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Heiliger des Monats März: Gregor

9. März: Gregor von Nyssa

Schöne Geschichten für das Unterbewusstsein bzw. die archaische Psyche. Das katholische Christentum und insbesondere der rheinische Katholizismus bietet mit seinen unzähligen Heiligen einen ähnlich guten psychologisch-spirituellen Service wie unser altes Kelten- und Germanentum (zum großen Teil wurden deren (Natur-) Gottheiten dem spröden Monotheismus zunutze gemacht).
Und manche Geschichten zeigen, wie sehr Religion von Politik durchwoben ist. 




Dieser junge Mann hat seinen eigenen Kopf. - Die Familie lebt im Osten des römischen Reichs, in Kleinasien, der heutigen Türkei, ist ausnehmend fromm, stellt allein in Gregors Zeit gleich mehrere Heilige. - Gregor setzt durch, eine gediegene heidnische Ausbildung zu erhalten, wird unter Protest aller Verwandten Lehrer der Rhetorik, und zur Krönung heiratet er dann auch noch. Teenager allein unter Heiligen, wie krass ist das ?


Natürlich kriegen sie ihn schließlich doch. Er wird Priester (verheiratet, wie er ist, immer schön locker bleiben) und mit 41 Bischof  der Stadt Nyssa - was all seine Freunde und Brüder schon zu sein scheinen, nämlich Bischof, jede Stadt hatte damals einen eigenen, der Job war nicht so kurios wie heute.
Gregor hält wacker zum rechten Glauben, der Ketzerei des Arianismus gibt er auch dann keinen Fußbreit nach, als eine selbst arianische Obrigkeit Druck macht. Seine umfassende Bildung sorgt dafür, daß seinen Büchern Beachtung und Respekt gezollt wird - im Nachhinein zählt man ihn mit Gregor von Nazianz und Basilius dem Großem zu den "drei kappadozischen Vätern". Er stirbt, mit dem Titel "Metropolit" geehrt und nachdem er noch nach Palästina gewallfahrtet ist, im damals hohen Alter von knapp 70 Jahren.


Schön schön das alles, aber auch lange her. Bei Gregor von Nyssa ist  nicht spannend, wie er lebte, sehr wohl aber, was er lehrte.


Gregor ist einer der wenigen Denker in der ganzen Kirchengeschichte, der sich traut, das heiße Eisen der Apokatastasis anzufassen. Das vielsilbige griechische Wort heißt übersetzt "Wiederherstellung", und gemeint ist die Wiederherstellung der gesamten Schöpfung am Ende aller Zeiten. Gregor lehrt, daß dann, eines fernen Tages, in Gott alles wieder heil wird. Alles geht am Anfang aus Gott hervor, alles kehrt am Ende zu Gott zurück, und fertig ist die Laube.


Hört sich für den Laien logisch und nicht weiter spektakulär an - aber dem gewieften Fundamentaltheologen fehlt da was: das ewige Feuer, die Hölle !
Hat sich Jesus nicht selber mehrfach deutlich zum Thema geäußert ? Gott ist die Liebe, aber Gott ist auch die Gerechtigkeit: und jeder kriegt was er verdient, am Tag der Ernte wird das Unkraut aussortiert und verbrannt, zack basta. Oh die schöne Hölle, die lassen sich die Sauertöpfe und Selbstgerechten, die Normübererfüller und Helden der Arbeit im Weinberg des Herrn nicht nehmen - mit einem Wort, die Pharisäer, die ja hier auf Erden schon wissen, daß sie in den Himmel kommen werden, die haben ihre Karten wohl aus dem Vorverkauf.


Gregor steht mit seinen Gedanken in der Nachfolge des großen Theologen Origines, der hauptsächlich wegen der unaussprechlichen Apokatastasis nach seinem Tod in den Bann getan wurde, was auch ein Verbot seiner Bücher nach sich zog. Gregor glaubt einfach nicht an einen ziellos strafenden Gott, einen ohne sinnvolles Ende strafenden Gott. Gregor lehrt, daß auch die Hölle mit all ihren Schrecken letztlich der Läuterung, der Klärung dienen müsse. Alle Seelen kommen von Gott, sind von Gott gewollt - und freier Wille zum Guten oder Bösen hin oder her, zuguterletzt kommt alles von Gott und will zu Gott zurück. Die Hölle ist schmerzlich und langwährend, aber nicht ewig. Ewig ist nicht einmal der Widersacher, der gefallene Engel. Ewig, das heißt außer, vor und nach aller Zeit ist nur Gott, und ganz allein Gott. "Wer ist wie Gott ?" ruft Michael dem Ex-Kollegen Lucifer hinterher. Eben. Keiner.


Origines Bücher wurden verbrannt, Gregor wurde nur gelegentlich getadelt. Die Masse der Theologen drückt sich seit dem um eine Antwort. Dabei ist die Sache nicht so theoretisch und abgefahren, wie es zunächst den Anschein haben mag. Betrachtet man die Hölle mit Gregor als eine Antwort auf das tatsächlich geschehene Böse, also als eine Folge des freien Willens der Menschen, die aber letztlich zeitlich begrenzt ist, so betont man die Liebe Gottes, neben der zum guten Schluß kein anderes Prinzip bestehen kann.


Vertritt man dagegen die offizielle Lesart der nicht endenden Hölle, etabliert man "in alle Ewigkeit" neben dem liebenden Gott eine zweite, dunkle Welt - so eine Art Katholen-Guantanamo.


 "Roma locuta, causa finita" - Rom hat gesprochen, die Sache ist erledigt, das genügt den meisten. Trotzdem schön, in Gregor einen Patron der Querdenker zu haben - denn ohne Querdenker, die auch mal einfach rechts am Stau vorbeifahren, ginge es ja noch langsamer vorwärts.










Peter Kirwel





Unser Geschichtenerzähler   Peter Kirwel

Peter Kirwel

macht hauptberuflich den Vertrieb bei Öffnet externen Link in neuem   FensterViana/Tofutown.com, und hält nebenberuflich die traditionellen katholischen Prozessionsbräuche (die eigentlich die ganz alten Kulte fortführen) in seinem Eifeldorf am Laufen, auch eine Punkzeit soll es gegeben haben.





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