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Bio-Bashing. Wem nutzt es?

Ist Bio nur ein bisschen besser? Meinen die, die uns schon vor 30/40 Jahren für verrückt erklärt haben.

Schweine werden in den Medien gerne bei dieser Thematik verwendet. Hier das fidele Mangalica-Schwein des Schwiegervaters unseres ungarischen Bio-Paprika-Koordinators.

Anfang dieser Woche wurde die Stanford-Studie veröffentlicht mit dem simplen Ergebnis, dass Bio allenfalls ein bisschen gesünder sei. Die Medien sind interessiert an der lauen Aussage.
(Dazu ein kritischer Schwerpunkt vom 5.9.12 in der TAZ: Opens external link in new windowhttp://www.taz.de/Wie-gesund-ist-Biokost/!101016/)


Zeitgleich:

- Am Montag Abend prangert die ARD Missstände in Bio-Massentierhaltung an: "Wie billig kann Bio sein".
- Kontrast 1: Am Dienstag dokumentiert Ökotest die Durchseuchung von (konventionellem) Weizen und somit unseres täglichen Brots (und Brötchen) mit dem Pestizid Glyphosat.
- Kontrast 2: Am Mittwoch wird eine Studie des UN-Umweltprogramms UNEP vorgestellt - die TAZ fasst heute zusammen: "Der wirtschaftliche Schaden durch übermäßigen Pestizideinsatz ist südlich der Sahara inzwischen größer als die gesamte Entwicklungshilfe für medizinische Grundversorgung. (...) Pflanzenschutzmittel und industrielle Giftstoffe seien für den Tod von über einer Million Menschen mitverantwortlich." (Opens external link in new windowhttp://www.taz.de/UN-Chemikalienstudie/!101107/)

(- Nachtrag: Viele haben den aktuellen Bio-Disput Stanford Studie + ARD-Sendung aber erst registriert, als Günther Jauch am 16.9.2012 mit: „Der große Bioschwindel – wie gut ist Öko wirklich?“  noch mal nachlegte. Durch die Themenvorgabe und die geladenen Gäste hat er bewusst ein populistisches Setting geschaffen, welches den grundsätzlichen gesellschaftlich Konsens zu „Bio“ so konterkariert hat, dass es sogar eine gestandene Öko-Köchin wie Sarah Wiener zur emotionalen Weißglut und fast zu Tränen getrieben hat. )





Hier nur ein paar Notizen aus den Medien der letzten Wochen:

  • "Gewässer stark belastet" (TAZ 9.8.2012): eine Studie hat  (jetzt erst ! ) ergeben, dass unsere Gewässer in der Nähe von Äckern viel stärker mit Pestiziden belastet sind als gedacht - Giftmengen wahrscheinlich (schon immer ? ) durch Formelfehler bei Zulassung und in der Anwendung von Spritzmitteln falsch eingeschätzt.
  • Gentechnik "Aus den Augen, aber auf dem Teller" (TAZ 3.8.2012): anscheinend passen sich bereits in den USA die Maiswurzelbohrer den gentechnisch veränderten, eigentlich resistenten Maispflanzen an. Wird nun immer weiter aufgerüstet, mehr eingeschleuste Toxin-DNA in unseren Nahrungs- und Futtermitteln?
  • Glyphosat und Endosulfan (TAZ 8.6.2012): Erstmals verklagen argentinische Dorfbewohner Großfarmer und Flugzeugunternehmer wegen Verseuchung durch Agrochemikalien. In einem ausführlichen Bericht sind die Folgen der großflächigen Anwendung von Pestiziden, v.a. Glyphosat und Endosulfan, auf die Bevölkerung gut beschrieben. Der Prozess ist jetzt abgeschlossen, allerdings ist es nur zu Bewährungsstrafen für die Verantwortlichen gekommen.
  • Am 15.8.2012 berichtet der Bundesverband Naturkost Naturwaren im BNN-Bioletter:"Biobauern in Brasilien vor dem Aus? Vor zwei Jahren schlugen Hunderte Biobauern aus Capanema in Südbrasilien Alarm. "Chega!" hieß ihre Kampagne gegen hochgiftige Pestizide in der Nachbarschaft, die ihre Bio-Soja verunreinigte und unverkäuflich machte, auf Deutsch: "Es reicht!". Tatsächlich wurde Endosulfan daraufhin auch in Brasilien endlich verboten, wenn das Verbot auch erst 2013 endgültig in Kraft tritt. 2010 kam es zu unverschuldeten Rückstände in Bio-Soja. Durch die Verluste und der Reaktion der Banken darauf droht den Biobauern in Capanema nun das endgültige Aus.







In der Naturkostbranche gibt es seit einigen Jahren gravierende Probleme mit den Giften der Agrochemie durch Abdrifte und Überflutungen.

 


Aktuell: Terbuthylazin allerort. Exzessiver Maisanbau für Sprit-/Gasanlagen (das "Bio" davor ist mehr als fehl am Platz) macht den Einsatz des Herbizids Terbuthylazin nötig - oft 500-1000m entfernten Bioflächen sind betroffen - und gefährden die Ernten der Biobauern, weil analytisch im Bio-Endprodukt nachweisbar. Vor allem kleine Bioparzellen werden "nachbarschaftlich" mitversorgt. Vorstellbar: neben den Protestaktionen gegen Freisetzung von Gensaatgut wird es bald auch Protestaktionen gegen Maisfelder geben.


Es gibt einen Zusammenhang mit Klimawandel, aber auch mit dem Boom der industriellen Landwirtschaft inklusive der Gentechnik. Denn damit sind massiv verstärkte Einsätze von Spritzmitteln verbunden, die sich mit Resistenzen weiter steigern. Die Spuren, die unsere Labore durch Kontamination in Bio-Lebensmitteln finden, werden größer - man kann sich vorstellen, wie viel dann erst davon in konventioneller Nahrung stecken muss.

 


Der übliche Druck der Billiganbieter, der das Ganze antreibt, macht auch vor der Bio-Branche nicht halt. So sind z.B. die in der ARD berichteten Missstände nachvollziehbar. Wir kennen alle die Kollegen der Bio-Branche, die mit Niedrigpreisstrategien mithalten und ständig hoffen, dass alles gerade noch gut geht - und die Bio-Produzenten sich noch weiter ausbeuten lassen. Die Gefahr besteht, dass getrickst, die Bio-VO minimalistisch ausgelegt und aus Kostengründen doch "gedopt" wird. Über die Folgen haben wir bereits in unserem Beitrag über die steigenden Tee-Preise berichtet: Opens external link in new windowhttp://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2012/04/17/warum-wird-tee-teurer.htm


Ein kleiner Trost: es gibt auch ein individuelles Bio jenseits anonymer Massenware: siehe die vielen Projekt-Produkte in Naturkostfachgeschäften, Produkte mit nachvollziehbarer Herkunftsbezeichnung und vereinzelt sogar Angabe des konkreten Anbauers oder Kleinbauern-Projekts (siehe auch unsere Lieferantenportraits: Opens external link in new windowhttp://www.heuschrecke.com/lieferantenportraits.htm ).


Aber das sind leider nicht die 20% "Bio", von der Frau Künast träumte - das geht langsamer. Im Moment bleibt Bio-Anbau eher ein Versprechen - Test für eine saubere Zukunft!







BNN - Monitoring



Feierliche Unterzeichnung des Vertrags für das BNN-Trockenmonitoring in der Geschäftstelle des Bundesverbands Naturkost Naturwaren in Berlin.
Unser Branchenverband Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) betreibt seit vielen Jahren mit seinen Mitgliedern erfolgreich das Obst-und-Gemüse-Monitoring. Es ist ein gemeinsames, groß angelegtes Screening-System von Pestizid-Rückständen in Bio-Frischprodukten. Hintergrund: Frischeprodukte sind in der Regel, bis irgendeine Analytik durch ist, schon gegessen. Das Monitoring soll möglichst zeitnah nachträglich schwarze Schafe konsequent sanktionieren bzw. ausschließen, und so wiederum vorbeugen. Es funktioniert in der Bio-Branche als wichtiges Warnsystem.


Aus unseren Erfahrungen mit Bio-Gewürzen, Kräutern und Tee wollten wir sozusagen ein "Trocken-Monitoring" und haben uns dafür eingesetzt, um rechtzeitig zu erfahren, ob z.B. bei Anis oder Kreuzkümmel mal wieder zweifelhafte Ware unterwegs ist.


Nun ist es soweit:
Der BNN startet das "Monitoring Trockensortiment im Naturkosthandel". Den Mitglieds-Unternehmen (auch außenstehende Firmen können teilnehmen) soll über institutionellen Datenaustausch ein Frühwarnsystem an die Hand gegeben werden. Eine gemeinsame Online-Datenbank entsteht, wo jedes Unternehmen über Labore Analysen einstellen kann. Das führt die Arbeit des BNN fort, seine Mitgliedsunternehmen bei der Bewertung von Rückständen und Rückstandsrecherchen zu unterstützen.


Das Trockenmonitoring ist in unseren Augen ein immens wichtiger Schritt, um auch auf politischer Ebene (durch Gegendruck auf die Pestizid-Anwendung) auf höhere Sicherheit für Bio-Lebensmittel einwirken zu. Nur ein Schadensersatzsystem wird uns Ökos vor den Spritzfanatikern schützen können.


Vielleicht sollten wir Bio-Hersteller und -Händler uns wieder auf die Werte rückbesinnen, wofür wir vor 30, 35, 40 Jahren einmal angetreten sind: ein faires Miteinander-Wirtschaften, und ein lebenswertes Arbeitsleben weltweit (siehe z.B. die kursierende Gemeinwohl-Idee).




Heinz-Dieter Gasper und Ursula Stübner

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