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Gastbeitrag
13.10.2010
15:04

Ohrenkuss: Unsichtbar

Genauer Hinhören!

Titelseite des aktuellen Ohrenkuss-Heftes Ohrenkuss-Konzeption und Gestaltung: Maya Hässig, Köln, www.lux72.de 

Ohrenkuss ...da rein, da raus
Das Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom, unter der Leitung von Herausgeberin Dr. Katja de Bragança. Ein einzigartiges und vielfach prämiertes Projekt der downtown - Werkstatt für Kultur und Wissenschaft. Die Ohrenkuss-AutorInnen bloggen einmal im Monat bei uns zu aktuellen Themen.

Bevor jetzt Ende Oktober schon die neue Ohrenkuss-Ausgabe erscheint (diese werden wir im November vorstellen), haben wir, die Heuschrecke, uns noch einmal die schönsten Texte aus dem aktuellen Magazin "Unsichtbar" gewünscht.

Wir haben Ohrenkuss natürlich abonniert, und dann liegt sie bei uns am Küchentisch, wo wir beim Frühstück darin schmökern. Unsere Auswahl zeigt leichte, poetische, verspielte, humorvolle, berührende, träumerische und furiose Texte der Ohrenkuss-AutorInnen.

Die Texte bleiben immer so, wie sie von den AutorInnen diktiert oder geschrieben wurden, ohne Korrekturen oder Veränderungen. Die Fotos zeigen Szenen bei der Herstellung einer Ohrenkuss-Ausgabe.








GENAUER HINHÖREN
Verena Elisabeth Turin, handgeschrieben


Bitte schließt euere Augen zu.
Und hört das Meerrauschen genauer zu.
Und auch den Wind der die Palmen herumwirbelte.
Oder ein sehr schöner Stein der von einem Menschen ins Wasser geworfen wird.
Auch wenn eine sehr große Welle von einem Stein erfasst wird und plätscherd.





Die Ohrenkuss-Redaktionssitzung findet alle 14 Tage statt. Von links nachs rechts: Angela Fritzen, Svenja Giesler und Marc Lohmann, Ohrenkuss-Autoren. Foto (c) Luke Golobitsh, Bonn
MÖGLICHKEITEN DES UNSICHTBAREN
Björn Langenfeld, diktiert

Wenn ich denke und mir was wünsche, ist es unsichtbar.
Verstecken hinter einem Vorhang.
Gas und Luft ist unsichtbar, weil man es nicht sieht.








VERSTECKEN UM ZU ÜBERLEBEN
Mandy Kammeier, am Computer geschrieben

In einem Haus in Amstadam hinter einem alten Akten Schrank zu drehen stand ich plötzlich Mitten drin in Annes versteck. 2 Jahre war sie unsichtbar für alle und die Nazies. Anne schrieb in ihren Tage buch. Sehnsüchte ihre Gefühle und ihre Ängste. Ihr Tagebuch macht sie sichtbar. Ich möchte Anne noch mal verstecken damit sie überleben kann. Der Dachboden war im Hinterhaus. Nicht gut genug sie wurde entdeckt. Und nach kz gebracht nach Bergen Belsen. Sie starb 1945 an typus. Ich bin traurig.





Michael Häger, Ohrenkuss-Teammitglied, betrachtet einen Text auf dem Bildschirm Die Vorstellung, dass die eigenen Texte auf der
DIE TRUHE
Verena Günnel, diktiert

Ich habe eine Truhe, dann mache ich den Deckel auf und das Papier an die Seite.
Dann hole ich eine Katze heraus.
Dann streichel ich meine Katze erst mal.
Dann tue ich sie wieder hinein, mache zu und dann wird die Truhe wieder versteckt.
Die darf niemand finden, nur ich.






WARTEN IM VERSTECK
Josefine Wöhler, am Computer mit Unterstützung geschrieben

HOCH TURM
VERSTECKT, GANZ KLEIN
LEISE - DANN GELACHT
GEWARTRT AUF ANNA
NICHT GEKOMMEN
GERUTSCHT UND ZU SPÄT
ZUM UNTERRICHT
GEKOMMEN






FABELHAFT UND RÄTSELHAFT
Nora Fiedler, diktiert

Die unsichtbare Göttin von mir kann tanzen.
Ohne Knochen. Ihre Bewegung fabelhaft und rätselhaft in einem gleichmäßigen Rhythmus.

 

 

 

 


Das Bildmaterial für das nächste Heft wird gemeinsam gesichtet. Die Ohrenkuss-Redakteure Angela Fritzen, Svenja Giesler und Antonio Nodal bei der Arbeit. Foto (c) Herby Sachs www.sachs-foto.de
SICHTBARE UND UNSICHTBARE GEFÜHLE
Angela Fritzen, diktiert

Du bist ernst geworden.
Die Ernst ist lila, weil es in lila ist.
Die Angst ist mit dem Herzen.
Die Angst ist mit den roten Farben: Es ist dunkelrot, wie das Blut.
Die Angst ist mit Gefühl: Finde ich scheiße, die Angst zu haben.
Ich ärgere mich da dran, ich weiß es nicht wie.
Die Farbe von Ärger ist schwarz.
Die Lust ist gelb, weil es so gelb ist.
Lust ist mit viel Power denn zu haben und auch merken zu lassen.
Die Laune ist pink. Du hast gute Laune.
Ernst: der Esel ist grau.
Der Ernst versteckt sich hinter den Buchstaben.
Die Angst ist wie die Schlange, weil die Schlange Angst hat vor der Menschen, wenn einer ärgert.
Die Angst versteckt sich hinter dem Gebüsch.
Die Schlange kriecht sich unter dem Gras im Grünen.
Ich verstecke die Ärger hinter dem Bühne.
Ärger ist wie eine Raubkatze, weil die Raubkatze so ärgerlich ist.
Die Lust hat die Affen, weil die Affen so lustig sind.
Die Lust versteckt sich hinter die Gardine.
Die Affen kraulen sich in den Haaren, hinter die Gardine.
Die Angst hängt mit dem Herzen dran, weil der Angst rot ist, wie das Blut.
Das muss laufen und das ist unsichtbar.
Ärger fühlt sich wie eingeengt in dem Körper.
Die Gefühle versteckt sich hinter dem ganzen Körper.
Die Gefühle sind groß und klein.
...hinter meinem Aussehen.
Dass wir das Down-Syndrom haben.
Das ist mein Gefühl.
Das ist über die Ärger.







Einige Ohrenkuss-AutorInnen in einem Kölner Hinterhof. Marc Lohmann (mit Mütze), Karoline Spielberg (vorne), Susanne Kümpel (hinten mit weißer Jacke), Angela Fritzen (auf dem Zaun), Antonio Nodal (vorne), Svenja Giesler (mit der roten Jacke) und ein Gast aus Berlin.

... mongolisch ist mongolisch und klingt wie mongolisch ...

Ohrenkuss ...da rein, da raus, das Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom gibt es seit mehr als zehn Jahren.
Das Projekt ist einmalig auf der ganzen Welt und mehrfach preisgekrönt.
Es erscheint zweimal jährlich - mit jeweils einem Thema, Texten der bis zu 50 AutorInnen mit Down-Syndrom und professionellen Fotos. Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.ohrenkuss.de

Im August 2010 wurde das Bundesverdienstkreuz dafür an Gründerin Katja de Bragança verliehen - der Bericht ist hier: Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://www.heuschrecke.com/blog/blog-post/2010/08/24/ohrenkuss-verdienstkreuz-am-bande.htm

Newsletter:
Wer regelmäßig über Ohrenkuss informiert werden möchte, kann hier den Ohrenkuss-Ipeschl abonnieren: Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.ohrenkuss-ipeschl.de.

Fotos: Der Quellennachweis ist bei jedem Fotos im Text hinterlegt (Cursor auf das Foto stellen)

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  • 1 Kommentar(e)
  •  
Inger Detlefsen
18.10.2010
18:30

Neu

Ich kenne alle Texte in der "unsichtbar"-Ausgabe, und doch klingen sie hier in diesem blog, in dieser Auswahl, wieder neu - und grandios!
"Die Angst versteckt sich hinter dem Gebüsch" - ja, der Gedanke ist neu, dass es meine Angst ist, die sich dort versteckt, und nicht der "schwarze Mann". Dann könnte ich sie ja auch dort sitzen lassen und meiner Wege gehen, ooder?

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