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Heiliger des Monats April: Benedikt von San Fratello

4. April: Benedikt von San Fratello

Schöne Geschichten für das Unterbewusstsein bzw. die archaische Psyche. Das katholische Christentum und insbesondere der rheinische Katholizismus bietet mit seinen unzähligen Heiligen einen ähnlich guten spirituellen Service wie unser altes Kelten- und Germanentum (zum großen Teil wurden deren (Natur-) Gottheiten dem spröden Monotheismus zunutze gemacht).






Salopp gesagt, ist die Kirche ein wirklich großer Laden. Ein sehr sehr großer Laden, dessen Stockwerke und Seitenflügel man nicht mit einem Blick erfaßt. Derzeit gilt das allgemeine Interesse vorwiegend  einigen gewaltig vermufften Kellergewölbe des Kirchenbaus, in denen verborgen vor dem Licht der Sonne Mißbrauch und Lieblosigkeit ihr langjähriges Zuhause hatten. Wie man hört, soll renoviert werden.


Immer wieder war die Kirche jedoch auch das, was die kritische öffentliche Meinung am wenigsten von ihr erwartet: eine Stütze des Fortschritts, eine tätige Helferin bei der Befreiung des Menschen aus seiner Sündhaftigkeit, seiner Befreiung hin zur Liebesfähigkeit, zur frohen Botschaft, die doch einst am Anfang stand.


Im Jahr 1743 sprach Papst Benedikt XIV. einen unscheinbaren, frommen, demütigen und friedlichen Bettelmönch namens Benedikt selig, 1807 machte ihn Papst Pius VII. zum Heiligen.
Der Schreiber dieser Zeilen sieht vor seinem inneren Auge bereits die gähnenden Leser, die von seit Jahrhunderten vergessenen Kapuzinern mit unwiderstehlicher Macht in den Tiefschlaf vorm Bildschirm getrieben werden: Kinder, wo bleibt die Message ??


Anfang des 18. Jahrhunderts steht die Sklaverei weltweit in Blüte: wie mehr oder weniger schon immer, "der Mensch ist gar nicht gut", der Dichter Brecht hat oft recht. In der westlichen Hälfte der Welt sind vor allem die farbigen Bewohner Afrikas die Opfer der Sklavenjäger. Hauptkunden sind die englischen, französischen, spanischen und portugiesischen Plantagenbesitzer Nord- und Südamerikas. Sie beuten diese versklavten Menschen aus, demütigen und quälen, morden - alles mit dem Einverständnis der weltlichen Obrigkeit.  - Vor allem sollen diese unterdrückten Massen keinesfalls zum Bewußsein ihres Wertes als gleichberechtigte Menschen kommen !


Es ist unter diesen Umständen ein erstes, kräftiges Zeichen der Hoffnung, als 1743 dieser stille franziskanische Laienbruder Benedikt den "Seligen" zugeschlagen wird, denen, deren Leben Gott wohlgefällt - denn Benedikt ist der farbige Sohn farbiger Eltern, nach Sizilien "importierter" Sklaven aus Schwarzafrika. Es ist ein Statement für die Gleichheit aller Menschen vor Gott, und es wird verstanden. In den katholischen Sklavenhalterstaaten Lateinamerikas wird der in Europa vergessene Benedikt von San Fratello populär, bis heute ist seine Veehrung in Südamerika verbreitet.


Zum Guten führen 1.000 kleine Schritte - hier gingen Päpste voran. Löblich, das hätten wir gerne öfter.



Peter Kirwel








Unser Geschichtenerzähler   Peter Kirwel

Peter Kirwel

macht hauptberuflich den Vertrieb bei Öffnet externen Link in neuem   FensterViana/Tofutown.com, und hält nebenberuflich die traditionellen katholischen Prozessionsbräuche (die eigentlich die ganz alten Kulte fortführen) in seinem Eifeldorf am Laufen, auch eine Punkzeit soll es gegeben haben.














Tags: kirche, benedikt, sklavenhandel, schwarzafrika, brecht
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