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Die Qingshan-Teefarm

Enge Zusammenarbeit mit Fairbiotea: Qingshan Teefarm in Hunan / China. Ein Portrait

Hier stellen wir Ihnen die Teefarm "Qingshan" (gesprochen: Tschingschan) in China vor, von der wir neben Aktionstees (China Sencha, Chun Mee, China Aktionstee) vor allem viele schöne Teespezialitäten bekommen, wie Jasmin und Green Dragon Pearls, Jasmin-Grüntee, Weißer Tee "White Monkey", Pai Mu Tan, Gunpowder, Mao Feng, Green Scent Tip und China-Gyokuro. (Die Herkünfte können aber wechseln, weil nicht jede Teefarm jedes Jahr die gleichen Sorten herstellt.)


Daten: Die Qingshan Tea Farm (leuchtender Berg) liegt in der Provinz Hunan im Yuan Ling County. Größe: 141 Hektar, Produktion ca. 330.000kg Tee jährlich. Unsere favorisierte Teefarm in China: die Vorabmuster entsprechen typischerweise unserem Geschmack, danach machen wir die entsprechenden Jahreskontrakte. Qingshan arbeitet intensiv mit Fairbiotea zusammen.


Der folgende Text stammt von der sehr informativen Website Opens external link in new windowwww.fairbiotea.de, und aus dem IMO-Inspektionsbericht der Fairbiotea-Kontrolle 2012. (Unsere Anmerkungen sind in Kursiv-Schrift.)


Fairbiotea ist die Initiative unseres Teemaklers für sichere, sozial gerechte und ökologisch nachhaltige Teeproduktion in China. Die Fairbiotea-Inspektion findet zusätzlich zur normalen Bio-Kontrolle statt. Fairbiotea unterstützt die Farmen mit Beratung, Organisationshilfen und Geldern, z.B. Bonusgelder an die ArbeiterInnen, und gibt Auflagen für den Bio-Anbau auf.


(Weitere Berichte zu China Tee, z.B. auch den Inspektionsbericht 2013, finden Sie unter Opens internal link in current windowLieferantenportraits (runterscrollen zu China Tees)




Bio-Teefarm Qingshan

Die Fähre zur Halbinsel und zur Qingshan-Teefarm
Junge Jasminpflanzen für den edlen Jasmintee. Die frischen Blüten werden dem Tee untergemischt, wieder ausgesiebt und wieder frische Blüten zugemischt - 3 - 4 Mal, bis der Jasmintee sein bezauberndes, sinnliches Aroma erreicht.
Die IMO-Kontrolleure begutachten für die Bio-Kontrolle und für Fairbiotea die Teefelder.
Pruning: alle paar Jahre werden die Teesträucher stark zurückgeschnitten, um die Pflanze zu kräftigen und die Qualität zu erneuern.
Die Farmarbeiter stellen ihren Kompost selber her - Inspektion durch die Bio-Kontrolleure.
Teefeld, Bio-Teefarm Qingshan
Die TeepflückerInnen, Qingshan
Die TeepflückerInnen, Qingshan
Die Bio- und Fairbiotea-Kontrolleure interviewen die Teepflücker. Interessantes Phänomen auch auf den anderen Interview-Fotos: die befragten TeepflückerInnen halten immer genussvoll eine frisch angezündete Zigarette in der Hand ...
Teereihen im Teefeld der Qingshan-Farm
Die Kuh ist gerade kein Lastenträger
Fairbiotea-Initiative: Gemüsegärten für die Farmer zur Selbstversorgung
Die Farmerfamilien wohnen typischerweise in diesen Holzhäusern.
Lunch für die Kontrolleure auf der Teefarm. Unserer Meinung nach zählt die chinesische Küche zu den weltbesten. Auch in armen Gegenden oder einfachen Dörfern werden auf einem 2-Flammenkocher die köstlichsten, vielgängigen Menues gezaubert.
Dorf mit typischen Holzhäusern auf der Halbinsel
Die Teesträucher werden relativ hoch belassen hier. Das Pflücken ist körperlich schon anstrengend ...
Vor der Weiterverarbeitung in der Teefabrik werden die Teeblätter für kurze Zeit zum Anwelken ausgebreitet.
Alte, rüstige Dame auf Qingshan
Die Kontrolleure inspizieren die Teefabrik. Hier werden die Teeblätter nach dem Welken erhitzt (geröstet oder gedämpft), um die Fermentation zu stoppen. Anschließend werden sie geformt (China hat eine ausgeprägte Teekultur mit den unterschiedlichsten Formen des getrockneten Blattes, von der lieblichen Augenbraue, Jadespiralen, über Gunpowder und Drachenperlen bis hin zu Teerosen) und getrocknet.
Hier das vorläufige Endprodukt, der Rohtee.

 



Auch im Sommer 2012 wurde wieder eine Inspektion von einer unabhängigen Kontrollstelle (IMO China/Schweiz) durchgeführt. Die Ergebnisse werden bestätigen, daß die "fairbiotea"-Entwicklung kontinuierlich verfolgt und verwirklicht wird (und stellt auch die Schwierigkeiten dar).



Standort und Lage der Farmen


Die Farm liegt, ideal geschützt für den ökologischen Landbau, auf einer bergigen Halbinsel mit Höhen bis zu 750m, inmitten eines Stausees ( Wuqiangxi ).
Dieser dient als natürliches Wasserreservoir und als Zuchtgebiet für Biofische. Weder auf der Insel, noch in der näheren Umgebung, haben sich Industrieunternehmen angesiedelt, durch deren Tätigkeit Kontaminations-Gefahren für die Ökoflächen bestehen könnten.
Auf der Halbinsel wird ausschließlich ökologische Landwirtschaft betrieben. Neben ökologischen Gemüsegärten, die der Grundversorgung mit Nahrungsmitteln dienen, wird überwiegend Tee angebaut.
Der Stausee sorgt dabei für ein Feucht-Klima, welches wiederum der Qualität des Tees zu Gute kommt: Eine gesunde "Grüne Insel" mit reichhaltiger, natürlicher Vegetation.


Im Jahr 2011 gab es noch keine durchgängig befahrbare Straße zu der Farm, die nächste Straßenanbindung liegt 7 km entfernt.
Die Farm ist nur mit dem Schiff erreichbar. Lieferungen zu den Inseln müssen ebenfalls mit dem Schiff transportiert werden. Die ca. 300-330 Tonnen Tee die jährlich auf der Insel hergestellt werden, mußten auf dem Rücken zum Weitertransport zum Schiff getragen werden.


Bei der "fairbiotea"-Inspektion im Juni 2012 konnte in der Farm festgestellt werden, daß im zurückliegenden Jahr sehr viel im Straßenbau passiert ist.
Die einfache Zufahrtstraße wurde größtenteils asphaltiert. Bei trockenem Wetter kann diese, noch nicht ganz fertiggestellte Straße schon befahren werden. Man wartet nun auf weitere Zuschüsse von der Behörde, um die restlichen 2-3 Kilometer asphaltieren zu können. Dann ist die Farm auch bei schlechtem Wetter befahrbar und vollständig an das Straßenverkehrsnetz angeschlossen. Nach vollständiger Fertigstellung kann ein Kleinlaster ca. 10 Tonnen Tee in 3 Stunden zur Endverarbeitungsfabrik transportieren.
Gegenüber dem bisherigen Transport per Schiff entsteht dadurch eine erhebliche Zeitersparnis und Arbeitserleichterung. Das ist bei immer weniger verfügbaren Arbeitskräften sehr hilfreich und es können dadurch Kosten gespart werden.
In der Farm wurden viele Fußpfade durch schmale Betonstraßen ersetzt (ca. 12 km). Dadurch können die Waren (Tee, Kompost etc.) innerhalb der Farm mit Fahrzeugen transportiert werden. Bisher mussten die Bauern alles auf dem Rücken tragen. Den Anstoß für diese Bauvorhaben gaben "fairbiotea" und die Bauern von Qingshan durch die Teilfinanzierung mit den Bonus-Geldern.



Das Leben in den Farmen


Auf der Halbinsel existieren (insgesamt) ca. 200 Haushalte, 148 Haushalte sind mehr oder weniger als Saisonarbeiter in den Tee-Anbau eingebunden.

Davon befinden sich 67 Haushalte direkt in der Qingshan Farm. Davon haben 52 Haushalte vom Staat das unentgeltliche Nutzungsrecht an ihren Tee-Flächen (Erbpacht). Diese Haushalte haben sich dazu entschlossen, ihr gesamtes Tee-Land komplett von einer Betreibergesellschaft bearbeiten zu lassen. So kann deutlich mehr Einkommen erwirtschaftet werden, als wenn jeder seine kleinen Flächen selber nutzen würde. In der Regel leben die Bauern in einzelnen, freistehenden Holzhäusern. Meist leben 3 Generationen unter einem Dach: Die Großeltern, 1 bis 2 Elternpaare und 1 bis 2 Kinder.

Nur in höheren Lagen liegen zwei Dörfer ( Yubuxi und Chakoutan ). Derzeit leben in der Qingshan Farm nur noch 165 Personen. Davon arbeiten derzeit 85 als Vertragsarbeiter in der Fabrik, im Farm-Management oder als Saisonarbeiter. Die restlichen 80 Personen sind arbeitsunfähige Alte, Kranke und Kinder oder Personen, die anderen Tätigkeiten außerhalb der Tee-Farm nachgehen.

Die chinesische Landbevölkerung hat es nicht einfach. Deshalb haben in den letzten Jahren viele Männer und Frauen im arbeitsfähigen Alter ihre Familien verlassen, um in den großen Städten im Osten des Landes, fern der Heimat, einen besser bezahlten Job zu finden.

Diese Wanderarbeiter-Jobs sind heute oft die Haupteinnahmequelle der chinesischen Land-Familien. Die Kinder leben meist bei den Großeltern, während die Eltern nur einmal im Jahr für 2 Wochen zum Frühlingsfest zurückkehren.

Zuhause leben überwiegend nur noch Alte und Kinder. Die Alten pflanzen Gemüse, züchten Hühner, Schweine, Ziegen, Rinder und fischen im See - ausschließlich zur Selbstversorgung. Nur kann so leider kein finanzielles Einkommen erzielt werden.
Von ihrer Betreibergesellschaft werden sie - gegen Bezahlung - als "selbständige Bauern" lediglich nach Bedarf auf der Tee-Farm eingesetzt. So pflücken diese Bauern z.B. während der Erntesaison als "Saisonarbeiter" den Tee und verkaufen die frischen Blätter über die Gesellschaft an die Tee-Fabrik.

Manchmal finden sie sogar eine feste Anstellung im Umfeld oder innerhalb der Tee- Farm. Dort sind die Einkommen besser als im chinesischen Durchschnitt, weil die privat-organisierten Betreibergesellschaften gegenüber den sonstigen, überwiegend unorganisierten Kleinbauer-Strukturen, sehr viel bessere Tee-Preise erwirtschaften können und den Haushalten durch Pachteinnahmen und Bezahlung der landwirtschaftlichen Tätigkeiten ein niedriges aber festes Einkommen verschaffen.

Auf der Qingshan-Farm gibt es in der Nähe Kindergärten, Grundschulen ( 1.-7. Klasse ) und zwei Mittelschulen ( 7.- 9. Klasse ). Die Schulen sind wegen der fehlenden Straße für die Kinder nicht täglich erreichbar. So sind die Kinder unter der Woche im Internat untergebracht. Alle Kinder besuchen die Schule mindestens 9 Jahre lang - und zwar kostenlos. Wenn die Schule weiter entfernt liegt, müssen die Eltern in China für Unterkunft und Verpflegung im Internat aufkommen. Kindergärten müssen in China von den Eltern immer selbst bezahlt werden.



Arbeitsrecht, Soziales und Einkommen


2012: In den letzten Jahren haben immer mehr junge Menschen im arbeitsfähigen Alter die Farmen verlassen, um ihr Glück als Fabrikarbeiter oder als Wanderarbeiter zu suchen.

Die Abgeschiedenheit auf dem Land ist für junge Chinesen unattraktiv, die Arbeit schwer und die Bezahlung, verglichen mit anderer Arbeit, ist schlecht. Die Städte sind sehr viel attraktiver.

Inzwischen ist die Zahl der arbeitsfähigen Bauern in der Farm stark zurückgegangen und die überwiegende Zahl dieser Bauern ist älter als 50 Jahre. Die Bauern werden heute überwiegend als Saisonarbeiter gegen Tageslohn beschäftigt, hinzu kommt eine immer größer werdende Zahl von Saisonarbeitern, die von außen angeworben werden müssen. Die Zahl der Fabrikarbeiter mit längerfristigen Arbeitsverträgen steigt, und es gibt große Bemühungen der Betreibergesellschaft diese überwiegend qualifizierten Arbeiter dauerhaft zu halten.

Selbständige Bauern in der Tee-Produktion und in der Tee-Landwirtschaft gibt es inzwischen nicht mehr. Alle traditionell ansässigen Bauern, die früher selbständig ihr eigenes Pachtland bewirtschaftet haben, erhalten nach wie vor Zahlungen für die Verpachtung Ihrer Tee-Flächen an die Betreibergesellschaft. Auch die Bauern, die weggezogen sind.

Alle Bauern, die in der Farm für die Betreibergesellschaft arbeiten, erhalten geregelten Tageslohn, sofern sie keine längerfristigen Arbeitsverträge in der Tee-Fabrik oder im Farm-Management haben.

Trotz stark steigender Löhne gelingt es derzeit nicht, genügend Arbeitskräfte zur Auslastung der Farmkapazitäten zu finden. Deshalb kann die Farm nur einen Teil der Tee-Mengen herstellen, die möglich wären, wenn ausreichend und qualifizierte Arbeitskräfte vorhanden wären. Für Unternehmen in China ist der Mangel an Arbeitskräften eine völlig neue Situation. Man mußte sich bisher noch nicht darum kümmern die Arbeitssituation attraktiver zu gestalten, um genügend Arbeitskräfte zu bekommen. Man tut sich mit dieser neuen Situation sehr schwer.

Das Arbeitsumfeld, die Bezahlung, Behandlung und die Leistungen müssen verbessert werden. Die Arbeit muss besser organisiert und durch Modernisierung erleichtert werden, damit junge Menschen auf der Farm bleiben und mehr Arbeiter dauerhaft angeworben werden können. Das stellt die Betreibergesellschaft vor große Herausforderungen, weil diese Maßnahmen hohe Investitionen erfordern und schnell umgesetzt werden müssen. Dadurch steigen die Produktionskosten und der Tee-Preis muss deshalb ebenfalls steigen.
Die Lebenshaltungskosten in China steigen ständig und oft stärker als die Einkommen auf dem Land. Deshalb wird man auch in den nächsten Jahren mehr Geld für die Herstellung von Tee ausgeben müssen.



Biologischer Anbau und Tee Ernte


Auf der Qingshan-Tea-Farm sind derzeit 141 ha mit Tee bepflanzt ( Camellia Sinensis ). Im Laufe einer Erntesaison werden, abhängig vom Wetter, ca. 1200 to frische Tee-Blätter gepflückt, die dann zu ca. 300 -330 to getrocknetem Tee verarbeitet werden.
Derzeit wird über die Ausweitung der Tee Anbau Fläche diskutiert. In der Nachbarschaft könnten weitere, schon (bio-)zertifizierte Flächen auf das "fairbiotea"-System umgestellt werden.
In der Qingshan Vorverarbeitungs-Tee-Fabrik wird zunächst das Rohmaterial (fertig getrockneter Tee ) hergestellt. Danach wird der Tee in der Endverarbeitungs-Fabrik nachgearbeitet (gereinigt, graduiert, sortiert, geschnitten, qualifiziert und verpackt ).

Im Frühling erzielen die Top-Tee-Sorten Preise von bis zu 300,- Euro Farm-VKPreis per Kilo im chinesischen Markt! Das gilt für die besten Grünen und Weißen Tees des Jahres, die meist nur in sehr kleinen Mengen gepflückt werden und ausschließlich in China konsumiert werden.
Exportiert werden überwiegend die preiswertesten Tee-Sorten. Für grünen Fannings-Tee, der in Aufgussbeuteln verarbeitet wird und der etwa 15-20% der Produktion ausmacht, können momentan nur Preise erzielt werden, welche die Produktionskosten nicht ausreichend decken. Der Markt macht die Preise.

(Anm.: Das wird gerne von großen Anbietern behauptet, aber kann natürlich so nicht stehenbleiben: "Der Markt gibt höhere Preise nicht her". Nicht der Markt, sondern die großen Bio-Abnehmer zahlen zu geringe Preise. Bei guter Kommunikation kann gute Ware auch zu fairen Preisen weitergegeben werden, vielleicht bei etwas weniger Umsatz. Wenn man den Marktfetischisten geglaubt hätte, hätte, hätte es keine Biobewegung gegeben. Zur Problematik der Teepreise siehe auch unseren Beitrag: www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2012/04/17/warum-wird-tee-teurer.htm )

Grundsätzlich werden unterschiedlichste Sorten in verschiedenen Tee-Qualitäten hergestellt: Verschiedene Sorten Grüne Tees, Jasmin Tees, Weiße Tees, Oolong Tees, bei ausreichender Nachfrage auch Schwarze Tees und Pu Erh Tees.
Bei der Ernte im Frühling, Sommer oder Herbst, wird unterschiedlich gepflückt, so wird die gute Qualität im Frühling überwiegend per Hand gepflückt. Bei der Ernte im Sommer und im Herbst wird häufig, für die preiswerten Tee-Sorten, maschinell gepflückt. Dabei wird eine Art tragbarer Rasenmäher mit großem Fangsack eingesetzt.



Inspektion 2012, Mängel und Verbesserungen


In der Umgebung der Qingshan Farm sind derzeit ca. 900 Hektar Tee in der Umstellung auf biologischen Anbau. Die Fläche soll zukünftig noch auf ca. 4500 Hektar erweitert werden. Die Qingshan Farm hat sich mit der Hilfe von "fairbiotea" zu einem Model mit Forschungscharakter entwickelt. Erfahrungen, die dort gesammelt werden, können zukünftig auch in den anderen Farmen in der Umgebung genutzt werden.

Trotz einiger Korrekturen und Verbesserungen mußten wir auch im vergangenen Jahr feststellen, daß es sehr schwierig bleibt, nachhaltige Beratung und Schulung in China in die Praxis umzusetzen. Insbesondere die interne Kontrolle und die interne Ausbildung der Arbeiter und Bauern im Qualitäts-Management kommen nur langsam voran. Die Gründe hierfür sind aus europäischer Sicht unergründlich. Im Wesentlichen ist das wohl auf strukturelle Gründe zurückzuführen, über die wir schon letztes Jahr berichtet haben.

Hinzu kommen zunehmend die Probleme, die durch die Abwanderung junger Bauern entstehen. Damit wandern auch ausgebildete Fachkräfte ab, deren Kenntnisse kaum durch Saisonarbeiter ersetzt werden können.
Ältere Menschen sind oft nicht bereit ihr Arbeitsverhalten zu ändern und befolgen ungerne neue Anweisungen und Abläufe. Geeignete Farm-Manager und qualifizierte Ausbilder zu finden ist extrem schwierig. Die Motivation ist bei allen Beteiligten nur bedingt vorhanden. Interne Anreize werden nicht ausreichend umgesetzt und oft fehlt noch das Verständnis und die Kreativität beim Management, solche Anreize zu schaffen.

Die extrem steigenden Produktionskosten und der schwache Euro verteuern nicht nur den Tee. Trotz enormen Teepreis-Steigerungen können die steigenden Kosten nicht schnell genug kompensiert werden. Die Produzenten geraten so unter enormen Kostendruck und vermeiden derzeit noch höhere Ausgaben für eine nachhaltige Entwicklung.

So muss "fairbiotea" weiter auf Kontinuität setzen und immer wieder die Entwicklung auf das beschränken, was gerade strukturell möglich und finanzierbar ist. Dabei darf die nachhaltige Entwicklung nicht aus den Augen verloren werden. Die aktuelle Situation erfordert Geduld und die Gewissheit, daß es zu einem späteren Zeitpunkt wieder schneller voran gehen wird.

(Über folgende, globale Pestizid-Problematik haben wir vor Kurzem in unserem Blog berichtet: www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2012/09/06/bio-bashing-wem-nutzt-es.htm )

Im vergangenen Jahr haben wir vereinzelt in Bio-Tee Herbizide gefunden. Es kann sich um Ausschwemmungen aus höheren Berglagen gehandelt haben, zertifizierter Bio-Dünger oder die Umweltbelastung könnten eine Kontamination verursacht haben. Es ist auch nicht ausgeschlossen, daß sich einzelnen Bauern nicht an die "fairbiotea"-Standards gehalten haben und in ihren Gemüsegärten Herbizide benutzt haben, um sich Arbeit und Zeit bei der Unkrautbekämpfung zu sparen. Das wäre zwar im Sinne der EU-Gesetzgebung für den ökologischen Landbau nicht verboten, entspricht aber nicht den "fairbiotea"-Standards.
Letztlich konnte die Kontaminationsquelle auch nicht von der Bio-Kontrollstelle aufgedeckt werden.
Ab 2012 sollen nun organische Dünger auf Schadstoffe untersucht werden, um Kontaminationen zu vermeiden.
Die einzelnen Bauern sollen intensiver geschult und kontrolliert werden, um Fehlverhalten zu vermeiden.
Umweltkontaminationen lassen sich nur schwer durch geeignete Maßnahmen unterbinden.
Die kontaminierten Tees entsprachen dennoch den Europäischen Lebensmittel-Vorschriften und wurden nicht als Bio-Tee vermarktet.



Positiver Ausblick


Nach dem Kompost-Training im Herbst 2011, das im Auftrag von "fairbiotea" vonOpens external link in new window www.soilandmore.nl durchgeführt wurde, ist viel Erfreuliches in der Farm passiert. So konnte bei der Inspektion im Sommer 2012 festgestellt werden, daß nahezu alle ansässigen Bauern dezentral Kompost herstellen. Die Kompostherstellung erfolgt noch nicht professionell und effektiv genug, aber zum Üben und Erfahrung sammeln ist diese Entwicklung hervorragend. Durch das Kompostforschungsprojekt, unter der Leitung der "fairbiotea"-Berater werden weitere Erkenntnisse gesammelt, dokumentiert und ausgewertet, so soll die Herstellung von Kompost professionalisieren und die Nährstoffzufuhr optimiert werden.
Berechnungen haben ergeben, daß die heute schon gute Co2-Bilanz in Bio-Teefarmen bei einer Anwendung von Kompost auf nur 50% der Fläche, inklusive Transport der Ware nach Europa, hervorragend wäre. Denn die Bilanz wäre Co2-neutral. Die Kompost-Nutzung liefert den besten Beitrag für den Umweltund Klimaschutz, den die Landwirtschaft überhaupt liefern kann.


Das gesamte Portrait der Quingshan Farm ist nachzulesen unter: Opens external link in new windowhttp://www.fairbiotea.de/Land/Provinz/Hunan/qingshan-tea-farm.html#01



Tags: china, biotee, bio-grüntee, qingshan teefarm, fairbiotea
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