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Heilige des Monats Februar: die Märtyrer der heiligen Bücher
11. Februar: Märtyrer der heiligen Bücher
Schöne Geschichten für das Unterbewusstsein bzw. die archaische Psyche. Das katholische Christentum und insbesondere der rheinische Katholizismus bietet mit seinen unzähligen Heiligen einen ähnlich guten spirituellen Service wie unser altes Kelten- und Germanentum (zum großen Teil wurden deren (Natur-) Gottheiten dem spröden Monotheismus zunutze gemacht).
Wobei man heute nicht alles so sein Leben riskiert: im Sport, bei Wetten in Fernseh-Shows, Samstagnacht betrunken auf 4 Rädern, mit kleinen Pillchen gegen den Blues, mit viel zu viel Schweinebraten (wer hätte das je für möglich gehalten). Ließe einer sein Leben beim Versuch, sein Automobil vor Dieben zu retten, er wäre der Boulevardpresse ein nationaler Held.
"Märtyrer der heiligen Bücher" - was für ein schräger Satz. Heute praktisch unsagbar. Erinnert an Selbstmordattentäter. Außer dem Artikel "der" paßt keins der Worte in die moderne Welt. Richtig ein bißchen unheimlich. Wie der Titel eines historischen Krimis mit mindestens 850 Seiten und eimerweise Tinten-Blut. Für Bücher sterben ?
303 startet der römische Kaiser Diokletian die letzte und zugleich brutalste aller Christenverfolgungen. Seinem Ziel eines starken Staates stehen die Christen mit ihren menschenfreundlichen Moralvorstellungen im Weg. Leute mit Prinzipien kann man nicht "durchregieren".
Christen wollen starke Menschen, nicht starke Staaten. Und so ordnet er die Ausrottung an, wie nach ihm noch so viele: die Politiker der französischen Revolution, Mao, Lenin und Stalin. Hitler kam nicht ganz so weit - 12 Jahre waren einfach zu kurz ...
Diokletian läßt die Kirchen in Flammen aufgehen oder abreißen. Er läßt die Priester töten, die christlichen Bücher, Bibeln und Theologisches, überall aufsuchen und verbrennen.
Nicht wenige wiedersetzen sich, besonders im seinerzeit römischen Nordafrika. Lektoren, denen damals die Aufsicht über die Schriften anvertraut war, verstecken diese und sterben lieber unter der Folter als die Bücher preiszugeben.
Bekannt wird das Schicksal des Lektors Tim und seiner jungen Frau Maura, die erst wenige Wochen zuvor geheiratet hatten. Da Tim, befragt wegen der Bücher, deren Herausgabe verweigert, werden seine Frau und er nebeneinander so gekreuzigt, daß sie erst nach 10 endlosen Tagen sterben.
Gern wird die Antike ja in ein goldenes Licht getaucht, von der tollen Kultur geschwärmt etc.pp. - der menschenverachtenden Sklavenwirtschaft, der pausenlosen Kriege, der nur machtorientierten, völligen Grundsatzlosigkeit des Staates wird dagegen eher selten gedacht. - Will sagen: die Christen wußten nicht nur, wofür sie standen, Sie wußten auch sehr genau, wogegen.
Und wie pervers ist denn das: zwei unschuldige verliebte Menschen 10 Tage und 10 Nächte lang in aller Öffentlichkeit sterben lassen ?
Die meisten der damaligen Opfer sind für uns namenlos, es waren ja oft Arme, die den Schneid und das Rückgrat hatten, nein zu sagen. Die Kirche gedenkt ihrer unter dem Namen "der Märtyrer der heiligen Bücher" - was ja auch heute der Kern des Widerstands gegen Diktatoren und ähnliches Gesocks ist: die Parolen der Unmenschlichkeit mit der guten Nachricht der Menschlichkeit zu beantworten.
Kleines Gedankenspiel: welches meiner Bücher ist mir am meisten wert ? Welchen dort niedergelegten Gedanken, welches Ideal würde ich nie verraten ? Und was gäbe ich dafür ? Meinen rechten Arm, die Hand, das Schwarze unterm Fingernagel ?
Peter Kirwel

Peter Kirwel
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Mein Kommentar
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Respekt!
Die Rubrik "Heilige des Monats" lese ich immer sehr gerne. Bin wahrscheinlich einer der 5 Stammleser... ich mag den lässigen Stil und die zeitgemäße Herangehensweise an die eigentlich ernsten "katholischen" Themen.
Zum heutigen Thema möchte ich als fortführende Lektüre den Roman "Fahrenheit 451" von Ray Bradbury empfehlen. Zitat Wikipedia: "Fahrenheit 451 spielt in einem Staat, in dem es als schweres Verbrechen gilt, Bücher zu besitzen oder zu lesen. Die Gesellschaft wird vom politischen System abhängig, anonym und unmündig gehalten. Drogen und Videowände lassen dennoch keine Langeweile aufkommen. Selbstständiges Denken gilt als gefährlich, da es zu anti-sozialem Verhalten führe und so die Gesellschaft destabilisiere. Bücher gelten als Hauptgrund für ein nicht systemkonformes Denken und Handeln."
In diesem Buch von 1951 (übrigens 1961 von Francois Truffaut verfilmt und in dem Donald Duck Comic "Lustiges Taschenbuch 243" unter dem Titel "Celsius 154" abgewandelt aufgegriffen) sterben Menschen für den Besitz von Büchern und andere werden verfolgt, flüchten in den Untergrund und werden zu "Büchermenschen".
Ich lese seit meiner Kindheit gerne und eigentlich täglich - aber mein Leben würde ich für ein Buch nicht geben. Bin wohl kein Heiliger... :-)