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Gastbeitrag
09.06.2010
09:27

Ohrenkuss: Sportreportage

Hallo meine Damen und Herren von der Heuschrecke, jetzt kommt die Sportreportage!

Ohrenkuss ...da rein, da raus
Das Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom. Ein Projekt der downtown - Werkstatt für Kultur und Wissenschaft. Die Ohrenkuss-AutorInnen unter Leitung der Herausgeberin Dr. Katja de Bragança bloggen einmal im Monat bei uns. Weitere Infos zu Ohrenkuss, Newsletter, Abo-Möglichkeit: siehe unten. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen des Sport-Beitrags, pünktlich zur Fußballweltmeisterschaft.

 

 

Ohrenkuss-Sportreportage: Boxhandschuhe 

Viele Menschen mit Down-Syndrom machen sehr gerne Sport, alleine und auch mit anderen zusammen. Einige sind im Sportverein und manche gehen regelmäßig ins Fitnessstudio zu Bauch-Beine-Po. Tanzen und Fußball (selber machen oder von der Couch aus) ist natürlich auch sehr beliebt.
Passend zur bald hoffentlich sportfreundlicheren Jahreszeit lesen Sie  nun sportliche und hoffentlich auch inspirierende Beiträge der Ohrenkuss AutorInnen. Sie sehen, dass sie sich (mal wieder) eigentlich gar nicht von Menschen ohne Down-Syndrom unterscheiden...


Tobias Wolf (30 Jahre alt, der Ohrenkuss US-Korrespondent) diktiert den folgenden Text:


Hallo meine Damen und Herren von der Heuschrecke, jetzt kommt die Sportreportage!
Noch vor der Kindergartenzeit war ich im "Mutter- und Kind-Turnen" und das hat mir viel Spaß gemacht. Jetzt bin ich dort beim Tischtennis. Ich trainiere mittwochs und freitags. Ich habe gelernt wie Vorhand und Rückhand und wie man den Schläger richtig hält. Das war mir nicht anstrengend, aber ich kam ins Schwitzen, weil ich die Jacke angelassen hatte. Nächstes Mal probier ich es ohne Jacke nur mit Poloshirt. Ich habe Turnschuhe gebraucht mit heller Sohle.
Und jetzt der Sport aus der High School: dort habe ich weight lifting gemacht mit einem ganz bestimmten Gerät, wo ich mit beiden Füssen treten musste, strampeln, so ähnlich wie auf einem Fahrrad. Damit habe ich gute Figur gemacht, für mein Bauch war das sehr gut und auch zum Abnehmen.
Und in der High School hatte ich auch Golf-Unterricht gehabt. Da habe ich gelernt, wie man Golf spielt. Da braucht man verschiedene Golfschläger und Golfbälle. Ab und zu habe ich auch mit meinem Papa und mit seinen Kollegen Golf gespielt. Ganz zum Schluss, als wir fertig waren, habe ich Pommes und Hotdogs gegessen.
Jedes Jahr im Winter gehe ich immer zum Skifahren. In diesem Jahr habe ich beim Abschlussrennen den vierten Platz gekriegt mit einer Urkunde. Mir macht das Skifahren Spaß, weil ich das jedes Jahr so machen kann.
Sport ist wichtig, um gesund zu bleiben!
 Das war die Sportreportage. Tschüss bis bald.
Viele Grüße von Tobias





Die Kollegin Hermine Fraas (54 Jahre) aus Ilmenau aus Weimar hat andere sportliche Vorlieben. Sie tippt beherzt ihren Kommentar  in den Computer:

Sport ist Mord? Nee, nur Leistungssport ist Mord. Da war doch in Kanada schon einer tot ehe es losging.
Sportschau: Da war ich als Kind immer am Mittwoch bei Tante Liesel. Die hatte einen Fernseher wir noch lange nicht. Da guckte ich Fußball und schrie ganz laut Tor. Da fiel Tante Liesel fast von Sessel. Und dann gab es am Abend noch Bratkartoffeln und Quark. Das hat geschmeckt kann ich Dir sagen. Da bin ich im Winter mit dem Schlitten hingefahren und im Sommer mit dem Roller.
Was ich jetzt gern sehe? Skisport und Biatlon
Bloß kein Sport? Das sage ich nicht. Ich mache jeden Tag Hometräner. Da achten die im Haus Daniela schon drauf. Ich muss nämlich auf meine Figur achten. Das ist Mist. Aber ich will ja nicht so fett werden wie manche in der Werkstatt.
Tolle Sportart: Ich bin gern geschwommen auch im Tiefen und lange. Dann hat mich der Axel ins Wasser geschmissen. Seitdem habe ich Angst.
Wasserball habe ich gern an der See gespielt.
Fußball haben wir oft im Garten träniert.
Wenn Boccia eine Sportart ist kann ich sagen da war ich immer Klasse. Ich hatte Zielwaser.
Und bald hätte ich vergessen, dass ich bis zu meinem 40. Skigelaufen. Jetzt habe ich Angst vorm Hinfallen. Ich werde ja auch schon 55 Jahre alt. Wir sind in den Winterferien um den Ganzen Lindenberg gelaufen. Das dauert 2 Stunden. Und auf der Apfelwiese habe ich Abfahrt gelernt.

 


 
Ohrenkuss-Sportreportage: Anna-Maria Schomburg schwimmt
Anna-Maria Schomburg (28 Jahre, selbst mit der Hand geschrieben) äußert sich zu den verschiedenen Sportarten:

Es gibt unterschiedliche Sportarten und ich mache unterschiedlichen Sport sehr gerne!
Ich gehe oft auf den Crosstrainer in unserem Schlafzimmer und wir machen auch zusammen Sport wie z.B. Yoga und Sonnengruß und Übungen mit dem Theraband! Ich walke und jogge gerne um unser Viertel und viele Spaziergänge mit unserem Hund und wir gehen zum Schwimmen und üben das Streckenschwimmen, das Zeitschwimmen das tauchen und das springen und Rücken- und Bauch- und Brustschwimmen mit ektativen Schwimmbewegungen!
Wir haben zwei Ponies, mit denen gehen wir spazieren und trainieren die und putzen sie und entäppeln (gemeint ist die Weidepflege), wie es gerade kommt!
Wir machen fast jeden Tag Sport un dich bin vergnügt dabei und Sport macht mir viel Freude und bringt viel Abwechslung!
Außerdem machen wir jetzt seit kurzem Übungen auf dem Trampolin mit guten ektativen  Übungen zum Gleichgewichtssinn und Schwingen und Springen und zwischendurch etwas Gymnastik!
Ich bewege mich gerne draußen und freue mich an der Natur!

 



Lars Breidenbach (34 Jahre, Text diktiert), fühlt sich immer in jedes Thema ein. Beim Schwimmen ist er z.B. ein Delfin und mehr als 30 Liegestütze bringen ihn auch nicht um:


Erste Sache: Liegestütze.
34 mal Liegestütze machen auf Sportmatte.
Ist mein Rekord, 34 oder so ungefähr
Zweite Sache: Fahrrad fahren. Ich hab blaue Dreirad, 21 Gänge. Ich hab auch Spiegel, kann man gut sehen, links und rechts. Und ich hab zwei schelle, ist auch wichtig, eine hupe und eine schelle.
Nächste Thema heißt Schwimmen: Gibt es auch, mit tauchen, bin ein Delefin, ich tauche gerne. Kann man gut sehen mit Tauchbrille. Nächste Mal mit Badkappe für mein Ohr. Muss immer aufpassen für tauchen, mag kein Wasser im Ohr, musst du frei machen, anschließend abtrocknen und anschließend Ohr sauber machen, mache ich nicht so gerne, immer fummeln,
okay, kann man mit leben.
Andere Thema heißt laufen, joggen oder walking. Schwitzen sag ich immer, bin nass geschwitzt. Draußen  oder im urlaub, einmal mit joggen, einmal mit Fahrrad, immer Wechsel, ich bin sportlich. Und hinterher duschen, dann stink ich vom Schwitzen, muss duschen.

Bewegung iss wichtig, nächste Thema Muskel(auf)bau. Muss Muskel verbauen, brauche mehr Kraft, Energie. Erst mal Muskel verbauen, warm machen, Hantel üben, auch Schnelligkeit aber nicht so viel. Nicht Stress machen, nur ein bisschen (mit) Rhythmus, schnell heißt Rhythmus wie Musik, dann ist Energie da. Dann bin ich auch fit, (kann) auch abnehmen, geht besser.
Auch wichtig für Sportende, Sport ist vorbei, dann musst du auch ausruhen, in ruhig
ruhig bleiben, nicht mehr aufregen, locker auf Hocker. Ausruhen ist auch wichtig, dann bist du richtig fit!

 


Aber es gibt auch großes Interesse an Sportarten, die nicht so häufig ausgeübt werden, z.B. das Boxen.
Kaylynn aus Hokkaido (30 Jahre) ist davon fasziniert:


Seilspringen / Schultergymnastick / Körperdrehen / Finger und arme bewegung
Für die Musketlatur / Armkreisen (Beide) / Hüfte und Ferse bewegen
Körperdrehen / Boxkampfhaltung / Lockerrung / Rechts und Links
Seilchenmarathon
Schattenboxen und schattenmatch
Boxhandschue rausholen / Jeden mit jeden boxen
Tatsen Liegestüste / Hampelmänner
Boxerring

 


Ohrenkuss-Sportreportage: Marc Lohmann boxt
Marc Lohmann (30 Jahre) ergänzt, indem er das Boxtraining ausführlicher beschreibt:

Schwer Gewicht / Hundert Stemen (stemmen)
Schnelich keit
Mit Männer Üben
Dan Arm Bewegung Und Bauch Genalstieg (Gymnastik)
Aus Türkei 42 Jahre Kei (Der Trainer heißt Kai) / Weiter mit 20 Jahre (Er boxt seit 20 Jahren)
Eine Frau 28 Jahre (Seine Frau ist 28 Jahre alt)
Gymnastieg



Johanna von Schönfeld (18 Jahre), hat die folgenden Gedanken zur Theorie und Auswirkungen des Sports selbst aufgeschrieben:

Hier kommt der text die ich ausführlich und mühevoll und mit Gedanken gearbeitet habe.
Beim Jedem Sportler oder der geschlechtbare Typ - männlich und weiblich - muss immerhin Sport getrieben werden, weil der Typliche Körper  fit und gesund stapiel Sportlich und Schauspielerisch praktisch in form in Verbindung vorstellen kann. Denn der Sport allgemein ist beim Jedem gesund.
Plötzlich alle Sportlichen und unsportlichen Typen wollen oder müssen beim Sport Schwitzen. Weil man Schwitzen muss. Anders kennt die Autorin das nicht, weil sie das gar nicht vorstellen kann. Man kann ja kaum über schwitzen in worten zu fassen und in Schwung nehmen weil man das gar nicht gesetzlich erklären kann und erkennen kann. Jeder weiß dass man beim Schwitzen eklig und Scheiße fühlt. Schwitzen heißt für mich als text Autorin eine Sportliche intensive starke dusche. Alle Sportliche Flüssigkeit duscht den gesamten Körper ab. Alle Typen nennen das eine Stinkbombe und man Stinkt Inersiv und mega Schlecht verdammt fürchterlich.

 



Aber Theorie hin oder her, es ist nicht alles so einfach.
Michaela Koenig aus Wien (34 Jahre) schreibt über die knallharten Hintergründe zum Thema und dass es auch andere (sehr pragmatische) Gründe gibt um Sport zu betreiben:


Meine Lieblingsspeise ist Spaghetti Bolognese, sie schmeckt mir leider sehr gut, ob wohl es ein Dickmacher ist. Da nimmt man leider sehr viel zu, das sind leider sehr viele Kalorien enthalten, das ist ein großer Blödsinn, warum kann man nicht auf die Kalorien pfeifen. Scheiße auf meinen niedrigen Grundumsatz. Ich möchte gerne soviele Spaghetti Bolognese, essen können ohne zu Zunehmen, warum kann man nicht soviel essen wie man will. Aber man nimmt dabei nicht zu. Das würde ich gerne wissen, manchmal muß ich auf meine Lieblingsspeise verzichten, das ist blöd und bescheuert.
Keiner verzichtet freiwillig auf eine Lieblingsspeise, auch wenn es die Michaela Koenig ist.
Wer macht das freiwillig, da mache ich doch lieber Sport, damit ich mehr davon essen kann. Da gehe ich freiwillig laufen, damit ich mehr davon essen kann, das hört sich sicher albern an, aber ich scheiße wirklich auf meinen niedrigen Grundumsatz. Der sich niemals ändern wird, mir tut es sehr weh, daran zu denken. Spaghetti Bolognese wird immer meine Lieblingsspeise bleiben, das wird sich niemals ändern. Weil es blöder weise lecker schmeckt, es schmeckt mir so gut, das ich niemals darauf verzichten könnte.



Anna-Maria Schomburg pflichtet Michaela Koenig  bei, indem sie bestätigt, dass man aufpassen soll mit dem, was man isst.
Aber ergänzend hält sie gesundes Essen auch für angebracht:


Man soll schon was essen, aber aufpassen, dass man nicht zu viel isst. Es ist gesund, wenn man Salate, Obst, Yoghurt und Gemüse isst und ungesüßte Fruchtsäfte trinkt z. B. Multi-Vitamin-Saft. Es ist aber auch gut, wenn man z. B. Fahrrad fährt, spazieren geht und sich viel draußen bewegt.
Sie meint aber auch, dass es Situationen gibt, in denen ein Mensch mehr essen sollte:
Manchmal ist etwas Zunehmen gut:
a) für Leute, die überschlank sind und nicht darauf achten, was zu essen.
b) kleine Kinder, die nicht essen wollen.
Aber sonst ist Zunehmen auch schlecht: man wird leicht davon dick, wenn man zu viel ißt und sich danach nicht bewegt man kann sich nicht mehr gut bewegen.



Abschließen möchten wir mit dem Text von Michaela Koenig mit dem schönen Titel:
Was muss ich tun das ich attaktiv aussehe!


Was muss ich tun das ich attaktiv aussehe!
In der Früh etwas leichtes essen, zum Beispiel eine Tomate und eine Tasse kalte Milch. Das wäre das Frühstück. Zu Mittag einen Frischen Gurkensalat und ein Weckerl. Das wäre das Mittagessen, für den Kindergarten natürlich. Man muß nicht nur etwas warmes essen, es genügt auch etwas kaltes zu Essen. Am Abend ein Schinkenweckerl, oder drei Käserölchen, oder einen Tomatensalat mit Tunfisch drinnen, oder Eierspeise auf zwei Toste und daneben Tunfisch. Zwischenmahlzeit: Ein nacktes Jokurt 1% Fett oder Diat Jokurt ohne Fett, zwei Tomaten. Das wäre die Zwischenmahlzeit. Zu Trinken: Viel Mineralwasser, viel Leitungswasser kalt, einen Orangensaft oder Apfelsaft gespritzt, drei Gläser am Tag verteilt Coca Cola.
Das wäre es, viel Sport machen, schwimmen, Musik mit Turnen und Slendern gehen, mehr Fittness weniger essen. Den Körper in Trapp halten, beim fernsehen oder Video schauen in Bewegung bleiben, im Stand gehen, im Stand laufen, ein Buch auf den Kopf legen. Musik einschalten, Bauch rein Brust raus, gerade stehen und dabei gehen, so wirkst du größer.

 



Das Thema Sport wurde bereits 2002 von der Ohrenkuss-Redaktion ausführlich bearbeitet.
Hier können Sie mehr dazu nachlesen:
www.ohrenkuss.de/heft/nr08/




Dr. Katja de Bragança (Herausgeberin)




Bilder mit Klickvergrößerung!

 



Einige Ohrenkuss-AutorInnen   in einem Kölner Hinterhof.

... mongolisch ist mongolisch und klingt wie mongolisch ...
Ohrenkuss ...da rein, da raus, das Magazin, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom gibt es seit mehr als zehn Jahren.
Das Projekt ist einmalig auf der ganzen Welt und mehrfach preisgekrönt.
Es erscheint zweimal jährlich - mit jeweils einem Thema, Texten der bis zu 50 AutorInnen mit Down-Syndrom und professionellen Fotos.
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Fotos: Katja de Bragança


 




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