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Heilige des Monats Mai: Johanna von Orleans

30. Mai: Johanna von Orleans

  • Schutzpatronin Frankreichs, der Telegrafie und des Rundfunks



Es gibt Heilige, die sind so atemberaubend fromm, die kucken kaum aus ihrer Kutte - die sind so lieb, die tragen die Spinnen lebend aus dem Haus in den Garten -  und wirken da so behutsam, daß ihnen das Efeu über die Sandalen wächst - ja ja, so was gibt´s. Geht aber auch anders.


Die kleine Johanna hat schon als Mädchen gewaltige Visionen. Gewalttätige Visionen. Sie spricht mit dem Erzengel Michael, dem Träger des Flammenschwerts, dem schreckenerregenden Anführer der himmlischen Heerscharen. Einer muß Dreinschlagen. Einer muß Gottes Vorsehung die Hand reichen, Gottes Hammer sein, die rächende Hand des Herrn. Eine ?


Vor knapp 600 Jahren tobt in Frankreich ein endloser Krieg. Die Engländer haben einen Großteil des Landes besetzt, Kriegshorden aus ganz Europa foltern, morden, vergewaltigen. Die französischen Großen haben resigniert - oder sich arrangiert. Das Volk leidet entsetzlich.


Mit 16 findet Johanna, daß es Zeit ist. Sie erzählt von ihren Erscheinungen: sie, Johanna, habe von Gott klipp und klar den Auftrag erhalten, den jungen französischen Thronfolger zur Krönung nach Reims zu führen. Dieser werde dann als siegreicher König die Engländer aus dem Land werfen.
Niemand kann das einfache Bauernmädchen aufhalten. Wer mit ihr spricht, ist überzeugt, daß sie eine Gesandte Gottes ist. Krieg ist Männersache, Sache der Adligen, aber Johanna dringt bis zum Thronfolger vor. Dieser stimmt zu, wacht aus seiner Lethargie auf, Johanna ist überwältigend.


Das Mädchen greift sich Pferd, Rüstung und Schwert und erfüllt die Prophezeiungen Wort für Wort. Bei Orléans schlägt sie die Engländer in die Flucht, und schon am 17. Juli 1429 wird in der Kathedrale von Reims aus dem ehedem schlappen Prinzen Karl ein König von Frankreich.


Johanna steht dabei neben dem Altar und bezeichnet ihre Mission als beendet. Sie hätte fest bleiben und ihre Jugend von nun an genießen sollen - aber der König hält sie am Hof und beschäftigt sie mit nur halbherzig unterstützten Militäraktionen. Sie fällt den Engländern in die Hände und wird nach einem Schauprozeß verbrannt, gerade 19, im Wonnemonat Mai.


Nach dem grauenhaften 1. Weltkrieg brauchen die Franzosen Trost, wollen aufgerichtet werden: und so spricht man Johanna heilig, deren Tod fast 500 Jahre zurück liegt, die den 100jährigen Krieg seinem Ende ein gutes Stück näher brachte.


Bei einer ländlichen Feldprozession in den 1920ern segnet der Pastor alle Äcker seiner Eifeler Schäfchen - nur vor den Furchen eines besonders faulen Bauern zuckt seine Hand zurück, spricht sein Mund die Worte: "Hier hilft kein Segnen, hier hilft nur Mist !"
Ebenso gibt es politische Situationen, wo Beten nicht genug ist, wo es anderer Kraftakte bedarf: man hätte Hitler aufhalten können, klar.
Oder anders: eine Kalaschnikow macht noch keinen Heiligen - aber es gibt Heilige mit Kalaschnikow.




Peter Kirwel







Diskussionen im Hintergrund ...

Oft gibt es bei der Übersendung der Heiligengeschichten noch eine kleine Hintergrund-Diskussion, da: "Klar, die Heiligen haben meist (so oder so) exemplarisch gelebt - und sind sehr geeignet, eigene Positionen zu überprüfen."

Oder rühren auch an aktuell politisch heiße Eisen:

"... Paßt ja haargenau zur Erschiessung von Osama bin Laden - die Diskussion, ob man aus gutem Zweck töten darf. Das wird ja zur Zeit kontrovers diskutiert. Theoretisch würde ich immer sagen, man hat nie das Recht, jemanden zu töten, aber praktisch würde ich das in gewissen Fällen auch nicht beurteilen wollen.
Mich würde interessieren, wie die Kirche heute die Heiligsprechung bewertet. Gibt es da was? Aus heutiger Sicht würde sie wahrscheinlich nicht mehr heiliggesprochen, oder?"

"... Ja, genau, das ist eine weite weite Grauzone - und Johanna sicher ein interessantes Beispiel.
Kirchenrechtlich ist die Heiligsprechung der Johanna seinerzeit "hieb- und stichfest" gemacht worden - man hatte ja auch ein paar hundert Jahre Zeit. Da würde ich weiter nichts mehr dazu setzen.
Bei Karl dem Großen hat die Kirche (also doch durchaus flexibel) seinerzeit anders entschieden: den hatte ein deutscher Papst auf Wunsch von Kaiser Friedrich Barbarossa (der war Karl-Fan) heilig gesprochen. Später hat man sich das noch mal angeschaut und gesagt, Karl habe zwar einerseits unendlich viel für die Ausbreitung des Christentums getan, andererseits aber doch so viel Blut an den Händen, das man ihn nicht so ohne weiteres zu den Heiligen zählen könne: und hat die erlaubte Verehrung auf die Stadt Aachen beschränkt (aber der Kaiser Konstantin, auch ein großer Metzger vor dem Herrn, ist in der Ostkirche bis heute ein Heiliger)."








Unser Geschichtenerzähler   Peter Kirwel

Peter Kirwel

macht hauptberuflich den Vertrieb bei Öffnet externen Link in neuem   FensterViana/Tofutown.com, und hält nebenberuflich die traditionellen katholischen Prozessionsbräuche (die eigentlich die ganz alten Kulte fortführen) in seinem Eifeldorf am Laufen, auch eine Punkzeit soll es gegeben haben.










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