Blog-Text-Suche

Meist gelesene Posts

Trocknungsverfahren für Kräuter und Gewürze
95975 mal gesehen   21.03.2014
Heiliger des Monats März: Oscar Romero
94568 mal gesehen   24.03.2014
Verschwörungstheorien
75337 mal gesehen   19.05.2010
Blogst Du hier!
75187 mal gesehen   21.10.2009

Archiv

Abonnieren für RSS-Reader

RSS 0.91Nachrichten
RSS 2.0Nachrichten
Gastbeitrag
26.11.2012
09:29

Mikrokosmos: Liebeserklärung an kleine Pilze

Helmlinge - so zart, so fein, so schön ...

Mycena inclinata - buntstieliger Helmling - auf Laubholzstamm
Mycena inclinata - buntstieliger Helmling
Mycena inclinata - Cheilocystiden 400fach, vergrößert
Mycena inclinata - Hutdeckschichtzellen
Mycena inclinata - Sporen, 1000fach vergrößert
Mycena inclinata - Stielrindenzellen, 400fach vergrößert
Tabelle Sporenmessung Mycena inclinata





Die Helmlinge (Gattung: Mycena, deutsch: Kleiner Pilz) haben es uns angetan.: sie sind meist so zart, so fein, so klein, so schlank und schön, trotzdem bleiben sie häufig unbeachtet oder übersehen. Denn sie sind nicht nur klein, sondern auch selten essbar, oft ungenießbar, manchmal giftig und wenn eine Art wirklich essbar ist (wirklich wohlschmeckend sind sie nie), kriegt man nur mühsam eine sättigende Portion von ihnen zusammengesammelt.



Für uns ist ihre Schönheit und Fragilität völlig ausreichend, um sie näher kennenlernen zu wollen, zumal auch ihre Mikromerkmale an Ästhetik einiges zu bieten haben. Da die ca.120 (die genaue Anzahl kennt keiner, Neuentdeckungen gibt es bis heute) in Deutschland zu findenden Arten wegen ihrer Vielgestaltig- und Vielfarbigkeit auch innerhalb einer Art makroskopisch selten eindeutig zu bestimmen sind, ist eine mikroskopische Analyse meist unerlässlich, selbst bei dem hier gezeigten Buntstieligen Helmling (Mycena inclinata).



Der Helmlingshabitus ist zwar richtig schön "helmlingsmäßig" mit kegelig-glockigem Hut und schlankem Stiel, aber so schön bunt, wie auf unseren Fotos muss der Stiel nicht unbedingt aussehen, im Gegenteil, er kann sogar ganz und gar blass sein, und andere Helmlinge, die so ähnlich aussehen, gibt's zuhauf. Wir sehen ihn hier in großer Menge auf einem toten Laubholzstamm (wahrscheinlich Buche) wuchern: Helmlinge ernähren sich durch Zersetzung toten organischen Materials, das muss nicht unbedingt Holz sein, wie beim Buntstieligen Helmling, andere weiden auf Wiesen, zersetzen Blätter oder Nadeln oder Zapfen und...



Alle Helmlinge haben merkwürdige sterile Zellen, meist artspezifisch geformt, an der Lamellenschneide, manchmal auch noch an den Lamellenseiten.



Unser Buntstieliger Helmling hat keulige Zellen mit langen fingerförmigen Auswüchsen. Wenn dann noch die Sporengröße (siehe unsere Messtabelle), die Zellen der Stielrinde und die äußersten Hutdeckschichtzellen passen, können wir ziemlich sicher sein, unseren Kandidaten am Schlafittchen zu haben.
Wir glauben, dass wir den Buntstieligen Helmling dingfest gemacht haben!



Übrigens, was uns an den Helmlingen erst recht gut gefällt: sie kommen früh im Jahr, manchmal schon im Januar und sie gehören mit zu den letzten "Großpilzen"-Fruchtkörpern, die gehen. Noch gestern konnten wir einige in unserer Nähe sichten!




Liebe Grüße


Eure (seit 2012) Helmlings-Fans





Bilder mit Klickvergrößerung

 



Genug für heute von den Hobbymykologen und Pilzsachverständigen (DGfM) Eva Wandelt (Biologin) und Lothar Claussnitzer (Streuobst-Landwirt).

In loser Folge werden wir auf dieser Seite Schönes, Kurioses, Interessantes, Essbares, Würziges anhand von einfachen Digi-Mikrofotos aus dem wilden Pilz-und Pflanzenreich vorstellen und erläutern.


Fotos © Evi Wandelt, Lothar Claußnitzer



  •  
  • 0 Kommentar(e)
  •  

Mein Kommentar

Bitte obigen Code eintragen

Benachrichtige mich, wenn jemand einen Kommentar zu dieser Nachricht schreibt.



Ihr Kommentar wird in der Regel am nächsten Arbeitstag freigeschaltet.

Spams, Links, rechtswidrige und anonyme Kommentare können nicht berücksichtigt werden.


Zurück