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Viele der aktuellen Demonstrationen gegen die Regierung Mubarak in Ägypten wurden mit Hilfe moderner Medien geplant und koordiniert. Ägyptens Internet-Struktur ist die bestausgebauteste im nahen Osten.
Und die demografisch junge Gesellschaft Ägyptens (70% unter 30 Jahren) nutzt das Internet und liebt soziale Netzwerke wie Facebook. „Facebook erreicht alle – die Politischen und auch die Unpolitischen“.
Über Twitter, Facebook und Videos auf Youtube tauschten sich die Menschen aus und verabredeten sich zu Protestaktionen gegen die amtierende Regierung.
BGPMon
Am Freitag, den 28.01.2011 reagierte die ägyptische Regierung mit einer weitreichenden Abschaltung des Mobilfunknetzes und der Internet-Verbindungen. Die 4 großen Provider Link Egypt, Vodafone/Raya, Telecom Egypt und Etisalat Misr waren ab Mitternacht offline, desweiteren einige kleinere Knoten und Anbieter.
In der Nacht zum Dienstag, 01.02. wurde mit der Noor Group dem letzten ägyptischen Internet-Provider der Saft abgedreht.
Über die Server der Noor Data Networks war die ägyptische Börse mit dem Internet verbunden.

"Die Aktion ist beispiellos in der Geschichte des Internets", sagte ein Sicherheitsberater der Internet-Sicherheits-Firma Trend Micro.

Ägypten hatte 20 Millionen Internet-Anschlüsse und 55 Millionen Mobiltelefone bei 80,4 Millionen Einwohnern - alle waren vom Netz getrennt. Technisch gesehen wurden die Border-Gateway-Protocol-Server abgeschaltet, die die Daten an das nationale IP-Netz weitergeben. BGP legt fest, wie die Daten von einem Netzwerk zum nächsten weitergereicht werden, bis sie ihr Ziel erreicht haben.

Es gab einige Versuche, die Sperren zu umgehen. So hat Google Festnetztelefon-Nummern angeboten, bei denen man Nachrichten hinterlassen konnten, die in Twitter eingespeist wurden („Speak to tweet“). Über die Telefonnummern liessen sich wiederum auch die Nachrichten anderer hören.
ChaosknotenDie deutsche Piratenpartei hat in Kairo 3000 Cds mit Anleitungen verteilen lassen, wie man sich über das Festnetz mit alten analogen Modems bei deutschen Einwahlnummern einloggen kann.

Das fehlende Internet und Mobilnetz trieb übrigens die Menschen noch mehr auf die Straßen. Informationen wurden von Mund zu Mund weitergegeben.
Die Erkenntnis: das Internet erleichtert die Kommunikation - ist aber keine Voraussetzung für einen Aufstand.
Revolutionen gab es auch schon vor dem Internet.

Am Mittwoch, den 02.02.2011 ab 10:30 Uhr deutscher Zeit werden nach 5 Tagen die Verbindungen wieder hochgefahren, immer mehr ägyptische WebSites wieder sichtbar.
Am 11. Februar 2011 hatten die Tricksereien und Verzögerungen ein Ende: Husni Mubarak war nicht mehr der Staatspräsident Ägyptens.

Könnte ähnliches in Deutschland geschehen?
Die Struktur des Internets ist bei uns wesentlich komplexer.
Deutschland verfügt über deutlich mehr Anbieter, Rechenzentren und Knoten. Der administrative Aufwand und Zeitbedarf, alle zur Abschaltung zu bewegen, wäre deutlich höher. Einige Zugangsprovider könnten sich weigern,
einer undemokratischen Anordnung "von oben" Folge leisten.
Doch letzendlich stehen alle von der etablierten Wirtschaft eingesetzten Kommunikationstechnologien letztendlich unter Regierungskontrolle.

Wahrscheinlicher wäre in Deutschland, dass der zu erwartende wirtschaftliche Schaden die Abschaltung verbieten würde.
Nicht nur, dass viele Firmen und Behörden mittlerweile ohne Internet-Zugang sofort nicht mehr arbeitsfähig sind - auch das Banking und der Aktienhandel käme zum erliegen.
Energieerzeuger hätten große Probleme, da Steuerung der Kraftwerke und Verteilung von Kapazitäten und Spitzen nicht mehr über das Netz beobachtet und geregelt werden könnten.

Und wie das Beispiel Ägypten zeigt, wäre mit einem "Internet-Not-Aus" auch wenig gewonnen.
Es gäbe dann wahrscheinlich erst recht die größte Demo, die unser Land je gesehen hat: bei allein 12 Millionen Facebook-Süchtigen in Deutschland...



Wolfgang Kurtz

Wolfgang Kurtz

ist Mit-Inhaber der Kölner Internet-Agentur Öffnet externen Link in neuem    FensterKpunkt.

Er war brotloser Künstler, glücklicher Bioladner und "regionaler Ansprechpartner des Bundesverbandes Naturkost" bevor er 1992 seine Werbeagentur gründete.
Heute gestaltet er Internetauftritte für viele Naturkost-Firmen und hat mit seinem Team auch die technischen Voraussetzungen für den Heuschrecke-Blog geschaffen.

Sein Faible für Computer und technisches "Spielzeug" und seinen unerschütterlichen Glauben an positive Utopien bringt er in diesen Blog ein.

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