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Alltag zwischen Pfeffer und Zimt
Der Alltag in der Heuschrecke
Was unterscheidet eigentlich den Hersteller-Betrieb vom Großhandel?
Im Großhandel gibt es ein festes Verkaufsteam, das am Telefon sitzt, sowie den Einkauf für Frisch- und Trocken - alles ist routiniert, da es ein festes (zumindest Trocken-) Sortiment gibt, und auch nur nach den Verkaufszahlen wöchentlich beim Hersteller/Lieferanten eingekauft wird. Im Lager wird die Bestellung, ebenfalls routinemäßig, für feste Touren kommissioniert.
Bei einem spezialisierten Import- und Herstellerbetrieb, der so nah am landwirtschaftlichen Ursprung ist wie die Heuschrecke, sieht es anders aus. Einkauf, Verkauf und Produktion sind nicht voneinander abgegrenzt, sondern in ständiger Kommunikation, bzw. in unserer relativ kleinen Firma in Personalunion.
Unsere Produkte Bio-Gewürze, -Kräuter und -Tee können nicht routinemäßig nach Bedarf eingekauft werden, sondern werden entweder schon zur Saatzeit abgesprochen, oder kurz vor den Ernten kontraktiert, und dann in ein oder mehreren Partien abgerufen. Das bringt mit sich, dass das Lager im Spätherbst / Winter - dann ist die landwirtschaftliche Ware in der Regel fertig aufbereitet (getrocknet, geschnitten, gereinigt) - sehr voll wird, und sich langsam bis zum Spätsommer leert.
Es muss gut geplant werden, welche Mengen man für welche Kundengruppen und Stammkunden benötigt, und mit Überraschungen muss immer wieder gerechnet werden: die Ware kann bis zur Ernte durch ungünstige Wetterbedingungen (jetzt zunehmend durch den Klimawandel, 2010 war es sehr stark spürbar) zerstört werden, oder ganze Partien Gewürze aus bestimmten Ländern (Türkei, Ägypten, China, Indien) fallen aus, da sie sich bei der unumgänglichen Analytik durch ein (BNN-empfohlenes) Labor als pestizidbelastet herausstellen. Und fehlen dann auf dem Biomarkt.
Im Einkauf arbeiten wir bevorzugt mit Einzelbauern (wo es geht, regional) und mit Kleinbauernprojekten zusammen. Wir verwalten also kleinere Chargen, haben u.U. mit unserer Einkaufspolitik, die langfristig, fair und nachhaltig angelegt ist, einen höheren Organisationsbedarf, höhere Kosten und auch ein höheres Preisniveau (da wir auch gerne jeweils höhere Qualitäten auswählen), als Firmen, die nur bei Plantagen, Agro-Großbetrieben oder Aufkäufern einkaufen.
Alle diffizileren Anfragen und Großmengen-Bestellungen gehen letztendlich noch einmal über den Tisch desjenigen, der einkauft. Nur so können wir (abseits von Überraschungen) gewährleisten, dass wir selber das ganze Jahr Ware für unsere eigene Produktion haben, und auch die 10 - 1000-Kilomengen-Kunden bedienen.
Wir verkaufen Gewürze, Kräuter und Tee (100% Bio-Sortiment) einmal als lose Ware an Verarbeiterkunden, Naturkosthersteller und Kräuterspezialisten, und zum anderen abgepackt unter der Marke Heuschrecke an Naturkost-Großhandel und -Fachgeschäfte. Für einige Verarbeiterkunden stellen wir direkt exklusive Gewürzmischungen her, z.B. für Ketchup, Brotaufstriche, Saucen oder Käse. Andere Kunden brauchen Gewürze oder Kräuter in speziellen Mahlgraden oder Schnittgrößen, die wir dann in unserer Produktion auf Bestellung anfertigen. Bei einigen Aufträgen wird nur nach Preis eingekauft - wir freuen uns mehr über die Stammkunden, die anspruchsvoller sind, mehr ausgeben, und erwarten, dass Kräuter und Gewürze aromatisch sind.
Bei uns arbeiten wenige Personen im Büro, die aber alle Stränge vom Einkauf über die Produktion bis zum Verkauf / Marketing / Buchhaltung und Controlling in der Hand halten. Der größere Anteil des Heuschrecke-Teams arbeitet in der Produktion. Eine Gruppe Herren stellt Gewürze und Kräuter für unsere eigenen Mischungen zusammen, mahlt und mischt, und kommissioniert die Sackware für unsere Verarbeiterkunden. Übrigens sind wir einer der nur noch wenigen Gewürzhersteller, die im eigenen Haus selber mahlen und mischen. Vieles ist üblicherweise längst in Großbetriebe vorgelagert.
Der Vorteil bei uns liegt auf der Hand: Qualität. Wir arbeiten in relativ kleinen Chargen nah am Verkaufstermin, sodass unsere Gewürzmischungen lange aromatisch und frisch sind. Und zermahlen die Gewürze nicht bis zum Punkt, wo ätherische Öle und Farbe verdampft sind.
Die Damen in der Produktion füllen die Ware für die Marke Heuschrecke ab (das mit Männern und Frauen ergibt sich seit 30 Jahren von alleine und ist keineswegs festgelegt). Wir sind wenig vollautomatisiert, was unserem Qualitätsanspruch entgegenkommt: so können wir z.B. die Kräuter für unsere Kräutertees möglichst grob belassen (aromaschützend), da viel von Hand abgefüllt wird (passt nicht durch Abfüllmaschinen).
Kunden, die bei uns bestellen, werden zwar schnell, aber nicht in jedem Fall kurzfristig bedient. Aus dem vorhin Erzählten wird deutlich, dass ein Einkauf wie im Großhandel - spontan anrufen und morgen erhalten - bei uns anders abläuft, und manchmal etwas Zeit braucht.
Bei Neuanfragen, die über unsere vorgeplanten Bestände hinausgehen, wird zuerst eine Marktrecherche (wir sind gut vernetzt zu diesem Zweck) gemacht, damit unsere Zusagen/Absagen/Verzögerungen seriös sind.
Gelegentlich sind wir in Produktion und Lager zur Koordinierung oder Warenverprobung unterwegs, sodass das Telefon kurzzeitig nicht besetzt ist. Auch können wir viele Fragen nicht spontan am Telefon schon beantworten, z.B. ob dieses oder jenes in gewünschter Menge zum bestimmten Termin verfügbar ist. Bei Marktknappheit kann eine Recherche und Beantwortung auch mehrere Tage dauern.
Oder wir telefonieren bereits auf 2 oder drei Leitungen, aber auf den drei anderen Leitungen klingelt es auch noch .... 
Deshalb hören Sie jetzt manchmal unseren Anrufbeantworter, der sie bittet, alternativ schriftlich anzufragen, per Fax oder Email. Telefonisch komplexe oder lange Listen zu klären ist nicht immer sinnvoll.
Bestellungen und auch Angebots-Anfragen - für eine bessere Verbindlichkeit und zur Vermeidung von Missverständnissen bitte auch immer schriftlich per Fax oder Mail senden, mit komplettem Absender. Dadurch helfen Sie uns, unsere Abläufe effizient zu gestalten. Nur mit einer optimierten Organisation können wir unser anspruchsvolles Spezialsortiment erhalten, und unsere handwerkliche Produktion in hoher Qualität weiterführen.
Im Moment bereiten wir uns auf die weltgrößte Bio-Messe vor - die BioFach in Nürnberg Mitte Februar.
Das heißt: die neuen Produkte fertigstellen, Etiketten und Infos drucken, die neue Preisliste 2011 noch vorher schnell versenden - und den Messestand packen. Ein Haufen Arbeit in dieser Zeit. Für ein paar Tage in geschäftiger, aber auch festlicher Atmosphäre: hier stellen wir aus für unsere Kunden, aber werden auch einen Großteil unserer Lieferanten aus allen Erdteilen wiedersehen. Auf diese Vernetzung von Menschen an diesem Knotenpunkt, mit all seinen Möglichkeiten, - konspirativ, humorvoll, freundschaftlich -, freuen wir uns.
Heinz-Dieter Gasper und Ursula Stübner
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