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Heiliger des Monats August: Friedrich Spee

7. August: Friedrich Spee

Schöne Geschichten für das Unterbewusstsein bzw. die archaische Psyche. Das katholische Christentum und insbesondere der rheinische Katholizismus bietet mit seinen unzähligen Heiligen einen ähnlich guten spirituellen Service wie unser altes Kelten- und Germanentum (zum großen Teil wurden deren (Natur-) Gottheiten dem spröden Monotheismus zunutze gemacht).  

 


Festtag: 07. August

Patron der Dichter, der politischen Journalisten und Sachbuchautoren, der unschuldig Verfolgten, der Gefangenen, von Amnesty International


Nun, es sei gleich zu Beginn gestanden, das obige ist alles pures Wunschdenken - zu schön um wahr zu sein. Man hat manchmal das Gefühl, unsere liebe Mutter Kirche ernenne an prominenten Ordensgeistlichen alles zu Heiligen oder Seligen, was bei 3 nicht auf den Bäumen ist: aber des Jesuitenpaters Friedrich Spee hat sie sich bisher nicht angenommen. Also tun wir es hier und jetzt !



Man verbindet den Begriff "Hexe" gern mit "finsterem Mittelalter", aber im Mittelalter gab es weder "Hexenwahn" noch Folter als "Instrument der Rechtspflege". Standpunkt der Kirche war, dass es Zauberei gar nicht gäbe, dass das alles nur Einbildung und Aberglaube sei, man eingebildete Sachen aber schlecht bestrafen könne.
Die bekannten "Hexenverfolgungen" gehen erst nach dem Ende des gar nicht so finsteren Mittelalters los - für den echten Horror braucht es offenbar modernere Zeiten. Der sich von etwa 1550 bis 1700 austobende Hexenwahn hatte viele Väter. Im Kern ist er eine Volksbewegung, die sich in ihren Mechanismen gut mit dem Faschismus des 20. Jahrhunderts vergleichen lässt. Von Sozialneid und blinder Aggression gespeist, denunziert ein Nachbar den anderen - auch die Gestapo des 3. Reichs konnte ja nur einen Bruchteil der pausenlos eingehenden Petzereien bearbeiten, konnte sich vor mordlustigen Normalbürgern kaum retten.
Regelrechte Verbrecher sehen und nutzen da ihre Chance: die Oberschichten ganzer Städte (nicht nur die Frauen) werden ausgerottet, das Vermögen eingezogen und unter die Kumpane in Politik und Justiz verteilt - und die Unis nicht zu vergessen ! Denn dort verdienen sich die Herren Professoren eine goldene Nase an unsinnigen Rechtgutachten zu den abgekarteten Prozessen.
In diesem Sinne treibt es Anfang des 17. Jahrhunderts auch der Würzburger Bischof als weltlicher Herr seines Ländchens - und hier kommt Pater Friedrich ins Spiel.

 


Friedrich Spee ist ein Rheinländer aus der Düsseldorfer Umgebung, 1591 in eine durchaus betuchte Adelsfamilie hineingeboren. Gegen den Willen der Eltern wird er mit 19 Jahren Jesuit (statt Beamter oder Militär), er hat Ideale, träumt davon in Indien die Botschaft der Liebe zu verbreiten und ist zudem einer der besten Dichter seines Jahrhunderts (viele seiner Lieder werden heute noch gesungen).



Wohl in Würzburg ist es, wo der junge, hochtalentierte Pater verurteilten "Hexen" die Beichte abzunehmen hat - und dabei zu der klaren Überzeugung kommt, dass hier Unschuldige hingerichtet werden, denen man mit Hilfe der Folter völlig irre Geständnisse abgerungen hat. Er ist entsetzt und schreibt sich sein Entsetzen von der Seele: "Rechtliches Bedenken wegen der Hexenprozesse - Cautio Criminalis", nennt er sein Buch, das 1631 erscheint und die Praxis der erfolterten Geständnisse ad absurdum führt.


Diese Breitseite nehmen ihm insbesondere die hochgestellten Nutznießer dieser sehr einträglichen, reichsweit wohlorganisierten Kriminalität übel. Man will ihn so schnell wie möglich tot sehen, trotz anonymen Erscheinens des Buches kennt und hetzt man ihn bald, das Netz zieht sich zu. Der Orden "versteckt" seinen mutigsten Priester im Kriegsgebiet, im umkämpften Trier (30jähriger Krieg ...) - wo er sich bei der Pflege verwundeter Soldaten die Pest holt und am 07. August 1635 stirbt, erst 44 Jahre alt.



Sein Grab wurde vor wenigen Jahren wiedergefunden, man kann es in Trier in der Jesuitenkirche besuchen und einem Vorbild aller Aufrechten seine Referenz erweisen: einem Streiter für die Menschlichkeit, für die Schwachen und Verratenen, einem echten Helden - und ganz ganz sicher einem Heiligen, auch wenn Rom ( Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://www.vatican.va/roman_curia/congregations/csaints/index_ge.htm ) das noch nicht bemerkt hat.

 

 




Unser Geschichtenerzähler   Peter Kirwel

Peter Kirwel

macht hauptberuflich den Vertrieb bei Öffnet externen Link in neuem   FensterViana/Tofutown.com, und hält nebenberuflich die traditionellen katholischen Prozessionsbräuche (die eigentlich die ganz alten Kulte fortführen) in seinem Eifeldorf am Laufen, auch eine Punkzeit soll es gegeben haben.



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