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Heiliger des Monats Oktober: Franziscus von Assisi

04. Oktober: Franziscus von Assisi

 

Schöne Geschichten für das Unterbewusstsein bzw. die archaische Psyche. Das katholische Christentum und insbesondere der rheinische Katholizismus bietet mit seinen unzähligen Heiligen einen ähnlich guten psychologisch-spirituellen Service wie unser altes Kelten- und Germanentum (zum großen Teil wurden deren (Natur-) Gottheiten dem spröden Monotheismus zunutze gemacht).


  • Offiziell vom Papst ernannter Schutzpatron der Öko-Bewegung, Patron Italiens, der Armen, der Bekleidungsindustrie, Helfer zu mutigen Entscheidungen




Natürlich ist Franziscus ein Heiliger ! Dieser überaus schräge Vogel beeindruckt die Menschen wie nur wenige vor ihm, die Blitz-Heiligsprechung direkt nach seinem Tod ist eine reine Formsache, mehr noch als bei Mutter Theresa bestehen nicht die leisesten Zweifel. Demut, Armut, völlige Hingabe an Gott in der wildesten Form - das ist Franziscus. Bei einem Wettbewerb "Die Welt sucht den nächsten Jesus" hätte er alle alle ausgestochen, der Mann aus Nazareth selber wäre wohl ins Schwitzen gekommen.


So ist er, der Franziscus, nach seinem 25. Lebensjahr. Und vorher ? Heutige Enthüllungsjournalisten hätten ihre helle Freude, so richtig im Schlamm baden könnten sie beim lieben Franzerl, denn der Heilige als junger Mann ist nicht das Schwarze unterm Fingernagel wert.


Reicher Tuchhändler Sohn in Mittelitalien, wächst er in Wohlhabenheit und Überfluß auf. Wie das Leben so spielt, verdirbt ihn das gemachte Nest für die praktische Arbeit. Sein Vater mehrt auf Handelsreisen den Dukatenberg der Familie, unser Heiliger in spe wirft es mit vollen Händen aus dem Fenster. Jubel, Trubel, Heiterkeit, die Jeunesse dorée des Städtchens läßt die Puppen tanzen. Seine größte Leistung in Teenagerjahren ist, daß er den seichten Troubadour-Trallala aus Frankreich noch schmalziger als die Kumpane zu geben weiß, ein echter Karaoke-King, der Party-Kracher. Er, den seine Eltern  auf den Namen Johannes getauft haben, wird von allen nur das "Französlein" gerufen, und der Name bleibt kleben.
Steigerung unmöglich ? Ha ha: als es dem Esel komplett zu wohl wird, geht er aufs Eis respektive zieht er in den Krieg. Rausgeputzt wie ein Karnevalsprinz schwingt sich der Lotterbube aufs schmucke Pferdchen, die Gegner aus Perugia sperren ihn  für ein ganzes Jahr in den Keller - und so weiter und so fort, er bestiehlt seinen eigenen Vater, geht einfach allen auf die Nerven, es ist ein Elend, das Zukucken tut schon weh.


Und wie soll das nun zusammenpassen - Franziskus 1 und Franziscus 2 ? Das Scharnier ist sein Verständnis für die Armut. Eigentlich fehlt ihm die  wahre Liebe zum Mammon - er strebt nicht nach dem Geld, er haut es nur raus. Die Armen unterstützt er immer, ein schöner Zug in einem ansonsten vertändelten Leben.


Man muß es immer wieder sagen: Heilige sind krass, oder gar nicht, das macht die Heiligkeit ja gerade aus, Warmduscher sind wir anderen. Für Franziscus kommt der Moment der Wahrheit mitten auf dem Marktplatz. Sein Vater ist den Zirkus endgültig leid und bringt seinen Sohn vor das öffentliche Gericht des Bischofs von Assisi. Sein Vater verlangt dort von Franziscus, ihm allen Besitz zurückzugeben und auf das Erbe zu verzichten. Franziskus zieht sich vor allen Leuten splitterfasernackt aus, entsagt allen weltlichen Ansprüchen und sagt, "von heute an ist allein Gott mein Vater".


Jeder normale Mensch hätte Onkels und Tanten in Stellung gebracht, sich einen Anwalt genommen, es eine Zeitlang ruhiger angehen lassen. Franziskus aber ist ein Auserwählter, er erkennt in all dem letztlich kleinlichen Familiengezeter, in dem ganz unwichtigen Kleinstadt-Skandal den heiligen Kern der Stunde. Hopp oder dopp, wenn wir nur wollen, leben wir unser Leben selber.


Der Mut zur Radikalität, zum klaren Schnitt, hat in sich die Kraft, Berge zu versetzen. Als Franziscus die Stimme Gottes hört "Mache Dich auf und stelle mein zertrümmertes Haus wieder her !", da tut der das, eigentlich unfaßbar.






Peter Kirwel




Unser Geschichtenerzähler Peter Kirwel

Peter Kirwel

macht jetzt hauptberuflich den Vertrieb für Topas (Bio-Hersteller veganer Wheaty-Produkte) und hält nebenberuflich die traditionellen katholischen Prozessionsbräuche (die eigentlich die ganz alten Kulte fortführen) in seinem Eifeldorf am Laufen, auch eine Punkzeit soll es gegeben haben.



 


Tags: franz von assisi, hl franziscus
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