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Gastbeitrag
11.05.2012
10:58

Mikrokosmos: Rübling und Helmling

Blätterpilze auf Fichtenzapfen



Da wir sooo lange nichts haben von uns hören lassen, hier die Rückmeldung mit einem Feuerwerk im Kongo!



mycena_strobilicola_caulo
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mycena_strobilicola_ch
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mycena_strobilicola_hds
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strobilurus_esculentus
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strobilurus_esculentus_ch100
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strobilurus_esculentus_ch50
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Nur zwei kleine frische Blätterpilzarten mit Hut und Stiel, beide auf Fichtenzapfen wachsend, haben wir im April stetig angetroffen und haben deshalb auch genauer hingeschaut: auf den ersten oberflächlichen Blick hin unterscheidet man sie gar nicht und da der eine, nämlich der Fichtenzapfen-Rübling (Strobilurus esculentus) sehr häufig vorkommt, wird der andere, der seltenere Fichtenzapfen-Helmling (Mycena strobilicola) regelmäßig übersehen.


Auf den zweiten Blick sind die Unterschiede augenfällig: der essbare (aber wegen seiner Winzigkeit mykophagisch unergiebige) Fichtenzapfenrübling hat einen flachen Hut mit weisslichen angehefteten, fast freien Lamellen und einen ziemlich elastischen Stiel, während der Fichtenzapfen-Helmling einen doch recht typischen glockig-kegeligen Helmlingshut auf brüchigem Stiel trägt. Dazu kommt sein penetranter Chlorgeruch, der Pilzgerichtfantasien erst gar nicht aufkommen lässt.


Quetscht man die Lamellenschneiden ein wenig unter dem Deckblättchen, wird bei 400facher Vergrößerung, bei 1000facher erst recht, schnell klar, dass die sterilen aufgeblasenen Zellen an den Lamellenschneiden, die sogenannten Cheilozystiden (Ch) zu zwei sehr verschiedenen Arten gehören müssen: mag auch ihre bauchig- spindelige Form noch ähnlich sein, nur die Cheilozystiden vom Fichtenzapfen-Rübling sind derart dickwandig. Das sind die Cheilocystiden vom Fichtenzapfen-Helmling nie und ein bisschen rundlicher sind sie auch.


Natürlich gibt es noch weitere mikroskopische Unterschiede. Wir können hier noch die langen, dünnen Hyphen der Hutdeckschicht (HDS) des Fichtenzapfen-Helmlings zeigen. Selbst die feinen, der Zellmenbran aufliegenden bräunlichen Inkrustationen kann man gut erkennen. Der Fichtenzapfen-Rübling hat dagegen eine Hutabschlusshyphenschicht aus dichtgepackten birnenförmigen Zellen (leider kein Mikrobild vorliegend) und die merkwürdigen geisselartigen Auswüchse (Caulocystiden) an der Stielspitze wie beim Fichtenzapfenhelmling (siehe Mikrobild) hat er auch nicht, dafür pfriemelige auf breitem Fuß (leider kein Mikrobild).


Da all' diese Gewebe weisslich sind und im Mikroskop fast durchsichtig erscheinen haben wir sie angefärbt mit Kongorot und erhalten dieses Feuerwerk der Mikrostrukturen.





Eva Wandelt und Lothar Claußnitzer

Bilder mit Klickvergrößerung




 



Genug für heute von den Hobbymykologen und Pilzsachverständigen (DGfM) Eva Wandelt (Biologin) und Lothar Claussnitzer (Streuobst-Landwirt).

In loser Folge werden wir auf dieser Seite Schönes, Kurioses, Interessantes, Essbares, Würziges anhand von einfachen Digi-Mikrofotos aus dem wilden Pilz-und Pflanzenreich vorstellen und erläutern.


Fotos © Evi Wandelt, Lothar Claußnitzer

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