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Gastbeitrag
11.03.2011
10:55

Ohrenkuss: OmaOpa

Weiße Haare ... wie eine Harfe zart und leise

 

Ohrenkuss ...da rein, da raus - das Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom, unter der Leitung von Herausgeberin Dr. Katja de Bragança. Ein einzigartiges und vielfach prämiertes Projekt der downtown - Werkstatt für Kultur und Wissenschaft. Die Ohrenkuss-AutorInnen bloggen einmal im Monat bei uns zu aktuellen Themen.

Die neue Ausgabe des Ohrenkuss-Magazins Februar 2011 ist gerade erschienen. Thema: Oma und Opa. Enkelkinder mit Down Syndrom erzählen über ihre Großeltern. Hier stellen wir eine Auswahl der poetischen, witzigen, ernsten, ehrlichen und berührenden Texte mit einigen der schönen Fotos dieser Ausgabe vor.

Doch zunächst ein Vorwort von Katja de Bragança.






Ohrenkussmagazin OmaOpa: Oma Birgit und Lennen (Foto: Michael Hagedorn)Warum es diese wunderschöne Ohrenkuss-Ausgabe zum Thema Oma Opa überhaupt gibt?!
Na, weil es längst überfällig war.



Es gibt inzwischen (großer Fortschritt gegenüber der Situation vor zehn oder zwanzig Jahren) so vieles:
Informationen zum Thema Baby, Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Down-Syndrom.
Es gibt Bücher mit schönen Fotos zum Thema Mütter und Väter von Kindern mit Down-Syndrom.
Aber nirgendwo tauchen die Großeltern auf...
Sie sind so wichtig - es bedeutet so viel, wenn die Großeltern ihren Enkel akzeptieren (können).
Und natürlich ist es nicht leicht, wenn alles anders kommt - überraschend und für einen Moment (oder auch länger) entsetzlich.
Kann man noch stolz sein? Was wird aus diesem Kind? Wie geht es meinem Sohn / meiner Tochter damit? Wie wird deren Leben sein?
Der neue Ohrenkuss informiert: über die Sichtweise der AutorInnen mit Down-Syndrom auf die Großeltern - und über die Gedanken der Großeltern über ihre besonderen Enkel.



Die Oma und Opas von heute sind fitt - eine neue Generation.
Sie müssen nicht mehr in einer verstaubten Bibliothek ein nicht vorhandenes (oder desillusionierendes) Buch über "Mongoloide Idiotie" finden und sich selber entsetzen lassen.
Sie können im Internet googeln - und oft finden sie die Ohrenkuss-Seite. Sie sehen wunderschöne Fotos (und denken: ach, so könnte mein Enkel als erwachsener Mann auch sein?  So selbstbewußt und schön könnte meine Enkeltochter werden? Das habe ich nicht gewusst.) und Texte von Menschen mit 47 Chromosomen.
Dann rufen sie an oder bestellen per Mail einen Ohrenkuss.
Die Ausgabe wird schnell versendet - und die Oma und der Opa können das Heft ihrer Tochter oder Schwiegertochter ans Wochenbett bringen.
Großeltern können trösten.
Sie sind da.
Sie haben Lebenserfahrung, die sie teilen können:



"Lieber Jonathan,
demnächst wirst du diesen Brief lesen oder vorgelesen bekommen, vielleicht aus einer Ohrenkussausgabe. Du liebst es ja, Bilderbücher zu gucken und bist immer ganz begeistert, wenn eine neue Seite aufgeschlagen wird. Dieses Mal bis du selbst auf der Seite und deine Oma hat dir diesen Brief geschrieben.
Der Tag mit dir und deinen Eltern und den anderen Familien auf der Insel Hombroich war wunderschön. Die Sonne, der blaue Himmel mit den lebendigen Wolken, das viele satte Grün, die spazierenden Menschen zauberten eine wohltuende, friedvolle Atmosphäre."

 

Ohrenkussmagazin OmaOpa: Gruppenfoto im Museum Hombroich (Foto: Michael Hagedorn)
Die Fotos dieser Ohrenkuss-Ausgabe wurden von Michael Hagedorn (Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.michaelhagedorn.de) auf der traumhaften Museumsinsel Hombroich (Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.inselhombroich.de) gemacht. Am diesem 11. September 2010 trafen sich ein Dutzend Familien (Omas, Opas und Enkel mit 47 Chromosomen) und verbrachten den Tag miteinander.



"Was mir bis dahin nicht klar war - Hombroich gehörte in den achtziger Jahren zu den Orten, wo Raketen mit atomaren Sprengköpfen zum Einsatz bereit standen. In der Bibel können wir von dem Propheten Micha lesen, dem eine Welt vorschwebt, in der die Menschen nicht mehr für den Krieg rüsten. Hier ist sie nun ein Stück Wirklichkeit geworden! Vielleicht lernst du einmal später davon, wie sein Wort "Schwerter zu Pflugscharen" für die deutsche Geschichte wichtig wurde.
Als ich so klein war wie du, war gerade ein furchtbarer Weltkrieg zu Ende gegangen. Meine ersten Lebensjahre wurden von dem Eindruck einer zertrümmerten Welt geprägt, gleichzeitig aber lag eine hoffnungsvolle Zukunft vor mir.
Kleiner Jonathan, ich wünsche dir, dass den Erwachsenen eine friedliche Welt ein wichtiges Anliegen ist.
Für die nächste Zukunft wünsche ich dir ein Geschwisterchen, mit dem du spielen, streiten, Kummer und Spaß teilen kannst!
Dass du da bist, macht mich glücklich. Du bist so ein freundliches und spannendes kleines Kerlchen! Mit dir wird mir der Weg in das Alter einfacher sein.
Deine Oma."

 


Diese Ohrenkuss-Ausgabe hat viele LeserInnen berührt - und zum Schreiben angeregt. Hier schreibt eine Oma aus dem Norden:



"Liebes ohrenkuss Team!
Ganz spontan muss ich Ihnen schreiben nach Erhalt des letzten ohrenkuss-Heftes.
Auch ich bin die Oma von zwei entzückenden Mädchen (5 und 8), die - zu allem Glück -  gesund sind. Aber ich habe eine Tochter mit Down-Syndrom: Fee ist eine glückliche und fröhliche junge Frau von 41 Jahren.
Es hat mich wirklich sehr berührt, wie sehr die Grosseltern ihren Enkelkindern mit Down-Syndrom zugetan sind.
Es hat mich erinnert, wie auch die-leider schon verstorbenen-Grosseltern unsere Fee geliebt haben!
Ich danke Ihnen für Ihren grossartigen ohrenkuss-Bericht!
Seien Sie gegrüsst..."

 

 

Weitere Briefe der Großeltern können Sie in der neuen Ausgabe des Ohrenkuss zum Thema Oma Opa lesen - einige Texte und Fotos sehen Sie hier ...



Katja de Bragança






Ohrenkuss: Oma Opa




Ohrenkussmagazin OmaOpa: Ur-Oma Christa, Oma Brigitte und Felina (Foto: Michael Hagedorn)

Judith Klier, handgeschrieben

Das allgemeine von Oma und Opa: Es gibt sehr viele Omas und Opas ich sehe oft sehr viele in der Stadt das so was gibt auf der Welt es gibt auch in anderen Land auch Oma und Opa gint es in viele Städte weil sie es gibt wenn auf Enkelin ist brauchr man Oma und Opa da sind wenn man sie braucht wenn man sich unterstützt unter den Hände  greift .





Achim Reinhardt, handgeschrieben

Omas, Opas braucht Man zum erzählen.
Zum Spielen und Lesen.
Manchmal zum Beten.
Fragen wie Es Geht.





Christiane Grieb, diktiert

Neue Oma und Opa:
Gestern habe ich eine Oma und Opa kennen gelernt, die auch einen ganz neuen Enkel mit Down-Syndrom haben.
Ich habe von mir erzählt, dass man auch normal sein kann mit Down-Syndrom und ich mich freue, dass ich leben kann.
Ich glaube, ich war ein Trost für sie.
Meine Eltern freuen sich auch, dass sie mich haben.





Paul Spitzeck, diktiert

Weiße Haare: Mein Omi hat weiße Haare. Wie ein Harfe.
Zart und leise.
Die ist nett und gibt uns viel essen.




Ohrenkussmagazin OmaOpa: Opa Jürgen und Matteo (Foto: Michael Hagedorn)
Anna-Lisa Plettenberg, diktiert

Das Alter wird man über 20. Und wenn man zu alt ist, wird man sterben.
Meine Oma ist jetzt über 20, weil die jetzt 77 ist. Und das ist zu alt für meine Oma und Opa.
Die Haut voll krumpelig und die Hand ist voll Papier, Papierhaut.
Die sind überalt.
Ich bin 16. Ich hatte vorgestern Geburtstag. Da wurde ich 16. Das ist für mich zu alt. Ich darf mit mein Alter schon Limo und Cola und Kaffee dürfte ich jetzt. Ich will das ja gar nicht trinken.
Das ist cool, das Alter.





Sicco Bremer, handgeschrieben

Hallo Oma Hilde
Ich bin dabei krade an dich zu denken. Was wir früer gemeinsam so gemacht haben. Zum Beispiel dass du immer zu meinem Geburtstag dein besten Apfelkuchen für mich gebaken hast. Der Kuchen hat immer gut geschmeckt.





Christian Janke, handgeschrieben

Ich wünsche Enkelnkinder. Ich möchte immer bei dir sein.
Ich gehe aus mit meine Enkeln in den Zoo spazieren / in der Spielplaz / Pilze sammeln / spilen.
Ich würde gerne Enkeln gute nacht Buch vorlessen auch einkaufen meine Enkeln Baden lassen.
Toben im Schwimbad würde ich gerne nass spritzen. Meine Enkeln kümmere ich gerne.





Marley Thelen, diktiert

Meine Oma und Opa, Gerti und Ralph wohnen in Lüfteberg. Ich fahre auch mit zwei Bussen und eine Bahn. Ich fahre Viertelstunde. Ich fahr alleine. Ich fahre immer Samstag und Sonntag hin und besuche ihn. Wir essen Abendbrot, Wurst und Käse. Nach dem Abendbrot guck ich fern und schlafen wir. Ich gucke immer was spannendes, immer Krimis und was lustiges und noch lustiger - wir gucken auch Karneval. Wir schlafen mit Oma und Opa, Oma und ich wir schlafen im Schlafzimmer von der Oma. Opa schläft im Wohnmobil draußen. Am nächsten Tag frühstücken wir, trinken und essen, dann räumen wir auf. Müssen Kleid nähen und wir sammeln Knöpfe, verschiedene Farben suchen, Filzkleid mit Kettchen und Blumen drauf, hier oben an der Seite ist ein wunderschöne, silberne Kette.





Renate Schlögl, handgeschrieben

Meine Opa war Schmiedemeister!
Meine Oma ist eine Hausfrau gewesen - Sie hat Glück gehabt!
Ich bin ein Glückskind und ich bin super!
Hoffentlich geht mein Oma gut in den Himmel!
Ich habe meine gute Ideen gemacht!
Oma sitzt in eine Wankelstuhl und strikt Socken! Hoffentlich gibt kein Loch!
Ich wünsche das meine Opa dasteht!
Ich habe eine Vision gehabt!
Ich habe meine Oma und Opa gesehen!
Er hat ausgeschaut wie ein Engel!
Er waren alle sehr getropfen sein!
Ich soll tapfer sein!
Ich will öfter meine Sehnsucht erfüllen!
Ich sehe meine Sterne am Himmel!
Ich habe eine schönste Geschenkt in meine Leben!
Meine Oma und Opa sind glücklich in Paradies!




Ohrenkussmagazin OmaOpa: Oma Renate und Wendin (Foto: Michael Hagedorn)
Michael Häger, diktiert

Oma ist lieb.
Oma ist lieb.
Heißt nur Oma.
Oma wollte Kellnerin.
Oma liegt im Grab.
Pastor hat gesegnet.
Ich habe paarmal Oma gesagt.
Tot.
Und dann kommt noch Onkel Doktor, der hatte ein Hören (Stethoskop).
Wir haben ein neue Mieter eingezogen.





Marley Thelen, diktiert

Milfried war krank. Sie muss zum Krankenhaus mit Opa und mich und war bringen Blumen und Geschenke. Milfried ist die Oma.
Die Oma hat im Darm drei Knoten im Bauch und sie muss ins Krankenhaus um den Knoten wieder frei machen, aber es drückt. Wegen der Oma ich will nicht, dass die Oma stirbt. Ich habe so sehr gefehlt und schmerzlos im Herzen. Ich habe den ganzen Tag gewartet wegen Oma. Ich habe auch noch den Alarm gehört wird da habe ich geschockt was mit der Oma passiert ist und dann kommt die Ärzte und Ärzte, die die Oma hoch zu OP bringen. Ich habe nachgedacht, wenn Opa stirbt. Ich habe nie so gut gefühlt. Ich war im Flur und gewartet, wenn Oma wieder gesund ist oder nicht. Da kommt der Arzt und sagt nicht Bescheid wegen Oma und dann hat der Arzt gesagt den Kopf geschüttelt, die Kopf geschüttelt und der Arzt hat mir gesagt: "Die Oma ist tot". Und dann habe ich gesagt, dann muss ich zur Oma gehen habe ich zu Arzt gesagt. Dann hat der Arzt gesagt: "Ja, du kannst zu Oma gehen", und dann habe ich bitter geweint.





Björn Langenfeld, diktiert

Liebe Oma,
damals war ich lieb gehaltet.
Ich habe besuchen.
Am 8.2. da war ich am Flughafen.
Onkel abgeholt am Flughafen Moskau.
Wir fahren schnell Krankenhaus.
Oma liegt jetzt Friedhof in Königswinter.
Liebe Oma, wir vermissen dich.
Ich habe einen Gott und ich gebetet.
Mein Herz tut weh.
Herz kaputt.
Alle zusammen sein.
Scheiße ist sterben.













Mehr? Öffnet externen Link in neuem FensterHier kann diese (und auch die bisherigen) Ausgabe bestellt werden.

 



Einige Ohrenkuss-AutorInnen in einem Kölner Hinterhof. Marc Lohmann (mit Mütze), Karoline Spielberg (vorne), Susanne Kümpel (hinten mit weißer Jacke), Angela Fritzen (auf dem Zaun), Antonio Nodal (vorne), Svenja Giesler (mit der roten Jacke) und ein Gast aus Berlin.

... mongolisch ist mongolisch und klingt wie mongolisch ...

Ohrenkuss ...da rein, da raus, das Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom gibt es seit mehr als zehn Jahren.
Das Projekt ist einmalig auf der ganzen Welt und mehrfach preisgekrönt.
Es erscheint zweimal jährlich - mit jeweils einem Thema, Texten der bis zu 50 AutorInnen mit Down-Syndrom und professionellen Fotos. Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.ohrenkuss.de

Im August 2010 wurde das Bundesverdienstkreuz dafür an Gründerin Katja de Bragança verliehen - der Bericht ist hier: Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2010/08/24/ohrenkuss-verdienstkreuz-am-bande.htm

Newsletter:  Wer regelmäßig über Ohrenkuss informiert werden möchte, kann hier den Ohrenkuss-Ipeschl abonnieren: Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.ohrenkuss-ipeschl.de.

©Fotos: Michael Hagedorn

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