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Gastbeitrag
10.11.2010
12:38

Ohrenkuss: Du bist ein Mensch

"Lassen sie ihre schlechte Stimmung baden gehen."

Ohrenkuss ...da rein, da raus
Das Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom, unter der Leitung von Herausgeberin Dr. Katja de Bragança. Ein einzigartiges und vielfach prämiertes Projekt der downtown - Werkstatt für Kultur und Wissenschaft. Die Ohrenkuss-AutorInnen bloggen einmal im Monat bei uns zu aktuellen Themen.
Wir stellen diesmal Kostproben aus dem gerade erschienenen Ohrenkuss-Magazin No.25 (Okt.2010) "Du bist ein Mensch" vor. Die Fotos stammen ebenfalls aus dieser Ausgabe - eine kleine Auswahl der tollen Performance-Fotos aus dem Bonner Kunstmuseum.
 


Einleitung:  Wer hat eigentlich die Ohrenkuss-Redaktion für diese Ausgabe inspiriert?

Von Dr. Katja de Bragança, Chefredaktion und dem OHRENKUSS-Team


Die Fotografin Öffnet externen Link in neuem FensterBritt Schilling hatte spontan Zeit und kam nach Bonn, das Licht passte, es wurden zuvor schnell einige Herrenschlafanzüge gekauft und dann bekamen wir Einlass in das Kunstmuseum Bonn. Der phantastische weiße Raum mit den klaren Wünschen des Künstlers Erwin Wurm: Bitte sich auf den Boden legen und die grünen Tennisbälle unter den Körper legen, bitte hinstellen mit dieser Tasche auf dem Kopf, bitte mit den Gummibändern die Nationalhymne musizieren, bitte diesen Karton mit dem Bauch elegant an die Wand schieben, bitte auch noch den Kopf aufs Rollbrett legen und mit ihm auch noch eine WC-Ente balancieren und dabei an die Verdauung denken...
Öffnet externen Link in neuem FensterErwin Wurm / Liquid Reality / Ausstellung im Kunstmuseum Bonn 25.3. - 6.6.2010.
* * *





Du bist ein Mensch - ohrenkuss-Ausgabe No 25   Okt. 2010





002 // Angela Fritzen, selbst mit der Hand geschrieben

Ohrenkuss Autor Michael Häger in einer Skulptur des Künstlers Erwin Wurm, Ausstellung Liquid Reality, Kunstmuseum Bonn 2010, Foto: Britt SchillingLassen sie ihre schlechte Stimmung baden gehen. Haben wir alle schon einmal Gelebt? Down-Syndrom 21 zu haben. Es Gibt Keine Wissen schaftlichen Beweise dafür, dass wir schon einmal gelebt haben. Trotz dem glauben viele Menschen an eine Wiedergeburt kommen sie mit auf eine Abenteuerreise in die Vergangenheit.




003 // Lars Breidenbach, diktiert

Viel Nahrung ist wichtig (zum) Wachsen, Essen, Trinken. Immer größer, immer älter.  Aber noch jung, ist immer noch Kind. Erst Schulkind, gibt auch Schultüte. Später Jugendliche, dann Erwachsene, bin erwachsene, junge Mann. Tante Hildegard sagt immer: "Na, junge Mann!?" Dann sage ich: "Das (Kompliment) geht runter wie Öl, das höre ich gerne." Aber Kind bleibt auch Kind, immer Kind. Tochter bleibt Tochter, Sohn bleibt Sohn. Bruder ist Bruder, Schwester ist Schwester, bleibt auch immer Schwester. Cousine ist Cousine, Cousin ist Cousin, Großcousin ist Großcousin und Leben geht weiter, sage ich.



Ohrenkuss Autor Michael Häger neben einer Skulptur des Künstlers Erwin Wurm, Ausstellung Liquid Reality, Kunstmuseum Bonn 2010, Foto: Britt Schilling006 // Verena Elisabeth Turin, selbst in einer eMail geschrieben

Du bist ein Mensch, weil wir ganz verschiedene Meinungen und Grenzen und Gefühle und Freunde haben. Manchmal sind wir auch streng, gerecht. Menschen können auch kochen, Essen, Trinken, Schwimmen, Reden, Freundschaft schliessen und Zeit haben. Und sie können auch arbeiten gehen Auto fahren und Zugfahren, lesen, schreiben, Rechnen, zuhören.



009 // Martin Weser, diktiert

Die Menschen leben alleine. Die können alles. Die können kochen, putzen, Wäsche machen, Geld abholen bei Sparkasse. Wir können
alles, das ist perfekt! Es gibt Leute, die das machen können. Die wohnen mit seinen Eltern zusammen. Und wir haben Down-Syndrom, dass wir nicht alles können: Auto fahren, Sparkasse zu gehen, Geld zu holen, Steuererklärung.
Die Miete bezahlen kann ich nicht. Zum Beispiel nicht ganz alleine mit dem Zug fahren und jemanden muss dabei sein. Flugzeug alleine zu fliegen, das können wir nicht alleine zu erreichen. Ich wollte mal alleine machen, klappt nicht.Ohrenkuss Autorin Marley Thelen in der Ausstellung Liquid Reality des Künstlers Erwin Wurm, Kunstmuseum Bonn 2010, Foto: Britt Schilling



010 // Kaylynn, diktiert

Wut: Ich bin wütend, puderrot vor Wut! Ich bin wütend, weil es immer Streit gibt! Ich bin wütend, dass ich eine Reaktion von außen bin! Ich bin wütend, weil ich immer schlecht abgestempelt werde! Ich bin wütend, dass ich nie was recht machen kann! Ich bin wütend, dass ich immer schlecht träume davon! Ich wünsche mir, dass es aufhört, und dass es besser wird!



012 // Renate Schlögl, selbst mit der Hand geschrieben

Nichts. Die Menschen können Träumen, können Welt anzuschauen von überall. Die Menschen können Fliegen über eine Große Meer. Sie können Urlaub machen und auch Schwimmen und Tauchen und den Meeresgründen viele Schätze, Korallen und Fische. Alle Sterben einen Tod. Die Menschen haben gar nichts auf der Welt!



013 // Claudine Egli, diktiertOhrenkuss Autorin Marley Thelen schreibt eine Bildkritik in der Ausstellung Liquid Reality des Künstlers Erwin Wurm, Kunstmuseum Bonn 2010, Foto: Britt Schilling

Der Mensch muss Aua und Pfui sagen können. Er muss die Sterne und den Mond anschauen können. Er muss sie (die Sterne) aufnehmen. Er muss sich bewegen. Man muss mit dem Herzen suchen, sagte der klei ne Prinz. Nicht sehen mit den Augen, suchen. Der Mensch kann auch regieren. Aber das kann man nur mit dem Kopf, mit dem Gehirn. Und denken kann der Mensch auch mit dem Kopf.



014 // Veronika Hammel, diktiert

Der Hund hat nur einen Kopf, aber der kann nicht denken. Sondern zum Bellen. Wenn man Sport macht, dann muss man nicht so viel denken. Manchmal fällt mir das Denken schwer. Nicht immer. Wenn man schwierige Fragen hat. Dann muss ich in Ruhe nachdenken. Außer man muss beim Tischtennis zählen: Dann muss man denken. Man chmal geht es schwer, manchmal geht es leicht. Wenn man Probleme hat, kann man auch darüber nachdenken. Die Gedanken sind frei. Man fühlt sich gut dabei. Dass man auch was anderes machen kann, wenn man lockerer wird. Man kann sich einiges phantasieren: Man kann malen und verschiedene Farben nehmen. Oder man kann nur Musik hören. Man könnte auch schlafen.











Mehr? Am 8. Dezember werden wir hier das Ohrenkuss-Wörterbuch vorstellen, das gerade den Designpreis Deutschland 2011 gewonnen hat.



Einige Ohrenkuss-AutorInnen in einem Kölner Hinterhof. Marc Lohmann (mit Mütze), Karoline Spielberg (vorne), Susanne Kümpel (hinten mit weißer Jacke), Angela Fritzen (auf dem Zaun), Antonio Nodal (vorne), Svenja Giesler (mit der roten Jacke) und ein Gast aus Berlin.

... mongolisch ist mongolisch und klingt wie mongolisch ...

Ohrenkuss ...da rein, da raus, das Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom gibt es seit mehr als zehn Jahren.
Das Projekt ist einmalig auf der ganzen Welt und mehrfach preisgekrönt.
Es erscheint zweimal jährlich - mit jeweils einem Thema, Texten der bis zu 50 AutorInnen mit Down-Syndrom und professionellen Fotos. Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.ohrenkuss.de

Im August 2010 wurde das Bundesverdienstkreuz dafür an Gründerin Katja de Bragança verliehen - der Bericht ist hier: Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2010/08/24/ohrenkuss-verdienstkreuz-am-bande.htm

Newsletter:  Wer regelmäßig über Ohrenkuss informiert werden möchte, kann hier den Ohrenkuss-Ipeschl abonnieren: Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.ohrenkuss-ipeschl.de.

Fotos: Britt Schilling






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