrag

* Die Sendung weist auf die Situation der madagassischen Kinder und Jugendlichen hin, welche für uns Europäer als klare Missstände wahrgenommen werden. In Madagaskar selbst sind diese Verhältnisse jedoch weit verbreitet und bekannt.

* Wie der Bericht aufzeigt sind die bei der Gewürzproduktion und in der Landwirtschaft tätigen Lohnarbeiter sehr schlecht bezahlt. In diesem Sektor werden die Arbeitsvereinbarungen fast ausschließlich nur mündlich und ohne Vertrag getroffen, sodass die gesetzlichen Mindestlöhne nicht angewendet werden (müssen).

* Dem Beitrag kritisch muss hingegen angemerkt werden, dass tägliche Lohnarbeit von Kindern zwischen 14 - 16 Jahren in Madagaskar sehr selten ist. Der Beitrag suggeriert aber, dass dies ein genereller Zustand sei und das diese Lohnarbeit die Betroffenen davon abhält, ihre eigenen Lebensmittel zu produzieren, was aber sehr oft nicht zutrifft. Für viele Menschen in Madagaskar stellt die Lohnarbeit leider die einzige Einnahmequelle dar.

* Positiv muss erwähnt werden, dass der Bericht Fairen Handel als Alternative angibt (wozu wir auch unseren Bio Handel mit den Bioprämienzahlungen zählen) und klar macht, dass zu den aktuellen Tiefpreisen auf dem Markt keine Verbesserung der finanziellen Situation weder für die Bauern, geschweige denn für die in der Landwirtschaft tätigen Arbeiter erwartet werden kann."







3) Ein französischer Kollegenbetrieb importiert für uns diese Bio-Zimtrinde mit, die wir in einer deutschen Spezial-Gewürzmühle dann frisch mahlen lassen. Wegen der außerordentlichen Staubbelastung können wir Zimt nicht selber bei uns im Haus mahlen - hierfür braucht es eine geschlossene Anlage.


Bio-Zimtproduzent Madagaskar

Hallo Heidi und Ursula,

Ich finde auch, daß der Film die schlechte Seite der konventionelle Welt (Position von Fuchs, Weiss) zeigt.
Wie das Handeln von Zimt in Madagascar beschreibt wird, ist bestimmt auch eine Seite des Zimthandels dort aber ich weiß das es auch eine andere Seite gibt, weil wir drauf viel Wert legen, daß wir mit unseren Partner auf der Große Insel viel an den Lebensbedingungen von den Bauern verbessern versuchen.

Ich habe versucht ein Foto von unseren Projekte zu finden, das das gut fürs Thema Zimt darstellen könnte aber habe nicht gefunden.
Tut mir Leid.

Ich stimme zu was über dem Zimt und die Lokale Situation in Madagaskar geschrieben ist.
Als ich dort war in November 2011hatte ich notiert, daß der Mindestgehalt für die landwirtschaftliche Arbeiter in Madagaskar bei 37€/ Monat lag, für 8 Stundentage und 5,5 Tage pro Woche in einer Geranium Plantage.
Aber das Leben dort kostet sehr wenig so müsste man das mit den Lebenkosten dort umrechnen.
Was unfähr ist, ist daß sie das Benzin z.B. so teuer zahlen müssen als wir.
So lange die Europäische Ländern die Gewürzen nicht auf einen höheren Preis zahlen wollen, werden die Leute dort auch kein besseren Lohn bekommen.


An der Ostküste von Madagaskar hat 1993 ein der größten Produzent von den 10 cm Zimtstangen mit dem Zimt Produzieren angefangen (siehe Foto auf seiner Plantage).
Er lässt auch gekratzte Rinde und nicht gekratzte Rinde vom Zimt vorbereiten. Jedes Jahr nehmen wir ihm sowohl wie möglich seine ganze Produktion.
Die letzte Sortierung und Metalscheck der Ware werden dann in saubere und gut belüftete Gebäude gemacht.

Als wie dort waren haben wir uns mit diesem Anbauer unterhalten, um ihm zu erklären, was er machen könnte, um die Vorbeugung der mikrobiologischen und Pestizid Risiken zu organisieren.


Die Kultur ist anders und oft muß man die wichtige Sachen mehrere Mal wiederholen, bis die Leute sie gut verstanden haben und in der Praxis einsetzen können.

Mit vielen lieben Grüsse und meine besten Wünsche für Euch in dieser Weihnachtzeit

 MoÏra

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