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Gesundheitssysteme

Papa im Computer

Roman Turk ist unser Lieferant aus Kroatien für Bio-Kräuter und -Gewürze. Nachdem er als Maschinenbau-Ingenieur gearbeitet hat, baute er nach dem Krieg ein Netzwerk von Kräutersammlern und -Sammlerinnen, sowie von Bio-Kräuterbauern über ganz Kroatien auf. Er organisiert die Biozertifizierung, Verarbeitung und Export der Ware. Seine Firma trägt den Namen Terra Magnifica. Mehr zu Terra Magnifica: www.heuschrecke.com/kroatien.htm.  Im Moment kümmert sich Roman um seine Eltern - hier der Bericht. Das charmante Österreichisch / Deutsch von Roman wurde wegen des Verständnisses leicht geglättet, seine Wortschöpfungen eines Fremdsprachlers beibehalten. 

 

 

 

Meistens wird er 10 Jahre jünger als 82 geschätzt.
Dank seinem sportlichen und überaktiven Lebensweise und immer freundlichen Auftritt glaubt ihm keiner, daß er manchmal krank sein kann.
Und seit ca. 3 Monate hat er (wieder) Probleme mit den Blasensteinen.


Im erstem Spital hatte er bekannten Arzt, der ihm trotz gegebenem, hier in der Medizinalbranche üblichen Schmiermittel, nicht einmal richtig zugehört- und nur hin- und her geschickt hat. Und Papa hatte aus Erfahrung gesagt, der Stein kommt nicht von selber raus, es soll zerschlagen werden.


Nun versucht er jetzt seit 6 Wochen im zweiten Spital, denn die von bekanntem Arzt empfohlene Privatärzte machen diese Eingriffe doch nicht.
Vor 2 Wochen war ich zum erstem Mal mit Papa im Spital, denn er ist inzwischen schwach geworden und außerdem hört er nicht allzu gut, also vielleicht liegt hier das Problem? Es stellte sich heraus, er war umsonst gekommen, die Anestäsiologin sagte ihm angeblich schon das vorletzte Mal, er soll mit Andol 5 Tage vor der Operation aufhören (diesen nimmt er seitdem er einige Herz-Bypasse bekommen hat) und er sollte damals nur noch Termin für die Operation am Schalter vereinbaren.
Also machten wir am Schalter vor 1 Woche Termin für diese Woche aus. Es hat mich ein Bisschen gewundert, denn es gab nicht Schriftliches, nur "nächsten Dienstag um 12 herkommen".


Und so kamen wir.
Es stellte sich heraus, daß der zuständige Doktor wie befürchtet noch immer auf die Lizenz vom Ministerium wartet und nicht operieren darf, aber es sind 2 andere als Ersatz hier. Langsam verstehen wir, daß wir nur auf noch eine ambulatorische Untersuchung warten und nicht auf den Empfang ins Spital.
Während dieser fast 2 stündigen gehorsamen Wartens auf Godot, spielt sich einiges vor unseren Augen ab:


Ein Wartende verliert das Geduld und zerstückelt den angeblich nicht richtigen Krankenschein. Dann kommt er nach halbe Stunde wieder und versucht noch einmal. Diesmal geht die Anamnese ins Papierkorb und er verliert wütend der Raum sagend "A...löcher" und zwar wirklich in deutscher Sprache.
Ein Anderer kommt wie vom Himmel gefallen zum Schalter und erklärt, er hätte heute die Operation, seine Versicherung hat die Technikalien erledigt und er hat den Urlaub genommen. Nach langer Sucherei hat man sein Termin gefunden und zwar war es am 29.November letztes Jahres. Zurück in die Reihe bitte.
Ein alter, schwer atmender Mann hat gute 3 Minuten von einem bis zum anderem Ende des Ganges gebraucht, um dort von wütender Krankenschwester zu hören, was sucht er hier?
Die war wütend, weil ein junger Man nicht gewußt hat, da vor Urologie ein Befund von woanders zwingend zu machen ist. Und der ließe sich nicht blöd machen, sondern hat den Aufstand gemacht und erst die größere medizinische Mannschaft hat den Konflikt gemildert.


Außerhalb der ganzen Situation schwebend, hat der erste der Ersatzdoktoren die Hälfte der Wartenden auf einen anderen Termin verschoben, wobei einige davon nur halbe Minute seiner wertvollen Zeit gebraucht hätten. Manche haben dann versucht zum anderen Doktor zu kommen.
Die glückliche Hälfte (es war zwar nicht klar, in welcher Hälfte man sich befindet) hat dann ihren Namen irgendwann am Lautsprecher gehört, leider ohne Raumangabe. Und es gibt gute 10 Türen, alle mit Lauftext ausgestattet, an welchen die ganze Zeit nur Err(or) gestanden ist. Es war nämlich gar nicht klar, an welcher Tür der Treffer lächelt, denn diverses Personal hat die ganze Zeit die Lage gewechselt, wobei ein Außerstehender keine Logik herausfinden konnte. An "unserer" Tür (die Schalter-Schwester hat sie uns mit Finger gezeigt) war leider fast nichts los. Nur ging eine Schwester einige Male heraus und hinein und als wir sagten, wir beugen uns bei jeder ihrer Erscheinung immer deshalb vor, weil wir auf den Empfang hoffen, sagte sie "nur bitte ja nicht zu mir".


Ein geringer Prozentsatz von Wartenden schien am Ende etwas erledigt zu haben. Meistens haben sie eine der Schwestern mit "Grüsse an Dem oder Die" begrüsst.
So blieb noch eine Gruppe von 15-20 Leute im Warteraum.
Es begann mir suspekt zu werden, auch einer vom Hilfspersonal sagte etwas wie "man kann was nur bis 2 Uhr machen".
Meine Vater hat sich getraut, den eingebildeten ersten Ersatzdoktor bei seinem Verlassen der Ambulanz anzureden, der äußerte dann sein Mitleid zu Wehen meines Vaters, es sei aber außerhalb seiner Kompetenz.


Dann habe ich eine vorbeigehende Doktorin, die meinem Vater vor einigen Wochen untersucht hat um Hilfe gebeten und sie ging dann zum zweiten Ersatzdoktor und hat uns die Tür gezeigt, wo er ordinierte.
Endlichmal vor der richtigen Tür kam der Aufruf "Turk" und er ging hinein.
Der zweite Ersatzdoktor war ganz nett, aber natürlich war nichts von im Spital bleiben an derselbem Tag.


Mein Vater bekam ein Papierchen den er zurück zum Schalter bringen sollte.
Er versucht am Teil für bereits "gebuchte" Patienten, aber die Hauptschwester verweist ihm an den Teil daneben (1 leerer Arbeitsplatz liegt dazwischen), wo sich 4-5 Neulinge rühren.
Dann, in einem Einfall der Güte nimmt sie doch das Papierchen und tippt etwas auf der Tastatur. Dann sagt sie "Sie sind fertig".
Offensichtlich waren unsere Blicke verschwommen, so erläuterte sie zusätzlich "Jetzt sind Sie im Computer"




Papa im Computer





Ich habe dem Papa vorgeschlagen, die Schläger anders zu verwenden.







 

 

 

 



Roman Turk

 




Bei Terra Magnifica,  Kroatien: oben rechts: Gründer Roman Turk. Unten links: Heinz Gasper,  Heuschrecke-Gründer, außerdem Mitarbeiterinnen Ana und Sanya
Roman Turk, Gründer von Terra Magnifica (Freund und langjähriger Lieferant von Heuschrecke), ein biozertifiziertes Anbau- und Wildsammlungsprojekt für Kräuter, mittlerweile eines der größeren Kräuterexport-Unternehmen in Kroatien. Nach dem Krieg wurden die alten Sammlerstrukturen von Roman Turk wieder aufgebaut - dies die soziale Komponente: Terra Magnifica ist eine wichtige Verdienstmöglichkeit in der Nachkriegszeit für die verschiedensten Gruppen von Bauern, Flüchtlingen bis zu Kriegsversehrten, für junge und ganz alte Menschen. Zertifizierte Wildsammlung ist Landschaftspflege und dient dem Umweltschutz.










 


Tags: gesundheitssystem, kroatien
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