Blog-Text-Suche

Meist gelesene Posts

Trocknungsverfahren für Kräuter und Gewürze
96003 mal gesehen   21.03.2014
Heiliger des Monats März: Oscar Romero
94576 mal gesehen   24.03.2014
Blogst Du hier!
75435 mal gesehen   21.10.2009
Verschwörungstheorien
75384 mal gesehen   19.05.2010

Archiv

Abonnieren für RSS-Reader

RSS 0.91Nachrichten
RSS 2.0Nachrichten

Herzlichen Glückwunsch, Naturata !

Kölner Bioladen Naturata wird 30.




Am 20.10.2012 feiert der Kölner Bioladen Naturata (heute 3 Filialen: 2 in Köln und eine in Siegburg) 30-jähriges Bestehen.
Collage Naturata Köln 1982
Naturata ist nicht nur ein Bioladen:

 "NATURATA ist sowohl der vor Jahren gewählte Name für Einzelhandelsunternehmen, die sich dem Ziel "Gemeinsam Handeln" verpflichtet haben, als auch der Markenname von Produkten, die aus derselben Philosophie von der NATURATA-Spielberger AG (Anm.: später Naturata AG) hergestellt werden" - alles in einem Verbund zusammengeschlossen. Die Idee "Naturata" hat einen anthroposophischen Hintergrund, möchte mit der Natur und in gerechten, sozialverträglichen Marktprozessen arbeiten. Bewusst werden immer wo möglich, Demeter-Produkte gehandelt. Mehr über diesen Aspekt von Naturata:Opens external link in new window http://www.naturata-verein.de/index.php?id=charta .

Wieder zurück zu Naturata Köln: 1982 von Helga Größel gegründet, wird heute das Kölner Unternehmen vom Sohn Lutz Größel geführt:Opens external link in new window http://www.naturata-koeln.de/unternehmen.html .


Zum bevorstehenden Jubiläum hatte Lutz die alten Weggefährten aufgerufen, einen Artikel oder eine Rede über die Anfänge der Naturkostbranche in Köln zu schreiben, die er zu einem "Naturata-Buch" zusammenfassen will. Hier nun der Beitrag von Heinz-Dieter Gasper, Pionier und Gründer der Heuschrecke (gerade 35 geworden:Opens external link in new window http://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2012/09/07/heuschrecke-wird-35-wie-alles-anfing.htm )
 

 






Dreißig Naturatas

Ein paar ungeordnete, spontane Überlegungen, die mir so in den Sinn gekommen sind...

Collage Naturata Köln, die Anfänge
1
70er: "Was sagen die Bäume" zu Demeter?
Wenig Begeisterung beiderseits - im 77er Bioladen "Was die Bäume sagen" dürfen wir keine Demeter-Produkte verkaufen, genauso wie in den anderen damaligen 100 Bioläden in der BRD. Nur Reformhäuser hatten legalen Zugang, weil es irgendwelche dunklen Absprachen gibt, uns Neuen das Leben schwer zu machen.
Der Demeter-Qualitätsbegriff steht außer Zweifel; nur der typische anthroposophische Dünkel, die versteinerten Gestalten und die konservativen Weltbilder, passen nicht ins linksradikal-alternative, oft noch auch Kiffer/Dealer - Milieu beim Aufbruch in eine neue, selbstbestimmte und ökologisch korrekte Welt.


2
Ende 70er: Naturata eG Lauda, die Großhandelsgenossenschaft
Vorgespräche und Gründung schaffen die Brücke zwischen beiden Ideologie-Blöcken.
Auch in der Person Daniel Trenkles, des ersten Geschäftsführers, der schon Jahre vorher mit Demeterprodukten/Reformartikeln die verstreute Bioladen-Szene anfuhr, war das nötige Vertrauen geschaffen. Heiß diskutiert wird die Installation einer EDV: Teufelswerk oder zukunftsträchtige Arbeitserleichterung/ stupide Arbeiten standardisieren? Die Gründungsversammlung schaffte es wider Erwarten, den kritischen Konsens zu finden - die Szene zeichnete Anteile, auch viele Großhändler werden Genossen. Irgendwann in den 90igern gibt es sogar eine kleine Gewinn-Ausschüttung. Irgendwie war es aber auch beruhigend zu erfahren, dass die Computer eine ewige Baustelle blieben (nicht nur in Lauda..). Natürlich bin ich Mitglied geblieben...

Frau Größel, Gründerin der Naturata-Köln
3
Anthroposophie oder Sekte?
Herr Finsterlin, auf den ich irgendwann Ende der Siebziger gestoßen bin, hat, glaube ich, noch die landwirtschaftlichen Vorträge von Steiner gehört - auf jeden Fall: seine Zeitschrift Erde & Kosmos habe ich gerne gelesen auf der Suche nach Dissidenz in der anthroposophischen reinen Lehre und einer anscheinend sehr dominanten Anthroposophischen Gesellschaft.
Die Zeitschrift verschaffte mir eine gewisse Zufriedenheit, wenn ich auch nicht sehr viel verstanden habe; auch für Anthroposophen kann es eine Hoffnung jenseits eines versteinerten Dogmas geben. Dies auch, weil ich später noch eine Reihe interessanter Leute (die nicht nur Anthro-Klischees bedienten) treffen sollte, wie Trees und Jan Kees vom Demeter-Kräuterhof "Blaues Haus" in den Niederlanden, u.v.a.. Das ist sehr viel unangestrengter und lebenslustiger, und entspricht trotz landwirtschaftlichem Engagements nicht dem Bild ums alte Erbe trauernder, ostelbischer Junker-Nachfolger im Lodenlook.


4
"Nur Alternative"?
Das war die Quintessenz vieler verwurzelter Demeter-Kollegen, wenn sie uns Bio-Pioniere beschrieben. Eine ganz nette, wohl vorübergehende Initiative, der man halt die nötige richtige Ideologie absprach.
Graf von und zu Finckenstein auf der Prym'schen Gutsverwaltung in Düren war für einige der neuen Ökos, so für mich, der glaubwürdige, beseelte Praktiker mit riesigen Bauernpranken, wo wir die Möhren, den Käse, aber v.a. das Steinofenbrot (mit Holz befeuert) holten; und illegalerweise die Rohmilch in den traditionellen 30 l Milchkannen abschleppten und verteilten. Viele Praktikanten (für Kost, Logis und wenig Trinkgeld) schufteten dort, der Mäc vom ersten Bioladen in Aachen hatte den Steinofen gebaut, der Günther von der Brotzeit war einer derjenigen, die dort gelernt haben...
Auch den Felix von Vital (damals Gänseblümchen, Stolberg) traf ich immer beim Abholen..

Naturata Köln wird 18 Jahre alt - 2000
4a
Leihen & Schenken
Passend zur Genossenschaftsgründung Kornkraft Krefeld (Naturkostgroßhandel) rückt die GLS in den Focus mit einer Leihgemeinschaft als breit gestreutes Bürgschaftssystem - ich werde Mitglied irgendwann 1979/80.


4b
Garten und Maria Thun Kalender
Anfang der 80er wohne ich zwei bis drei Jahre auf dem Land und betreibe den großen Garten als Mischung von Permakultur und Bio-Landbau, richte mich nach dem Maria Thuns Mondkalender und verkaufe/tausche ein paar Überschüsse mit dem Bioladen und einer Mini Land-Food Coop. Lese viele Bücher zu Bio-Landwirtschaft und Demeteranbau usw..


5
30 Jahre Naturata Köln, wie alles anfing
Plötzlich bekommt mein Ex-Bioladen Konkurrenz auf der Luxemburger Straße.
Die Blumenhändlerin Frau Größel gründet mit einem jungen Kollegen (Name verschwunden...). Die übliche Aufregung - ist der Laden nicht zu nah?, darf er von der Genossenschaft Kornkraft beliefert werden? usw..
Zum ersten Mal siezt man sich in der Kölner Bioladen-Szene (ca. 15 Läden gibt es..), mit Frau Größel, es gibt Irritationen.
Nachdem ich 1981 aus dem Bioladen "Was die Bäume sagen" raus bin, führe ich den Großhandel weiter, der bereits vorher als gemeinsamer Einkauf oder als Einkaufsgemeinschaft funktionierte. Mit den Demeter-Produkten vom Finckenstein-Hof wird auch Naturata bald Kunde.
Das bald darauf (nach der ersten BioMesse) gegründete gemeinsame Abhollager der regionalen Läden, kleiner Frischehändler, Bäcker und der Kornkraft, und die monatlichen Treffen aller Beteiligten schaffen mehr Vertrauen durch Kommunikation.
Vorher gibt es eine Reihe bizarrer Begegnungen - der langbärtige, -haarige Freak, im Sommer gerne barfuß, ohne Hemd, in kurzer Kinderlederhose, lieferte besagte Finckenstein-Rohmilch, unansehnliche, aber genial schmeckende Möhren und das tolle Steinofenbrot auch zur Naturata. Und Frau Größel hat sicher Mühe, das der konservativen Anthro-Kundschaft im Laden zu erklären, oder hat vielleicht auch im Anfang Mühe, selbst die Contenance zu bewahren; sicher auch schon mal in der Nähe von Reality-Soap, inklusive Fremdschämen, wenn Demeter-Else auf Heidi Heuschreck' in der Naturata trifft.
Mit dem Älterwerden und der Übergabe des Ladens ‚Berrenrather Straße' an den Sohn Lutz Größel verliert das Verhältnis seine Skurrilität. Das gemeinsame Pioniersein wird zum verbindenden Glied, peinlich wird es nicht mehr, Vertrauen schaffte das gemeinsame Altern.

Lutz Größel führt heute die 3 Naturata-Bioläden in Köln und Siegburg
6
Warum ist Heuschrecke kein Demeterhändler?
Bei aller Affinität ergeben sich immer wieder größere und kleinere Missverständnisse zwischen den Demeter-Traditionalisten und der "nur" alternativen Biobewegung...
Drei mehr oder weniger ernsthafte Versuche gibt es schon von Seiten der Heuschrecke; zweimal wird der Versuch brüsk vom Markenzeicheninhaber und seinen Wächtern zurückgewiesen, es gäbe weder Bedarf noch Interesse, so einem Betrieb wie Heuschrecke eine Demeter Lizenz zu erteilen. Diese Demeter/Anthro-Arroganz ist schon immer was Besonderes gewesen; ich kann natürlich gut damit kokettieren, nicht in den Rahmen zu passen und hab die Demeterprodukte, die mir gefallen haben, auch so gut verkaufen können; auch ohne Marken-Strahlkraft.
Der letzte Versuch kommt denn tatsächlich vom Lizenzgeber, ist noch hängend, im Moment fehlen noch ein bisschen die Mengen an Gewürzen, Tee und Kräutern, und oft ist auch die Qualität herkunftsbedingt (z.B. Ägypten...) alles andere als akzeptabel. Mal sehen, was die Zukunft so bringt...


7
Heute und Morgen
Lutz und seine Naturatas + Heuschrecke + Ursula und Heidi + Claudia + Michael+ Tobias usw.
Normales Kunden-und Lieferantenverhältnis?
Es ist natürlich mehr, nach der langen, dreißigjährigen Geschichte.
Die Naturata-Läden in Köln und Siegburg sind Flagschiffe für die Marke Heuschrecke - und die volle Auswahl in der Naturata ‚Krebsgasse' füttert uns durch den Alltag - da kaufen wir privat ein. Eine Art win win Situation: Michael erzähl schon mal von den Leiden und Freuden des FC Fans als Mitglied, Lutz übers Landleben und andere Pläne, Claudia über Kinder und ihren Laden "Spiel und Kleid" .... die Heuschrecke über Arbeitsstress - alles jammert ein bisschen auf hohem Niveau, weil es uns im Grunde ziemlich gut geht - mit den kleinen und größeren Rückschlägen bringen wir Stück für Stück "Bio" nach vorne, ohne die Essentials wie small is beautiful, Gemeinwohl, und faire Business Beziehungen zu vergessen -
So Gott will (oder wer auch immer), für die nächsten 10 - 20 - 30 Jahre, je nach Lebensplan und Nachfolge...



---
Entworfen und geschrieben mit viel Spaß, auf Wunsch des Geburtstagskinds, während eines beseelten und begnadet entspannten dreiwöchigen Urlaubs in der Hauptstadt - in S-Bahn, U-Bahn, Cafés und Sarah Wieners Speisekammer in der Chausseestr. irgendwo bei Biermann (dem Bänkelsänger) um die Ecke...
Heuschrecke blickt gerade auf 35 Jahre zurück...


Heinz-Dieter Gasper

Fotos © Naturata Köln
  •  
  • 0 Kommentar(e)
  •  

Mein Kommentar

Bitte obigen Code eintragen

Benachrichtige mich, wenn jemand einen Kommentar zu dieser Nachricht schreibt.



Ihr Kommentar wird in der Regel am nächsten Arbeitstag freigeschaltet.

Spams, Links, rechtswidrige und anonyme Kommentare können nicht berücksichtigt werden.


Zurück