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Von Facebook zu Google+

"Social" Networking

Zwischen Weihnachten und Neujahr hatte ich frei und etwas Zeit, mich mit "Facebook" zu beschäftigen.
Diese "Sozialen Netzwerke" sind ja in aller Munde und vor allem junge Menschen kommunizieren ständig über diese Kanäle im Internet.
Mich interessierte das und ich wollte auch die Möglichkeiten für meine Firma ausloten, eventuell Facebook-Leistungen für unsere Kunden anzubieten.

Angemeldet war ich schnell und füllte mein "Profil" aus. Name, Geburtsdatum, noch schnell ein Portrait-Foto hochladen und schon wurde ich gefragt, ob Facebook meine E-Mail-Adressen importieren darf, um dort zu schauen, ob schon "Freunde" unter meinen Adressen sind. Ich gestattete dies mit dem flauen Gefühl, meine Daten einem Unternehmen preis zu geben ohne zu wissen, was damit geschieht - aber war fest entschlossen,
das jetzt auszuprobieren.

Dann war ich doch etwas erstaunt, dass von meinen 350 Kontakten im gut gepflegten Thunderbird-Adressbuch fast 30 Menschen schon Mitglied bei Facebook waren.
Und nicht nur meine 19-jährige Tochter und ihr Freundeskreis sondern auch Kunden jenseits der Lebensmitte und Professoren und Bioladner. Querbeet.
Und mit einem Klick fragt man dann die gewünschten Personen an, ob sie zum "Freund" werden wollen.
Erst nachdem dies akzeptiert wurde, kann man sehen, was der andere so treibt.
Manche "posten" fast nie etwas, also teilen keine Informationen mit - andere scheinen ständig online zu sein.
Man kann seinen "Status updaten" also per Text mitteilen, was man macht oder meint, man kann Fotos hoch laden und mit seinen Freunden teilen und auch Links, zum Beispiel zu YouTube-Videos oder Webseiten, die man toll findet.
Mein aktivster "Freund" ist ein Kunde, der als Fotograf professionelle Foto-Seminare in seinem Studio anbietet und über Facebook die Kontakte sowohl zu seinen Modellen als auch zu seinen Kunden hält und verbessert. Es vergeht kein Tag, an dem er nicht ein Foto hochlädt und uns alle daran teilhaben lässt.
Ein anderer Kunde ist ein angesagter DJ und legt auf Hochzeiten und bei Feiern Musik auf. Dadurch bin ich nun ständig mit aktuellen Musik-Tipps versorgt.
Aus diesen "Posts" oder "Postings" werden die Nachrichten, ein Strom von Status-Mitteilungen, der ständig wächst und sich oft innerhalb von Minuten ändert.
Ich kann auf die Beiträge meiner Freunde reagieren, in dem ich Kommentare hinzufüge oder einfach nur ein "Daumen hoch"-Symbol anklicke: "Gefällt mir!"
Alle anderen sehen dies, können wiederum darauf reagieren und es entsteht ein Gefühl von Interaktion und Nähe.

Ich denke, das ersetzt bei vielen Menschen das Bedürfnis nach echter Nähe durch ein sehr bequemes, schnelles System. Dadurch, dass keine echte Nähe, kein wirkliches Treffen erforderlich ist, kann ich die Ersatz-Nähe zu viel mehr Menschen gleichzeitig herstellen und pflegen. Ein Klick auf "Gefällt mir" ist schnell getan und da ist jemand, der sich über die kleine Aufmerksamkeit freut. Weil keine wirkliche Nähe erforderlich ist, sind die Kontakte auch viel ungefährlicher als im echten Leben.
Das führt den Trend fort, der sich schon mit der intensiven Nutzung von SMS abzeichnete. Beziehungen werden eingeleitet durch virtuelle Systeme, Beziehungen werden beendet durch eine SMS oder durch ein "Blocken" des (ex-)Freundes bei Facebook.

Nach einer Woche Facebook war klar, dass ich es nicht wirklich brauchen würde.
Ein großer Zeiträuber mit zweifelhaftem Nutzen. Trotzdem interessant wie eine Soap im Fernsehen. Ein schöner Effekt war, dass ich nun viel mehr über die Tagesabläufe unserer Tochter mitbekam, ihre Freunde kennenlernte und merkte, welch gute soziale Position sie innerhalb ihres Freundeskreises hat. (Kann ich Eltern nur empfehlen ;-) Auch schön war, über die Facebook-Personensuche wieder Kontakt zu einer alten Freundin zu bekommen, die ich vor knapp 30 Jahren zuletzt gesehen hatte und die mittlerweile nach Spanien ausgewandert war. Oder der Schulfreund, der in Australien lebt und dort als Musiker Erfolge feiert.
Ich teile Fotos vom Geburtstag meiner Mutter mit meinen Geschwistern und deren Kinder. Dafür ist ein System wie Facebook gut geeignet.

Unseren Kunden kann ich jedoch nicht empfehlen, ein eigenes Firmen-Profil in Facebook anzulegen. Das mag für große Konzerne wie Coca-Cola oder Nike wertvoll sein, die darüber aktuelle Informationen sehr schnell an ihre zigtausend "Freunde" verteilen. Auch für Konzertagenturen und Veranstalter ist das vorteilhaft - erfordert aber kontinuierlich Arbeit an den Inhalten.
Entweder hat man die Zeit, um täglich Neuigkeiten zu posten und immer "on" zu sein oder man hat die Mittel, um einige junge Menschen den Facebook-Account pflegen zu lassen - oder aber man lässt es besser.
Einer unserer Kunden hat sich selber ein Firmenprofil auf Facebook angelegt und dort dann ganze 3 Beiträge eingestellt, der letzte stammt aus dem März. Das schaut sich dann auch niemand mehr an.
Da bringt eine informative, gut gepflegte Website deutlich mehr Nutzen mit weniger Aufwand.

Meine weiteren Kritikpunkte sind:
1. natürlich der Datenschutz. Facebook erfährt schon sehr viel über seine Nutzer und macht es nicht sicher, eigene Informationen zu kontrollieren. Vor allem externe Anwendungen wie Spiele oder Umfragen verlangen Zugriff auf den Datenbestand, den man tunlichst nicht erlauben sollte. Facebook hat sich in der Vergangenheit wenig um die Sicherheit seiner Nutzer gekümmert und zum Beispiel erst auf heftiges Drängen in diesem Jahr die Möglichkeit eingeführt, das Konto zu kündigen und alle Daten zu löschen. Außerdem gibt es eigens für Facebook programmierte Scripte und Trojaner die auch versuchen, die Nutzer-Daten ab zu greifen.
2. die fehlende Differenzierung meiner "Freunde". Bei Facebook gibt es nur 2 mögliche Zustände: "Freund" oder nicht vorhanden. Das ist mir zu wenig. Nicht jeden Bekannten, der in den letzten Monaten anfragte, möchte ich zu meinen Freunden rechnen. Die Freundinnen meine Tochter sind nicht unbedingt meine "Freunde". Eher Bekannte. Nicht alle meiner Kunden möchte ich zu meinen Freunden rechnen und vor allem müssen meine Kunden nicht unbedingt sehen, was ich mit Familie oder wirklichen Freunden austausche. Das ist mir zu amerikanisch und unverbindlich.
3. Der hohe Zeitaufwand. Obwohl ich durch die mobile Facebook-App fürs iPhone das soziale Netzwerk sozusagen in der Tasche habe, reicht es doch oft nur zum Lesen der "Posts" meiner "Freunde".
Selber was schreiben, was inhaltlich über "gehe jetzt zum Kühlschrank um mir ein Bier zu holen" hinausgeht, dafür reicht morgens in der S-Bahn schon die Zeit nicht mehr.
Dabei könnte ich doch so einfach ein Foto mit dem Handy schießen und unterwegs direkt hochladen und mit einem Kommentar versehen. Unsere Katze in der Küche, der Himmel über Köln, der Geburtstagskuchen meiner Frau.
Macht man das wirklich? Muß man sich immer mitteilen? Ist unser Leben nicht eh schon zu sehr mit dem Flirren der Informationen überladen?

Innerhalb der nächsten Wochen kommt die Internet-Weltmacht Google mit einem ähnlichen Produkt an den Start. Der neue Dienst Google+ ist eigentlich eine Kopie von Facebook - macht aber einiges Richtiger, wie man lesen kann. Die Bedienung ist klarer, so dass die Datenschutz-Einstellungen für das soziale Netzwerk übersichtlicher zu erreichen sind. Google+ gibt dem Nutzer die Möglichkeit, eigene Kreise "Circles" zu definieren. Einen für die Familie, einen für die echten Freunde, einen für die online-Freunde, einen für die Kunden, einen für Vorgesetzte und Chefs... und bei jedem Post kann man entscheiden, wer was sehen darf. Außerdem lassen einmal abgegebene Kommentare sich nachträglich ändern und sogar löschen.
Das kommt meinen 'Vorstellungen schon entgegen. Wo es bei Facebook um die Frage "wer bin ich?" und um das sich zeigen und präsentieren ging, soll das zentrale Thema bei Google+ die Frage sein "was interessiert mich?" - also ein etwas erwachsenerer Ansatz. Google+ als der verbesserte Facebook-Nachfolger? Facebook 2.0 sozusagen?
Wir werden sehen. So wie Facebook in den letzten 2 Jahren ehemals große Netzwerke wie StudiVZ und SchülerVZ in die Bedeutungslosigkeit hat versinken lassen, so könnten sich auch die derzeit weltweit 750 Millionen Facebook-Anwender mit wenigen Klicks zu Google+ bewegen. So ein virtueller Umzug ist denkbar einfach.

Ich werde mir das weiter anschauen, versuchen, auf dem Laufenden bleiben und dem Ganzen nicht allzu viel Bedeutung beizumessen.
Die Welt dreht sich auch ohne uns...  



Wolfgang Kurtz

ist
Wolfgang Kurtz Mit-Inhaber der Kölner Internet-Agentur Öffnet externen Link in neuem    FensterKpunkt.

Er war brotloser Künstler, glücklicher Bioladner und "regionaler Ansprechpartner des Bundesverbandes Naturkost" bevor er 1992 seine Werbeagentur gründete.
Heute gestaltet er Internetauftritte für viele Naturkost-Firmen und hat mit seinem Team auch die technischen Voraussetzungen für den Heuschrecke-Blog geschaffen.

Sein Faible für Computer und technisches "Spielzeug" und seinen unerschütterlichen Glauben an positive Utopien bringt er in diesen Blog ein.

    

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