Blog-Text-Suche

Meist gelesene Posts

Trocknungsverfahren für Kräuter und Gewürze
95975 mal gesehen   21.03.2014
Heiliger des Monats März: Oscar Romero
94568 mal gesehen   24.03.2014
Verschwörungstheorien
75337 mal gesehen   19.05.2010
Blogst Du hier!
75187 mal gesehen   21.10.2009

Archiv

Abonnieren für RSS-Reader

RSS 0.91Nachrichten
RSS 2.0Nachrichten

Weltdemokratie

Deutschland wird Kulturminister

Als alte Ökohasen und global agierende Gewürz- und Tee-Importeure freuten wir uns heute beim Mittagessen sehr, endlich einmal einen vernünftigen Entwurf einer Weltdemokratie in einem renommierten Fachblatt lesen zu können. Er stellt einen schönen Kontrapunkt zum verkürzten und interessegeleiteten Demokratieverständnis des reichen Westens dar. Die hier für uns vorgesehene Inhaberschaft des Kulturministeriums korreliert harmonisch mit Öffnet externen Link in neuem FensterProf. Bazon Brocks Theorie der Musealisierung des Westens.
Deshalb freuten wir uns über Christian Y. Schmidts Zustimmung, seinen Text, der am 31.3.2011 in der TAZ auf S.20 erschienen ist, hier vorzustellen.
Mehr? Er schreibt noch aus China: Schoen waere es, wenn Sie auf meine Lesetour hinweisen koennten, die zufaelligerweise in der uebernaechsten Woche beginnt. Hier die Termine: http://www.tomprodukt.de/tourplan/aktuell/christian-y-schmidt#christian-y-schmidt
Die Lesetour ist natürlich in Deutschland. Weiter unten im Kurzportrait gibt es noch Hinweise auf seine Bücher.




 

Im Jahr des Hasen (5): Weltdemokratie / von Christian Y. Schmidt



Nach den Umstürzen in Tunesien und Ägypten suggerierte der US-amerikanische „China Experte“ (dpa) Gordon Chang stante pede – das ist der Mann, der 2001 den Untergang Chinas für spätestens 2006 prophezeit hatte -, als nächstes sei die chinesische Regierung dran: „Chinas Kommunisten“, zitierte ihn dpa, „haben allen Grund, besorgt zu sein.“ Auch Heimwerker Ai Weiwei meldete sich zu Wort. Die Ägypter hätten nur 18 Tage gebraucht, um ihr 30 Jahre altes Regime zu stürzen. Für die chinesische Regierung werde man wohl etwas länger brauchen. „Für dieses 60 Jahre alte Ding könnten einige Monate nötig sein.“ Nach diesem Umsturz, davon sind wohl Ai und Chang überzeugt, wird man in China endlich eine echte Demokratie errichten.


Das ist eine tolle Perspektive, schließlich bin auch ich für Demokratie. Allerdings muss dann auch wirklich die Mehrheit regieren. Um das zu garantieren, kann im Zeitalter der Globalisierung Demokratie nur global organisiert werden. Das heisst: Zunächst ist einmal ein Weltparlament zu wählen. Das allerdings kann kaum so aussehen, wie die klägliche Versammlung, die der ehemalige RCDS-Vorsitzende Rasmus Tenbergen Anfang 2008 als „World Parliament Experiment“ in Bonn zusammentrommelt hatte. Dort waren nur insgesamt 25 Länder mit Delegierten vertreten, darunter kein einziger Chinese.


In einem echten Weltparlament sähe das anders aus. Geht man davon aus, dass die Abgeordneten entsprechend dem Anteil der verschiedenen Nationen an der Weltbevölkerung vertreten sein müssten, würden die Chinesen 19,5% der Parlamentarier stellen. 17,3 Prozent der Abgeordneten wären Inder. Die Bewohner der Europäischen Union kämen dagegen nur auf ganze 7,3 Prozent. Die Deutschen allein (1,2% der Weltbevölkerung) würden übrigens an der fünf Prozent Hürde scheitern, genauso wie die Bewohner der USA (4,5%). Insgesamt stünden den Bewohnern des westlichen Blocks ziemlich genau 14,5 Prozent der Abgeordneten zu.


In einer Weltregierung dürften dann die Westler allenfalls den Kulturminister stellen. Der könnte aber kaum verhindern, dass das neue Kabinett sofort mit der Umverteilung des globalen Reichtums in Richtung Weltbevölkerungsmehrheit begönne. Selbstverständlich müssten in einer demokratisch verfassten Welt auch die Menschenrechte garantiert sein. Zu diesen zählen u.a. die freie Wahl des Wohnorts. Schon einige tunesische Revolutionäre  hatten von diesem Recht Gebrauch machen wollen, indem sie in die Europäische Union zu emigrieren suchten. Dabei stiessen sie auf erheblichen Widerstand. Unter einer demokratischen Weltregierung wäre ein solcher Wohnortwechsel dagegen völlig unproblematisch. Natürlich würde sie alle Grenzen öffnen lassen.


Bei einer demokratischen Bewegung, die für die genannten Ziele eintritt, wäre ich sofort dabei. Ich sehe allerdings nicht, dass diese  momentan sonderlich populär wären. Jedenfalls nicht bei denen, die sich immer als erste melden, wenn die sofortige und bedingungslose Demokratisierung Chinas gefordert wird. Warum eigentlich nicht?






Christian Y. Schmidt

Christian Y. Schmidt war bis 1996 Redakteur des Satire-Magazins „Titanic“. Seitdem arbeitet er als freier Autor. Außerdem ist er Senior Consultant der Zentralen Intelligenz Agentur, sowie Redakteur und Gesellschafter des Weblog „Riesenmaschine“, dem 2006 der Grimme online-Preis verliehen wurde. Zusammen mit Achim Greser, Heribert Lenz und Hans Zippert verfasst er die Comic-Serien „Genschman“ und „Die roten Strolche“. 1998 erschien seine kritische Joschka Fischer-Biografie „Wir sind die Wahnsinnigen“, 2008 das viel beachtet Reisebuch „Allein unter 1,3 Milliarden“ (2010 als „Duzi zai 13yi ren zhi zhong“ auch auf Chinesisch) und 2009 der China-Crashkurs „Bliefe von dlüben". Seit 2009 berichtet Schmidt zweiwöchentlich in einer satirischen taz-Kolumne aus China. Momentaner Titel: „Im Jahr des Hasens".



  •  
  • 2 Kommentar(e)
  •  
Michael Hinterauer
31.03.2011
22:32

:)

Interessanter Ansatz ...

Fred
01.04.2011
11:48

Weiterführende Informationen

z.B. in Deutschland

Komitee für eine demokratische UNO
www.kdun.org/de/

Egality Berlin (befindet sich in der Gründung)
egalitynow.org

z.B. internationale Kampagnen

Kampagne für die Einrichtung einer Parlamentarischen Versammlung bei den Vereinten Nationen (UNPA)
de.unpacampaign.org

Per Referendum zum Weltparlament
https://voteworldparliament.org/

Building Global Democracy
www.buildingglobaldemocracy.org

Mein Kommentar

Bitte obigen Code eintragen

Benachrichtige mich, wenn jemand einen Kommentar zu dieser Nachricht schreibt.



Ihr Kommentar wird in der Regel am nächsten Arbeitstag freigeschaltet.

Spams, Links, rechtswidrige und anonyme Kommentare können nicht berücksichtigt werden.


Zurück